Zum Vergleich fällt Horst Hippler nur die Fußball-WM ein. »Als wäre Deutschland Weltmeister geworden, so ausgelassen sei die Stimmung gewesen, schwärmt der Rektor der Universität Karlsruhe. Studenten rannten über den Campus mit wehenden Fahnen, auf denen das Kürzel KIT (für Karlsruher Institut für Technologie) zu lesen war. Im Senatssaal stießen die Professoren mit Sekt an. Doch man nippte nur kurz: »Nach einer Stunde sind wir zurück an unsere Arbeit gegangen«, sagt Hippler. Merke: Wer zur Elite zählt, bleibt dem Labor keine Minute zu lang fern. BILD Klicken Sie auf das Bild und Sie sehen die komplette Topografie der Exzellenz

Auch in München brach Jubel aus, als die Ergebnisse der so genannten Exzellenzinitiative bekannt gegeben wurden. TU-Präsident Wolfgang Herrmann band sich eine Lederschürze um, zapfte ein Fass Helles an und gab das große Ziel aus: In fünf Jahren wolle man unter den besten 25 Hochschulen der Welt sein. So sicher war Herrmann seiner Sache gewesen, dass er die Siegesfeier bereits vor der Entscheidung der Jury angekündigt hatte.

Während sich in München und Karlsruhe die ersten »Eliteuniversitäten« feierten, gab es anderswo lange Gesichter. Denn nach der ersten Runde des Exzellenzwettbewerbs ist die deutsche Hochschullandschaft umgepflügt: Der Osten Deutschlands liegt fast brach, im Norden und Westen gibt es einige wenige Oasen, der Süden blüht. Dort beginnt man schon, von der Weltspitze zu träumen. In Karlsruhe etwa hofft man, dass das KIT künftig in einem Atemzug mit dem MIT, dem weltberühmten Technik-Institut im amerikanischen Massachusetts, genannt wird.

Sind solche Vergleiche nicht lachhaft? Lenkt das ganze Gerede von Exzellenz nicht von der eigentlichen Not der finanziell unterversorgten deutschen Hochschulen ab, von überfüllten Hörsälen, schlecht ausgestatteten Bibliotheken, maroden Gebäuden? Die Kritik trifft zu: Das Gros der deutschen Professoren und Studenten wird von den 1,9 Milliarden Euro, die Bund und Länder im Elitewettbewerb vergeben, nichts haben. Doch um sie geht es in der Exzellenzinitiative gar nicht. Der Wettbewerb soll das deutsche Universitätssystem neu polen: von Gleichheit auf Elite. Das Ziel ist, einige wenige Hochschulen, höchstens zehn, aus der Masse herauszuheben. Sie sollen sich aufmachen, einst mit den Harvards und Oxfords dieser Welt zu konkurrieren – um die klügsten Studenten, die vielversprechendsten Jungforscher, die besten Professoren.

Damit wird der Exzellenzwettbewerb mehr verändern als jedes Hochschulgesetz. Schon die Ergebnisse der ersten Runde elektrisieren Wissenschaft und Politik gleichermaßen: Bedeutet der Sieg zweier Technischer Universitäten das Ende der Volluniversität? Was wird aus den Geisteswissenschaften, deren Anträge fast sämtlich durchfielen? Müssen außeruniversitäre Einrichtungen wie etwa die Max-Planck-Institute langfristig um ihre Existenz bangen – und die Wissenschaft in der zweiten Exzellenzrunde um die Freiheit ihres Urteils?

Die Liste mit den gelben Punkten

Zwei Elitehochschulen aus München, keine einzige aus dem Norden; der Fächerproporz nicht gewahrt – politisch unkorrekter hätte das Urteil der Jury kaum ausfallen können. Dabei war oft befürchtet worden, der Wettbewerb werde am Ende nach regionalpolitischen Interessen entschieden. Seit Januar 2004, als die SPD die Idee »einer Eliteuniversität« ins Spiel brachte, rangen Bund, Länder und Wissenschaft um das komplizierte Verfahren (siehe Seite 35). Am Ende bewahrte die Wissenschaft ihre Unabhängigkeit – allerdings um den Preis eines Eklats, der den Elitewettlauf noch auf der Zielgeraden ins Straucheln brachte. BILD Durch einen Klick gelangen Sie zur Übersicht : Die Sieger der Förderlinien "Graduiertenschulen" und "Exzellenzcluster"