Glosse Das Letzte

Ein Bürgergeld belohnt nur die Faulen und Fetten. Welch eine Torheit!

Mit blankem Entsetzen haben wir vernommen, dass Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) vorschlägt, alle Sozialleistungen abzuschaffen und stattdessen jedem Deutschen jenseits von Stand und Klasse ein »Bürgergeld« von achthundert Euro in die Hand zu drücken. Welch eine Torheit! Denn ein Bürgergeld belohnt nur die Faulen und Fetten. Es adelt die Müßiggänger, Traumtänzer, Stubenhocker und Sterngucker. Soeben hat ein toller Hecht vom Enthüllungsmagazin stern investigativ herausgefunden, dass nichtsnutzige Berliner Hartz-IV-Empfänger ihre Freizeit mit Angeln verbringen und die gefangenen Fische ungeniert in die Spree zurückwerfen, einfach so, nur zum Zeitvertreib!

Unser Tieftaucher vom stern hat Recht: Der brave Bürger arbeitet sich an der Hungergrenze arm, während der Arme durch Arbeitslosigkeit satt wird, sonst würde er ja essen, was ihm an die Angel kommt. Sagen wir es ruhig offen: Die Arbeitslosen sind die Aristokraten von heute. Sie nehmen es vom Lebendigen. Sie säen nicht, sie ernten nicht und haben trotzdem gute Laune. Wie damals. Sie tragen die Nase hoch und sind die Herren der Zeit. Das Arbeitsamt ist ihr Königsschloss. Hier hält der neue Adel Hof, hier lebt er feudal in Saus und Braus. Und siehe da, die ersten pudern sich schon. Im Rokoko der Arbeitslosen wird getanzt und gelacht und geliebt, während wir Bürger für sie schuften und rackern im Schweiße unseres Angesichts.

Männliche Adlige werden den Weibern immer ähnlicher. Sie betonen die Taille, sie benutzen Schönheitspflästerchen und nennen es Piercing. Bezahlt von unserem Bürgergeld. Die Kecken tragen wieder Zöpfe, von einer delikaten Seidenschleife zusammengehalten. Sie machen unseren anständigen Frauen schöne Augen, für eine Nacht, nur zum Vergnügen. Sie werben um sie mit reichem Besatz, mit Girlanden, Spitzen und gebänderten Schuhen, wie damals. Wir braven Bürgerskinder aber sind nackt und haben nichts als die Ketten, die uns an den Umverteilungsstaat fesseln. Wir wünschten uns Kuchen und bekommen nur Brot. Noch kriechen wir sittsam zu Kreuze. Aber nicht mehr lange. Wir Bürger kennen uns, wir werden nicht lange fackeln. Wird der gepuderte Adel frech, dann gehen wir ungepudert auf die Barrikaden. Wie damals. Dann sind wir munter wie ein Fisch im Wasser, und ein Robespierre wird sich schon finden. Gnade euch Gott. Ruck, zuck, und der Zopf ist ab. Vive la révolution!

 
Leser-Kommentare
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    Ein Bürgergeld belohnt nur die Faulen und Fetten. Welch eine Torheit!

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    Reine Polemik. Wie soll man, Finis, mit Menschen - ja, es sind Menschen - umgehen, die keine Chance haben, jemals einen Vollzeitjob bekommen, wovon sie sich und gegebenenfalls eine weitere Person vernünftig zu ernähren?

    Der Traum von der Vollbeschäftigung - wie ihn ein paar Politiker immer noch träumen - ist mit dem technischen Fortschritt, der überall, ja sogar in China, herrscht, ausgeträumt.

    Wollen wir die Menschen uns entledigen? So wie die Sondermülle? In Afrika?

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    Unser Tieftaucher vom stern hat Recht: Der brave Bürger arbeitet sich an der Hungergrenze arm, während der Arme durch Arbeitslosigkeit satt wird, sonst würde er ja essen, was ihm an die Angel kommt.

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    Jeder kann einen Antrag auf zuzätzliches ALG II stellen, dann wird geprüft ob und wieviel derjenige bekommt. Also die von der Politik gewünschten Kombilöhne sind ja schon da.

    Und vorallem, warum zahlen die Unternehmen nicht mehr Lohn? Sie verweisen nur auf die Globalisierung. Aber wenn dann die Menschen auch die 'angenehmen' Seiten der Globalisierung wahrnehmen wollen, schreien die Unternehmen.

    So geschehen im Fall allofmp3.com. Haben eine gültige Lizenz die Produkte zu verkaufen, baten die westlichen Rechteverwerter sogar darum, ihre Tantiemen abzuhohlen, was diese aber schlichtweg ablehnten. Nein, sie strengen dann ein Gerichtsverfahren an, welches dieses Portal als illegal behandelt wissen will. Stattdessen sollen wir in deren Portalen kaufen, minderwertige Ware mit DRM verseucht, wo der Künstler nur Bruchteile davon erhält.

    Gottlob, es gibt noch andere Wege, hochwertige Musik zu einem Bruchteil zu kaufen - [Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion]/ ist ein solches.

    Jedes Urteil zu SGB II, welches sich mit der Höhe von ALG II beschäftigt, besagt, daß die Sozialleistungen sehr knapp kalkuliert wurden. Also nichts mit teuren Mercedes fahren und Pelzmänteln tragen.

    Die wahren Schmarotzer sitzen in Politik und Wirtschaft.

    * Kohl - Spendenaffäre

    * Schumacher, Infineon - hat Schmiergelder erhalten

    * Schröder, Aufsichtsratsposten bei Gazprom

    * Schily, 2 Aufsichtsratsposten in der Überwachungsbranche

    * Werner Müller - Chef RAG

    * Clement - Aufsichtsratsposten bei RAG

    * Udo Schneider - Verurteilt wegen Schmiergeldzahlung an Schumacher & Co.

    Die Liste ließe sich beliebig erweitern.

    So kostet die A2LL-Software von T-Systems zur Verwaltung von Langzeitarbeitslosen jedes Jahr 230 Millionen Euro zuzätlich zu den normalen Betriebskosten.

    Zählt man alle zusätzlichen Ausgaben zusammen, kommt man auf fast 500 Millionen Euro Zusatzkosten.

    Hartz IV-Software: 230 Millionen Euro Zusatzkosten - [Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion]

    Also ich halte den Artikel für reine Polemik und Hetze, oder aber mein Ironie-Detektor ist hinüber.

    • uff
    • 28.09.2006 um 15:09 Uhr

    ist hoffentlich das richtige Fremdwort als Gegenbegriff zum Bürgergeld.
    Ansonsten bin ich ein großer Spatzenfan und finde es heuchlerisch, den französischen "Clochard" - zu finden bei Jaques Tati - zu umschwärmen, die hiesigen Paradiesvögel aber abschaffen zu wollen.
    Die informellen Bereiche dürfen nicht stigmatisiert werden.

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