Feminismus Es ist die Wirtschaft!

Wir brauchen einen neuen Feminismus, haben Frauen in der ZEIT gefordert. Was aber heißt das - und wer muss sich bewegen für mehr Gleichberechtigung?

Eines vorweg: Objektiv betrachtet, ging es den Frauen in Deutschland noch nie so gut wie heute. Nie – zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte – hatten sie bessere Bildungschancen, waren sie weniger geknechtet durch unumstößliche Rollenerwartungen. Natürlich ergreifen nicht alle ihre Chancen; nicht alle können sie ergreifen. Und von denen, die dazu in der Lage sind, treffen nicht alle die richtigen Lebensentscheidungen. Die neue Freiheit ist auch eine Last.

So mag es ein Gefühl von Überforderung sein, das die heftigen Reaktionen auf die eher schlichten Thesen der Ex -Tagesschau- Sprecherin Eva Herman erklärt: Immerhin 50 Prozent der Deutschen stimmen ihr darin zu, dass die Sorge für »Kinder, Familie und ein harmonisches Heim« die »wichtigste Aufgabe« von Frauen sei. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass Herman Recht hätte, wenn sie die »Doppelbelastung« mit Beruf und Kind als Ursache für fast alle Probleme moderner Mütter (und der Gesellschaft) ausmacht. Aber es deutet auf eine große Ermüdung, eine schleichende Auszehrung der Frauen hin, die unter einer Vielzahl von Rollenangeboten immer wieder eigenverantwortlich wählen müssen. Und die sich dabei alle Fehler, verpassten Gelegenheiten und gescheiterten Beziehungen selbst zuzurechnen haben – weil es nach allgemeiner Einschätzung zwar noch eiskalte Personalchefs, vorgestrige Berufsberater, beziehungsunfähige oder brutale Männer gibt, aber eben nicht mehr das Patriarchat. Keine Struktur, keine Verschwörung, die in entlastender Weise an allem schuld wäre.

Keinen eindeutigen Adressaten mithin für einen neuen Feminismus, wie ihn 15 prominente Frauen in der ZEIT vom 24. August (Nr. 35/06) angemahnt haben . Niemanden, an den eine neue Frauenbewegung, wenn es sie denn gäbe, ihre Forderungen richten könnte. Und welche Forderungen überhaupt?

Die Liste aus den Federn der ZEIT- Autorinnen reichte von einer Revision des weiblichen Schönheits- und Schlankheitsideals über mehr Intendantinnen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bis zu einer stärkeren Haushalts- und Familienbeteiligung der Männer und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Alles richtig. Alles wichtig. Alles auf unterschiedliche Weise schwierig durchzusetzen – aber keineswegs unmöglich.

Aufschlussreicher und irritierender als der facettenreiche Forderungskatalog selbst ist deshalb ein Grundgefühl, das sich durch viele der Feminismus-Texte zog: dass etwas auf dem Spiel steht. Dass die heute 40-Jährigen, die Frauen an der Schwelle zum Entscheiderinnen-Alter, sich zu lange ausgeruht haben auf den Erfolgen der Siebziger-Jahre-Aktivistinnen und dass im Schatten ihrer Trägheit reaktionäres Gedankenkraut gewuchert ist: schriller, aber unwidersprochener Sexismus auf Werbeflächen und Zeitschriftentiteln zum Beispiel. Die verbreitete Vorstellung, Dieter-Bohlen-Maus könne ein respektabler Beruf für Abiturientinnen sein. Die (un)heimlich sich ausbreitende Auffassung, für eine echte Karriere seien Frauen am Ende doch nicht hart genug.

Wie groß ist unser Anlass zur backlash- Angst wirklich? Haben wir tatsächlich heute mehr Grund, einen Emanzipationsrückschlag zu befürchten als vorletztes Jahr – oder nächsten Sommer? Das einflussreiche Buch der amerikanischen Journalistin Susan Faludi, Backlash (auf Deutsch: Die Männer schlagen zurück), erschien jedenfalls schon 1991, und spätestens seitdem ist es üblich, in gewissen Abständen eine frauenpolitische Konterrevolution zu erwarten. Verbesserungswürdige Zustände und reaktionäre Tendenzen gibt es ohne Zweifel noch genug. Und es ist sicher auch richtig, dass einmal errungene Fortschritte immer wieder verteidigt werden müssen. Nur: Wer soll das für uns machen? Der Gedanke, wir müssten vielleicht selbst etwas mehr für unsere Freiheit tun, lässt sich nicht mehr ganz mühelos zurückweisen: Das ist schwierig für eine Generation, in deren Bewusstsein sich die Wahrnehmung des Feminismus alter Prägung über die Jahre von einem freundlichen »nicht mehr nötig« hin zu einem entsetzten »peinlich und uncool« verschoben hat.

Übrigens ist das kein isolierter Vorgang. In einer Zeit, in der »die Politik« insgesamt nicht hoch im Kurs steht, da viele ihr nichts zutrauen, sie gar verachten und das Primat der Ökonomie in nahezu allen Lebensbereichen kritiklos bis freudig anerkennen, haben es Leute mit einer genuin politischen Botschaft (und nichts anderes ist eine selbstverständlichere Gleichberechtigung, sei es in Familien oder auf Vorstandsetagen) schwer. Die alte Frauenbewegung führte den Slogan »Das Private ist politisch« im Munde und wollte Bewusstsein dafür schaffen, dass Unterdrückung zu Hause nicht nur ein Privatproblem, sondern auch Ausdruck der strukturellen Gewalt in einer patriarchalischen Gesellschaft sei. Wir müssen den Spieß umdrehen: Wenn wir uns über neue Benachteiligungen im Arbeitsleben und ewige Defizite in der Partnerschaftsfähigkeit der Männer empören, können wir privat nicht so unpolitisch bleiben, wie wir es uns in den letzten 20 Jahren geleistet haben. Dann dürfen wir nicht so oft geringschätzig lachen, wenn bei Diskussionen oder Dinner-Partys das Wort Gleichberechtigung fällt. Dann müssen wir uns engagieren – gerade in den so gerne zynisch beäugten Parteien.

Gewiss gibt es auch Entschuldigungen für die 40-minus-Jährigen. Und sie erklären einen Teil unserer heutigen Schwierigkeiten. Als Kinder der großen Bildungsreform der sechziger und siebziger Jahre hatte man uns in der Schule nun wirklich alle Möglichkeiten zu Füßen gelegt. Mädchen durften, sollten, konnten alles. An den Hochschulen sah es nicht anders aus. Alle Zeichen standen auf Frauenförderung. Es gab also vergleichsweise wenig Evidenz für flächendeckende patriarchalische Unterdrückung – während die damalige Frauenbewegung und ihre Theorie, der Feminismus, schon bessere Tage gesehen hatten. Das Autonome Frauen- und Lesbenreferat an meiner Universität zum Beispiel war zufrieden, wenn an einer Hochschule mit 20000 Studierenden 14 Frauen zur Autonomen Frauenvollversammlung erschienen und dort irgendetwas beschlossen, was dann für das von allen gewählte Studentenparlament bindend sein sollte. Die FrauenLesben-Vertreterinnen predigten ein offensives politisches Lesbentum, weil Frauen sich angeblich nur so ganz von männlicher Unterdrückung befreien konnten. Das war im Alltag nur den wenigsten Studentinnen zu vermitteln.

Vielleicht sind dies extreme Erfahrungen. Mir jedenfalls schien der Feminismus der achtziger Jahre ein politisch-kulturell-ästhetisches Programm zum Weglaufen zu sein. Und offenbar ging es vielen so. Bedauerlicherweise hat der Hang zur Selbstmarginalisierung auch auf die feministische Wissenschaft abgefärbt. Mit welcher Energie, welcher Hingabe waren in den achtziger Jahren die ersten Frauenlehrstühle eingerichtet worden! Und was haben wir heute davon?

Es gibt in der Gesellschaft nur eine begrenzte Anzahl Quellen, aus denen sich Sinn und Richtung schöpfen lassen. Die Literatur und der Literaturbetrieb sollten dazugehören – und haben doch bei uns, anders als in England oder Amerika, den Frauen nur wenig anschlussfähige Stoffe und noch weniger Identifikationsfiguren zu bieten. Gefragt wären natürlich auch die Geistes- und Sozialwissenschaften. Aber wo ist das weibliche Äquivalent zu Dietrich Schwanitz, Paul Nolte, Franz Walter, Arnulf Baring, Christian Pfeiffer, das sich frech und fröhlich auch über Fachgrenzen hinweg zu allgemein- oder gar frauen politischen Themen äußert? Die feministischen Wissenschaftlerinnen blieben im Ghetto, deshalb kennt sie heute auch keiner, und niemand orientiert sich an ihnen.

Nun gibt es ja in Deutschland genug Institutionen, die eine Art Dauergespräch über die Lage der Nation in Gang halten und etwas gegen die Randständigkeit des Themas »Frauenbelange« tun könnten: Stiftungen, kirchliche Akademien, Volkshochschulen, Talkshows. Vielleicht würde es dem Diskurs zur Lage der Frauen einen ungeheuren Impuls geben, wenn die Herbert-Quandt-Stiftung in Bad Homburg einmal nicht über die Ängste der Mittelschichten diskutieren ließe – sondern über »väterfreundliche Betriebe und ihren volkswirtschaftlichen Beitrag«. Oder wenn die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sich in ganzseitigen Anzeigen Gedanken über Frauen in Unternehmensvorständen machte. Andererseits: Ich selbst bin – das einzige weibliche – Mitglied in einem Beirat, der den Bundesverband der Deutschen Banken bei der Organisation seines jährlichen gesellschaftspolitischen Forums berät. Und ich mag mir die Gesichter der übrigen Herren gar nicht vorstellen, sollte ich vorschlagen, statt Fragen wie »Modell Deutschland – wie reformfähig ist die Bundesrepublik?« einmal Themen wie »Gleichberechtigung heute – was die deutsche Wirtschaft tun muss« zu diskutieren.

Dabei wäre das eine gute Idee. Die Wirtschaft ist die Sphäre mit den meisten unerledigten Frauenanliegen, und der ungleiche Lohn, der stellenweise noch immer für dieselbe Arbeit gezahlt wird, ist nur eines davon. Anders als in der Wissenschaft, mit stetig wachsenden Promotions- und Habilitationszahlen und einer Professorinnenquote von immerhin rund zwölf Prozent, anders als in der viel gescholtenen Politik, wo es gegenwärtig eine Bundeskanzlerin, fünf Bundesministerinnen und, dank der unterschiedlichen Quotenmodelle der Parteien, jede Menge Frauen in wichtigen, öffentlich sichtbaren Funktionen gibt, lässt sich im Reich der Wirtschaft wenig positive Dynamik für Frauen entdecken. In den Vorständen der 30 größten Dax-Unternehmen ist nach wie vor nur eine einzige vertreten, im höheren Management wird der Frauenanteil auf fünf, im mittleren mit gutem Willen auf elf Prozent geschätzt. Nun macht natürlich nicht jede Frau automatisch Politik für andere Frauen, für Familienfreundlichkeit oder eine menschlichere Arbeitswelt – aber mindestens als Vorbilder fehlen sie schmerzlich, die weiblichen Führungskräfte.

Das ist insofern ein besonderes Problem, als sich die Wirtschaft in den vergangenen 15 Jahren immer mehr zur Leitsphäre der Gesellschaft aufgeschwungen hat. Politik wird nur mehr danach beurteilt, ob sie »der Wirtschaft« nützt oder schadet; der Einzelne muss sich den Flexibilitätserwartungen der Arbeitgeber anpassen, muss länger im Laden stehen, am Wochenende arbeiten, Lohnverzicht üben – oder seinen Arbeitsplatz riskieren. Wenn in dieser neuen Leitsphäre Frauen nun im Verhältnis zu fast allen anderen Subsystemen der Gesellschaft so hartnäckig und deutlich unterrepräsentiert sind, kommt das einem Rückschritt der ganzen Gesellschaft gleich.

Von der Politik konnte man lernen, dass Selbstverpflichtungen an männlichen Rekrutierungsmustern nichts Wesentliches ändern. Erst die Quote, die meiner Generation so zuwider war, weil wir glaubten, alles selbst zu schaffen, hat politische Spitzenpositionen nicht nur in Ausnahmefällen für Frauen zugänglich gemacht. Dabei wirkte am stärksten der Zwang zur steten Kontrollüberlegung: Warum gibt es für diesen Posten keine Bewerberin? Und wo bekommen wir eine her?

Was nun die Wirtschaft angeht, so wäre es durchaus vorstellbar, das Betriebsverfassungsgesetz dahingehend zu ändern, dass wenigstens in mitbestimmungspflichtigen Unternehmen die Geschäftsleitung bei jeder Stellenbesetzung dem Betriebsrat berichten muss, warum sich keine geeignete Frau auftreiben ließ. Und auch für Unternehmensvorstände und Aufsichtsräte brauchen wir eine rechtsverbindliche Regel – überlassen wir die Angelegenheit der Einsicht männlich dominierter Spitzengremien, bleibt alles beim Alten: Juristen berufen Juristen, Politologen fördern Politologen – und Männer ziehen Männer nach. Nennen wir das Ganze doch statt der dirigistisch klingenden »Quoten« einfach »Liberalisierung des Marktzuganges«. Ein Beispiel dafür ist die »asymmetrische Regulierung«, wie man sie für den Monopolisten Telekom eingeführt hat. Die Telekom muss bestimmte Netzanteile für einen begrenzten Zeitraum an kleinere Anbieter abgeben, um Wettbewerb zu gewährleisten. Analog müsste der marktbeherrschende Unternehmensvorstand (männlich) für, sagen wir, zehn Jahre auf Vorstandspostenanteile verzichten – bis die Frauen ihre eigenen Rekrutierungsnetzwerke aufgebaut haben und Wettbewerb überhaupt erst beginnen kann.

Wir müssen die Expansion des Ökonomischen in alle Bereiche der Gesellschaft noch aus einem anderen Grund im Auge behalten. Die Politik tut zurzeit – in durchaus gutem Einvernehmen mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag und Wirtschaftsverbänden – eine Menge, um Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Die Liste der Maßnahmen reicht von der Erweiterung des Krippen- und Kita-Angebots über den Ausbau der Ganztagsschulen bis zum Elterngeld als (kurzfristig angelegte) Lohnersatzleistung.

Auch wenn der Trend zur berufstätigen Mutter unumkehrbar – und im Interesse einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Mann und Frau auch alternativlos – ist, drohen doch erhebliche noch uneingepreiste soziale Kosten, wenn wir der Logik der Arbeitswelt alles andere unterordnen. Unser demografisches Problem etwa hat eine Menge damit zu tun, dass junge Leute – hier sind zunehmend auch Männer mit einem modernen Familienbild betroffen – den Erwartungsdruck aus der Wirtschaft und ihre Vorstellungen von einem guten Familienleben nicht mehr zusammenbringen. Sprich: Sie glauben, dass Kinder, trotz aller heftigen Tagesbetreuungs-Ausbau-Versprechen, auf dem Arbeitsmarkt ein zu großes Hemmnis bedeuten. Und bekommen erst gar keine. Familienpolitik muss sich hüten, in dieser Frage nur den Dienstleister für die Arbeitgeberseite zu spielen. Familien brauchen Zeit, »Freizeit«, sie sind nicht vollständig durchrationalisierbar. Betreuungsplätze sind nötig, aber ebenso wichtig ist eine Unternehmenskultur, die Privatheit überhaupt noch zulässt. Wenn sich gute Arbeitsergebnisse auch mit frühem Dienstschluss erzielen lassen, sollte das für, nicht gegen die Beschäftigten sprechen. Erreichen wir in dieser Frage keinen Mentalitätswechsel, muss eine neue Frauenbewegung womöglich in nicht allzu ferner Zukunft für das Recht der Frauen kämpfen, unter den Bedingungen der totalen Wirtschaftsgesellschaft überhaupt noch Kinder zu haben.

Um eine »asymmetrische Regulierung« für die Unternehmensvorstände durchzusetzen oder um der staatlichen Familienpolitik die richtige Richtung zu geben, muss man politisch sein. Dazu gehört fraglos sowohl die Lektüre des Politikteils der Zeitung – den immer noch deutlich weniger Frauen als Männer lesen – als auch die Arbeit in Parteien – denen immer noch weniger Frauen als Männer beitreten. Gern wird für die weibliche Zurückhaltung in dieser Frage die Entschuldigung vorgetragen, Frauen betätigten sich lieber informell, »in Projekten«. Pustekuchen! Kein Mensch verändert mit »Projekten« die harte gesetzliche Realität. Frauen sind viel gefährlicher, wenn sie in die Parteien gehen – sie brauchen, wir brauchen freilich Durchhaltevermögen. Alle Verbesserungen des Frauenlebens in den vergangenen hundert Jahren waren Folgen politischer Reformen und gesetzlicher Veränderungen: das Wahlrecht, der Hochschulzugang, das moderne Scheidungs- und Abtreibungsrecht, die Verbesserung der Kinderbetreuung, der Erziehungsurlaub, das neue Elterngeld.

Im Rahmen unserer Selbstverbesserung müssen wir also an unserem Durchhaltevermögen arbeiten, Bündnispartner suchen – und gegen unsere furchtbare Gefallsucht ankämpfen. Die frühere Chefredakteurin und Herausgeberin der ZEIT, Marion Gräfin Dönhoff – ihrerseits keine einfache Chefin für Frauen und ganz gewiss keine feministische – hat einmal gesagt, man müsse sich frei machen nicht von der Kritik, sondern vom Lob anderer Leute. Dieser Satz gilt ganz besonders für Frauen; nach ihm müssen wir die männerfixierte Software in unseren Gehirnen umprogrammieren. Immerzu wollen wir von Freunden, Kollegen und Vorgesetzten gut, nett, fleißig und natürlich schön gefunden werden. Doch Lob ist im Kampf um Gleichberechtigung nicht automatisch inbegriffen. Und eigentlich wäre es sogar eine Zumutung.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Feminismus wollte die Gleichberechtigung der Frauen und hat dabei die Reproduktionsleistungen von Frauen entwertet. Die Folgen sehen wir heute: Unsere Gesellschaft bekommt zu wenige Kinder, besonders dort, wo Frauen erfolgreich sind und Nachwuchs besonders wichtig wäre (das Evolutionsprinzip lautet eigentlich: Survival of the Fittest und nicht Survival of the Unfittest).

    Nun soll auf diesem Weg weitergemacht werden. Wieder ist die Wirtschaft das Ziel und die Weiblichkeit wird verleugnet und entwertet. Man hat die Mahnungen von Eva Herman scheinbar überhaupt nicht verstanden.

    So wird gefordert, die Arbeitszeiten zu reduzieren (noch mehr?). Die Arbeitgeber werden sich bedanken und die restlichen Arbeitsplätze auch noch wegglobalisieren. Auch sollen Managementpositionen nicht nach Leistung sondern nach Quoten besetzt werden, etwas was grundsätzlich verfassungswidrig ist, was aber viele Frauen nicht zu stören scheint.

    Sensible Männer erlangen in aller Regel auch keine Top-Management-Positionen, es sei denn, sie sind von der Leistung her überragend. Nun sollen solche Männer auch noch gegenüber weniger qualifizierten aber ellenbogenstarken Frauen zurückstecken, nur weil es Quoten gibt.

    Ferner: Ein Familienvater mit 3 Kindern ist in unserer Gesellschaft heute gegenüber einer kinderlosen Frau massiv benachteiligt. Wie wäre es, zunächst einmal hier Gleichberechtigung zu fordern. Den Familienvater vorzuziehen und nicht die kinderlose Frau??? Bzw. generell erst einmal an der Gleichstellung von Familien gegenüber Kinderlosen zu arbeiten?

    Aber mit Gleichberechtigung haben es ja die Feministinnen nicht, sie wollen primär ihren persönlichen Vorteil. Sie sehen es als ihr Recht an, ihren persönlichen Erfolg mit unlauteren Mitteln durchzusetzen, in dem sie z. B. Familienväter (= Männer) als privilegiert und "Nur-Hausfrauen" als blöd und unemanzipiert hinstellen.

    Auch beanspruchen sie für sich ganz selbstverständlich Sonderrechte, da wo Unterschiede sonst offenkundig würden oder die Gleichberechtigung gar von Nachteil wäre:

    - Wo ist die Quotenregelung bei der Müllabfuhr?
    - Warum dürfen Frauen im Profi-Sport genauso viel verdienen wie Männer, obwohl sie erkennbar die schwächere Leistung erbringen (von der Leichtathletik über Tennis bis zum Schach)? Warum hat der Feminismus nicht längst gefordert, den Frauensport komplett abzuschaffen und nur noch Menschen gegen Menschen antreten zu lassen, weil wir ja alle so furchtbar gleich sind und uns nur ein kleines Zipferlein trennt?

    Nun wird also längst anderswo (meist von Männern) darüber nachgedacht, Familienarbeit aufzuwerten und vor allem qualifizierten Frauen auch ökonomisch interessante Alternativen im reproduktiven Bereich zu bieten. Das Mantra des Feminismus war: Frauen in die Produktion. Dabei wurde die gesellschaftliche Reproduktion völlig entwertet. Nun geht es darum, hier wieder gegenzusteuern und den reproduktiven Bereich aufzuwerten. Es ist deshalb nicht die Wirtschaft meine Damen, sondern die gesellschaftliche Reproduktion!

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  2. Es ist mutig von Frau Gaschke, die eigene Situation einzubeziehen. Sie denkt nach über ein Tagungsthema für den Bundesvorstand der Deutschen Banken: Gleichberechtigung heute - was die deutsche Wirtschaft tun muss.

    Die Deutsche Wirtschaft, die Deutschen Banken tun mehr als genug gegen Kinder. Nie ausgesprochen: Aber von mehr als einer Frau um 30 habe ich schon gehört:" Am besten würde ich den Bewerbungsunterlagen eine Bestätigung meiner Sterilisation beifügen." Kinder für die künftige Rente will jeder haben - aber doch bitte nicht von unserer neuen Kollegin!
    Auch diese Verunsicherung bis ins mittlere Management, die ständige Botschaft: "Sie sind ersetzbar" schafft kein Klima, in dem Kinder willkommen sind.

    Solche Themen gehören "natürlich" nicht auf die Jahrestagung. Abend, beim Stammtisch, tauchen sie dann unausweichlich doch auf: Wo soll es weiter gehen in Deutschland? Wer soll in 20 Jahren die Arbeit machen? Millionen Zuwanderer aus dem arabischen Raum - Das wollen wir nicht. Werber ins christliche Lateinamerika schicken, so wie es im Mittelalter gebräuchlich war? Mal schaun, wann die ersten Botschaften im Internet auftauchen werden. Oder wählen wir den erfolgreichen französischen Weg, entscheiden uns für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Karriere?

    Die Deutsche Wirtschaft soll sich endlich einmal den Konsequenzen ihres Handels und ihres Stils stellen. Ich möchte Frau Gaschke ermutigen: Schlagen Sie - gut begründet - genau dieses Thema vor.

    Stefan Starke
    Friedrichshafen

    P.S. Das ist ein Leserbrief, kein persönlicher Brief an die Autorin

  3. Es ist faszinierend was für nette Maßnahmen Sie sich überlegen, um Frauen in Posten zu bringen, die sie vielleicht gar nicht wollen. Das ist chauvinistisch? Nun, diese These ist genauso spekulativ wie die, dass sie unbedingt da hinsollten. Was ich an dem Artikel aber gerade zu amüsant finde, ist das offene Eingestehen, dass der Grund für das Ausbleiben von Frauen in Chefetagen schwer zu definieren ist. Sie klagen darüber, dass es kein klares Feindbild gibt, um das sich der neue Feminismus scharen könnte? Ich stimme zu, das gibt es nicht. Auch die Rekrutierungsnetzwerke der Männer können das nicht sein, vor allem da Frauen doch im Allgemeinen viel kommunikativer sind; oder etwa nicht?
    Amüsant finde ich dann aber das Aufzählen von Maßnahmen, wenn der Grund des "Problems" doch gar nicht bekannt ist. Ich freue mich schon darauf, wenn ich demnächst zum Arzt gehe, er mir sagt, dass er nicht genau weiß, weshalb mein Knie schmerzt, aber folgende Maßnahmen vorschlägt: Pflaster, Verband, Salbe, Gips, Amputation.
    Also bitte liefern Sie uns Männern ein Feindbild, damit wir wenigstens wissen, warum die Frauen wieder einen "clash of gender" anzetteln wollen.
    Vielleicht sollten sie mal mit Frau Ritzkova(eine von den 15 befragten Frauen) sprechen oder mit Frauen im Ausland. Dort scheinen mir die Frauen wesentlich lockerer und weniger aggressiv, sowie gleichzeitig weniger hilflos mit der Situation umzugehen.

    • RobR
    • 16.09.2006 um 19:27 Uhr

    Es wir langsam Zeit die Benachteiligung der Männer anzugehen! Schon kleine Jungen haben es in der Schule schwer, bekommen schlechtere Noten, sind am Gymnasien unterrepräsentiert und an Sonderschulen die Mehrheit. Männer müssen zur Bundeswehr, während Frauen an ihre Karriere arbeiten können. Männer müssen Arbeiten, während Frauen oftmals zwischen Kind und Karriere wählen können. Last bur not least: Männer haben eine um viele Jahre kürzere Lebenserwartung.
    Da stellt sich doch die Frage, wer hier jetzt benachteiligt ist...

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  4. Frau Gaschke macht mir Angst. In Deutschland gibt es wohl schon jetzt am meisten Mitbestimmung, Regulierung, Bürokratie, etc.... Wenn jetzt auch noch geschlechsspezifische Personalauswahl in der Wirtschaft kommt und Quoten über Leistungsfähigkeit gesetzt wird, geht es uns allen bald schlechter. Bei so viel Eimischung habe ich wirklich bedenken, ob ich meinen Arbeitsplatz noch länger behalte. Da fängt man wirklich an Globalisierung als Chance zu begreifen. Wettbewerb tut gut und bringt Aufschwung für alle. Selbstbewußte Frauen haben sicherlich keine Angst davor. Was sollen wir also mit einer Umverteilung von Arbeitsplätzen nach Geschlecht?

  5. "Dieser Staat garantiert seinen Bürgern weitgehende Freiheiten, und indem er das tut, schließt er für sich selbst den Zugriff auf effektive (wenn auch totalitäre) Lenkungsmechanismen aus - Gott sei Dank."

    Das ist aber so nicht ganz richtig. Über das Thema staatliche Steuerung/Intervention gibt es ja quasi eine eigene Disziplin, diverse soziologische Kontrahenten (Luhmann et al.) usw.

    In der Praxis wird aber ein Staat überall dort, wo er an seinen Leistungen gemessen wird, genauso geführt wie ein Unternehmen und er bedient sich dabei auch den gleichen Mechanismen wie Unternehmen: nämlich dem Arbeitsmarkt.

    2 Beispiele:
    1. Innere Sicherheit/Schutz
    Das war mal die klassische männliche Kollektivleistung. Als die Individualisierung die Männer erfasste, konnten die diese Aufgabe nicht mehr erfüllen. Also wurde sie auf staatliche Einrichtungen verlagert. Es gibt manchen Western, der den langsamen Prozess dahin beschreibt (Sheriff usw.). Heute ist uns das selbstverständlich. Wir klatschen sogar Beifall, wenn staatliche GSG9-Experten Passagiere aus der Gewalt von Terroristen befreien und dabei offenkundig den Auftrag haben, nicht zu fackeln (= wenn ein Terrorist überlebt, war das eher Zufall). Leben nehmen ist ethisch aber viel prekärer als Leben geben, sollten Sie mit dem Namen "exsoeldner" eigentlich wissen.

    Wenn wir nun zu viele Probleme mit der inneren Sicherheit bekommen, wird der Staat mehr Polizisten einstellen. Auch wenn es neue Aufgaben gibt (z. B. Straßenverkehr) wird er das tun. Dabei übt er aber keinen Zwang aus, sondern bietet ganz einfach bezahlte Stellen an, auf die sich Interessenten mit der erforderlichen Qualifikation bewerben können, um das zu tun, was gewünscht wird. Genau so könnte man übrigens auch das Bevölkerungsproblem lösen, führt aber hier zu weit.

    2. Bildung
    Auch das war mal eine männliche Kollektivleistung, führte aber u. a. dazu, dass Mädchen von der Bildung ausgeschlossen wurden. Vor ca. 300 Jahren wurde in Deutschland bereits die allgemeine Schulpflicht eingeführt, auch dies wurde durch die männliche Individualisierung im Rahmen der Industrialisierungsprozesse erforderlich. Seit dem hat der Staat einen Großteil der Aufgaben übernommen. Wie macht er das? In dem er auf dem Arbeitsmarkt Lehrer rekrutiert, wie jedes andere Unternehmen auch.

    Übrigens hat der Staat bei Beamten ein stärkeres Weisungsrecht, als das Unternehmen gegenüber ihren Angestellten haben. Letztendlich geht das bis hin zum Töten.

    Die totalitäre Steuerung des Staates haben wir eigentlich nur noch bei Soldaten. Da hat der Staat das Recht, Menschen auszuwählen und direkt anzuweisen. Niemand wird dagegen angewiesen, z. B. Polizist oder Lehrer zu werden. Dies sind Berufe mit einer genauen Stellenbeschreibung, für die man sich bewerben kann und für die man dann bezahlt wird.

    Aber bei eingezogenen Soldaten handelt es sich ja nur um Männer. Wenn mit denen ruppiger umgesprungen wird als mit Frauen, schauen ja alle Feministinnen üblicherweise weg. Sowas ist für die überhaupt kein Thema, sind halt nur Männer.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. "Ich soll nachweisen, dass ich in der Lage bin, meine Kinder zu erziehen und bekomme dann ein Gehalt dafür?
    So kann nur denken, wer total materialistisch ist.
    Wer will entscheiden, was eine qualifizierte Mutter ist?"

    Dazu erscheint von mir im Herbst das Buch "Die Familienmanagerin". Darin ist das Konzept im Detail ausgearbeitet. Gelesen hat es u. a. bereits Prof. Franz-Xaver Kaufmann ("Schrumpfende Gesellschaft"), aber auch andere Professoren, bislang hat noch niemand ein ethisches Problem erkennen können. Auf dem Umschlag steht sogar eine Empfehlung von Kaufmann:

    "Das Plädoyer für eine Professionalisierung von Familientätigkeiten hat vieles für sich. Manche werden einwenden, das Familienmanager-Konzept leiste einer Deinstitutionalisierung von Familie weiter Vorschub. Auf jeden Fall spricht der konsequente Vorschlag aber eine bisher kaum bedachte Dimension in der Diskussion um die prekäre Nachwuchssicherung an."

    Die eigentliche Idee dahinter ist übrigens nicht so einfach, wie Sie es hier darstellen. Jeder kann weiterhin Kinder bekommen, so wie er/sie lustig ist. Es wird in dem Buch allerdings bezweifelt, dass wir unter den Bedingungen moderner Gesellschaften damit jemals bestandserhaltende Fertilitätsraten erzielen werden. Auch werden auf die offenkundigen Defizite beim Nachwuchs hingewiesen. Es kann ziemlich präzise nachgewiesen werden, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zwar eine Lösung für eine einzelne Familie sein kann, als generelles Konzept um die gesellschaftliche Reproduktion sicherzustellen (was allein schon aus Gründen der Generationengerechtigkeit erforderlich ist) aber völlig untauglich ist. Es fehlt nämlich eins dabei: Der Anreiz überhaupt Kinder in die Welt zu setzen. Die Vereinbarkeit mildert die Nachteile von Familien, mehr aber auch nicht.

    Im Buch wird vorgeschlagen, dass Frauen (und ggf. auch Männer) das Aufziehen von eigenen Kindern auch als Beruf wählen können. Dann benötigen sie eine qualifizierte Ausbildung, so wie das bei Berufen eigentlich immer der Fall sein sollte, in diesem Fall aber besonders notwendig ist. Sie bekommen dann pro aufgezogenes (eigenes/adoptiertes) Kind deutlich mehr Geld, als das Aufziehen eines Kindes (inkl. aller Kosten für Wohnung etc.) üblicherweise kostet. Sie erhalten also ein Einkommen.

    Finanziert wird das Ganze durch Besteuerung von Kinderlosen, und zwar gemäß dem deutschen Unterhaltsrecht.

    Es wird in dem Buch gezeigt, dass es sich bei der Nachwuchssicherung um eine gesellschaftliche Kollektivleistung handelt, die der Staat seit Einführung der Rentenversicherung nun sogar quasi sicherstellen muss, sonst verspricht der den jetzigen Arbeitnehmern Leistungen, die er später nicht erfüllen kann. Über den beschriebenen Mechanismus kann er das aber, und zwar genauso effizient wie bei der Sicherstellung der inneren Sicherheit, der Bildung unserer Kinder und und und. Und das alles, ohne in die Persönlichkeitsrechte von Menschen einzugreifen. Es ist also alles so, wie es die Gesellschaft schon 1.000-mal gemacht hat. Es handelt sich um ein extrem bewährtes Verfahren.

  7. Vermutlich sind Internet-Foren tatsächlich kein Ort für Diskussionen, sondern ein Ort, wo Leute wie Peter und Herr Barkmann mal ihren ganzen Frust ablassen können. Ich weiß, Peter, Sie haben ein Buch darüber geschrieben, Sie kennen sich aus. Aber ich glaube, sämtliche Leute, die Sie möglicherweise überzeugen könnten, denken sowieso nicht darüber nach, was Sie schreiben, sondern gucken nur danach, ob das jetzt gegen Frauen oder gegen Männer geht. Herr Barkmann ist da wenigstens konsequent. Dabei ist dieses ganze Gemetzel doch gar nicht nötig.

    Ich weiß, das liest jetzt wahrscheinlich auch wieder niemand, der es lesen sollte, aber nur mal das Beispiel von Robbie: Jungen sind schlechter in der Schule, weil die bösen Lehrerinnen sie nicht leiden können. Aber warum gibt es denn in der Unterstufe fast keine männlichen Lehrkräfte? Nicht weil denen irgendwer verbietet, Unterstufenlehrer zu werden, sondern weil das ein verdammt schlecht bezahlter Job ohne jegliches Prestige ist. Die Jungen in den Kindergärten leiden da vermutlich noch stärker drunter. Diese Diskriminierung kann nur enden, wenn wieder mehr Männer diese schönen Berufe ergreifen.

    Oder auch zu diesem fiesen Argument mit dem deutschen Scheidungsrecht. Das deutsche Scheidungsrecht ist absolut sexistisch und benachteiligt treusorgende Väter, die sich gern um ihren Nachwuchs kümmern wollen. Finde ich auch. Absolut! Aber das ist doch nicht die Schuld der Feministinnen! Deutsche Gesetze behandeln Frauen seit dem 19. Jahrhundert als Anhängsel des Mannes, das besonderen Schutz (Frauen-Arbeitsschutz) braucht, damit der Volkskörper keinen Schaden nimmt (ja, ja, das klingt doch ziemlich stark nach Deutschland stirbt aus, die Frauen sind schuld, ist aber 19. Jahrhundert). Dass sie dadurch auch schlechtere Verdienstmöglichkeiten haben ist nur konsequent, schließlich ist ihre Arbeit ja die Erziehung des Nachwuchses. Wer genaueres wissen will, fragt Peter. Aber wenn man so eine Weltsicht hat, ist es auch normal, dass der Mann nach der Scheidung bezahlt und die Frau weiterhin für ihren Aufgabenbereich, die Kinder, verantwortlich bleibt. Ich sage nicht, dass das gut ist, sondern dass es ein Relikt einer überkommenen Einstellung ist, für deren Abschaffung "die Männer" sicher auch Unterstützung bei "den Feministinnen" finden würden, wenn sie sich den Schaum vor dem Mund mal abwischen würden.

    Und mal ehrlich, dass Männer früher sterben, ist doch keine Diskriminierung. Vielleicht würde es ja reichen, mit dem Rauchen aufzuhören. Ganz persönlich mein ich...

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