DIE ZEIT: Sie haben den Begriff Web 2.0 erfunden und sagen, dass Internet-Firmen mit richtigen Geschäftsmodellen wieder Millionenbeträge von Wagniskapitalgebern und Börsenanlegern bekommen. Tim O"Reilly BILD

Tim O'Reilly: Es sind Unternehmen, die die kollektive Intelligenz der Nutzer für sich arbeiten lassen.

ZEIT: Zum Beispiel?

O'Reilly: Diese Unternehmen folgen ähnlichen Prinzipien wie Google. Wenn Sie bei Google etwas suchen, finden Sie diejenigen Informationen besonders weit oben in der Liste, auf die sich anderswo im Internet die meisten Querverweise finden. Man kann das so sehen, dass jeder indirekt für Google arbeitet, wenn er irgendwo im Netz einen Querverweis anbringt. Etwas anders funktioniert es beim Online-Auktionshaus eBay oder beim Filmclip-Dienst YouTube. Diese Firmen bauen darauf, dass ihre Benutzer direkt bei ihnen mitwirken.

ZEIT: Bei eBay bewerten die Verkäufer ihre Abnehmer und umgekehrt. Bei YouTube sollen Kunden gleich den ganzen Inhalt bereitstellen, nämlich kleine selbst gemachte oder kopierte Videoclips.

O'Reilly: Genau, da kommt der so genannte Netzwerkeffekt zum Tragen. Je mehr Leute Ihren Dienst nutzen, desto mehr Rückmeldungen bekommen Sie, desto eher werden Sie zum Gewinner.

ZEIT: Das hätte Ihnen auch schon Ende der neunziger Jahre jeder Internet-Unternehmer erzählt.