Jugend Mensch, Alter
Die neue Shell-Jugendstudie zeigt eine Generation, die Gründe hat zu rebellieren – aber nicht will
Die Jugend ist, wie sie ist – und vor allem ist sie ein Kind ihrer Zeit, ein Produkt der Erziehung ihrer Eltern, der Vorbilder, die die Gesellschaft ihr geliefert hat. Wenn also 15-Jährige heute engagierter über Auslandsschuljahre, Zusatzqualifikationen und ein möglichst gutes Abitur diskutieren als über Ökologie, Feminismus oder Menschenrechte, wenn sie Politik und Parteien fern stehen, sich ihre eigene Light-Version einer Religion zusammenbasteln, den Zuzug weiterer Ausländer nach Deutschland eher ablehnen und langsam ein skeptisches Verhältnis zu den dynamischen Rentnern entwickeln, dann spricht aus ihnen keine Orakelstimme, keine höhere Weisheit. Dann spiegeln sie uns, die Erwachsenen, und die Großereignisse und sozialen Trends, die ihr wie unser Leben in den letzten Jahren bestimmt haben.
Die 15. Shell-Jugendstudie, die gerade in Berlin vorgestellt wurde, befasst sich detailliert mit den Perspektiven, den Werten und Befindlichkeiten der 15- bis 25-Jährigen. Mehr als 2500 repräsentativ ausgewählte Jugendliche wurden in der (seit 1952 alle vier Jahre erhobenen) Stichprobe befragt. Besonders interessante Befunde liefert die Studie zum Generationenverhältnis, zu den negativen Auswirkungen des wirtschaftlichen Klimas auf das Lebensgefühl der jungen Leute und zu der wachsenden Gruppe von Jugendlichen mit schwerwiegenden psychischen und sozialen Problemen.
Letztere liegen Klaus Hurrelmann, dem Leiter des wissenschaftlichen Teams, das die Shell-Studie erarbeitet, besonders am Herzen. Wie viele sind es? Die Studie kreist die problembeladenen Jugendlichen von verschiedenen Seiten ein: Acht Prozent haben ein düsteres Bild ihrer eigenen Zukunft, und die Sorgen hängen vor allem mit den eigenen Bildungsperspektiven zusammen: »So blicken Jugendliche an den Hauptschulen mit deutlich geringerem persönlichen Optimismus in die Zukunft (38 Prozent) als ihre Altersgenossen an den Gymnasien (57 Prozent).« Gut zehn Prozent der Jugendlichen verlassen die Hauptschule gar ganz ohne Abschluss, neun Prozent haben ein schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern; Fehlernährung, Nikotinkonsum, mangelnde körperliche Bewegung und eine extrem schädliche Mediennutzung kumulieren in dieser Gruppe.
Hurrelmann schätzt, dass es etwa 15 Prozent definitiv überforderte Elternhäuser gibt. Und diese Überforderung steht in einem engen Zusammenhang mit mangelnder Bildung und materieller Armut: »Armut macht die Menschen unsouverän, Väter verlieren ihre Rolle, Mütter ihre Gelassenheit, es entsteht eine Atmosphäre der Haltlosigkeit, oft kommen Alkoholprobleme hinzu, und die Kinder wachsen an der Grenze der Verwahrlosung auf.« Natürlich gebe es Jugendliche, die sich auf wundersame Weise selbst auch aus den schwierigsten Verhältnissen retteten, aber auf zehn bis 15 Prozent müsse man die Zahl der schwer belasteten jungen Leute – darunter deutlich mehr Jungen als Mädchen – durchaus schätzen, Tendenz steigend.
Fleißig, pünktlich, zuverlässig – die alten Werte kehren wieder
»Eine große Volkswirtschaft wie Deutschland muss einsehen, dass die Dinge auch wirtschaftlich riskant werden, wenn eine derart nennenswerte Gruppe von Kindern sozial und leistungsmäßig absackt«, warnt Hurrelmann. »Wir wissen, dass ökonomisch schwache Eltern mitunter problematische Erzieher sind. Aber wir alle, auch und gerade die Vertreter der Wirtschaft, müssen begreifen, dass schlecht erzogene Kinder einen gewaltigen ökonomischen Nachteil für das Land bedeuten.« Um den Eltern die Mischung aus liebevoller Zuwendung und notwendiger Distanz, aus Klarheit und Zuverlässigkeit beizubringen, die für eine gelingende Erziehung unerlässlich ist, fordert Hurrelmann Trainingskurse für Väter und Mütter, die verpflichtend an die Anmeldung eines Kindes im Kindergarten oder in der Grundschule geknüpft werden könnten. »Auch über finanzielle Bonusregelungen für kooperative Eltern kann man nachdenken. Und, ganz wichtig: Schulen müssen durch intelligentere Mittelzuweisung und mehr Autonomie dazu ermutigt werden, sich auch ›schwieriger‹ Kinder offensiv anzunehmen.«
Die Shell-Studie verengt das Bild freilich nicht auf Problemgruppen, sondern eröffnet eine Art Vogelperspektive auf die gesamte jüngere Generation. Und die sieht ihre persönliche Zukunft immer noch zur Hälfte optimistisch. Allerdings haben die Globalisierungs- und die radikalen Reformdebatten der vergangenen Jahre auch bei den Jugendlichen ihre Spuren hinterlassen: Mehr als zwei Drittel fürchten sich heute vor Arbeitslosigkeit (2002: 55 Prozent). Dazu passt, dass 58 Prozent von ihnen dafür plädieren, in Zukunft möglichst weniger Zuwanderer als bisher in Deutschland aufzunehmen.
Die latenten Ängste führen bei den jungen Menschen im Alltag nicht zu Renitenz und Auflehnung, sondern vor allem zu Anpassung und extremer Leistungsorientierung. Fleiß, Zuverlässigkeit, Höflichkeit und Pünktlichkeit, das weiß man auch aus dem soeben erschienenen Jugendsurvey 3 des Deutschen Jugendinstituts in München, stehen bei ihnen hoch im Kurs. Insofern gehen Diskussionen über eine nötige Renaissance der Disziplin, wie sie etwa der Pädagoge und ehemalige Leiter des Internats Schloss Salem, Bernhard Bueb, gegenwärtig anzustoßen versucht (Lob der Disziplin. Eine Streitschrift), zumindest an einem Teil der jugendlichen Wirklichkeit vorbei. »Man sieht eine Generation, die alle Erwartungen der Gesellschaft nach Verantwortung, Leistungsbereitschaft und Familiensinn erfüllt«, bilanzieren die Verfasser der Shell-Studie: »Unbekümmertheit und Unbeschwertheit – nach Definition der Jugendlichen ›eigentlich‹ Kennzeichen der Jugendphase – sind wenig zu spüren.«
Der erhöhte Druck führe zu vermehrten gesundheitlichen Problemen in der fraglichen Altersgruppe, sagt Klaus Hurrelmann: »Mädchen reagieren darauf mit depressiven Verstimmungen und psychosomatischen Störungen, Jungen versuchen den Druck aggressiv nach außen loszuwerden.« Eine fatale Reaktion auf die Arbeitsplatzknappheit in Deutschland sei die geradezu unverantwortliche Verlängerung der Ausbildungszeiten gewesen: Man habe die Jugendlichen in den Bildungseinrichtungen geparkt, und es dauere immer länger, bis Berufseinstieg, Auszug aus dem Elternhaus und eigene Kinder den Schritt in die Erwachsenenwelt dokumentierten. »Und das in einer Zeit, in der die Kindheit zugleich immer kürzer wird, die Pubertät häufig schon mit zehn oder elf Jahren einsetzt«, betont der Jugendforscher. Erschwerend komme noch die auffällige »Juvenalisierung« des Erwachsenenalters hinzu, sprich: Eltern werden ihren Kindern immer ähnlicher. »Die Tochter kommt mit einer provokanten Frisur nach Hause, und die Mutter fragt nach der Adresse des Friseurs, statt sich aufzuregen. Wie soll sich das Mädchen da abgrenzen? Wie soll sie sagen: Das bin ich, und ich bin jemand anderer als ihr?«
Die notwendige Spannung zwischen den Generationen sei fast verschwunden, sagt Hurrelmann, 70 Prozent der Jugendlichen würden zum Beispiel ihre Kinder genau so erziehen wollen, wie die eigenen Eltern dies getan hätten. »Das klingt harmonisch, ist aber eigentlich zutiefst beunruhigend. Die Alten rücken den Jungen dermaßen auf den Pelz, dass die kaum noch Luft zum Atmen haben.« Um sich aus dieser Umklammerung zu befreien, müssten die Jüngeren in einer vollkommen unverhältnismäßigen Weise auf die Pauke hauen. Das tun sie nicht, dafür sind die Konflikte mit den Eltern wieder zu gering, die wirtschaftlichen Verhältnisse zu schwierig, das »Hotel Mama« zu bequem.
Die »jungen Alten« rücken den Jüngeren auf den Pelz
Bisher. Es sieht so aus, als zeitige die Enteignung der Jugendkultur, die Enteignung von Kleidung, Musik und Sprache durch die Erwachsenen erste Wirkungen. Die Shell-Studie beschreibt ein gespaltenes Verhältnis der Jungen zu den Älteren: Die Generation der Hochbetagten wird als Aufbaugeneration der Bundesrepublik geachtet. Dass hingegen heute die »jungen Alten« im Alter zwischen Mitte 50 und Mitte 60 ihr Leben ohne Kittelschürze und Rentnerbenehmen gestalten, ruft ambivalente Reaktionen hervor. Obwohl die Jugendlichen ein aktives Alter positiv bewerten, wird es laut Studie problematisch, »wenn die Senioren sich einmischen, wenn sie zur Konkurrenz werden, wenn sie vermehrt in Bereichen auftauchen, die früher der Jugend vorbehalten waren.« Um welches Unbehagen es hier gehen könnte, verdeutlicht ein Blick in Vorlesungen und Seminare, die in manchen Fächern und an manchen Hochschulen schon fest in den Händen der 50-plus-Generation zu sein scheinen.
Auf einen neuen Generationenkonflikt haben nicht zuletzt die Medien lange gewartet. Nach den Ergebnissen der 15. Shell-Studie scheint er sich – in sehr zivilisierter Form – zumindest anzudeuten. Nur geht es dabei offenbar – anders als vermutet – weniger um die Rente als vielmehr um Fragen kultureller Freiräume und der generationellen Identität.
Aus dem Archiv
Viele Jugendliche glauben nicht an eine gute berufliche Zukunft, sagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung (ZEIT 32/2005) »
Jugendliche in Deutschland - Sie werden früher geschlechtsreif und später flügge. Dazwischen suchen sie ihr Ich (ZEIT 46/2003) »
- Datum 21.09.2006 - 12:19 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 21.09.2006 Nr. 39
- Kommentare 16
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Das wissen wir doch alles ! Wir brauchen nicht mehr Studien, sondern mehr Angebote und "unerschrockene Leitbilder"! Kommunismus und Nationalsozialismus haben es verstanden die Jugendbedrüfnisse zu bedienen. Die "sogenannte" Demokratie mit unseren hochbezahlten globalisierten Wirtschaftslenkern und einer Politikkultur, die sich von den heutigen Zuständen in Ungarn im Niveau kaum unterscheidet, bieten nichts als warme Worte und "man müßte, sollte, könnte" Aktionismus ! Machen statt reden ist angesagt ... und auch mal ohne Nadelstreifen anfassen ... ein Tag Spargelernte mit Frau Merkel ... oder Herr Jung nimmt den Klappspatten und gräbt eine Erdstellung im afrikanischen Boden bis der Schweiß in Strömen fließt ! Leider haben extrem Rechte wie Linke da die überzeugenderen Führungskräfte und so wird diese Entwicklung vermutlich auch weitergehen ! Neid statt Anerkennung von Taten und Trennen statt Zusammenführen lassen diesen Staat zerbrechen. Wir berauben uns unserer Zukunft selbst !
Kann es nicht sein, dass wir einfach nur eine neue Leitkultur brauchen??? Menschen mit gelebten Idealen?
Und zu den jungen Alten ein Satz aus dem Desiderata:
"Nimm den Rat, den dir die Lebensjahre geben, freundlich an,
und lass mit Würde ab von dem, was zur Jugendzeit gehört."
Aber es muss wohl jeder selbst entscheiden wann er das macht! :-)
In diesem Forum haben wir uns jetzt einige Male ausge-
tauscht. Ich möchte jedoch lieber warten, bis sich auch andere Teilnehmer zu Wort melden, bevor ich noch einmal meine Ansichten zu diesem Thema äußere und Gefahr laufe, mich zu wiederholen. Eins noch: Wenn Menschen ihre schlechte Seite ausleben, führt dies häufig eher in den Bereich des Strafrechts als in den Bereich der Metaphysik. Dass Sie dort nicht wohnen, ist eigentlich schade, denn wonach sollen wir unser Handeln ausrichten, wenn nicht nach unserer Erkennt-
nis?
Ich möchte demnächst die METAPHYSIK des Aristoteles lesen. Vielleicht könnten wir dann gewinnbringend über dieses Thema
sprechen. Zum Abschluss: Mein Ziel ist es, zu zeigen, dass häusliche Eintracht begrüßenswert und ein hohes Gut ist, doch leider nichts nützt, wenn das Land - dem es heute sicher besser geht als nach dem Krieg - immer mehr an Bedeutung und Einfluss verliert. Menschen brauchen Gegner, die sie herausfordern, damit sie an deren Überwindung wach-
sen können. Ich bin einfach gegen eine falsche Schonung, da uns die Realität früher oder später doch einholt - spätestens dann, wenn Menschen von außerhalb kommen, die leistungsfähiger sind als wir und uns unser Land mit all seinen Errungenschaften kaputtmachen, weil sie andere Ansichten vertreten oder andere Werte als die Humanität hochhalten. Gerade deshalb müssen wir nach meiner Einschät-
zung leistungs- ,konflikt- und konkurrenzfähig bleiben:
Weil wir hohe sittliche Werte verkörpern können und zu verkörpern haben. Diese gibt es nur auf einem zivilisa-
torisch hohen Niveau. Dieses gilt es in unserem Land zu halten und in der Welt anzuheben: Damit möglichst viele Kinder mit ihren Eltern auf einer angemessenen Ebene strei-
ten und sich auch wieder mit ihnen versöhnen können, da die Fehler verzeihlich geblieben sind.
"Die Tochter kommt mit irgendeiner Frisur - und die Mutter schimpft deswegen nicht. Wie kommen Sie hier zu der absurden Schlussfolgerung, Widerstand sei nicht erlaubt?"
Es war von einer provokanten Frisur die Rede, sodass ich aus der Situationsschilderung geschlussfolgert habe, diese Aufmachung der Tochter wäre mit den Ansichten der Mutter nicht zu vereinbaren -"
Woher wissen Sie das? Das Beispiel hat Herr Hurrelmann formuliert, nicht die Mutter. Herr Hurrelmann findet die Frisur "porvokant", während sie der Mutter offensichtlich gefällt.
"die Mutter betreibt nach meiner Ansicht in diesem Fall Dissensvermeidung."
Ich sehe kenen Dissens, sondern Übereinstimmung. Die Frisur gefällt der Mutter. Das allerdings darf nach Hurrelmann nicht sein. Er nennt das Anbiedrung an die Jungen.
"Warum finde ich das problematisch? Weil ich der Überzeugung bin, dass zwischenmenschliche Beziehungen immer (!) ambivalenter Natur sind."
Das mag durchaus so sein. Die Frage ist, wie gehe ich mit der Ambivalenz um? Mit einen für auoritäre System kennzeichnenden "Enwedert - oder", oder mit dem in demokratischen System üblichen "Sowohl - Als auch", wie es dem Grundsatz von Toleranz und friedlichem Nebeneinander entspricht.
"Provokant" waren vo 40 Jahren die Rollling Stones - heute gelten sie als Klassiker, und ihre Konzerte sind generationenübergreifende Veranstaltungen.
Würden Ihre Schlussfolgerungen auch gelten, wenn z. B. die Tochter mit Karten für ein als außerodentlich provokant geltendes Theaterstück nach Hause käme, und die Mutter sich sofort auch Karten besorgte, weil sie sich für dieses Stück ebenfalls interessierte? Oder wenn Mutter und Tochter zusammen vierhändig Klavier spielten?
Dass Eltern und Kinder nicht friedlich miteinander leben und sich in gegenseitigem Respekt begegnen könnten, ist eine jener Legenden aus autoritären Zeiten, unter deren Spätfolgen anscheinend eine Menge Journalisten und auch manche Sozialforscher leiden, die sich so etwas deshalb nicht vorstellen können. Mit Wissenschaft und Forschung hat das nichts zu tun, eine Menge aber mit Vorurteilen.
»Die Tochter kommt mit einer provokanten Frisur nach Hause, und die Mutter fragt nach der Adresse des Friseurs, statt sich aufzuregen", behauptet Herr Hurrelmann.
Woher weiß er das? Auf welcher Datenbasis beruht diese Behauptung - oder hat er sie, wofür manches spricht, der Einfachheit halbe aus BILD übernommen?
Und weiter heißt es:
"Die notwendige Spannung zwischen den Generationen sei fast verschwunden, sagt Hurrelmann, 70 Prozent der Jugendlichen würden zum Beispiel ihre Kinder genau so erziehen wollen, wie die eigenen Eltern dies getan hätten. »Das klingt harmonisch, ist aber eigentlich zutiefst beunruhigend."
Seit wann ist es beunruhigend, wenn die Kinder ihre Eltern als Vorbild nehmen? Galt bisher nicht die Identifikation mit den Eltern als der Kern von Erziehung schlechthin? Woher diese neuen Erkenntnisse, dass an die Stelle der Identifaktion als Motor der Erziehung nun die Abgrenzung getreten sei?
Und wie hält man es denn mit der Logik? So wird einerseits behauptet:
"Die Shell-Studie beschreibt ein gespaltenes Verhältnis der Jungen zu den Älteren: Die Generation der Hochbetagten wird als Aufbaugeneration der Bundesrepublik geachtet. Dass hingegen heute die »jungen Alten« im Alter zwischen Mitte 50 und Mitte 60 ihr Leben ohne Kittelschürze und Rentnerbenehmen gestalten, ruft ambivalente Reaktionen hervor."
Die 50-60jährigen repräsentieren doch wohl die Elterngeneration der Befragten. Wenn aber nun anderersetits 70 Prozent dieser Befragten ihre Kinder genauso erziehen wollen wie ihre Eltern, woher stecken dann die ambivalenten Gefühle gegen diese Generationen?
Dass Frau Gaschke in ihrer Begeisterung für alles, was mit Autorität zu tun hat und sich gegen die angebliche Verlotterungspädagogik der 68er richtet, gelegentlich die Übersicht verliert, kann man ja hinnehmen; dass aber eine pädagogischer Weltanschuungsprediger wie der Herr Hurrelmann dabei ist, den guten Ruf und den wiss. Wert der Shell-Jugendstudien zu ruinieren, das sollte man schon ernst nehmen.
@vonBoyer:
"Historische Gesetze"???
Da hat wohl einer zu viel Hegel gelesen!
Ich finde, aus der Studie ist viel Positives zu lesen...
Sie schreiben:
"Die Jüngeren müssen sich unter ihre Ägide fügen und werden dadurch fremdbestimmt. Das Dämonische an der Sache ist, dass dies nicht durch harte, sondern durch weiche Worte geschieht, sodass den Jüngeren ihr Beherrschtwerden gar nicht mehr so klar zu Bewusstsein kommt, wie früheren Generationen. In jedem Fall gilt: Widerstand ist nicht erlaubt."
Das ist schlicht und einfach Quatsch.
Ihre Ausführunge passen doch überhaupt nicht zu dem gewählten Beispiel: Die Tochter kommt mit irgendeiner Frisur - und die Mutter schimpfst deswegen nicht. Wie kommen Sie hier zu der absurden Schlussfolgerung, Widerstand sei nicht erlaubt?
Wenn sich Eltern und Kind mit Respekt und auf Augenhöhe begegen, heißt das gerade nicht, dass die eine Seite die andere unterdrückt, sondern dass beide Seiten das Recht haben, Ja oder Nein zu sagen. Beide Seiten.
Wollen Sie wieder Familienkriege wie zur Zeiten der Beatles wegen zu langer Haare? Hausarrest? Dass die Eltern tagelang mit dem Kind deswegen nicht mehr reden? Das Taschengeld sperren, bis es sich die von den Eltern gewünschte Frisur machen lässt? Man kann doch gar nicht genug dankbar sein, dass wir diesen Schwachsinn und diese Zeiten hinter uns gelassen haben.
Wenn 70% der jungen Erwachsenen ihre Kinder genau so erziehen wollen, wie sie von ihren Eltern erzogen wurde - und das sagt die Studie aus -, dann haben die Eltern ihre oberste Erziehungspflicht beispielhaft erfüllt: den jungen Menschen Orientierung zu vermitteln. Das konnte bisher in Deutschland noch keine Elterngeneration in so umfassenden Sinne vor sich sagen. Dass dies Herrn Hurrelmann und Konsorten nicht passt, ist verständlich. Sie werden dann nämlich überflüssig.
Was hat denn der Generationekrieg der Vergangenheit gebracht? Hass, Verbitterung, Feindschaft und sinnloser Kräfteverschleiß bei Eltern wie bei Kindern. Wer bei Verstand ist, kann sich doch so etwas nicht zuwückwünschen.
DAS finde ich gut, auf den Punkt genau.
Ich kenne Leute, die sich vornehmen, "Oma in Jeans auf ner Harley" zu werden und mit ihren Kindern (die jetzt noch im Kiga sind) in die Disko wollen.
Das ist distanzlos und eigentlich nur eine verbrämte Überwachung durch kontrollwütige Eltern. Wäre ich jetzt ein Teenager, würde mich das auch gewaltig stören.
So lohnt es sich doch, eine weitere Studie zur Kenntnis zu nehmen, obwohl es davon schon viele gibt.
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