Umwelt "Notbremse ziehen!"
Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, fordert vor dem Energiegipfel in Berlin, den Energieverbrauch bis 2050 zu halbieren, um den Klimawandel zu stoppen
DIE ZEIT: Herr Troge, verspüren Sie insgeheim Freude über die hohen Strompreise?
Andreas Troge: Nein, weder als Umweltschützer noch als Ökonom. Als Umweltschützer deshalb nicht, weil steigende Preise allein keinen ausgewogenen Umweltschutz garantieren – rein negative Anreize erzeugen unnötige Widerstände. Als Ökonom ärgere ich mich deshalb, weil ausgerechnet jene, die noch vor kurzem gegen die kaum merkliche Stromsteuer wetterten, nun ungeniert die Preise steigen lassen: die Stromerzeuger, die mittlerweile über zu viel Marktmacht verfügen.
ZEIT: Sollten deshalb am Montag beim zweiten Energiegipfel die Strompreise im Zentrum stehen?
Troge: Über die Strompreise muss man auf dem Gipfel reden – aber nicht nur.
ZEIT: Vermutlich schon deshalb nicht, weil RWE mit seinem Antrag, die Laufzeit des Kernkraftwerks Biblis A zu verlängern, für Gesprächsstoff sorgt.
Troge: Der Antrag war zu erwarten, und das Bundesumweltministerium wird ihn gewissenhaft nach Recht und Gesetz prüfen. Kernenergie ist aber keine Lösung für unser Energieproblem. Wir dürfen nicht riskieren, dass vermeintlich niedrige Preise auf Kosten der Umwelt und unserer Gesundheit gehen. Wer sich von der Laufzeitverlängerung niedrige Strompreise erhofft, dürfte enttäuscht werden – die Energieversorger können derzeit Strompreise bis zu den Kosten des teuersten Kraftwerks am Markt durchsetzen.
ZEIT: Die Strompreise halten Sie ebenso wenig für das zentrale Thema wie den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Was denn dann?
Troge: Die Bundeskanzlerin hat die Initiative für die Gipfelgespräche ergriffen, um ein mittelfristiges Energiekonzept für Deutschland zu erarbeiten. Beim ersten Energiegipfel, Anfang April, sind erste wichtige Schritte in diese Richtung gemacht worden. Damals rückte endlich das Thema der effizienten Energienutzung in den Vordergrund. Daran muss der zweite Energiegipfel anknüpfen. Wir müssen unseren Energieverbrauch bis 2050 halbieren und die Energie, die wir haben, besser ausnutzen – also mehr aus ihr rausholen. Das ist die wichtigste energiepolitische Herausforderung.
ZEIT: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Klingt so, als sei alles auf gutem Wege.
Troge: Nichts da. Während der Klimawandel sich auch in Deutschland schon bemerkbar macht, laufen wir Gefahr, uns schicksalhaft in das scheinbar Unvermeidliche zu fügen. Es ist zwar richtig, dass wir uns an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels anpassen müssen. Aber gleichzeitig müssen wir unseren Energieverbrauch drastisch reduzieren – damit wir mit den Treibhausgasen runterkommen.
ZEIT: Deiche hoch, Emissionen runter?
Troge: Wir haben zu lange gebraucht, um den Treibhauseffekt zu erkennen und vor allem zu bekämpfen. Deshalb müssen wir jetzt tatsächlich die Deiche erhöhen. Wir brauchen viel mehr, beispielsweise auch besseren Gesundheitsschutz, weil wir in Zukunft von längeren Hitzeperioden heimgesucht werden. Der entscheidende Punkt ist aber: Wir müssen unseren Energieverbrauch radikal reduzieren. Der ist für rund 80 Prozent jener Emissionen verantwortlich, von denen die Erde aufgeheizt wird – und darüber hinaus für die Probleme mit Feinstaub, für die Versauerung und Überdüngung von Gewässern. Wenn wir also Energie effizienter erzeugen und verwenden sowie obendrein Öl, Kohle und Gas durch erneuerbare ersetzen, lösen wir viele Umweltprobleme gleichzeitig…
ZEIT: …und würgen die Wirtschaft ab.
Troge: Überhaupt nicht. Teuer ist nicht Klimaschutz, sondern wenn wir nichts tun im Klimaschutz. Das belegen sämtliche Berechnungen. Trotz aller Umweltabgaben und -umlagen ist zum Beispiel Strom aus Braunkohle immer noch fünf Cent pro Kilowattstunde zu billig, weil die durch die Verstromung verursachten Umweltschäden sich noch längst nicht vollständig im Preis niederschlagen. Bei Steinkohle beträgt die Subvention zulasten der Umwelt 4,5 Cent und bei Erdgas 0,5 Cent.
ZEIT: Von konsequenter Umweltpolitik kann also nach wie vor keine Rede sein?
Troge: Um das Schlimmste zu verhindern, müssen wir jedenfalls dem Klimaschutz Beine machen. Immerhin wächst nach meinem Eindruck das Bewusstsein dafür, dass Klimaschutz in den kommenden Jahrzehnten zur entscheidenden Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung werden wird. Deutschland kann da übrigens riesige Exportmärkte erschließen – und zwar sehr schnell, weil die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten wie Elektromotoren oder Druckluftpumpen für die Industrie sich weiter rasant entwickeln wird.
ZEIT: Wird Deutschland, werden die Europäer zunächst einmal ihre Verpflichtungen nach dem Kyoto-Protokoll erfüllen können?
Troge: Ich bin skeptisch, ob die EU ihr Ziel erreicht, trotz des Emissionshandels. Deutschland hat dagegen gute Chancen. Allerdings nur, wenn die Regierung bei der Klimapolitik nachlegt. Trotz Emissionshandels müssen wir hierzulande bis 2012 noch rund 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen – und zwar in den privaten Haushalten und im Verkehrssektor. Ich halte es deshalb zum Beispiel für dringend erforderlich, Flugtreibstoff zu besteuern.
ZEIT: Soll Deutschland da allein voranpreschen?
Troge: Rechtlich durchaus denkbar. Ich empfehle, dass sich die deutsche Regierung mit ein, zwei großen europäischen Partnern zusammentut. Es kann doch nicht sein, dass wir mit Hilfe der Ökosteuer Anreize zum Energiesparen geben und die Kraftwerksbetreiber dem Emissionshandel unterwerfen – während gleichzeitig ausgerechnet der expansivste Verkehrssektor, der Flugverkehr, von der normalen Energiesteuer verschont wird. Stattdessen verkämpfen wir uns gerade darüber, ob der Energiepass für Gebäude den Verbrauchern hilfreiche oder nutzlose Informationen bieten soll…
ZEIT: …nachdem die alte Bundesregierung bereits mit schlechtem Beispiel vorangegangen ist und eine untaugliche Verordnung zur Kennzeichnung des Kraftstoffverbrauchs von Autos vorgelegt hat.
Troge: Gerade deshalb warne ich davor, beim Gebäude-Energiepass schon wieder einen schweren Fehler zu machen. Was nutzt es denn einem Mietinteressenten, wenn er erfährt, wie viel Energie sein Vormieter verbraucht hat? Nichts. Also darf dem Energiepass doch nur der bautechnisch bedingte Bedarf des Gebäudes zugrunde liegen. Alles andere führt in die Irre. Der nächste Schritt wäre, dass wir im Mietrecht von der Kalt- zur Warmmiete übergehen. Das hätte für Mieter und Vermieter zur Folge, dass sie sich wirklich um Wohnungen bemühen, die weniger Energie verbrauchen. Momentan ist es dagegen so, dass die Sanierungskosten im Wesentlichen der Vermieter zu tragen hat, während sich der Mieter über niedrige Heizkosten freut. Deshalb muss die Sanierung dauernd mit Subventionen gefördert werden.
ZEIT: Die Regierung ist stolz darauf.
Troge: Ich kritisiere das Förderprogramm nicht. Nur, es muss eben ständig nachgefüttert werden – und das geht nicht ad infinitum. Deshalb plädiere ich dafür, das Mietrecht zu ändern. Wir dürfen beim Klimaschutz nicht zu sehr vom Kassenstand der öffentlichen Finanzen abhängig werden.
ZEIT: Reden wir vom Verkehr. Die Selbstverpflichtung der europäischen Autohersteller, den CO₂-Ausstoß der von ihnen verkauften Autos bis 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu begrenzen…
Troge: …wird aller Voraussicht nach scheitern. Deshalb halte ich es für dringend notwendig, dass die EU zum Ordnungsrecht greift und den Flottenverbrauch begrenzt. Die Hersteller müssten dann ein bestimmtes Limit einhalten…
ZEIT: …wenn sie Sanktionen entgehen wollen.
Troge: Ohne die geht es nicht. Nebenbei bemerkt: Die chinesische Regierung geht gegen Spritfresser längst viel härter vor. Fahrzeuge, die in ihrer Klasse einen bestimmten Verbrauch übersteigen, dürfen überhaupt nicht verkauft werden.
ZEIT: Muss die hiesige Regierung auf Europa warten – oder kann sie auch selbst aktiv werden, um den Spritverbrauch zu drosseln?
Troge: Selbstverständlich. Die Bundesregierung sollte ihr Versprechen, die Kraftfahrzeugsteuer am CO₂-Ausstoß zu orientieren, alsbald wahr machen.
ZEIT: Die kalifornische Regierung geht gerichtlich gegen Hersteller von Spritschluckern vor.
Troge: Das ist zwar mutig, entspricht aber nicht dem europäischen Rechtsverständnis. Wenn Selbstverpflichtungen nicht eingehalten werden, dann muss der Staat ordnungsrechtlich handeln. Denn wenn wir die heute schon verfügbare Technik nicht nutzen, um Klimaschäden zu begrenzen, dann muss später die Notbremse gezogen werden.
ZEIT: Notbremse heißt was?
Troge: Lassen Sie mich mit einer historischen Analogie antworten: Wenn wir Mitte der achtziger Jahre den Katalysator nicht eingeführt hätten und wir heute trotzdem relativ saubere Atemluft haben wollten, müssten wir heute 80 Prozent weniger Auto fahren. Die verfügbare Technik nicht zu nutzen bedeutet also, in Zukunft drastische Verhaltensänderungen erzwingen zu müssen.
ZEIT: Warum fällt es vielen Politikern so schwer, die Nutzung der Klimaschutztechnik zu erzwingen?
Troge: Es liegt weder an mangelndem Mut noch an mangelnden Kenntnissen der Umweltpolitiker. Die Ursache dafür ist vielmehr ein in der ökonomischen Theorie der Demokratie beschriebener Defekt. Danach sind Demokratien für nichts so empfänglich wie für kurzfristige Einkommens- und Produzenteninteressen. Leider lässt sich das im politischen Alltag sehr genau feststellen. Die Akzeptanz des Umweltschutzes in anderen Ressorts schwindet sogar – wenn sich nicht gerade eine Katastrophe anbahnt. Nur, deshalb auf die Klimakatastrophe zu warten, ja zu hoffen, wäre halsbrecherisch.
ZEIT: Laut Konsens der Klimaforscher müssen Industrieländer wie Deutschland ihre CO₂-Emissionen bis 2050 um rund 80 Prozent gegenüber 1990 vermindern, damit die Erderwärmung erträglich bleibt. Ist das zu schaffen?
Troge: Reden wir über nähere Ziele. 80 Prozent bis 2050 bedeuten 40 Prozent bis 2020.
ZEIT: Das wäre in kürzerer Zeit mehr, als Deutschland von 1990 bis heute geschafft hat.
Troge: Wenn wir die Effizienzpotenziale ausschöpfen, statt auf Kohle auf das klimafreundlichere Erdgas setzen und vor allem die regenerativen Energien weiter ausbauen, schaffen wir das – sogar bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Kernenergie und ohne jeglichen Komfortverzicht. Ich sage das nicht, weil ich auf das 40-Prozent-Ziel fixiert bin, sondern weil ich darin auch eine seltene Chance für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sehe.
ZEIT: Und keine Belastung für Verbraucher und Steuerzahler?
Troge: Doch, aber sie ist nicht gigantisch, wie manche glauben machen wollen. Das vom Umweltbundesamt vertretene Energiekonzept kostet jährlich rund vier Milliarden Euro. Pro Haushalt ergibt das eine monatliche Belastung von acht Euro. Das ist weniger, als uns die EU-Zuckermarktordnung kostet; nämlich 6,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Das Gespräch führte Fritz Vorholz
Andreas Troge
wurde 1950 als Sohn eines mittelständischen Unternehmers in Berlin geboren.
Von 1970 bis 1975 studierte Troge an der TU Berlin Volkswirtschaft, anschließend promovierte er an der Uni Bayreuth.
Seine berufliche Laufbahn startete Troge 1981 als Umweltreferent im Bundesverband der Deutschen Industrie.
1986 übernahm er die Geschäftsführung des Instituts für gewerbliche Wasserwirtschaft und Luftreinhaltung, einer Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft.
1990 wechselte Troge als Vizepräsident zum Umweltbundesamt, dessen Präsident er 1995 wurde. Troge gehört der CDU an, widersprach aber wiederholt deren umweltpolitischem Kurs.
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- Datum 08.10.2006 - 06:30 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.10.2006 Nr. 41
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mit Lügen gearbeitet.
Kürzlich im DLF gehört, daß ein durchschnittlicher 4 Personenhaushalt
3500Kwh pro Jahr verbraucht, für die er ca. 700 bezahlt.
Damit kommen z.B. meine 75 jährigen Eltern in ihrem Reihenhaus
ohne Wäschetrockner, überall Energiesparlampen, nur ein TV,
ein Kühlschrank, eine Waschmaschine, ein Geschirrspüler,
keinesfalls aus. Und ich, als Single, zwei Rechner (werden immer ausgeschaltet,wenn ich sie nicht brauche), kein TV, fast nur Energiesparfunzeln,
ein aus Spargründen(!) abgeschalteter Tiefkühlschrank zahle auch schon über 50 pro Monat
in meinem Miniappartement, also fast das, was angeblich eine 4 köpfige Familie braucht.
Glaube kaum, daß diese Verbräuche überdurchschnittlich sind, also irgendwas stimmt da nicht.
Daß die genannten CO²reduktionsziele mit 8 im Monat
(die ich auch nicht über habe, weil mein Konto jeden Monat jetzt schon in die Miesen geht)
zu erreichen sind, glaube ich schon mal überhaupt nicht.
Außerdem hat Herr Troge nicht die Deutungshoheit über das, was Komfort ist.
Komfort wäre für mich z.B., bei heißen Temperaturen, auch in der Wohnung, wie im Auto,
eine Klimaanlage zu haben. Damit ich nicht mit dem Auto durch die Gegend fahren
muß, nur weil ich die Hitze in meinem nach Südwesten gehenden Klein-Appartement nicht
mehr aushalte.
Da kann er ja mal ausrechnen, wieviel Windräder wir dafür brauchen, wenn klimatisierte
Wohnungen hierzulande Standart werden sollen. Das sind für mich sinnvolle Ziele,
die das Leben angenehmer machen. Ich wuerde die Anlage natuerlich nur anschalten,
wenn es wirklich heiß ist, was hierzulande ja nicht so viele Tage pro Jahr ausmacht.
Der Bürger soll sich keinen Sand in die Augen streuen lassen, wenn die Politik von
immensen Einsparpotentialen des Verbrauchs ausgeht, bedeutet das, künstliche Energieverknappung.
Und das bedeutet noch höhere Preise, quasi Rationierung. Erst recht, wenn die Sparziele dann nicht
erreicht werden.
Und dann kann die Politik schön die Schuld für die Preise auf die Bürger schieben, die im Angesicht
der drohenden Sintflut nicht ordentlich gespart haben.
Und dann ist Pastorentochter Merkel ganz in ihrem Element, was allerdings zum Entzug meiner Stimme für
sie bei der nächsten Wahl führen würde...
Ein probates Mittel gegen die künstliche Verknappung könnte z.B. die
Weiternutzung von sicheren Atomkraftwerken und die Reduzierung von Marktmacht durch echten Wettbewerb
auf den Energiemärkten sein.
Diejenigen Bürger, die in Passivhäuser oder sonstige Spartechnik neu investieren können,
sollen von mir aus Anreize erhalten, dann auch effiziente Technik zu wählen, aber wer keinerlei
Investitionsspielräume hat, soll bitteschön mit dieser miesen Abzockmasche in Ruhe gelassen werden.
Oder will unser Sozialstaat demnächst noch erniedrigende Energiepreiszuschüsse für Arme einführen ?
Ich habe in den Anfängen meiner beruflichen Laufbahn bei einer Umweltorganisation gejobbt und folgendes aufgeschnappt:
Naturschutz ist ein rein egoistisches Verhalten des Menschen. Wir haben lediglich Angst um unsere jämmerliche Spezies oder das sich unsere Lebensbedingungen verschlechtern. Was passiert wenn wir uns selbst vernichten? Glaubt denn wirklich jemand wir hätten die Macht die Natur zu zerstören? Vielleicht dauert es 1000 Jahre Aber was ist das schon? Die Evolution wartet bestimmt schon mit neuen Geschöpfen in den Startlöchern die nur durch unsere Anwesenheit von Ihrem Siegeszug abgehalten werden Also, sonst wohin mit dem Naturschutz und immer schön weiter Zum Wohle der Natur!
Ich wollte diese provokante Darstellung gerne hier teilen und hoffe damit den einen oder anderen Schmunzler hervor zu rufen
Einen Fernseher ausschalten als Innovation zu verkaufen ist schon ziemlich dreist! Und ein Einsparung als Bereicherung zu verkaufen ist noch dreister!
Das abwandern von Aluminumwerken nach Arabien zu den Öl-Quellen als Umweltschutz zu verkaufen schlägt dem Faß den Boden aus.
Da wird der Atomsphäre kein bisschne CO2 erspart sondern nur Arbeitsplätze verschenkt! Das ist ist Umweltschutz ala Rot-Grün und genau diesen Unfug wollen wir nicht mehr! J.S.
Das ist Umverteilung von Unten nach Oben. Diejenigen die sich Photovoltaik Anlagen leisten können bekommen das Geld von Leuten die es sich nicht leisten können. So kann man das wohl sehen. J.S.
ist entweder dumm oder hat sich die Mütze des Öko-Michels soweit über die Augen gezogen, dass er nichts mehr sieht. Es geht nämlich beim Klimaschutz nicht um den deutschen Energieverbrauch, sondern um die globalen CO2-Emissionen.
Es ist in der Tat möglich, bis 2050 50% des CO2 einzusparen. Ob das auch 50%ige Reduktion des Energieverbrauchs bedeuten kann oder wird, ist dagegen höchst zweifelhaft. Die CO2-Reduktion geht genau dann, wenn man ALLE CO2-freien oder -armen Energiequellen aufbaut bzw. ausnutzt und die fossilen Energieträger massiv zurückdrängt.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass in diesem Zeitraum die Menschheit voraussichtlich auf 9 Milliarden anwachsen wird und dass sich die jetzigen Entwicklungs- oder Schwellenländer nicht mit ihrem heutigen Pro-Kopf Energieverbrauch zufrieden geben können und werden.
Daher ist es global gesehen sehr zweifelhaft, 50% des Energieverbrauchs einsparen zu können. Das würde nämlich bedeuten, 9 Milliarden mit 50% des heutigen Verbrauchs zu versorgen. Wenn das einigermassen gerecht zugehen soll, bliebe für die "G8"-Länder etwa 10% des heutigen Wertes.
Und deshalb grenzt es an Volksverdummung, den Leuten auch noch zu erzählen, man könnte gleichzeitig aus der Kernenergie aussteigen. Und am besten die Fusionsenergie gar nicht erst entwickeln, gelle Herr Tröger? Schließlich entsteht da auch ein bischen Radioaktivität. Sie haben übrigens vergessen, das Märchen vom knappen Uran zu erzählen.
Der deutsche Atomausstieg ist ein deutscher Treppenwitz, über den die Geschichte wegstiefeln wird. Notfalls auch ohne deutsche Technik, die früher mal die beste der Welt war...
Setzt man Komfort versus Energiesparen, dann ist die Stand-By Schaltung (nur) ein Beispiel. Allerdings eines, das ich in den letzten Jahren mehr als ein dutzendmal gehört habe. Insofern ist es fair gewesen, dieses Beispiel paradigmatisch zu erwähnen.
Natürlich kann man durch technische Entwicklungen, die Stand-By Schaltung aus dem Fokus herausnehmen. Das ist aber nicht der Punkt: ich werde mich stets für irgendetwas rechtfertigen müssen, das als Luxus angeshen werden kann und zusätzliche Energie benötigt.
Etwas überspitzt: ist die Energieeinsparung die (im Sinne einer Optimierung) alles überragende Zielfunktion?
Es ist auch korrekt, dass wir den Naturschutz aus egoistischen Gründen betreiben. Deshalb werden wir im Zweifelsfall für den Menschen und gegen andere Mitgeschöpfe entscheiden.
Ich halte das auch nicht für falsch. (Als Mensch nehme ich mir hier die Freiheit, parteiisch zu sein.)
Dennoch habe wir es hier nicht mit einer win-loose Situation zu tun. Wenn wir das Ganze nämlich großräumiger betrachten, dann müssen wir feststellen, dass die übrige Natur eine dauerhaftere Perspektive nur - und nur - durch den Menschen erhält.
Kurz: es gibt gute Gründe sagen zu können, dass wir die Bemühungen einer ganzen Galaxis konterkarieren würden (wenn ich hier für einen Moment unsere Milchstraße personalisieren darf), wenn wir auf die Mittel der Technik - und zwar der harten Technik - verzichteten.
Auf Dauer im eigenen Nest zu bleiben, das ist pathologisch.
Es ist wahr: wir werden allem Anschein nach die Temperatur auf den Planeten erhöhen. Und es ist sicher sinnvoll, dass dies nicht zu schnell geschieht. Aber vielleicht gewöhnen wir uns an den Gedanken, dass es Stabilität auf der Erde sowieso nie gegeben hat.
Herzlichst Crest
Dieser Schwachsinnskommentar geht von völlig falschen Voraussetzungen aus:
1.- Dass die Energie weiterhin über Kohlekraftwerke und Ölkraftwerke usw. erzeugt wird.
2.- Er berücksichtigt nicht die Fortschritte in der Solartechnik.
3.- Das frühzeitge Abschlaten der Kernkraftwerke aus ideologischer Sicht erzeugt zum Großteil erst die Probleme, die aus Punkt 1 bestehen.
Ich kann diese Ökologiefasler einfach nicht mehr hören, gerade weil ich was davon verstehe.
Bei den vielen Appellen zum Energieparen fällt mir die Bemerkung von Karl Adam ein, dass man einen Jugendlichen nicht mit dem hygienischen Argument zur sportlichen Betätigung motiviert ("Sport ist gesund") sondern mit der Aussicht, "ein Beckenbauer zu werden".
Die immerwährenden Energiesparappelle empfinde ich von daher wie Forderungen religiöser Moralisten nach permanenter Askese und lustentsagendem Verhalten.
Lassen wir mal das reine Vergeuden außer Acht. Kein vernünftiger Mensch wird widerprechen, wenn es darum geht, die Energie "einfach weniger aus dem Fenster zu werfen". Aber nehmen wir mal die Stand-by-Schaltungen. Die haben doch auch etwas Angenehmes:
Wie soll ich reagieren, wenn mir nun jemand sagt: das darfst du nicht? Soll ich sagen dürfen, dass ich bereit bin, hierfür zu zahlen? Dass die Bequemlichkeit des Stand-by es mir wert ist?
Energiesparen ist eine feine Sache, vergessen Sie aber nicht, dass der Energiefluss d e r strategische Flaschenhals unserer Zivilisation ist.
Vermutlich werden wir in Zukunft mit unserer Erde ganz andere Probleme bekommen. Wenn ich im deutschen Scientific American lese, dass wir ohne die Einwirkungungen des Menschen mit dem Übergang zur Landwirtschaft in der Jungsteinzeit unter Umständen schon wieder eine Eiszeit haben könnten, wenn ich lese, dass Supervulkane z.B. im Yellowstone Park einen Großteil der USA verwüsten könnten, dann jammern wir auf einem hohen Niveau.
Ich weiß, dass Ihnen Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Das ist löblich. Aber Ihr Bemühen um Nachhaltigkeit könnte sich als Kampf gegen Wanderdünen entpuppen.
Und mit Verlaub, das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung als Ziel seiner selbst, als Selbstzweck - mein Gott wie langweilig.
(Aber vielleicht ist mir ja nur das Gen eines Flagellanten abhanden gekommen.)
Sie werden jetzt von mir fordern, dass ich etwas Positives entgegensetze.
Es muss etwas sein, dass dieselbe Strahlkraft hat, wie die, "ein Beckenbauer zu werden". Und da fallen mir in der Tat Menschen ein, Menschen wie die äußerst symphatisch wirkende Anousheh Ansari, die sich einen Kindheitstraum erfüllt hat:
Können Sie mir noch eine Dienstleistung nennen, die auf eine Woche beschränkt ist, und für die jemand bereit ist, 20 Mio Dollar zu bezahlen?
Jenes Ziel h a t nämlich Strahlkraft.
Und nicht nur das, hier sehe ich auch unseren Imperativ. Denn die Erde und nur die Erde, das ist auf die Dauer doch etwas zu unsicher.
Herzlichst Crest
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