Exzelllenz Die Regeln des Wettbewerbs
Das Verfahren der Exzellenzinitiative ist kompliziert, die Höhe der Fördersumme jedoch enorm. Jetzt hoffen vor allem die jetzigen Verlierer auf die zweite Runde.
Die Exzellenzinitiative ist ein Wettbewerb der Superlative, der weltweite Aufmerksamkeit erregt. Die Menge des Geldes, das auf einen Schlag verteilt wird; die Anzahl der Forschungsideen, welche die renommiertesten Wissenschaftler des Landes gleichzeitig präsentieren, sowie die Hundertschaften von Gutachtern, welche dieselben bewerten: All dies hat es in Deutschland noch nie gegeben.
Das gilt auch für die Kompliziertheit des Verfahrens, in dem die Sieger gekürt werden. Die insgesamt 1,9 Milliarden Euro werden auf drei Förderlinien verteilt: Der erste Teil fließt in die Ausbildung des akademischen Nachwuchses. Rund 40 Graduiertenschulen werden mit je einer Million Euro pro Jahr (und das fünf Jahre lang) bedacht. In ihnen sollen Doktoranden zu einem wissenschaftlichen Schwerpunkt promovieren, »Geist und Gehirn« heißt er etwa an der Berliner Humboldt-Universität, »Molekulare Zellforschung in Biologie und Medizin« in Freiburg.
Ein größerer Batzen (je 6,5Millionen Euro pro Jahr) entfällt auf rund 30 Exzellenzcluster . Es handelt sich um regionale Forschungsverbände, welche die Hochschulen mit außeruniversitären Einrichtungen, etwa mit Max-Planck-Instituten, oder der Wirtschaft eingehen. Auch hier gruppieren sich die Forscher unter einem thematischen Dach. In einem der beiden erfolgreichen Aachener Cluster gehen sie der Frage nach: Welche Technik ist notwendig, damit auch Hochlohnländer wie Deutschland sich noch eine Produktion leisten können?
Der wichtigste Fördertopf (21 Millionen Euro pro Jahr) prämiert bis zu 10 Zukunftskonzepte . Hier legen die Hochschulen dar, wie sie in den kommenden Jahren zur Weltspitze der Wissenschaft vordringen wollen. Die Sieger in diesem wichtigsten Teil des Wettbewerbs dürfen sich mit dem Namen »Spitzenuniversität« schmücken. Damit keine Universität nur luftige Zukunftspläne einreicht, besteht die Auflage, die drei Förderschwerpunkte zu verbinden: Nur wer mit mindestens einer Graduiertenschule und einem Cluster gewinnt, darf auf den Elitetitel hoffen.
Das Geld in allen drei Förderlinien wird in zwei Tranchen ausgeschüttet. Im ersten Durchgang wurden 3 Zukunftskonzepte, 18 Graduiertenschulen und 17 Forschungscluster ausgezeichnet. Die Verlierer dieser ersten Runde können »in Konkurrenz zu neuen Bewerbern« im nächsten Jahr zum Zuge kommen, wenn der Wettbewerb wiederholt wird. Die Projektskizzen für die zweite Runde liegen bei Wissenschaftsrat und DFG bereits vor. Im Januar entscheiden internationale Experten, wer einen so genannten Vollantrag stellen darf. Die Eliteehrung erfolgt in zwölf Monaten erneut in Bonn. Die heutigen Sieger müssen dann ihre ersten Ergebnisberichte abliefern und belegen, dass sie die Fördergelder sinnvoll angelegt haben.
- Datum 18.10.2006 - 07:28 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.10.2006 Nr. 43
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