Synthetisches Leben Nano in Gottes Namen

Der Pionier der Nanotechnik hat sich der Biologie zugewandt. In den Bausteinen des Lebens glaubt Cees Dekker den Hauch des Schöpfers zu spüren. Die Evolutionstheorie könne sehr viel erklären - aber nicht alles.

»Eine lebende Zelle ist ein Sack voller Nanomaschinen.« Cees Dekker liebt kurze Sätze, in denen sich seine Forscherbiografie spiegelt. Weltberühmt wurde der niederländische Physiker mit Arbeiten über Carbon Nanotubes, kleinste Kohlenstoffröhrchen mit ebenso erstaunlichen wie nützlichen Eigenschaften in Elektronik und Materialwissenschaft. »Wir waren extrem erfolgreich, aber mit der Zeit wurde es ein bisschen langweilig«, sagt der schlanke Mittvierziger mit der grauen Föhnfrisur und lächelt selbstbewusst. Vor sechs Jahren hat er sich in die Biophysik gestürzt. Seitdem studiert er das komplexe Zusammenspiel von DNA-Strängen, Proteinen, Enzymen und den anderen molekularen Bausteinen des Lebens. »Von der Nanotechnologie der Natur können wir eine Menge für die nichtorganische Welt heutiger Elektronik lernen«, sagt Dekker, »und wir wollen lernen, mit unseren nanotechnischen Methoden in die natürlichen Abläufe einzugreifen.« Gezieltes Einschleusen von Sensoren und Medikamenten in einzelne Zellen oder Reparaturarbeiten an DNA-Molekülen stehen auf seinem Forschungsprogramm am Institut für Nanowissenschaften an der Technischen Universität Delft. Auch dafür hat Dekker einen seiner programmatischen Kurzsätze parat: »Wir nutzen Bio für Nano und Nano für Bio.«

Drei Jahre brauchte Überflieger Dekker, um sich in die Grundlagen der Molekularbiologie einzuarbeiten, dann kam auch hier der Erfolg. Schon mit den Nanoröhrchen hatte er es viermal auf die Titelseiten von Nature und Science geschafft. Jetzt adelten die Leitmedien der Forscherzunft auch seinen tiefen Blick in die Zelle mit mehreren Artikeln und einem Titelblatt. Dazu kamen Ehrungen und Auszeichnungen, darunter Hollands wichtigster Wissenschaftspreis – und viel Geld. Die amerikanische Kavli-Stiftung überwies 7,5 Millionen Dollar nach Delft, und das heimische Wissenschaftsministerium finanziert den über 100 Mitarbeitern gerade einen ultramodernen Institutsneubau. Nanoforschung ist schwer in Mode, und Cees Dekker ist ihr europäisches Aushängeschild.

Aber ausgelastet ist er damit keineswegs. Nach der Arbeit spielt er Gitarre in einer Bluegrass-Band, nimmt zusätzlich Saxofon-Stunden, ist bei den beiden wöchentlichen Gemeinschaftsabenden in der Wohnküche seines christlich motivierten Hausprojekts dabei und radelt am Sonntag durch die beschauliche Altstadt von Delft zum Gottesdienst seiner Evangelikalen Kirche.

Als wäre all das nicht genug, erspäht Dekker seit einiger Zeit beim Blick durch das extrem hochauflösende Rastersondenmikroskop in seinem Labor nicht nur Maschinen im Nanomaßstab und winzigste Bausteine des Lebens – er spürt dabei auch den Hauch Gottes. In seinen Science- und Nature -Artikeln ist davon nicht die Rede. Dafür aber in den beiden Büchern, die Dekker zur Verteidigung der Idee des Intelligent Design geschrieben hat. Diese vor allem in den USA populäre Kritik an Darwins Evolutionstheorie geht davon aus, dass das Leben in seiner Vielfalt nicht einfach durch zufällige Mutation, Auswahl und Anpassung entstanden sein kann, sondern dem intelligenten Entwurf einer höheren Macht folgt.

Mit den primitiven Glaubenssätzen amerikanischer Kollegen will der aufgeklärte Niederländer nichts zu tun haben. »Für 99 Prozent der biologischen Forschung spielt die Frage von Zufall oder Schöpfung nicht die geringste Rolle«, sagt er, all dies passe einwandfrei ins Konzept der Evolution. Dann ergänzt er lächelnd: »Aber das eine Prozent, das übrig bleibt, ist doch hoch interessant.« Endlose Diskussionen hat er im Nano-Institut darüber geführt. Fruchtbar waren sie nicht. Denn es fehlt jedes wissenschaftliche Konzept dafür, wie ein intelligentes Eingreifen in die Evolution eigentlich abgelaufen sein könnte, und wer dafür verantwortlich ist. Am Ende bleibt nur die Glaubensfrage. »Cees ist überzeugt, dass er Recht hat und die anderen nicht«, sagt einer seiner direkten Kollegen genervt, »aber er gibt sich tolerant gegenüber dummen Menschen.« Mancher hält Dekkers Lächeln inzwischen für arrogant.

Er muss makellos arbeiten, um sich Zweifel an Darwin leisten zu können

Bescheidenheit ist tatsächlich nicht seine Zier. »Weitere Indikatoren für Qualität, Reputation und innovatives Potenzial« heißt eine der Zwischenüberschriften auf seiner persönlichen Website. Was folgt, ist eine beeindruckende Liste von Erfolgen, Berufungen und Funktionen. Zwischen 10 und 20 Eröffnungsreden hält er pro Jahr auf wissenschaftlichen Kongressen, und natürlich »übersteigen die Einladungen diese Zahl um einen großen Faktor«. Dekker weiß: Nur wenn seine wissenschaftliche Arbeit absolut makellos ist, kann er sich seine öffentlichen Zweifel an der Evolutionstheorie leisten.

In den Niederlanden hat er damit auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebs für Furore gesorgt. Die konservative Bildungsministerin Maria van der Hoeven war von ihm so beeindruckt, dass sie Intelligent Design Ende vergangenen Jahres zum Thema eines Kongresses machen wollte. Ein Aufschrei der Wissenschaftsgemeinde und eine parlamentarische Anfrage der Opposition brachten sie von dem Vorhaben wieder ab. Dabei wäre öffentliche Aufmerksamkeit gewiss gewesen. Dekker trifft einen Nerv der Zeit. Sein jüngstes Buch Und Gott schuf einen Wurm – über Schöpfung und Evolution hat es auf Platz eins der niederländischen Bestsellerliste geschafft.

Englische Übersetzungen seiner Bücher und Artikel zu Intelligent Design gibt es nicht. Dekkers Zweifel an der Evolution sind im Ausland bisher nicht registriert worden. Von einem Forschungsjahr in den USA Anfang der neunziger Jahre abgesehen, hat sich sein Leben zwischen den Grachten von Groningen, Utrecht und Delft abgespielt.

Schütteln Kollegen den Kopf, festigt das seinen Glauben

Hier ist er zu Hause, hier will er missionieren. »Ich bin auch gerne in den USA«, sagt er, »aber ich möchte mein Leben nicht nur im Labor verbringen.« In den Niederlanden kann er es sich so einrichten. »Wir arbeiten sehr effektiv.« Spätestens um 18 Uhr soll jeweils Feierabend sein, schließlich erwartet den Wissenschaftler noch ein Leben außerhalb des Instituts. »Der Ausgangspunkt meines Denkens ist die Verpflichtung zu Gott.« Auch so ein Satz, wie Dekker ihn liebt. Das Kopfschütteln der Kollegen nimmt er als Bestätigung für die Festigkeit seines Glaubens. »Vielleicht klingt das für einen Ungläubigen jetzt so, als ob ich mich damit als kritischer Wissenschaftler disqualifiziere«, schreibt er unter der Überschrift »Schuf Gott den Menschen oder schuf der Mensch Gott?« in seinem neuen Buch. Dabei hat ihm niemand Fehler in seinen wissenschaftlichen Arbeiten vorgeworfen.

Im Gegenteil. Das Delfter Institut strahlt im Licht des Nanopapstes, und alle wissen das. »Manchmal wurde uns mehr Geld angeboten, als wir verdient hätten«, sagt Hans Mooij. Mit seinen Arbeiten zu den Grundlagen des Quantencomputers war er ähnlich erfolgreich wie Institutskollege Dekker, blieb außerhalb des Wissenschaftsbetriebs aber unbekannt. Im Oktober wird er emeritiert. Vielleicht empfindet Mooij gerade deshalb jetzt so starkes Unbehagen gegenüber dem Nano-Hype. Von praktischen Anwendungen sei man Jahre entfernt. »Ich mochte den Begriff noch nie«, sagt er. Für die Beschreibung der Grundlagenforschung rund um die molekulare Mechanik und Elektronik sei er viel zu unscharf. »Alles, was man tut, ist ja irgendwie nano.«

»Ich mag den Begriff«, widerspricht Cees Dekker und lächelt in seinen Kollegenkreis, »denn er hat uns alle hier zusammengebracht.« Die meisten nicken zustimmend. So fruchtbar sei die Kooperation, dass man auf dem Weg zu einer »synthetischen Biologie« große Schritte vorankommen werde. Heute erlaubt Nanowissenschaft den scharfen Blick in die Zelle. In einigen Jahren gelingt ihr womöglich die gezielte Montage von Molekülen zu Protein-Maschinen. So wird der Forscher zum Schöpfer.

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Der Mensch…
Der niederländische Physiker Cees Dekker (47) ist ein Pionier der molekularen Elektronik. Ende der neunziger Jahre entwickelte er einen Transistor aus so genannten Carbon Nanotubes, winzigen Kohlenstoffröhrchen mit supraleitenden Eigenschaften. Seit zwei Jahren sorgt der evangelikale Christ in seiner Heimat mit Zweifeln an der Evolutionstheorie öffentlich für Furore.

…und seine Idee
Ist das Zusammenspiel von Proteinen, DNA und übrigen Bausteinen lebendiger Zellen ausreichend erforscht, wird man mit Nanotechnik gezielt in diese Abläufe eingreifen können. Am Ende stünde eine »synthetische Biologie«, die aus Einzelmolekülen Zellen zusammenbaut. Die Verknüpfung von DNA-Strang und Nanoröhrchen ist Dekker bereits gelungen.

 
Leser-Kommentare
    • Sumari
    • 05.10.2006 um 10:08 Uhr

    Jo Inuit, da setz ich mich mal zu Ihnen, wenn zwischen den Stühlen noch ein bischen Platz ist.
    Und ich nutze die Gelegenheit auf den Beitrag von "Logisch" zu antworten um uns auch mal in die andere Richtung ein wenig Raum zu verschaffen.
    Logisch, Sie schreiben: "Denn Welt ist Welt, und Gott ist Gott. Welt ist nicht Gott und Gott ist nicht Welt"
    Das sehe ich anders: Der Jüdsich-Christlich-Moslemische Glaubensbereich macht den Fehler das Verhältnis zwischen GOTT und der SCHÖPFUNG in eine Subjekt-Objekt-Beziehung aufzubrechen. Demgegenüber vertrete ich die Auffassung, dass sich GOTT in der Schöpfung zum Ausdruck bringt. Das wahre Wunder ist, dass wir ohne Behinderung Teil einer höheren Einheit sind und gleichzeitig vollkommen frei wir selbst. Mein Credo: Gott ist! Und Gott ist Alles. Und Alles ist in Gott.
    Wer den in Heisenbergs Zitat skizzierten Weg, ausgehend von einer in der Kindheit geprägten naiven Religiosität, über den materialistischen Atheismus, hin zu einem neuen spirituellen Verständnis geht, emanzipiert sich dabei in der Regel von allen selbsternannten Interpretatoren der spirituellen Wahrheit. Das ist ein vollständig anderer Weg, als ihn zum Beispiel der vormals versoffene jetzige amerikanische Präsident gegangen ist, der einfach in einer Lebenskrise zurück unter den warmen Rock der kindlichen Religiosität geschlüpft ist und jetzt mit dem Eifer des zurückgekehrten verlohrenen Sohns in den Streit zwischen Evolutionstheoretikern und Kratonisten einzugreifen versucht.
    Logisch, ist denn die Bibel für Sie tatsächlich über antropoligische und kulturhistorische Fragen hinaus interessant? Erliegen auch sie der Versuchung in dieses Zeugnis der Kulturgeschichte tiefgründiges Wissen und möglicherweise auch geheime und verschlüsselte Botschaften hineinzulesen?
    Die Emanzipation der Religiosität über den "Wissenschaftlichen Atheismus" führt zu einem neuen Verständnis zwischen uns und dem Numinosen und wird früher oder später zur Überwindung aller Lehrreligionen heutiger Form einschließlich aller Ausprägungen des Christentums führen.
    Das ist natürlich für viele religiöse Menschen in unserem Kulturraum, deren natürliche Religiosität in der Kindheit auf das zugegebenerweise symphatische Bild von Jesus Christus geprägt worden ist, auf den ersten Blick eine traurige Botschaft. Aber vielleicht wird es für diese leichter dies zu akzeptieren, wenn sie sehen, dass sie dieses Schicksal mit Juden, Moslems, Buddhisten, Hinduisten, Manitounisten (die Liste ließe sich fortsetzen) teilen.
    Am Ende steht eine Religiosität bei der Weniger Mehr ist und die zum Beispiel auch nicht mehr mit spirituell blöden Drohungen mit der Verdammnis operieren muß um ihre Schäfchen beim Hirten zu halten.

  1. Genauso isses. Mein Lieblingsschriftsteller war, ausser Karl May natuerlich, Kurt Tucholsky. Ich kann mir vorstellen, welchen Artikel er ueber die Theorien von H. Dekker geschrieben haette.

    • Sumari
    • 05.10.2006 um 10:59 Uhr

    Echtes Offenbarungswissen findet man unmöglich ausserhalb des eigenen Selbst. Offenbarungswissen ist eben kein Wissen, dass sich durch die "logische" Beschäftigung mit irgenwelchem von außen kommenden Wissen einstellt, sondern echtes Offenbarungswissen stellt sich unmittelbar und direkt ein, wenn die künstliche, zur Entwicklung des von Gott unabhängigen menschlichen Selbst bis zu einem gewissen Punkt notwendige Grenze, spontan durchlässig wird und es so dem menschlichen Selbst möglich wird unmittelbar an der göttlichen Wirklichkeit des ALLSEINS teilzuhaben.
    Dieses Wissen entzieht sich in seiner Unmittelbarkeit und Vollständigkeit grundsätzlich jedem Versuch es durch Worte oder Bilder zu übermitteln.
    Die buddhistischen Erleuchteten gehen beim Versuch dieses Wissen in anderen zu evozieren klüger vor als die Propheten und Gottssöhne unseres Kulturraumes indem sie es ablehnen über das Wissen an sich zu sprechen, sondern stattdessen versuchen Wege aufzuzeigen über die der Suchende selbst zu diesem Wissen, das ja bereits in ihm ist, gelangen kann.
    Trotzdem ist auch der Buddhismus nicht gegen klerikale Vereinnahmung gefeit.

    • Sumari
    • 29.09.2006 um 10:03 Uhr

    "Logisch" beschreibt mit seinem Heisenberg-Zitat sehr treffend meine eigene Entwicklung. Dieses Zitat gefällt mir so gut, dass ich es gleich noch mal zitiere: "der erste Schluck der Physik macht zum Atheisten, aber auf dem Grund des Glases wartet Gott".
    Die Physik ist eben immer noch die Königin der Naturwissenschaften. Sie ist reif und damit bescheiden geworden. Bescheiden, obwohl die gute alte Tante Physik doch für alle anderen Wissenschaften überhaupt erst den Rahmen absteckt indem sich diese bewegen können. Die jüngeren Hypes Molekularbiologie und Neurowissenschaften haben den Prozess des Reifens noch vor sich. Die Exponenten der Neurowissenschaften z.B. versprechen uns doch heute, dass sie uns irgendwann einmal unser Bewußtsein rein auf der Basis von neurophysiologischen Prozessen in unserem Zentralnervensystem erklären werden können. Dies ist nach meiner festen Überzeugung ein Versprechen, welches sie nicht halten werden können. Diesen Damen und Herren Neurowissenschaftlern hat Pim van Lommel jetzt jedenfalls erst einmal gehörig in den Hintern getreten.
    In der Überschrift zu meinem ersten Kommentar habe ich das Wort "Kindergartengezänk" verwendet, weil ich die Evolutionstheorie als Nebenkriegsschauplatz in der Auseinandersetzung zwischen Materialismus und Idealismus betrachte. Denn darum geht es hier doch im Kern. Nicht um die Frage gibt es Gott und wenn ja, welche Farbe hat sein Bart, oder gibt es Gott nicht, sondern um die Frage, ist der Geist, der sich selbst bewußt ist, das zufällige Produkt einer materiellen Welt, oder ist die materielle Welt die wir beobachten, das Produkt des sich selbst bewußten Geistes. Das ist doch die wahre Demarkationslinie in der Auseinadersetzung, die sich auch in den Kommentaren zum Artikel über die Arbeit von Cees Decker niederschlägt. Und die Befürworter eines materialistischen Weltbildes haben in dieser Auseinandersetzung die nervtötende Angewohnheit, den Befürwortern eines idealisten Weltbildes "unwissenschaftlichkeit" vorzuwerfen. Dabei geraten sie nicht selten in einen solchen pseudo-rekigiösen Eifer, dass ich Herrn Neuenfels vorschlage, bei der Neuinszenierung von Idomeneo doch auch noch den Kopf von Charles Darwin, stellvertretentend für den bekennenden Materialismus, zwischen die abgeschlagenen Häupter der anderen Religionsgründer zu stellen.
    Leider machen sich wenige, um auf Heisenbergs Zitat zurückzukommen, die Mühe das Glas ganz auszutrinken um auf den Boden des Glases schauen zu können. Das macht nämlich nur der, dem es tatsächlich darum geht zu verstehen. Wer nur verwertbares Wissen erwerben will, der fährt bisher in der Regel besser, wenn er es beim Nippen beläßt und dabei sein Fähnchen nach dem herrschenden wissenschaftlichen Zeitgeist ausrichtet. Aber ich bin zuversichtlich, dass die kommenden Jahrzehnte diesen Damen und Herren die Bewältigung erheblicher mentaler Anpassungsprozesse auferlegen werden.
    ;~)

  2. Sumari, woher rührt nur Ihre Annahme, dass Dekker sehr wahrscheinlich einen diskussionswürdigen Beitrag zur Evolutionstheorie geliefert hat? Wenn er titelt: "Und Gott schuf einen Wurm – über Schöpfung und Evolution" und eine der Überschriften lautet "Schuf Gott den Menschen oder schuf der Mensch Gott?", dann liegt die Vermutung doch nahe, dass er durchaus über einen Eingriff Gottes in die Evolution "im Sinne einer raumzeitlichen Kausalität" schreibt. Aber auch Spekulationen über quantenmechanische oder vermutete immaterielle Effekte oder Einwirkungen bringen die Evolutionstheorie schwerlich voran.

    Es wurde in den Kommentaren schon mehrfach angesprochen, zuletzt von hanni5: Die Evolutionstheorie ist natürlich weit davon entfernt, alle historischen Evolutionsprozesse vollständig und abschließend zu beschreiben, da gibt es noch jede Menge zu erforschen. Ich verstehe nicht, warum manche (und offenbar auch Sie) glauben, für den Evolutionsbiologen seien alle Fragen bereits geklärt. Den Evolutionsforschern sind alle Vorschläge zur Verbesserung des "Standardmodells" hoch willkommen, sie wären die ersten, die Teile der aktuellen Lehre über Bord werfen würden, wenn sich eine bessere, schlüssigere Erklärung für die Evolution des Lebendigen fände. Es wird sich zeigen, ob Dekker für die aktuelle Evolutionslehre etwas substanzielleres zu bieten hat als GOTT und SCHÖPFUNG. Soviel zum Thema Dekker und seine (unbekannte) Evolutionstheorie (wozu mir wohl nichts Neues mehr einfallen wird).

    Niemand wird bestreiten wollen, dass Physiker enorm viel zu unserem Verständnis von Materie bzw. Energie beigetragen haben. Aber meines Wissens haben sie (noch?) nicht gezeigt, dass Materie/Energie lediglich eine Manifestation des Geistes (oder GOTTES) ist oder dass der immaterielle Geist auf Materie einwirken kann. Das heißt, noch gelten die Energieerhaltungssätze und somit auch das gegenwärtige Weltbild der Physik, oder irre ich?

    Und schlussendlich zur vermeintlichen Rangfolge der Naturwissenschaften: Mancher Wissenschaftler mag sein eigenes Fachgebiet für die Königsdisziplin halten. Für einen Biologen etwa wären dann Physik, Chemie und Mathematik "lediglich" unverzichtbare Hilfswissenschaften. Solche Betrachtungsweisen sind kontraproduktiv. Aber immerhin, was ist großartiger und komplizierter als das menschliche (biologische!) Gehirn, das versucht, die geistige und materielle Welt zu verstehen, gar Erleuchtung zu erlangen? In der Tat erwarte ich mir in den nächsten 50 Jahren von Neurobiologen mehr als von Quantenphysikern oder gar Stringtheoretikern. Und ob die Beschäftigung mit Quantenphysik die Spiritualität befördert - na, ich weiß nicht!

  3. ...will heißen: Gotteswort in Menschenwort.
    Beispielsweise die Evolutionstheorie findet sich in anderer Form auch in den beiden - teils widersprüchlichen- Schöpfungsgeschichten der Genesis. Widersprüchlich aufgrund verschiedener Redaktions- und Überarbeitungsstufen. Zudem wurden hier unterschiedliche Interessen verfolgt.
    Im Pentateuch (1.-5. Mose) beispielsweise muss unter anderem das babylonische Exil theologisch und auch teils politisch verarbeitet werden, die Kultzentralistation auf Jerusalem legitimiert werden und so weiter.
    Das soll heißen: neben theologischen Reflexionen stecken viele verschiedene Aspekte im Textkorpus. Eine solche Erkenntnis bewahrt ein wenig vor einer wortwörtlichen Bibelauslegung.
    Der generelle Weg der Bibel jedoch ist durchaus ernstzunehmen: die ständige Suche nach Gott, die Reflexion über diese Suche und auch offensichtlich menschliche Erfahrungberichte darüber. Die Suche findet schließlich ihren Endpunkt darin, dass Gott von sich etwas preisgibt, in Jesus.
    Würde er das nicht tun, bliebe man in der reinen Philosophie stecken. Denn Welt ist Welt, und Gott ist Gott. Welt ist nicht Gott und Gott ist nicht Welt. Der Mensch kann demnach nicht Gott von sich aus erkennen, ohne Gefahr zu laufen, bei seinen eigenen - ins Unendliche vergrößerten - Wunschvorstellungen zu enden.
    Drum ist es wesentlich, dass Gott von sich selbst etwas preisgab.
    Ob man dies glauben will, ist allerdings natürlich Glaubenssache.

    Auf jeden Fall ist die Bibel aber nicht eindimensional, sondern sehr vielschichtig. Und ob die Erde nun 6000 Jahre als sein soll, erscheint schon von daher fragwürdig.

    Die Frage nach dem Ursprung jedoch - die auch die Vertreter des sog. Intelligent Design bewegt - ist es keineswegs.

    • inuit
    • 05.10.2006 um 0:44 Uhr

    ...verortet fühlt man sich, wenn man die aktuelle diskussion zwischen fundamentalchristlichen zirkeln auf der einen und überwiegend materialistisch orientierter mainstreambiologie auf der anderen seite beobachtet.

    nur mal so am rande: mit momotheistischen buchreligionen habe ich persönlich so gar nichts am hut.
    aspekte der buddhistischen und taoistischen philosohie haben mich von jeher mehr fasziniert und für mich panteistisch angehauchten nonkonformisten war und ist das christentum eh zu verstaubt und dogmatisch.

    so muss ich mir auch an den kopf fassen, wenn behauptet wird, die erde sei ungefähr vor 6000 jahren erschaffen worden und ein so gottgleiches einzig beseeltes wesen wie der mensch (hust) kann unmöglich von affen, die natürlich seelenlos sind, abstammen.
    wenn mir irgendein fanatisierter bibelbuchstabentreuester heini, für den der rest der genesis eh nur zum ausbeuten reserviert ist, auf diese tour kommt, schalte ich gleich auf durchzug im gehör.
    mir gelingt es nämlich nicht, irgendein fünkchen toleranz gegenüber der untoleranz aufzubringen.

    auf der anderen seite frage ich mich aber auch, ob die andere seite, also die kausalitätsformelstatistikockhamsrazortreuesten materialisten mit übersteigertem reduktionismus in puncto intoleranz und angestaubtem dogma nicht von ähnlichem kaliber sind.

    ein christ vielleicht, welcher die bibel mit ihren sagen und mythen in ihrer bedeutung als metapher erfasst, kann sehr wohl auch wissenschaftler sein, der die vorläufigkeit seines werkes immer im hinterkopf hat und eventuell sogar vorbehaltloser ans werk geht, als ein streng orthodoxer materialist.
    es gibt viele christlich orientierte wissenschaftler, die überhaupt kein problem damit haben, daß der mensch sich aus affenähnlichen wesen (und davor aus widerum anderen gattungen) entwickelt hat.
    diesen gleich den puren kreationismus zu unterstellen, gelingt eigentlich nur typischen schwarz/weiß denkern, für die binäre logik nach aristoteles das goldene kalb ist und deshalb vor der neuen physik nur kapitulieren können.
    die ganzen grautöne sind nämlich erst richtig interessant.

  4. alle vertreter des Kreationismus gehen immer irgendwie von einer höheren Macht aus, die uns geplant oder geschaffen hat.

    Wenn man davon ausgeht es gäbe nur ein einziges Bewusstsein, von dem wir alle nur Ausformungen darstellen, kann man doch Evolution auch als Weiterentwicklung des Vorstellungsvermögens

    des Kollektivbewusstseins sehen.

    Habe meine Gedanken hier grob zusammengefasss:

    [Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion] und dort der blog "Evolution" .

    gruß, keeno

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