Bundeswehr Nix wie hin
Landesverteidigung war gestern. Heute soll die Bundeswehr westliche Werte verbreiten – vom Kongo bis zum Libanon. Drohen den Deutschen Einsätze ohne Ende?
Manchmal hilft es, in der Politik die Fantasie zu bemühen. Man stelle sich also Folgendes vor: Eines Tages, sagen wir in zehn Jahren, könnte sich eine neo-nationalistische Regierung in Moskau eingeladen fühlen, einem Hilferuf angeblich »unterdrückter Russen« in Estland und Lettland zu folgen. Die Generale im Kreml bestürmen den Präsidenten – hatte er den Wählern nicht ein neues Großrussland versprochen? Worauf also noch warten? Der Präsident nickt, die Panzerdivisionen setzen sich in Gang. Zwei Tage später sind das estnische Narwa und das östliche Lettland besetzt und unter Militärrecht gestellt. Litauens Ostgrenzen sind Frontlinie.
In Brüssel ruft die Nato den Bündnisfall aus. Im Berliner Bendler-Block lässt der Verteidigungsminister hektisch die Militärreserven sondieren, die er dem russischen Vormarsch entgegenstellen könnte. Er bekommt weiche Knie. Die Bundesmarine ist noch immer vor der libanesischen Küste gebunden. Die wenigen Panzerbataillone, die der Kalte Krieg übrig gelassen hat, helfen in Afghanistan, die Taliban in Schach zu halten. Alles, was dem Verteidigungsminister zur Verfügung steht, sind Eurofighter und Kampfhubschrauber – doch mit denen allein lässt sich keine Verteidigung organisieren. Tumult im Bundestag. Ein Abgeordneter der Opposition zitiert das Grundgesetz. Da steht noch immer: »Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zulässt.«
Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner ist da. Natürlich sind die politischen Voraussetzungen dieses Szenarios fiktiv. Allerdings, militärisch trifft der Befund schon heute zu: Die Bundeswehr ist zur klassischen Territorialverteidigung nur sehr eingeschränkt in der Lage. Freimütig erläutern Generale, dass Landesverteidigung schon lange nicht mehr auf dem Lehrplan von Rekruten stehe, ja, dass sie nicht einmal mehr zur mentalen Grundausrüstung der Soldaten gehöre. »Die Abwehr von Panzerarmeen in Mitteleuropa gibt’s vielleicht noch in der Computersimulation, aber nicht mehr in der Realität«, sagt Brigadegeneral Manfred Hofmann, Chef des Stabes beim Heeresführungskommando. Peace-keeping und Stabilisierung sind längst an die Stelle von Landesverteidigung getreten. Die neue sicherheitspolitische Philosophie kündigte sich 1990 mit dem Zusammenbruch des Ostblocks an, durchlief 1999 mit der Nato-Intervention auf dem Balkan einen ersten Praxistest und etablierte sich nach dem 11. September 2001 als Regel. Sie lautet: Konflikte neigen in einer globalisierten Welt dazu, sich wie Seuchen zu verhalten – einmal ausgebrochen, breiten sie sich unaufhaltsam aus. Deshalb muss die Bundeswehr zur Krise gehen, bevor die Krise zu ihr kommt, heißt die Schlussfolgerung. So war es auf dem Balkan, so ist es am Hindukusch. »Sie müssen die Probleme an der Wurzel packen«, sagt ein hochrangiger Militär, »und die ist eben nicht verlagerbar.« Auf Deutschlands Kasernenhöfen hat sich mittlerweile ein eingängiges Synonym für die Auslandseinsätze eingebürgert: »Y-tours – come and see the world«.
Und haben die neuesten Bundeswehreinsätze im Kongo und vor der libanesischen Küste nicht in der Tat ein bisschen etwas von wohlmeinendem Militärtourismus? Jedenfalls dürfte es dem Verteidigungsminister schwer fallen, den Eltern eines getöteten Sanitätssoldaten in Kinshasa zu erklären, warum ihr Sohn mit seinem Einsatz in Zentralafrika Deutschlands Sicherheit befördert haben soll. Zugleich muss sich der Minister fragen lassen, wie ernst es ihm ist mit dem Gedanken der globalen Prävention. Warum, etwa, geht die Bundeswehr in Nordafghanistan dann nicht entschlossen gegen den Mohnanbau vor? Schließlich kostet das Heroin vom Hindukusch in Europa viele Menschenleben.
Nein, eine konsequent-robuste Eingreifarmee soll die Bundeswehr nicht sein. Aber was dann? Wie ist es um ihr sicherheitspolitisches Profil bestellt, jetzt und in Zukunft? Bislang vermittelt die Bundesregierung nicht den Eindruck, als verfolge sie mit den diversen Missionen der Streitkräfte eine langfristige, strategisch angelegte Außenpolitik. Vielmehr scheinen die Marschbefehle einer Von-Außen-Politik zu folgen, angestoßen mit sanftem Druck der EU (Kongo), der USA (Libanon) oder den UN (Georgien, Sudan, demnächst vielleicht Darfur). Welchen Schluss soll man etwa daraus ziehen, wenn Verteidigungsminister Franz Josef Jung jeden neuen Einsatz mit der alten Formel rechtfertigt, Deutschland könne sich »nicht verweigern«? Tatsächlich hantiert die Politik derzeit mit der Bundeswehr wie mit einem sicherheitspolitischen Leatherman, einem Vielzweckwerkzeug. Ihr habt ein Problem? Wir haben bestimmt noch etwas Passendes im Sortiment…
Etwas freundlicher besehen, lässt sich unter dem Strich des vielgestaltigen Bundeswehrengagements durchaus so etwas ausmachen wie eine richtungweisende Bilanz – auch wenn diese noch klein gedruckt erscheint. Deutsche Soldaten dienen nicht mehr zur Landes-, sondern zur Werteverteidigung. Die Marineschiffe, die nun ins Mittelmeer aufbrechen, zeigen Hisbollah, dass eine terroristische Miliz nicht folgenlos einen Militärstaat im Staate errichten kann. Im Kongo betonen deutsche Blauhelme den Wert demokratischer Wahlen als solche. Und nach dem Tsunami in Indonesien übte die Bundesmarine schlicht und einfach weltbürgerliche Solidarität mit den Opfern der Jahrhundertkatastrophe. Derartige, wenn man so möchte, » Weltgemeingüter«, bringen dem Stifter vielleicht keinen unmittelbaren Nutzen. Aber die langfristigen Effekte geopolitischer Klimapflege können sich sehr wohl auszahlen: in Form von Abschreckung, Anreiz und interkultureller Entkrampfung.
Doch eine zufällig entstandene sympathische Patchwork-Identität kann kein Ersatz sein für eine perspektivische Militärpolitik. Schließlich will die Bundeswehr mehr sein als eine Armee von Gutmenschen. Spätestens jetzt, mit der Unifil-Marine-Operation vor der Küste des Libanons, wird die Frage drängend, zu welchen Zielen die Bundeswehr in Zukunft ausschwärmen soll. Denn einen weiteren Auslandseinsatz kann die Bundeswehr schlicht nicht mehr bewältigen. Vielleicht sollte die Politik die Gelegenheit nutzen, sich und der Armee zuzurufen: Helm ab zur Denkpause. »Mit dem Libanon-Einsatz sind die Ressourcen aus unserer Sicht ausgeschöpft.« Das sagt Generalleutnant Kersten Lahl, der Befehlshaber des Streitkräfteunterstützungskommandos in Köln-Wahn. Bei ihm laufen die Fäden zusammen, wenn es darum geht, die Kräfte von Heer, Luftwaffe und Marine möglichst effektiv zu koordinieren. Aufgabe der erst vor fünf Jahren gegründeten Streitkräftebasis ist es, aus der materiellen und personellen Erbmasse der Kalten-Kriegs-Armee so lange die besten Kräfte für Auslandseinsätze herauszufischen, bis die Bundeswehr komplett erneuert dasteht – was noch ein paar Jahre dauern dürfte. Vorerst jedenfalls sei nichts mehr drin, sagt Lahl. Angesichts der nackten Zahlen, mag man das schwerlich glauben. Gut 250.000 Männer und Frauen umfasst die Bundeswehr zurzeit. Etwa 7800 von ihnen befinden sich in Auslandseinsätzen. Selbst wenn nun noch alle 2400 vom Bundeskabinett maximal in Aussicht gestellten Marinesoldaten an die Levante aufbrechen sollten, wären gerade einmal vier Prozent der Bundeswehr unterwegs.
»Das Problem ist die Zahl der Einsatzgebiete«, erklärt Lahl. Bei jedem Einsatz, gleichgültig wie umfangreich, seien gewisse Spezialkapazitäten gefragt, über die die Bundeswehr bisher nur beschränkt verfüge. An Heeressoldaten etwa mag es nicht mangeln, wohl aber an Klimatechnikern oder Elektroingenieuren, die Feldlager im Nirgendwo aufschlagen können. »Uns fehlen jetzt schon etwa 400 Ärzte«, sagt ein Bundeswehrmediziner, »und viele derjenigen, die wir haben, gehen uns von der Stange wegen der Belastungen im Ausland und dem Stress für die Familie.« Show stopper nennen die Planungsoffiziere solche Schlüsselkräfte, die den ganzen Entsendebetrieb aufhalten können. Materielle Engpässe bestehen bei der Kommunikationstechnik (bald soll deswegen ein eigener Bundeswehr-Fernmeldesatellit in den Orbit geschossen werden), bei gepanzerten Fahrzeugen, beim Langstrecken-Lufttransport und im Sanitätsdienst. Zähneknirschend sehen Bundeswehrlogistiker derweil mit an, wie die Truppe mit 180 Eurofightern zwangsbeglückt wird. Deren Nutzen für den Auslandseinsatz tendiert gegen null (siehe Weg mit den Panzerhaubitzen ).
Ganz nebenbei soll der Ausbildungsbetrieb von Wehrpflichtigen in den Kasernen weiterlaufen und die Truppe »transformiert« werden, wie es im Militärdeutsch heißt. Sprich: Der olive Koloss muss weiter schrumpfen und flexibler werden. Derzeit, heißt es kollegial, seien längst nicht alle Soldaten »körperlich auslandsverwendungsfähig«. Die deutsche Truppe, sagt ein Personalmanager, sei durchschnittlich zehn Jahre älter als die US-Armee.
Mit ein bisschen Mitleid kann man sich die Bundeswehr im Jahr 16 nach dem Ende des Kalten Krieges vorstellen wie einen ohnehin arthritischen OP-Patienten, der mit einer Hand schon wieder die Keule schwingen soll, während am Rest des Körpers noch herumgeschnippelt wird. »Zielstruktur 2010« lautet der mittelfristige Zweck des großen Liftings. In vier Jahren, rechnet Generalleutnant Lahl vor, soll die Bundeswehr imstande sein, fünf langfristige Stabilisierungsmissionen organisieren zu können. Gleichzeitig werden über 8000 Soldatinnen und Soldaten zur Battle Group der EU und zur Schnellen Eingreiftruppe der Nato abgeordnet. Diese beiden »Schnell rein, schnell raus«-Kommandos, so die Vorstellung des Bündnisses, sollen künftig in den Akutphasen von Krisen für Ruhe sorgen. Später könnten sie dann von Stabilisierungstruppen abgelöst werden.
Dies also wäre das Aufgabenbild, das die Nato-Doktrin für die Bundeswehr vorsieht: Krisenherde löschen, Trümmer räumen, Recht und Ordnung etablieren. Doch vorerst hat Minister Jung, wie gesehen, sein Pulver verschossen. Jetzt heißt es wohl hoffen, dass kein weiterer ungeahnter Konflikt entsteht, der – horribile dictu – ganz greifbare deutsche Interessen gefährdet. Dazu muss kein verrückter Feldherr den Kreml beherrschen. Es würde schon reichen, wenn ganz banale Kriminelle mobil machten.
Denn außer durch konventionelle Streitmächte könnte Deutschland – jedenfalls in den Planspielen des Verteidigungsministeriums – auch durch ökonomische Angriffe bedroht sein. Deutschland ist »aufgrund seines großen Außenhandelsvolumens und der damit verbundenen hohen Abhängigkeit von sicheren Transportwegen und -mitteln in globalem Maßstab verwundbar«. So steht’s in einem noch unveröffentlichten Strategiekonzept aus dem Hause Jung mit dem Namen Weißbuch . Lange schon wartet die Bundeswehr auf diese Neuformulierung ihrer Grand Strategy. Zunächst für den Juli angekündigt, dürfte sich die Veröffentlichung des Weißbuchs wohl in den Herbst hineinziehen. Bis dahin freilich wird mehr oder weniger die gesamte Bundesmarine im Mittelmeer gebunden sein – sodass man fast sagen möchte, schade um den ein oder anderen abstrakt wertvollen Gedanken, der im Weißbuch steckt. Das Papier befasst sich bemerkenswert ausführlich mit der Marine. Schließlich wäre sie im exportpolitischen Ernstfall die Teilstreitkraft der Wahl.
Szenario gefällig? Bitte sehr: In der Straße von Malakka, einer der am dichtesten befahrenen Seestraßen Südostasiens, nimmt die ohnehin schon grassierende Piraterie endemische Ausmaße an. Die Versicherungsprämien für Schiffe, die die Passage nehmen wollen, schießen in astronomische Höhen. Deutsche Exporte für den asiatischen Markt verteuern sich drastisch. Entsprechend sinkt die Nachfrage. In Deutschland müssen Firmen dichtmachen, die Arbeitslosigkeit steigt weiter, die NPD zieht in den Bundestag ein, die Große-Koalitions-Demokratie gerät in die Krise. Die Bundesmarine könnte all das verhindern, indem sie deutschen Frachtern Geleitschutz gäbe. Aber leider kontrolliert sie auf absehbare Zeit Schlauchboote an der Beiruter Riviera.
Über die Dramatisierung darf man schmunzeln, über das Grundsatzproblem nicht. Sollte die Bundeswehr irgendwann einmal für originär nationale Belange gebraucht werden, ständen bestenfalls Reserven zur Verfügung. »Die Politik steht in der Bringschuld, zu erklären, wo es hingehen soll«, klagt ein Heeresoffizier. Und, mit Blick auf den Weißbuch- Entwurf: »Mit Floskeln ist es da nicht getan.«
Immerhin, für ein drittes Krisenszenario, das Europa schon in weniger als zwanzig Jahren bedrohen könnte, beginnt die Nato gerade in aller Stille vorzubauen. Dieses spielt nicht zu Lande oder zu Wasser, sondern in der Luft. Ein »mehrschichtiges Abwehrsystem« gegen iranische Shahab- und koreanische No-Dong-Raketen will das Bündnis aus dem Boden stemmen. Den Industrieauftrag will das Bündnis noch diesen Monat vergeben.
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Aktueller Schwerpunkt zu Einsätzen und Verteidigungspolitik
- Datum 21.09.2006 - 05:02 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 21.09.2006 Nr. 39
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Sehr geehrter Herr Bittner,
Der Aufmacher zu Ihrem Artikel betont "Werteverbreitung". Aber gerade das ist bei der UNIFIL- Mission weder im UN-Auftrag niedergelegt, noch ein erklärtes Ziel der Weltgemeinschaft.
Wenn schon unsere "Werte" nicht mit der Wehr auf den Meeren und in fremden Ländern verteidigt werden können, so sind auch
unsere "Interessen" dort nur auf Einladung verteidigbar, wenn es deckungsgleiche Interessen der jeweiligen Missionsländer gibt und diese zustimmen.
Über das unsägliche Struck-Zitat ist ja monatelang ausführlich und breit diskutiert worden.
Beim heutigen Zustand und Zuschnitt der UN, vor allem des Sicherheitsrates, könnte allerdings ein anderer Eindruck entstehen. Gegenreaktionen in den Krisengebieten wären die Folge, die sich ernsthaft niemand herbeiwünscht.
Auf de Basis des gültigen Völkerrechts nimmt die UNFIL Kontrollfunktionen wahr, denen die Konfliktparteien beiderseits zustimmten. Von einer Werteverteidigung kann und sollte niemand sprechen, weil es die notwendige Neutralität unnötig beeinträchtigen würde.
Insofern wächst die Bundeswehr einerseits in eine Normalität, weil eines der kulturell und wirtschaflich mächtigsten Länder der Erde, auf Dauer die Lasten der Diplomatie und der Verträge der Weltgemeinschaft mit tragen muss. Andererseits können wir
uns glücklich schätzen, dass Europa auf dem besten Wege ist, Landesverteidigung überflüssig zu machen.
Wer diesen Weg politisch geht, der wird auch die Cents in der Tasche haben, alle Europäer ausreichend zu schützen und schirmen.
wird die Sicherheut Europas in der Tat auf dem Hindukusch verteidigt nur ist Europa noch nicht bereit dafuer genuegend Mittel aufzubringen und hofft dass ein kurzes Gastspiel hier und da( am liebsten noch von Sozialarbeitern in Uniform) genuegt.Es muss im Interesse Europas liegen die Kriesenherde,die rund um den Kontinent liegen zu befrieden doch leider fehlt immer noch eine wirksame Taktik.
Wenn der Historiker Klaus Naumann in der Frankfurter Rundschau von heute vom Krieg an der Heimatfront spricht, dann referiert er vermutlich - ohne sich womöglich der wahren Bedeutung einer solchen Bezugnahme wirklich klar zu sein - auf das eigentliche Ziel eines solchen Krieges: dem der Heimatfront nämlich. Und sein Beitrag liest sich stellenweise so, als ob er die Leserbriefe, Blogs und Forumsbeiträge der letzten Tage und Wochen insbesondere auch in der "Zeit" studiert und ausgewertet hätte: Und wenn auch von ihm richtigerweise von der Verwahrlosung (ich nenne das "Barbarisierung") an dortiger (und hiesiger - füge ich auch in seinem Kontext hinzu) Front gesprochen wird, so umgeht er damit doch und das ist durchaus der Sinn sozialdemokratischen Soziologenkauderwelschs das Kind beim Namen zu nennen: Für Verwahrlosung für die selbstredend der Totenschädelskandal mehr als symbolisch zu stehen hat, könnte auch Rechtsradikalisierung breiter Teile der halbwegs Gebildeten (und das ist entscheidend denn die weniger als Halb-Gebildeten, finden den Zugang zu einer Zeit bisher noch nicht) stehen. Aber vielleicht ist dies nicht auf eine typisch professorale politische Distinktion zurückzuführen, sondern auf seine geradezu ins Auge springende ökonomische Parteinahme; denn was hat denn zum Beispiel ein Begriff wie Grenznutzen, den er gleich Eingangs zu einem jenem Krieg untergebracht hat, zu suchen, von dem doch behauptet wird, dass er dem Frieden, oder der Terroristenbekämpfung, oder gar der Verteidigung der Heimat am Hindukusch (Stichwort: Demokratieexport) diene, wenn nicht eben durch eine solche Begrifflichkeit deutlich wird, dass dieser Krieg nur einem Ziel gewidmet ist, und damit vermutlich einem solchen, dem moderne Kriege wohl schon immer gedient haben: Der Fortsetzung einer (verschämten) Profitmaximierung mit anderen Mitteln. Oder irre ich mich, wenn ich die Grenznutzenbegrifflichkeit der ökonomischen Lieblingstheorie der Liberalen, nämlich der Grenznutzentheorie zuordne? Und so wie dort einer jeden politischen Ökonomie, und erst recht der Kritik (Marx) einer solchen, Hohn gesprochen wird, so offenbart eben diese Formulierung hier - mal ehrlicherweise -, worum es in der kapitalistischen Kriegspolitik denn eigentlich geht, nämlich um die Unterordnung der politischen (resp. dann auch militärischen) Strategie unter eine Ökonomie, die sich aber damit nicht um die Fortsetzung einer - wie auch immer sich darstellen wollenden nationalen - Politik mit anderen Mitteln (Clausewitz) kapriziert, sondern um die Realisierung gewisser kapitalistischer Einzelinteressen im krudesten Sinne des Wortes. So verstanden, bekommt das Wort Fortsetzung nämlich nicht mehr diese abstrakte Weihe, sondern einen höchst konkreten und damit direkt wörtlich zu nehmenden profanen Sinn: Die militärische Option setzt eben diese recht eigentlich mikro-ökonomische unmittelbar fort. Und damit wäre auch die Frage beantwortet, ob solche Kriege denn nun bald aufhören oder scheinbar endlos so fortgehen: Sie gehen solange so weiter, wie die Spekulation um eben den Grenznutzen und das heißt: solange Kapitalismus herrscht!
Und Frage dort wie hier: Unter welchen objektiven Begriff soll man das dann subsumieren, ohne dabei der poststrukturalistischen Verharmlosung des Subjekts zu frönen, bzw. um dadurch einer Münteferingschen Heuschrecken-Semantik die ja dem Rechtsradikalismus so wunderbar zuarbeitet - eben zu entgehen. So wenig wie heute noch die hauptsächliche Wertschöpfung einer Realakkumulation zu folgen scheint (vgl. Robert Kurz), so wenig darf man annehmen, dass es noch hier wie dort um die Verteidigung/Reproduktion (oder Eroberung) einer gewissen Substantialität (oder Substanzität) geht; und so sehr muss man daher auch erkennen, dass diese wie jene Grenznutzenspekulation nur einer gewissermaßen nationalen Differential- und Integraldiskussion dienlich ist - nämlich der an der Börse. Und wenn auch ein solcher Bezug noch einen nationalen imaginiert, so ist doch bekannt, dass gerade die wichtigsten Dax-Unternehmen am allerwenigsten für ein deutsches noch zu stehen haben. Und vielleicht erklärt das auch die (Schreib-)Wut dieser und jener Ultra-Patrioten und anderer nützlicher Idioten, da jene nun beginnen, solches zu erahnen, ohne dabei aber was zu begreifen; denn wo keine Kritik der Politischen Ökonomie, da auch keine Substanz in der Analyse.
Denn schön und gut, wir sind überall, aber was ist überall, wo hat das überlall seine Grenzen?
Die waffenfabriken machen prächtige Gewinne, und nachher schicken wir die Armee um wieder Frieden zu schaffen. Ist das die Zukunft, lösen wir die USA ab? Was spielen wir?
Wäre denn das Geld nicht besser angebracht, als in Nutzlosen Zonen wo die Demografie und das Wasser auf absehbarer Zeit die Probleme lösen wird!
Wäre es mal nicht klüger den Konfliktparteien Landkarten zu zeigen, mitsamt UNO Resolutionen, und fragen ob sie sich daran halten wollen?
Und dann im Sinne der UNO Resolutionen zu intervenieren ohne sich von Erpressungen zurückdrängen zu lassen?
Was geschiet da mit dem Geld der Bürger, das geld was für Soziales ja nicht mehr zur Verfügung steht?
Zahlen das die Harz IV Empfänger? Die Omi mit ihrer Mindestrente? Die Zahl der Krankenbetten?
Ehe man Grossmacht spielen will sollte man es nicht wie Frankreich und England halten und sich zuerst mal an das eigene Volk erinnern...ehe man den Waffensamariter spielt?
Welchen Weg wollen wir gehen, den Sozialen Weg à la USA, das heisst du bist Arm, und die Army gibt die alles?
Wir gehen den falschen Weg, wir sind aus der Kolonialperiode raus und die Zahl der Weissen ist ungünstig negativ, alles wird als Rassissmus aufgefasst und Kolonialismus, und es bringt schlussendlich nur negatives.
Denn die frage stellt sich ja ganz einfach. Kommt eoin israelisches Schnellboot angefahren, was macht dann die Marine? Auf die Hisbollah schiessen? Diese Aufgabe in diesem Gebiet wird mindenstens 30 Jahre dauern, ist jeder sich dessen bewusst. Von Afghanistan mal nicht zu reden? Und wir werden immer weniger...
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