Myanmar
Ein Land für die Götter
Myanmar ist eines der schönsten Ziele in Asien – und eine der schlimmsten Diktaturen. Auf eigene Faust durch das einstige Birma
Am Stadtrand von Yangon bremst Lay Ko Yi und fährt den Wagen auf die Standspur. »Hier werde ich den Nats opfern«, sagt er, »damit sie uns eine gute Fahrt gewähren.« Wir rennen auf die andere Straßenseite, wo ein Schrein mit fünf mannshohen Nat-Statuen steht – jenen animistischen Geistern, die verflixt unangenehm werden können und an die viele Myanmaren glauben, auch wenn sie eigentlich dem Buddhismus anhängen. Für Nichteingeweihte sehen die Nats ganz ungefährlich aus, eher wie Priester mit freundlich bemalten Antlitzen. Wir bringen ihnen mit dem geziemenden Respekt eine Hand voll duftender weißer Blumengirlanden und ein Sträußchen Go-Blätter dar. Man weiß ja nie.
Wir können nämlich alle Hilfe für eine gute Fahrt gebrauchen. Von Yangon aus wollen wir zehn Tage lang durch Myanmar, das ehemalige Birma, reisen – und zwar in einem 1987er Nissan Bluebird, der schon 245000 Kilometer auf dem Zähler und einige Gefechtsspuren im Blech hat. Die Stoßdämpfer haben ihren Kampf gegen die Schlaglöcher der Landstraßen vor langer Zeit aufgegeben, und die Schutzdeckchen auf den schlammgrauen Kunststoffbezügen sind leicht angeschmuddelt. Aber dafür funktionieren die elektrischen Fensterheber.
»Ein guter Wagen«, sagt unser Fahrer Lay Ko, aber so genau kann er das leider gar nicht wissen. Er hat den Bluebird gerade erst gekauft: Unser Trip ist gewissermaßen die Jungfernfahrt. Schon seit Mitte der neunziger Jahre arbeitet Lay Ko als Fahrer und Touristenführer, aber erst nach dem Tod seines Vaters konnte er sich ein eigenes Auto leisten: Lay Kos ganzes Erbteil steckt in dem klapprigen Bluebird, der 14000 US-Dollar gekostet hat. Jetzt ist der 38-Jährige endlich nicht mehr Angestellter, sondern Kleinunternehmer.
Wir haben lange gezaudert, ob wir überhaupt nach Myanmar reisen sollen. Die seit Jahren unter Hausarrest stehende Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi hat Touristen aufgerufen, das Land zu boykottieren, weil jeder Besuch das verbrecherische Militärregime unterstütze, das Myanmar seit den sechziger Jahren regiert, seine Gegner bespitzelt, einsperrt und foltert und das Land zu einem der ärmsten der Welt heruntergewirtschaftet hat. Zugleich aber ist die einstige britische Kolonie eines der faszinierendsten Länder dieser Welt mit einer vom Westen nahezu unbeeinflussten, ungeheuer reichen Kultur. Und es gibt überzeugende Gegenstimmen, die darauf verweisen, dass auch das Volk vom Kontakt mit den Besuchern profitiere.
Zwar kommt es noch vor, dass Landesteile kurzfristig für Touristen gesperrt werden, aber zwischen den Großstädten Yangon und Mandalay kann der Fremde Myanmar heute ungehindert bereisen. Seit das Regime Ausländer als Devisenbringer entdeckt hat, bekommt man anstandslos ein Visum für 28 Tage. Wir haben unsere Reise schließlich so geplant, dass möglichst wenig von unserem Geld an die Regierung fließt. Das heißt: keine Inlandsflüge mit der staatlichen Luftfahrtgesellschaft, keine Fahrten mit staatlichen Zügen, keine Hotels, die dem Staat gehören.
Das Nat-Opfer dargebracht, verlassen wir Yangon in Richtung Norden. Zwei Tage dauert die Fahrt von der ehemaligen Hauptstadt bis nach Bagan. Auf dem Weg kommen wir an Wasserbüffeln vorbei, an Bäuerinnen, die Reissetzlinge in überflutete Felder pflanzen, an Bettelmönchkolonnen in safranfarbenen Gewändern, an grazilen jungen Frauen, die Körbe auf dem Kopf balancieren, beladen mit Bambusschößlingen, Feuerholz oder Zuckerrohr. Die Landstraße folgt dem Verlauf des Ayeyarwaddy: ein breiter, graubrauner Strom, der in weiten Schwüngen das Land durchzieht.
In einer Biegung des Flusses liegt Bagan, die einstige Königsstadt, deren Blütezeit vor knapp einem Jahrtausend begann. Damals wurde sie zu einem der wichtigsten Zentren buddhistischer Kunst und Lehre; heute ist Bagan eines der größten archäologischen Ruinenfelder Asiens, vergleichbar nur mit Angkor Wat in Kambodscha.
Am frühen Abend klettern wir auf den obersten Absatz des Bu-Le-Thi-Tempels, über eine der schmalen, steilen Treppen an den Außenseiten des Backsteinbaus. Von hier oben blickt man über Hunderte und Aberhunderte von Kuppeln, die sich aus der baumbestandenen und jetzt in der Regenzeit sattgrünen Ebene erheben. Kleine Kuppeln und große, spitze und runde, verstreut wie von einer gigantischen nachlässigen Hand. In der Ferne bringt das letzte Tageslicht die goldene Spitze des Ananda-Tempels zum Erglühen.
Was eine Straße war, ist jetzt ein flacher, aber reißender Fluss
Unsere erste Empfindung: Diese Landschaft kann es so nicht geben. Sie ist erfunden. Wunderschön, aber erfunden. Das Gemälde eines asiatischen Gainsborough vielleicht. Es dauert eine Weile, bis man glaubt, was man vor Augen hat. Über 2000 Sakralbauten haben die Zeiten überdauert, alle weltlichen, aus Holz und Bambus errichteten Gebäude Bagans sind verschwunden.
Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf. »Schnell! Schnell!«, rufen die vier Jugendlichen, die mit uns auf den Tempel geklettert sind, um uns Andenken zu verkaufen. Behände huschen sie die Treppe hinab, wir – weniger behände – hinterher, aber es ist schon zu spät. Innerhalb von Sekunden beginnt es zu schütten, und als wir unten ankommen, sind wir alle bis auf die Knochen durchnässt.
Die Jugendlichen winken uns in ein winziges Tempelchen direkt nebenan, in das wir gerade so alle hineinpassen. Wir wringen unsere Kleidung aus, rubbeln uns das Wasser aus den Haaren und warten zusammen auf das Ende des Wolkenbruchs. Die vier erzählen, dass sie aus Nyaung U stammen, dem nächstgelegenen Ort, dass der Jüngste von ihnen, Ye Ning Thu, in die siebte Klasse geht und der Älteste, Tnan Win Soe, demnächst die Universität besuchen wird. Darauf sind sie stolz. Nur die Hälfte aller Kinder hier beendet überhaupt die Grundschule, die anderen müssen abbrechen, weil ihren Familien das Geld für die Schulausgaben fehlt. Als sich die Wolken verziehen, laufen wir zusammen zurück in den Ort. Ye Ning Thu stapft voran und lässt das Wasser hochspritzen.
Eine Viertelstunde lang macht uns der Regen zu einer Leidensgenossenschaft – gleich nass, gleich atemlos, gleich bibbernd. Aber als wir zur Hauptstraße kommen, ziehen die vier die Taschen mit ihrer Ware hervor und fangen mit ihren Verkaufssprüchen an. Der kurze Augenblick der Vertrautheit ist vorüber.
In Bagan gibt es jedes Jahr mehr Abnehmer für die Buddha-Figürchen, Armreifen und Lackdosen, welche die Jungen anbieten. Während 2002 nur rund 200000 Ausländer ins Land gekommen sind, hat sich die Zahl inzwischen mehr als verdreifacht. Selbst in der zum Reisen ungünstigen Regenzeit sehen wir Dutzende von Tourbussen.
Am Tag darauf müssen wir eine unfreiwillige Pause auf unserer Weiterfahrt einlegen. Was gestern noch eine Straße war, ist jetzt ein flacher, aber reißender Fluss. Geduldig warten die Menschen in Ochsen- und Pferdekarren, Pick-up-Trucks, überfüllten Bussen und Lastern an beiden Ufern darauf, dass der Wasserstand wieder fällt. Wir sind rasch von vorwitzigen Kindern umringt, deren Gesichter mit einer ockerfarbenen Paste bemalt sind: ein überall im Land verbreiteter Hautschutz, gewonnen aus der geriebenen Rinde des Thanaka-Baumes. Mit ihren Kringeln und Kreisen sehen die Kinder aus wie kleine Clowns – aber die Show hier sind wir. So groß! So hellhäutig! So hellhaarig!
Während wir uns bestaunen lassen, hat Lay Ko einen Traktor angeheuert, der den Bluebird durch die rund 200 Meter breiten Fluten ziehen soll. Der Motorblock wird in eine Plastikplane gepackt, der Wagen hinter den Traktor gespannt, und dann geht es ganz schnell: Hopp, in den Bluebird, ein Junge rennt nebenher und schiebt, und schon finden wir uns mitten im Wasser wieder, das bis in den Fußraum schwappt. Aber es geht gut: Am anderen Ufer springt der Bluebird klaglos an.
Nach ein paar Stunden Fahrt stoßen wir auf die Hauptstraße, die Yangon und Mandalay verbindet. Gewaltige Teakbäume, aber auch Tamarinden, Agaven, Palmen und blühende Frangipani-Bäume flankieren den myanmarischen »Highway Number One«, wie Lay Ko die Straße scherzhaft nennt. Er setzt uns in einer Teestube ab, wo wir auf winzigen bunten Plastikschemeln Platz nehmen und fetttriefendes Gebäck essen, während er zum Tanken fährt. Das Benzin ist rationiert, nur neun Liter pro Tag stehen jedem Fahrer zu. Den Rest muss sich Lay Ko schwarz beschaffen, und da hat er uns nicht gern im Schlepptau.
Die hässliche Großstadt Mandalay hat nicht die größten und bedeutendsten Tempel des Landes, aber die Leute pilgern trotzdem hin. Die Gläubigen kommen, bummeln, beten, spenden, bringen ein Opfer dar und gehen wieder – der Besuch im Tempel gehört zum Alltag, eine Stippvisite, die ernsthaft, aber nicht übertrieben weihevoll betrieben wird. In den großen Tempelanlagen führen lange, überdachte Aufgänge zu einen Innenhof, auf dem sich unzählige Altäre, Schreine, Skulpturen und Beträume rund um die Hauptkuppel gruppieren. Es sind abgeschlossene Reiche, und vielleicht ist das der Grund dafür, dass das gebeutelte Land in den Tempeln am tiefsten in sich zu ruhen scheint. Die Tempel sind Zufluchtsorte, an denen die Politik die Menschen nicht erreicht.
Nach Mingun, einem Örtchen außerhalb von Mandalay, fahren wir, um die dortige Pagode zu sehen oder vielmehr: ihr Fundament, denn das Bauwerk, 1790 von einem besonders gläubigen (oder besonders irren) Herrscher begonnen, kam nie über seine Grundfesten hinaus. Aber auch das Fundament, von einem Erdbeben dramatisch gespalten, ragt schon 50 Meter in die Höhe.
Die Pagode, welche die größte der Welt werden sollte, ist beeindruckend, noch mehr beeindruckt uns aber die Begegnung mit einer rundlichen, kichernden Krankenschwester. Auf einem Bummel durchs Dorf geraten wir in den Hof eines Altenhorts. Dort spricht uns Thwe Thwe Aye an. Seit 20 Jahren leitet sie den Hort, dem man bei aller Ärmlichkeit ansehen kann, dass hier Menschen aufopfernd betreut werden. Sie zieht uns ins kahle Krankenzimmer, zeigt uns das Modell eines geplanten Neubaus und sagt knapp: »Gefällt mir nicht.«
Thwe Thwe braucht keine hochfliegenden Pläne, sie braucht Essen, Kleidung und Medizin für ihre Alten. Und einen gewöhnlichen Gebrauchtwagen, um ihre Schützlinge ins Krankenhaus zu bringen. Aber den kriegt sie nicht, stattdessen verspricht ihr der Staat schon seit Jahren einen richtigen Krankenwagen. Thwe Thwe tut so, als würde sie mit der linken Hand einen Gegenstand verstohlen in die rechte Achselhöhle stecken. »Das Geld, das an offizielle Stellen gespendet wird, erreicht uns nie«, sagt sie. So offen und couragiert wie Thwe Thwe kritisieren nur wenige das Regime, das in jedem Dorf seine Spitzel hat. Wir spenden 50 Dollar und stehen verlegen herum, als sie mit einer Gruppe alter Frauen eine Dankeshymne anstimmt.
Unseren Tagesausflug hat Lay Ko genutzt, um den stotternden Vergaser von Flusssand zu befreien und drei Stoßdämpfer zu erneuern. Das erweist sich als Gnade, denn dass die Straße zum Inle-See nicht unter Wasser steht, ist streckenweise das Beste, was man über sie sagen kann.
Der lang gestreckte, spiegelflache See liegt in sanfte Höhenzüge eingebettet, an den Rändern geht er in dicht bewachsene Marschen über, und im sich stets verändernden Licht wechselt die Farbe seines Wassers, als tunke jemand fortwährend einen Aquarellpinsel hinein.
Jedes Dorf am Inle-See ist ein kleines Bambus-Venedig
Hier hat sich über die Jahrhunderte eine ganz eigene Fischerkultur entwickelt. Die Dörfer stehen auf Stelzen im Wasser – jedes ein kleines Bambus-Venedig –, und Gemüse wird auf schwimmenden Beeten weitab der Ufer angepflanzt. Unser Bootsmann führt uns vor, wie die Inle-Fischer rudern: Sie schlingen im Stehen ein Bein um ihr Ruder, wie ein Turner, der ein Seil hochklettert, und treten dann in einer kräftigen, fast ungelenk wirkenden Bewegung nach hinten aus. Durch das Beinrudern haben sie die Hände frei für ihre Reusen. Aber inzwischen ist bei vielen Booten das Rudern ganz unnötig – sie haben einen Außenbordmotor.
Knapp 2000 Kilometer hat der Bluebird mit Ach und Krach geschafft, als er auf unserem Rückweg den Geist aufgibt. Im Leerlauf steuern wir eine Gaststätte am Wegesrand an, und während Lay Ko die örtlichen Reparaturexperten zusammentrommelt, essen wir Hammelcurry und vertreiben uns die Zeit damit, zu beobachten, wie ein Kran ein gutes Dutzend wuchtige Teakstämme von einem Lkw mit gebrochener Achse hievt. Etliche Stunden später ist die Achse geschweißt, das Holz wieder aufgeladen, und wir sitzen immer noch herum. Erst am frühen Abend gibt Lay Ko auf: Das Ersatzteil ist nicht zu beschaffen.
Adieu, Bluebird! Wir planen um, heuern einen Pick-up an, der uns in ein nahes Städtchen karrt – und hoffen, dass wir dort am nächsten Tag Fahrkarten für den einzigen, zum Glück nicht staatlichen Zug nach Yangon bekommen. Lay Ko sagt, dass er den Wagen verkaufen wird: zu viel Ärger, zu wenig Profit. Wir werfen einen letzten, leicht wehmütigen Blick zurück auf das kleine weiße Auto, dann verschwindet es hinter einer Kurve. Vielleicht hätten wir den Nats ein paar Girlanden mehr opfern sollen?
Birma auf eigene Faust:
Lay Ko Yi organisiert weiterhin Individualreisen durchs Land; er spricht fließend Englisch
(
layko@mac.com
). Außerdem werden im englischsprachigen Internet-Reiseforum von »Lonely-Planet«
http://thorntree.lonelyplanet.com
immer wieder Tourbegleiter empfohlen. Pro Tag kosten Fahrer und Auto rund 50 US-Dollar. Mit Kreditkarten, Reiseschecks oder Euro lässt sich in Myanmar praktisch nichts anfangen. Darum unbedingt ausreichend US-Dollar mitnehmen (nur saubere, nicht geknickte, eingerissene oder beschriebene Scheine, die außerdem nicht die Seriennummer CB haben). Beim Umtausch der einheimischen Währung Kyat (Schwarztausch in Yangon, offiziell verboten, wird aber geduldet) erhält man den besten Wechselkurs für US$-100-Scheine.
Veranstalter:
Individualtouren organisiert zum Beispiel Marco Polo
www.marco-polo-reisen.de
. Die 16-tägige Rundreise (nächster Termin: 15. Dezember) mit einem einheimischen Scout startet in Yangon und führt zu den klassischen Zielen wie Mandalay, dem Tempelberg von Sagaing und dem Pagodenfeld der alten Königsstadt Bagan. Außerdem vorgesehen: Ein Besuch bei den Beinruderern vom Inle-See. Grundpreis (gültig bei Buchung von mindestens 2 Personen) je nach Reisezeit und Hotelkategorie von 2249 bis 2999 Euro. Eingeschlossen sind Flüge, Übernachtung im Doppelzimmer, Verpflegung und Englisch sprechende Reiseleitung, Aufpreis für Deutsch sprechenden Scout 125 Euro.
Die unter dem Dach des Forums Anders Reisen zusammengeschlossenen Veranstalter engagieren sich für einen sozial- und umweltverträglichen Tourismus und fördern gerade in politisch schwierigen Ländern kulturelle Begegnungen und faire Bezahlung Einheimischer. Im Programm sind zahlreiche Myanmar-Angebote, etwa die kombinierte Bus-/Bootsrundreise »Abenteuer im goldenen Land«: Zwei Wochen mit Besichtigung der Klöster und Pagoden von Yangon und Bagan, Trekkingtour zu Teeplantagen, Abstecher zum Inle-See und Flussfahrt auf dem Ayeyarwaddy kosten von 2690 bis 2940 Euro pro Person. Infos unter Tel. 0761/13776888,
www.forumandersreisen.de
Einreise: Für Myanmar besteht Visumpflicht. Individualreisende richten sich an die Botschaft der Union Myanmar, Thielallee 19, 14195 Berlin, Tel. 030/2061570, www.botschaft-myanmar.de . Bei Buchung über Gruppenreise Antragstellung über den Veranstalter
Zum Thema:
Eine Bildergalerie der Reise durch Myanmar von Susanne Weingarten
- Datum 5.2.2009 - 19:26 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 21.09.2006 Nr. 39
- Kommentare 3
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Vielen Dank für diesen Artikel über Myanmar. Mein Mann war Anfang der 80-Jahre für mehrere Monaten in diesem Land tätig und ich habe ihn in dieser Zeit des öfteren besucht.
Ich kenne allerdings die Pagodenstadt, die Sie Bagan nennen
unter den Namen Pagan.
Nun würde ich gerne erfahren, ob dies ein Fehler Ihrerseits
oder eine Umbenennung durch die Burmesen ist.
MfrGr.
Elizan
Antwort der Redaktion: Die Militärregierung hat dem Land selbst und fast allen Städten seine vorkolonialen Namen zurück gegeben. So hat sich auch "Pagan" in "Bagan" verwandelt.
Myanmar gehört zu den schönsten Ländern die wir als Familie bisher bereist haben (und wir haben schon einige gesehen!). Die Eindrücke die wir mitgebracht haben, spiegeln sich zum Teil in dem Artikel "Ein Land für die Götter" wieder. Ich möchte jedoch mit meinem Kommentar gerne ergänzen, dass wir die "Burmesen" als die freundlichsten Menschen kennengelernt haben. Es gab bisher nichts, welches diese Freundlichkeit und Offenheit hätte toppen können. Man sollte vielleicht die Schönheit des Landes und die bemerkenswerten Einwohner mehr schätzen und nicht die kommerziellen Gedanken und Vergleiche mit Qualtität der Autos für Touristen.
Das spenden von 50 $ ist eine schöne Geste, jedoch vollkommen überflüssig dieses zu erwähnen. Ich schätze Hilfsbereitschaft sehr, aber wenn diese von Herzen kommt, dann sollte das ausreichen.
Myanmar gehört zu den armen Ländern, ohne jede Frage! Die ausgeglichenen Einwohner jedoch zeigen auch, dass man auch auf andere Weise zufrieden leben kann. Man sollte nicht voreilig als Einreisender vermuten, dass alle in Myanmar ein schlechtes Leben führen. Unsere Vorstellungen von Luxus und wie das Leben lebenswert ist unterscheiden sich extrem.
Wir hatten eine sehr schöne Zeit, auch auf eigene Faust unterwegs in Myanmar, hatten mehr als eine Bahnfahrt, die auch sehr schön war und wir kamen ausgeglichen und zufrieden aus einem wunderschönen Urlaub. Im kommenden Jahr werden wir wieder nach Myanmar reisen.
Vielen Dank für Ihren Reisebericht aus Myanmar. Ich kehre gerade von einem Arbeitsaufenthalt für eine Internationale Organisation aus Burma zurück. Während dieser Zeit konnte ich mich selber von der Faszination dieses Landes, seiner Menschen und Kultur überzeugen.
Ein Besuch dieses Landes sollte jedoch nur erfolgen, wenn man sich ausgiebig mit der jetzigen Situation des Landes beschäftigt hat, und seine Reise (wie Sie es getan haben) individuell plant.
Dem normalen Touristen wird eine heile Welt in einem genau abgesteckten Korridor vorgespielt. (Bagan, Mandaly, Inle Lake, Beach Resorts) Verlässt man diesen Korridor, so kann es sein, dass man mitten in der Nacht unsanft von Polizisten aufgeweckt und verhört wird. Die Angst der Einheimischen Bevölkerung ist spürbar. Es herrscht praktisch kein Vertrauen zwischen den Menschen.
Seit das Land sich für den Tourismus geöffnet hat, profitiert die Militärjunta von ausländischen Devisen, welche die Touristen ins Land bringen. Betrachtet man die steigenden Tourismuszahlen und die wachsenden Militärausgaben, so kann man hier einen Zusammenhang erkennen.
Der Besucher muss sich bewusst sein, dass er in ein Land fährt in dem zurzeit massive militärische Offensiven gegen ethnische Minderheiten durchgeführt werden. (Karen State, Shan State) Diese Offensiven beinhalten die völlige Zerstörung von Dörfern und die Ermordung und Vertreibung von Minderheiten. Tausende Menschen sind zurzeit im Osten des Landes auf der Flucht vor dem Burmesischen Militär und verstecken sich im Dschungel. Ganz zu schweigen von den Hunderttausenden, welche seit Jahren in Flüchtlingscamps in Thailand und Bangladesh leben.
Einem Besucher Myanmars würde ich daher empfehlen, auch dieses wahre Gesicht Myanmars zu sehen. Schoen wäre es wenn die Zeit hierüber auch einmal ausführlich berichten würde.
Wir können nur hoffen, dass sich die politische Lage in diesem Land bald verändern wird. Die Menschen dort haben besseres verdient.
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