Hamburg

Es war ein ungleicher Kampf. Der eine ist ein Berg von Mann, furchteinflößend, rechtsradikal. Der andere ist schmächtig, leise, eher ein Hippietyp. Und doch hat sich Gero Wenderholm mit seinem Nachbarn aus dem Erdgeschoss angelegt. " Sonst hätten wir wegziehen müssen", sagt der 28-jährige Informatiker.

Ende letzter Woche rückten dann auch wirklich die Möbelpacker an. Doch Wenderholm hatte gewonnen den Neonazi-Kultladen Odin &amp - Freya im Hamburger Stadtteil St.Pauli gibt es nun nicht mehr.

Ein Jahr ist es her, dass mitten zwischen Hamburger Alternativszene und Rotlichtmilieu ein Kleidungsgeschäft eröffnete, das zunächst Elite Style hieß. Zu haben war dort feinster moderner Nazi-Chic, Markenware mit Aufschriften wie Thor Steinar oder Pro Violence - zugleich bot sich den Kunden ein Treffpunkt im feindlichen Revier. Bald gab es Demonstrationen, Petitionen, Initiativen in der Bürgerschaft alles ohne Erfolg. Auf "politischer Ebene ging nichts", sagt Gero Wenderholm. " Also musste der Spießer vom 1. Stock ran, der es auf gesetzlichem Weg macht."

Der junge Familienvater rief bei Lärmbelästigungen die Polizei, er mobilisierte seine Nachbarn. Er besorgte Fahnen "gegen Nazis", die seither das Haus zieren. Er schrieb Beschwerden an seinen Vermieter über Saufgelage, Pöbeleien und lauten Rechtsrock, die neun von zehn Mietparteien unterschrieben. Er erwirkte eine gerichtliche Verfügung, die seinem Widersacher jeden Kontakt zu ihm verbietet, und nahm den anderen peu à peu die Furcht. Vor allem aber setzte er die Kündigung des Mietvertrags von Odin &amp - Freya durch.

Der Ladeninhaber hat Gero Wenderholm und seiner Familie offen gedroht, einmal gar vor laufender Kamera. Jagen ihm Ankündigungen wie "Dich holen wir, Junge" keine Angst ein? " Die hab ich verdrängt", sagt Wenderholm. Und in einem Anfall von alternativem Lokalpatriotismus setzt er hinzu, dass dies schließlich sein Stadtteil sei. Und der seiner Tochter.