Sicherheit Ich sehe alles

Unsere Autorin arbeitet an einem Ort, an dem sich die Angst der Welt staut: An der Sicherheitsschleuse eines deutschen Flughafens. Eine Geschichte über verordnetes Misstrauen, Blicke ins Intime und über die schönen Gewänder der Muslima.

Ich wollte eigentlich dünn drübermachen. Die Handsonde lasch hinaufschwingen, ein wenig um den Leib herumfahren, zweimal um die Beine, fertig. Leider steht hinter mir die Bundespolizei mit verschränkten Armen und überwacht alles, was ich tue. Und vor mir stehen sie auch. Zu Hunderten. In langen Schlangen. Behängt mit Gepäckstücken und Trinkflaschen und Beuteln und Kameras. Sie wollen nach Amerika.

1976 Entführung einer Air-France-Maschine nach Entebbe, Uganda
1977 Entführung der Boeing 737 Landshut nach Mogadischu, Somalia
1985 Bombenattentat auf dem Frankfurter Flughafen in Halle B
1988 Bombenattentat auf die Boeing 747 der PanAm nach Lockerbie
2001 Entführung von vier Flugzeugen in den USA mit Angriff auf US-Einrichtungen in New York und Washington
2006 Geplante Sprengstoffattentate auf mehrere Flugzeuge, unterwegs von London nach Amerika

Könnte auch mich treffen. Es könnte mir den Arm zerfetzen, während ich einen Koffer öffne oder ein stehen gebliebenes Suitcase aufhebe. Da stehen sie doch jeden Tag. Gestern: Sperrung des Bahnhofs wegen vergessenen Gepäckstücks. Vorgestern: Sperrung Gate A11 bis 15. Heute: bekannte Flatterleine mit viel Polizei und einem Spürhund in Halle II. Seit Dortmund/Koblenz sind alle ein wenig nervös. Erhöhte Sicherheitsstufe. Und ich muss das alles machen. Ich allein.

Ich kann nicht dünn drübermachen, ich kann nicht, ich muss den Arm heben. Ich muss die Haare der Frauen aus aller Welt heben und hinter ihre Ohren schauen, ich lasse sie die Haare öffnen und betrachte ihren Schmuck. Ich fasse die Frauen an, ihren Ausschnitt, ihre Träger, ihre laut tönenden BH-Bügel. Es könnte ein kleines Messer in diesem BH stecken, der Schlitten einer Schusswaffe, ein Päcklein TNT in einer Tempotasche. Die Frauen, die ich kontrolliere, haben harte Nähte an den Schenkeln, es könnte eine Patrone dahintergeklebt sein, selbst in ein Flugticket kann man Rasierklingen einlegen, haben wir gelernt. Sie transportieren Babyflaschen und Honig für die Großmutter, sie besitzen Lackledertaschen mit Spray und Tampons und Liebesbriefen. Ich sehe alles. Zerre ihr Innerstes auf den Tisch. Breite es vor allen anderen aus. Nehme den Nagellack, das Deo heraus und werfe alles in eine rot-blaue Wanne unter dem Gepäcktisch. Ich bin eine Sondenkraft, eine Einweiserin, eine Monitorkraft, ich bin: eine Luftsicherheitsassistentin, bezahlt vom Bundesministerium des Inneren. Ich bin uniformiert. Ich habe eine blaue Weste und einen rot gestreiften Schlips. Meine blaue Hose – 45 Prozent Polyester, 55 Prozent Schurwolle – kneift ein wenig im Bund, ist dafür weit genug am Po. Die Hemden schnell nass geschwitzt.

Wir müssen Autorität zeigen, sagen sie. Wir sollen nicht sagen: Wären Sie so freundlich, den Koffer zu öffnen? Sondern knapp: Öffnen Sie bitte den Koffer! Nicht: Ich muss Sie bitten, die Jacke in die Gepäckwanne zu legen, sondern: Das Jackett in die Wanne! Wir sollen streng sein. Wir haben Strenge geübt. Und: Haltung. Selbst der versoffene Büttner, der mit breiten Armen auf die Welt gekommen ist, um sich an alle Theken dieser Welt zu hängen, hatte am Tag der Einkleidung plötzlich einen aufrechten Gang. Wir alle nehmen Haltung an. Mir persönlich tut das erzieherisch gut. Wir haben eine Haltung … wie Soldaten. Wir sind geschult. Getrimmt. Überwacht. Wir sind das waffenlose blaue Heer des Flughafens.

Eigentlich sind wir: Programmierer von Großrechnern. Drucker. Wir sind die Stabsoffizierin aus dem Kosovo-Einsatz. Der Privatsekretär einer Abgeordneten aus Wiesbaden. Lehrer an einer zerbombten Schule in Bosnien. Profifußballerin aus dem Odenwald. Anwalt ohne Kanzlei. Verträumter Pilot ohne Anstellung. Entwicklungshelferin. Biologe aus dem Nationalpark der Elfenbeinküste.

Nur die Besten überleben das schwierige Ausbildungstraining, in wenigen Wochen wird eine harte Auslese getroffen, mehr als die Hälfte segelt durch.

So sind die Anwesenden für ihren Job mit übermäßiger Intelligenz ausgestattet, die vielleicht nicht nötig gewesen wäre. Ein stille, bescheidene, blau gekleidete Schar, der intelligente Restposten der Gesellschaft. Denn wir wurden rekrutiert aus der immer größer werdenden Hartz-IV-Prozession. In Strömen hierher gestiefelt, von Brandenburg und Würzburg und Mannheim und Neuruppin. Wir kamen von Norden und Süden, meist aus dem Osten.

Um die Luftsicherheit zu gewährleisten. Um die Gefahren durch den internationalen Terrorismus einzugrenzen, denn ein Terroranschlag in der Luft hat für den Täter viele Vorteile:

• Hoher Symbolwert einer Airline für das Land, wie etwa: El Al, U.S. Air
• Herstellung von großem Medieninteresse
• Hohes Katastrophenpotenzial
• Geringe Täterzahl, hohe Opferzahl
• Geringe Angreifbarkeit der Täter in der Luft
• Hohe Mobilität des Luftfahrzeuges über Staatsgrenzen hinweg

Nicht wahr. So ist es nun mal. Und darum stehe ich hier und schaue in die nachtglänzenden Gewänder der Musliminnen, ich gestehe, ich liebe die nachtglänzenden Gewänder der Musliminnen. Gleiten sie erst auf dich zu wie die Verkörperung allen Unglücks, wie schwebendes Unheil… Den ersten Mann an der Seite einer Burka tragenden Frau wollte ich schlagen. Er schien mir an allem schuld. Das Kind, das sich an den unsichtbaren Schenkel seiner Unheildrohne schmiegte, ein bedauernswertes Opfer einer Kultur, in der man seine Mutter als schwarzen Sack vor sich hat.

Je näher das Unheil kam, umso mehr wuchs ein seltsamer Respekt. Ich wusste nicht, wohin mit meiner Sonde. Wo sollte ich in diesen schweren Umhang eintauchen? Ich ließ sie sinken. – Sorry, Madame. You are my first Muslima. I have no idea of your dress. Would you follow me into the cabin?

Die Frau nickte mit schwarz angemalten Augen, ein leichter Schwalbenschwanz zu den Schläfen hin. Sie folgte mir, und der kleine Junge klammerte sich weiter an das Bein, von dessen Existenz er immerhin wusste.

In der Kabine machte die arabische Dame eine elegante Handbewegung um ihren Kopf, und schon hielt sie den gesamten Schleier an einem Finger, und dann pfefferte sie ihn in die Ecke und trug eine weißgoldene Bluse von H & M und einen engen Jeansrock mit flachen Turnschuhen. Das Gesicht ehrfurchtgebietend schön. Ich bedankte mich und nahm den schwarzen Mantel, um ihn nach metallischen Gegenständen abzusonden, ich fasste in cremig weiches Tuch, so leicht wie Elfengewand, so fein wie rieselnder, schwarzer Sand, niemals hatte ich ein so schönes Tuch in der Hand gehabt. Sie hatte nichts bei sich. Als ich ihre Bluse absondete, piepsten die Bügel des BHs. Die Muslimin und ich gackerten. Dem Jungen gefiel das Prozedere in keinster Weise. Er nahm seinen Stoffhasen und verdrosch mir den Oberschenkel.

In Ordnung, sagte ich. All right. Thanks a lot.

Die Muslimin lachte und fand nichts dabei, konnte sich aber einen Hauch von Verachtung nicht verkneifen, als sie mit der gleichen leichten Bewegung das zarte Tuch um die Schultern warf und stolz und erhobenen Hauptes die Kabine verließ. Auch der Junge sah mich noch mal mit strafender Verachtung an, immer die Hand am Schenkel seiner Mutter. Der Vater sah eher aus, als wollte er sich entschuldigen. Machte sich irgendwie kleiner. Suchte meinen Blick. Wir entschuldigten uns beide nicht und blieben jeder mit seiner Schuld übrig, und dann riss der Kontakt der Augen entzwei. Er hatte sehr schöne Augen.

Die Gewänder der Welt gleiten durch meine Hände. Grund genug, meinen Job zu lieben. Ich weiß nicht, welche mir mehr gefallen, die prächtigen blumigen Farbtiraden der Afrikanerinnen oder die bunt schillernden Saris der Inderinnen… Wenn die Inderinnen kommen, stelle ich mich extradumm an und fahre hundertmal unter die Schleier und betrachte die Ornamente und den kostbaren Schmuck, betrachte lange die bemalten Hände, und meine Handsonde dreht durch und schreit schmerzhaft auf von so viel Metall, so viele Ringe, so viele Ketten, da geben wir es auf.

Ich mag auch die kostbaren Miniaturen indonesischer Stewardessen vorbeihuschen sehen und die lila Flugbegleiterinnen aus geheimnisvollen Ländern, die ich auf der Landkarte noch niemals gesehen habe. Ich beginne oft zu träumen. Die Gerüche der Menschen nehmen mich mit auf die Reise, nehmen mich mit in die Welt, und ich reite mit ihnen die großen Luftvögel und trete nach unten die Wolken platt.

Aber wir fliegen nie. Wir bleiben am Boden. Wir können uns das Fliegen gar nicht leisten. Wir entdecken bei der Kontrolle unendlich viel Geld. In dicken Beuteln, in Klammern, in Bauchtaschen, eingenäht in die Säume und eingenäht in Büstenhalter. Was wir uns einnähen könnten, ist nicht so viel.

Leider sind die Menschen nicht immer gut gelaunt. Sie sind erschöpft vom Transitverkehr. Sie bleiben nur, um in ein anderes Flugzeug zu steigen. Manche hassen die Sicherheitskontrollen, hassen es, zwei-, dreimal gefilzt zu werden und dafür anzustehen. Sie glauben, wir übertreiben und wir sind hysterisch.

Nun gut, ich könnte verletzt werden. Aber ich glaube nicht, dass mir persönlich etwas geschieht. Ich glaube, ich bin gar nicht persönlich hier. Ich bin ganz und gar nicht persönlich in diesem Uniformrock einer Flugsoldatin. Es ist köstlich, sich in diesem Tarnkleid zu verstecken, es gibt mich gar nicht. Ich funktioniere als Teil eines achtarmigen Geschöpfes, einer blauen Riesenameise, die sich durch die Kolonnen der Reisenden frisst, mit immergleichen Arm-bewegungen. Die Ameise macht Getöse, die Wannen fliegen über die Köpfe hinweg, poltern in die Blechrutschen nach unten und nehmen neue Laptops auf, die Jacken, die Armbanduhren, die Schlüsselbunde, und die Gepäckprüfanlage frisst die Wannen mit laschen grauen, schleifenden Zähnen.

Die Passagiere machen die immergleichen Witze:

You want my belt! Ouh! I will lose my trousers!

Ich gebe den immergleichen Antwortwitz:

That’s why I do this! Haha!

Bei fünf Prozent der Passagiere piepst ein künstliches Hüftgelenk. Sieben Prozent laufen weg, nachdem ich nur die Vorderseite gesondet habe. Acht Prozent tragen heimlich einen Geldgürtel. Ein Prozent aus Russland trägt das Geld angenäht an den BH oder an der Unterhose bei sich. Die Prozentzahlen habe ich erfunden.

Die Japanerinnen haben kleine Brüste und eisenharte, komplizierte Apparate, um sie zu halten. Deutsche Frauen erklären immer: Was da piepst, sind der BH sowie der Hosenknopf und auch die Niete sowie der Reißverschluss. Schweizer Frauen wollen manchmal nicht gesondet werden, denn sie sagen: Wir sind nicht EU. Dann sage ich: Aber wir sind EU.

Wirklich verloren haben nur die Amerikareisenden. Jeden Morgen, wenn wir in unserem kleinen, vergilbten Aufenthaltsraum mit dem Colaautomaten und den vergessenen Zeitungen sitzen und der Monitor angeht, starren wir gebannt auf den Schirm und warten auf unsere Aufträge. Bis unser Name erscheint. Dann geht es zum Terminal eins oder Terminal zwei, B11 oder C5 oder T18. T18 ist gefürchtet. T18 macht uns alle fertig. T18 ist Amerika.

Mehrere Kontrollstellen gleichzeitig für vier bis fünf Maschinen. Akkord bis Dienstschluss. Alles nach US-Standard. Immer gibt es Probleme. Wir holen Jim-Beam-Flaschen aus den Taschen, Armani-Parfum, Trinkflaschen, Mascara, Eddingstifte, Honig, Lipgloss… In zwei Stunden sind die Tonnen voll. Medizin muss jeder ausprobieren, sie tröpfeln sich Augentropfen hinein und cremen sich vor unseren Augen die Cortisoncreme auf die Arme. Mit Babynahrung machen wir einen Sprengstofftest.

Ich verderbe mir für Amerika die Augen am Schirm. Für Amerika drücke ich all meine Knöpfe. Für Amerika lasse ich alles leuchten, wenn ich am Monitor sitze, ich hole mir die Verdrahtungen heran, ich lasse die organischen Stoffe tieforange aufblitzen, ich filze die metallischen Kleinteile heraus, ich bereite mir täglich ein Farbenspiel, um alles zu finden, alles herauszusuchen, und ich werde fündig! Immer wieder. Ein Messer habe ich gefunden, schön blau scheinend, zusammengeklappt und zu erkennen am Gewinde des Korkenziehers, einen Schraubenzieher, eine Schere, CS-Gas. Mein Blick ist geübt, sodass ich den Bildschirm bald nicht mehr brauche, ich entwickele innere Sensoren, ich kann durch die Koffer schauen und auch durch die Menschen und lesen, was in ihrer Aura geschrieben steht. Der Monitor ist nur Hilfsmittel, eine Ablenkung für die Leute. Und vor meinen Augen erscheinen die Menschen in immer neuen Farben, die organischen Stoffe sind orange und die metallischen blau und das Gemischte ist grün, und so sehe ich: Die Herzen der Menschen sind orange, ihre Knochenbrüche sind blau, ihre Gedanken sind grün, und alles wechselt immerzu. Die Reisenden aus aller Welt wechseln ohnehin ständig ihre Farben.

Ich sehe am Schirm die Spritzen der fliegenden Ärzte, die ausziehen in die Krisengebiete. Ich sehe Uhrmacherwerkzeuge. Liebesspielzeug. Wasserpfeifen. Weltliteratur. Jeder zweite Koffer hat einen Laptop. Je nach Flieger: nur Laptops. Und ich sehe die Wünsche der Flugreisenden: das Spielzeug der Frau, die ihre Enkelkinder in Kanada zum ersten Mal besucht und die sou, sou nervous ist. Den Zahnarzt, der im Urlaub in Brasilien in den Slums kostenlos behandelt, die Geigenspielerin, die einen Auftritt in Boston haben wird, und den Austauschschüler, der ein Jahr in Amerika ein Jahr bleiben wird und seine neue Familie noch nicht kennt. Eine kleine, verschleierte Frau, deren graue Locken ich unter dem hellen Tuch erkenne, breitet die Arme aus und grinst uns an.

»Terrorist!«, sagt sie. Wir müssen lachen. Sie hat den BH voll Schmuck gestopft, und wir müssen in die Kabine. Bei der nächsten verschleierten Dame wähne ich dasselbe Problem: Ein Busen ist rund, der andere flach, auch wir gehen in die Kabine. Sie versucht, mir mit großen ängstlichen Augen etwas zu sagen. Wir öffnen den Schleier. Sie ist auf einer Seite brustamputiert.

Neue Anweisung der Bundespolizei: Wir sonden nicht mehr, wir tasten mit beiden behandschuhten Händen die Personen vollständig ab. Dadurch entdecke ich jede Unebenheit am Körper der Person und jede anatomische Besonderheit: den Transvestiten. Eine Verwachsung, einen Buckel, ein Piercing, einen Klumpfuß. Nichts entgeht mir. Leistenbruch. Korsett. Poliolähmung. Herzoperation. Ich glaube, die Menschheit ist nicht sehr gesund. Am kränksten sind offenbar die Amerikaner, sie haben tausend Pillen in den Koffern. Vitamine.

Heute wollen sie wieder heim. Warten geduldig Stunde um Stunde. Öffnen bereitwillig all ihre Habe und lassen sich die Dinge wegnehmen und bedanken sich noch. Amerikanische Freundlichkeit. Amerikanische Angst. »Sure«, sagen sie, und: »Of course!« Sie sind es gewöhnt. Sie haben es einkalkuliert. Wir machen viele Überstunden in diesen Tagen. Meine Woche hat 47 Stunden, die Stunden sind am Tage und in der Nacht, mal beginne ich um sechs, mal um vierzehn Uhr, mal um drei Uhr in der Frühe. Wir sehen kein Tageslicht, wir haben die schlechte Laune der Schichtarbeiter, und wir wenden uns dem Neonlicht zu, als sei es unsere Sonne. Wir treiben in Stundenmeeren, wir sind immer da, wir gehen nicht mehr nach Hause, denn wir müssen für Sicherheit sorgen, für Sicherheit auf dem Boden und für Sicherheit in der Luft, es kann ja immer was geschehen, aber wir sind ja da! Wir, die Stabsoffizierin aus dem Kosovo und die Totenwäscherin und der Anwalt ohne Kanzlei und der Privatsekretär der Abgeordneten und der Biologe aus dem Nationalpark und der Pilot ohne Flieger.

Und darum soll jeder, der unsere Kontrolle passiert, höflich sein und achtsam. Er weiß nicht, dass die Hände, die ihn kontrollieren, vorher eine Maschinenpistole gehalten haben, dass sie Lehmhütten in Afrika für die Aids-Kranken gebaut haben und dass sie die Politik des Landes eingeflüstert haben.

Und darum soll er auch getröstet sein. Denn wenn etwas geschieht, wir sind ja da. Wir sind imstande, eure Rechte zu vertreten. Eure Wunden zu pflegen. Euch Lehmhütten zu bauen. Eure Toten zu waschen. Es ist also eigentlich gleichgültig, ob etwas geschieht oder nicht.

Wir sind genauso gut da, um für Sicherheit zu sorgen, aber wir sollten uns vielleicht nicht allzu sehr um die Sicherheit sorgen, wir sind eigentlich viel besser, wenn etwas passiert. Dann erblühen wir erst zu dem, was wir waren und was wir sind.

Doch bis dahin sind wir die nicht so schönen Stewardessen, die billigeren Piloten, die in jedem Flughafen auftauchen, und jedes Jahr werden es mehr.

Ich atme durch und seufze auf. Gestern hatte ich einen Traum. Da lasse ich die Handsonde sinken. Ich warte, bis der Bundespolizist sich abwendet und seine Runden dreht. Und dann lasse ich Gott einen guten Mann sein und winke alle freundlich durch. Was soll’s.

Heute mache ich einfach mal dünn drüber.

Dieser Artikel ist in längerer Fassung auch im Kursbuch Nr. 165 zum Thema »Verletzlichkeiten« zu lesen, das soeben erschienen ist.

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Leser-Kommentare
    • loplop
    • 20.10.2006 um 19:22 Uhr
    1. jaaaa.

    schließe mich xyzjucheee an!
    sehr sehr schön geschrieben. :)

  1. 2. schön

    Liebe Frau Heinze,
    schmeißen sie den Job am Flughafen und werden sie Literatin. Bitte.

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  • Quelle DIE ZEIT, 12.10.2006 Nr. 42
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