Prostitution Ende des Straßenstrichs
In Schweden ist der Sexkauf grundsätzlich verboten. Verschwunden ist die Prostitution damit noch lange nicht.
Schwedens Antiprostitutionsgesetz gehört voraussichtlich zu jenem Teil der sozialdemokratischen Erbschaft, den die künftige bürgerliche Regierung nicht antasten wird. Zwar hatten die konservativen Sieger der Wahl das Gesetz aus dem Jahr 1999 seinerzeit bekämpft. Doch das Verbot, sexuelle Dienstleistungen zu kaufen, hat in Schweden inzwischen hohen Symbolwert. Umfragen zeigen große Zustimmung – bei Männern wie Frauen.
Aus Sicht der Schweden handelt es sich um ein Pioniergesetz, vergleichbar dem gesetzlichen Verbot der körperlichen Züchtigung von Kindern, auch durch die Eltern, in den siebziger Jahren. »Alle Welt hat damals über uns gelacht«, sagt man im Justizministerium in Stockholm, »inzwischen hat das Gesetz weltweit Schule gemacht.«
Dieses neue Gesetz aber, das den Kauf von Sexualität unter Strafe stellt, hat bisher noch keiner kopiert. Die legislative Initiative, die den Freier – nicht die Hure – zum Gesetzesbrecher macht, hatte zwar sogleich weltweites Interesse geweckt. Vom fernen Australien und Neuseeland bis zu den nahen skandinavischen und baltischen Staaten kamen Delegationen, um wieder einmal ein »schwedisches Modell« zu studieren. Zur Nachahmung sah sich bisher aber noch kein Staat veranlasst, sei es, weil die Erfolge des Gesetzes nicht überzeugend genug waren, sei es, weil es sich politisch nicht durchsetzen ließ.
Zum Beispiel Finnland: Die Regierung in Helsinki – eine Große Koalition – unternahm zwar im vergangenen Jahr als erste einen ernsthaften Anlauf, dem schwedischen Beispiel zu folgen, nicht zuletzt, um den organisierten Zuzug von Prostituierten aus dem Baltikum zu stoppen. Doch so radikal wie die Schweden wollten die Finnen schließlich nicht vorgehen. Das Geschäft mit der Prostituierten an sich bleibt in Finnland straffrei, solange die »Dienstleistung« nicht auf Menschenhandel oder gewerbsmäßiger Kuppelei (Bordell, Internet-Ring) beruht. Das Gesetz tritt am 1. Oktober in Kraft. Mit dem schwedischen Modell hat diese Version allenfalls noch die ursprüngliche Idee gemeinsam.
Einige der Argumente gegen das totale Sexkauf-Verbot hatten freilich schon in der schwedischen Debatte eine Rolle gespielt, vor allem die Zweifel an der Wirksamkeit. Sie sind auch in Schweden nicht entkräftet. Mit Ausnahme der Tatsache, dass die Straßenprostitution aus dem öffentlichen Leben praktisch verschwunden ist, was viele Bürger begrüßen, lässt sich eine nachhaltige Wirkung auf den anderen Gebieten schwer nachweisen. Ob die sexuelle Ausbeutung von Frauen durch Zuhälter zurückgegangen ist, wurde noch nicht belegt. Und dass dem Mädchenhandel, vornehmlich aus Osteuropa, durch das schwedische Gesetz die Basis entzogen ist, kann niemand behaupten. Die Prostitution sei, so die Experten, nur von der Straße in den Untergrund gegangen. Dafür gibt es immerhin Indizien: Die Strafverfolgung von Freiern weist in der Statistik seit dem Inkrafttreten des Gesetzes für das Jahr 2005 mit 460 registrierten Strafverfahren (94 Verurteilungen, davon 48 vor Gericht) einen ungewöhnlichen Spitzenwert aus. Die Erklärung: Zum ersten Mal wurden im siebten Jahr der Geltung des Freierverbotsgesetzes gezielte Razzien in Geheimbordellen und bei Internet-Anbieterinnen durchgeführt und für die Strafverfolgung hilfreiche Kundenkarteien gefunden.
Was den Mädchenhandel angeht, so ist das Problem bestenfalls verdrängt worden. Daneben spielten in den schwedischen und finnischen Debatten auch die tatsächlichen Schwierigkeiten bei der praktischen Strafverfolgung eine Rolle. Wie beweist man den Sexkauf? Die Fahnder müssen den Anbieter (Mann oder Frau) und dessen Kunden auf frischer Tat ertappen, zugleich beweisen, dass für den Akt bezahlt wurde, die beiden – Prostituierte(r) und Freier – also nicht etwa eine private Beziehung unterhalten. »Dass die beiden zusammen zum Geldautomaten gegangen sind und dann ein Betrag übergeben wurde«, so beschreibt ein Justizexperte das praktische Problem, »beweist noch nichts, wenn man das Paar nicht anschließend in flagranti erwischt.«
Und selbst dann ist die Beweislage kompliziert, sollten die Beteiligten sich auf eine gemeinsame Geschichte verständigen. Das erklärt auch den in der Regel höheren Anteil an Verwaltungsstrafen, mit denen die angezeigten Freier sich das öffentliche Gerichtsverfahren ersparen, selbst wenn sie dort einen Freispruch erreichen könnten.
Dennoch bleibt das Gesetz für die Schweden ein Kernstück ihres Konzepts der Gleichheit von Mann und Frau. Tatsächlich stand am Anfang die Debatte über politische und gesetzliche Maßnahmen zur Bekämpfung häuslicher Gewalt, deren Opfer auch in Schweden fast ausnahmslos Frauen waren und sind. Das Gesetz gegen Freier, das in der Folge erlassen wurde, ist also letztlich ein Gesetz zum Schutz von Frauen.
- Datum 30.09.2006 - 13:15 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 28.09.2006 Nr. 40
- Kommentare 22
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Da staunt man(n) ja, das hätte ich nicht gedacht!
Obwohl, ich habe schon Paare gesehen, da dachte ich mir über ihn, oh du armes Schein...
Diese Sache hat aber auch noch eine andere Seite.
Ich habe mich oft gefragt, warum Frauen bei gewalttätigen Männern bleiben, ja warum bestimmte Frauen sich immer wieder gerade solche Männer zu suchen scheinen, die ihnen gegenüber gewalttätig werden.
Aber solch ein krankhaftes Verhalten gibt es dann ja wohl auch bei Männern. Männer die bei gewalttätigen Frauen bleiben, oder sich sogar unbewußt gerade solche Frauen suchen, die ihnen gegenüber gewalttätig werden.
Gesunde Menschen sind weder gewalttätig, noch akzeptieren sie Gewalt gegen sich selbst. Und zum Glück zeigen die Zahlen auch, dass die überwiegende Zahl von Frauen und Männern, weder in ihrer Beziehung gewalttätig sind, noch Gewalt in ihrer Beziehung erfahren.
Es besteht also Grund zur Hoffnung.
Vielen Dank für den Beitrag über weibliche Gewalt, die in der heutigen Gesellschaft die Regel zu sein scheint, was mir, da ich davon noch nicht betroffen war, noch nicht aufgefallen ist.
Gewaltanwendung ist wie meine Mutter schon sagte das Mittel des geistig Minderbemittelten in Diskussionen denen SIE intellektuell nicht gewachsen ist, durch Brutalität die Oberhand zu gewinnen.
Fromm schrieb in die Anatomie der menschlichen Destruktivität über die Agression und Gewaltgbereitschaft des Menschen.
Angesichts ihrer Angaben kann man jetzt endlich final konstatieren: Frauen sind das dekadente Geschlecht, q.e.d..
Hat vielleicht noch jemand glaubwürdige Zahlen parat, wieviel Prozent der Gewalt gegen Kinder von Frauen oder auch insbesondere ihren Müttern ausgeht?
Ich vermute aus meiner Beobachtung von Müttern in der Öffentlichkeit, dass auch hier der Anteil weiblicher Gewalt bei über 70% liegt.
ist Alkohol auch rationiert aber das heisst laengst nicht dass man keinen kaufen kann.
"Hach ja, wie gut, dass ich normal bin und zu der Gruppe "der Meisten" gehöre (also weder schlage, noch geschlagen werde/wurde) und wie arm doch jene, die durch krankhaftes Verhalten gar sich jämmerlich benehmen..."
Baumeln Sie einfach weiter mit den Beinen und freuen Sie sich, gewaltfrei leben zu können. Zeigen Sie mit dem Finger auf Ihre kranken Nachbarn.
Sie haben durch Ihren Scharfblick die Verhältnisse hinreichend differenziert erkannt und auf hohem Niveau beurteilt. :-)
Noch einen schönen Abend!
""""Dank physischer Überlegenheit blieb es bei ein paar Schrammen, aber wäre ich im Kampf untelegen gewesen, hätte ich zumindest den letzten Angriff wahrscheinlich kaum überlebt - sie hatte zumindest ihre Tötungsabsicht heraus geschrieen"""""
Nun, bei den allermeisten Paaren ist es doch so, dass der Mann physisch überlegen ist, also eher nur ein paar Schrammen davon trägt und eher keinen sofortigen Polizeischutz braucht. Mit der Tat der Frau kann sich dann in Ruhe der Staatsanwalt auseinandersetzen.
Dass Frauen die besseren Menschen seien, also weniger aggressiv, halte ich für einen Rest der nationalsozialistischen Mutterprobaganda, darüber ist nach meiner Meinung keine ernsthafte Diskussion nötig.
Besonderen Schutz brauchen grundsätzlich die Schwächeren: Kinder, Jugendliche (Mädchen UND Jungen), Alte, Behinderte, Kranke usw. Und in einer Paarbeziehung oder Ehe einfach häufiger die Frauen als die Männer. Dieser Schutz ist unabhängig vom Auftrag des Staatsanwalts oder des Richters, der das Strafmaß für Täter UND für Täterinnen festsetzten muss, was aber nicht unmittelbar sofort geschehen muss, im Gegensatz zu Schutzmaßnahmen, die SOFORT benötigt werden, wenn sie helfen sollen.
Den Tod der chinesischen Prostituierten haben die Chinesen zu verantworten, nicht etwa diese Frauenrechtlerin! Auch wenn ich deren Vorgehen nicht gerade für klug halte. Ob diese Prostituierten wirklich freiwillig gearbeitet hatten, kann von hier aus niemand beurteilen, beeinflussen können wir das DORT sowieso nicht.
Dass bei uns im Zweifelsfall auch eine weibliche Zuhälterin vor Gericht gehört, steht meines Erachtens ebenfalls außerhalb jeder Debatte. Insbesondere, wenn es sich um Zwangsprostitution in welcher Form auch immer handelt.
Ein Verbot der Prostitution führt nicht wirklich weiter, die wirklich von Gewalt betroffenen Frauen wären vermutlich noch weiter von jeder möglichen Hilfe entfernt.
Und darüber zu jammern, dass weder ein One night stand noch eine Ehe ohne viel Geld zu haben sei, da möchte ich Ihnen doch mein herzlichstes Bedauern aussprechen.
Ich kenne jede Menge Frauen, die irgendwelchen Männern ihr letztes Geld geliehen haben oder jahrelang hart gearbeitet haben, damit der geliebte Mann eine teure Ausbildung machen kann. Nicht immer gingen diese Geschichten gut aus...
ORTAD
Tja, solche Texte sind in der ZEIT (noch) nicht zu finden. Liegt am filternden Medien-Establishment, von dem auch die Medienfrau Eva Herman spricht, welches sich aus karrieristischen Gründen den Totschlagvorwurf der Frauenfeindlichkeit nicht leisten kann. Es ist an der ZEIT mit solch Angepaßtheit zu brechen.
An alle aufgeregten Kommentatoren (denn sie scheinen sämtlich männlich):
in diesem Artikel bzw. der Artikelserie ging und geht es UM PROSTITUTION und MENSCHENHANDEL.
Und nur am Rande um die sog. Häusliche Gewalt!
Vielen Dank für den Beitrag über weibliche Gewalt, die in der heutigen Gesellschaft die Regel zu sein scheint, was mir, da ich davon noch nicht betroffen war, noch nicht aufgefallen ist.
Gewaltanwendung ist wie meine Mutter schon sagte das Mittel des geistig Minderbemittelten in Diskussionen denen SIE intellektuell nicht gewachsen ist, durch Brutalität die Oberhand zu gewinnen.
Fromm schrieb in die Anatomie der menschlichen Destruktivität über die Agression und Gewaltgbereitschaft des Menschen.
Angesichts ihrer Angaben kann man jetzt endlich final konstatieren: Frauen sind das dekadente Geschlecht, q.e.d..
Hat vielleicht noch jemand glaubwürdige Zahlen parat, wieviel Prozent der Gewalt gegen Kinder von Frauen oder auch insbesondere ihren Müttern ausgeht?
Ich vermute aus meiner Beobachtung von Müttern in der Öffentlichkeit, dass auch hier der Anteil weiblicher Gewalt bei über 70% liegt.
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