Der Zettel fiel ihm gleich ins Auge: »Zimmer frei«, stand darauf und auch, dass es billig sei – genau danach suchte Christoph Herbort, als er zum Studieren nach Berlin zog. Das Angebot kam von einer katholischen Verbindung. Als Herbort mit seinen Koffern dort einzog, ging er ein Tauschgeschäft ein: niedrige Miete und gute Freunde gegen lebenslanges Engagement und Beitragszahlungen nach der Uni-Zeit. »Bereut habe ich das nie«, sagt Herbort jetzt, zehn Jahre nach seiner Entscheidung. So glücklich trifft es allerdings nicht jeder, der sich für eine Studentenverbindung entscheidet.

Der Ruf der Bünde ist denkbar schlecht, immer wieder kommen Burschenschaften ins Gerede. Einige sind so stramm rechts, dass sich der Verfassungsschutz um sie kümmert, andere sind vor allem für ihre Saufgelage bekannt. »Das sind jedoch die absoluten Ausnahmen, die dann auf das Image aller anderen Organisationen abfärben«, sagt Carsten Bahnson, Vorsitzender der Gesellschaft für Hochschulkunde.

Eins jedenfalls haben alle Verbindungen gemeinsam: Wer bei ihnen Mitglied wird, unterwirft sich einem strikten Regelwerk. Was genau darin steht, variiert sehr stark – die lebenslange Treue verlangen fast alle, die Teilnahme an regelmäßigen Treffen auch. Einige wollen nur deutsche Mitglieder, andere nur Katholiken, und wieder andere schließen Zivildienstleistende aus. Inbegriffe von Toleranz sind sie alle nicht.

»Die Szene ist so verzweigt, dass kaum ein Außenstehender sie durchschauen kann«, sagt die Soziologin Alexandra Kurth von der Universität Gießen, die sich schon seit Jahren mit den Studentenverbindungen beschäftigt. Unter diesem Oberbegriff tummeln sich Burschenschaften, Corps, Turnerschaften, konfessionelle Korporationen und reine Frauenclubs.

Mehr als 1000 verschiedene Verbindungen zählen Wissenschaftler allein im deutschsprachigen Raum. Die wiederum sind in 30 Dachverbänden zusammengeschlossen.

Die große Trennlinie verläuft beim Thema Fechten

Das Markenzeichen vieler Bünde ist das akademische Fechten. »Um dieses Thema ranken sich zahlreiche Mythen«, sagt Alexandra Kurth – gekämpft wird nämlich mit scharfen Waffen und ohne schützenden Helm. Häufig behalten die Studenten von den Duellen tiefe Narben im Gesicht zurück, die als Beweis für die Männlichkeit gelten und intern als Erkennungszeichen dienen. Jedermanns Sache sind diese blutigen Rituale nicht. »Ob eine Verbindung ficht oder nicht, ist deshalb eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale in der Szene«, sagt Soziologin Kurth.