BenQ Kungeln hinter den Kulissen?

Rund um die Insolvenz von BenQ Mobile gedeihen Spekulationen und Gerüchte. Sicher ist bislang nur: Die Produktion in Deutschland geht vorerst weiter.

Wie viele Schurken gibt es in diesem Stück, das mit Siemens anfängt und mit BenQ aufhört? Vor einem Jahr übergab der deutsche Konzern dem taiwanischen Unternehmen seine Handysparte. Die droht nun in die Pleite zu schlittern, nachdem BenQ seiner deutschen Tochter den Geldhahn zugedreht hat und diese am vergangenen Freitag prompt einen Antrag auf Insolvenz stellen musste. Rund 3000 Mitarbeiter fürchten um ihren Job.

Spekulationen und Gerüchte lassen viele inzwischen eine düstere Geschichte vermuten. War es etwa ein abgekartetes Spiel zwischen den beiden Global Playern, um sich eiskalt der Mitarbeiter ohne jegliche soziale Verpflichtung zu entledigen? Oder haben die Manager eines Konzerns die des anderen über den Tisch gezogen?

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld stellt unmissverständlich klar: »Alle Behauptungen, wir hätten die Insolvenz von BenQ Mobile in Deutschland billigend in Kauf genommen, sind eine ungeheuerliche Verleumdung.« Es sei für ihn unverständlich, dass BenQ Mobile in Deutschland einen Insolvenzantrag gestellt habe. Bei der Verkaufsentscheidung sei besonders darauf geachtet worden, eine tragfähige und langfristige Lösung zu finden. Nur deshalb habe man auch den eigenen Namen hergegeben. BenQ darf die Marke Siemens noch fünf Jahre lang nutzen. Kleinfeld findet die Vorgehensweise von BenQ »verwerflich« und richtet einen Hilfsfonds für betroffene Mitarbeiter ein. Außerdem will der Münchner Elektronikriese seine Rechtsposition gegenüber BenQ prüfen. Das klingt nach viel Ärger zwischen den ehemaligen Partnern.

BenQ-Chef Kuen-Yao Lee wirbt indes um Verständnis für den radikalen Schnitt. »Es war eine schwere Entscheidung«, verlautet aus Taipei. Doch die Gefahr sei zu groß gewesen, dass andere Geschäftsbereiche in Mitleidenschaft gezogen würden. Seit der Übernahme habe der Konzern viele hundert Millionen Euro verloren. Die Verluste seien nicht zu stoppen gewesen.

In der Tat verkauft das Unternehmen inzwischen weniger Handys als jemals zuvor. Der Marktanteil schrumpfte seit der Übernahme von damals schon problematischen fünf Prozent auf rund drei Prozent. »Volumen ist in diesem Geschäft aber alles«, sagt Martin Garner von der Marktforschungsgesellschaft Ovum. Gut möglich also, dass aus der Sicht von Lee nur noch die Notbremse half, um den Rest des Konzerns zu retten.

Fest steht, dass Lee total unterschätzte, wie lange es dauert, alte Strukturen zu zerschlagen. Statt mit frischen Lifestyle-Modellen zu begeistern, ließ der Konzern die potenzielle Kundschaft auf neue Handys warten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Verschmelzung zweier Konzernkulturen misslingt.

Das alles spricht jedenfalls nicht dafür, dass die beiden Konzernherren hinter den Kulissen kungeln. Hat stattdessen der eine den anderen ausgetrickst?

Siemens bestreitet nicht, »erhebliche Finanzmittel transferiert« zu haben. Es stehen sogar noch Zahlungen aus. Ob diese an die Mutter nach Taiwan überwiesen werden oder an die deutsche Tochter, wird derzeit noch geklärt. Spricht das aber für eine »Abwrackprämie«, wie häufig vermutet wird – oder umgekehrt dafür, dass man die deutschen Standorte retten wollte und deshalb eine stattliche Mitgift zahlte? Der heutige Imageschaden im Fall einer Pleite war jedenfalls auch schon vor einem Jahr absehbar.

Und BenQ? Wollten die Taiwaner etwa nur das technische Know-how von Siemens abziehen – ohne das geringste finanzielle Risiko einzugehen? Klar ist, dass viele wertvolle Patente den Besitzer wechselten. Zu Beginn der Woche wusste noch niemand, wo genau sie abgeblieben sind. Ein Teil, so hieß es, sei direkt nach Taiwan abgewandert, ein Teil gehöre Mutter und Tochter in Deutschland gemeinsam, und ein Rest sei bei BenQ Mobile in München verblieben.

Etliche Fragen ranken sich auch um ein Unternehmenskonstrukt, das gerade dazu einlädt, bösen Vorsatz zu vermuten. So enthüllte der Betriebsrat von BenQ, dass die Handysparte bei der Übergabe in drei Teile gespalten worden sei. In einer Management GmbH sollen die Abfindungen der Manager und in einer weiteren GmbH die Vermögenswerte gesichert sein. In einem dritten Unternehmen, der BenQ Mobile GmbH & Co. OHG, sind die etwa 3000 deutschen Mitarbeiter zusammengefasst. Ausgerechnet dieser Betrieb meldete jetzt Insolvenz an. Das Grundkapital soll gerade einmal 25.000 Euro betragen. Aber auch das, so ein Unternehmenssprecher von BenQ Mobile zu Beginn der Woche, werde derzeit noch alles genau geklärt. Ganz offensichtlich hat es Insolvenzverwalter Martin Prager mit einem undurchsichtigen Geflecht von Gesellschaften zu tun, in dem auch eine Holding in den Niederlanden eine Rolle spielt.

Eines konnte Prager schon klarstellen: Bis zum Jahresende geht die Produktion in Deutschland weiter. Drei Monate lang zahlt die Bundesagentur für Arbeit nämlich Insolvenzgeld als Ersatz für Löhne und Gehälter. Danach muss der Betrieb selbst Gewinne abwerfen – oder einen neuen Käufer gefunden haben.

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Leser-Kommentare
  1. Jeder unterhalb des Top-Managements müßte jetzt seinen Hut nehmen. Nur die vermeintlichen "Leistungsträger" spielen weiterhin Lebenszeitbeamter. So ganz im Hintergrund allerdings drängt sich doch der Verdacht auf, dass das alles so geplant war, weil es so für Siemens billiger kommt, denn so unfähig und blauäugig kann doch eigentlich ein Top-Management nicht sein oder doch?

    Den richtigen Lebenszeitbeamten wäre das allerdings nicht passiert, denn die achten ja wenigstens noch die Gesetze, während "Leistungsträger" schon gerne mal nach Umwegen suchen, weil sie ja so gesamtgesellschaftlich denken oder wie war das noch?

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