DIE ZEIT : Was wird man in 20 Jahren über den 13. Oktober 2006 sagen? Ernst-Ludwig Winnacker: Berater und Kämpfer BILD

Ernst-Ludwig Winnacker : Es könnte sein, dass sich dieser 13. Oktober rückblickend als eines der wichtigsten Daten der deutschen Universitätsgeschichte erweist. Der Exzellenzwettbewerb hat die Universitäten, ja das ganze Wissenschaftssystem in Bewegung gebracht. Erstmals haben viele Hochschulen die eigenen Stärken und Schwächen analysiert und eine Gesamtstrategie für die Zukunft entworfen. Wissenschaftler, die vorher nie miteinander gesprochen haben, entwickeln jetzt gemeinsame Forschungsprojekte über Disziplinen und Institutionen hinweg.

ZEIT : Können Sie mit dem Ausgang der ersten Runde zufrieden sein? Statt über die Ergebnisse diskutiert jetzt alle Welt über den Streit zwischen Wissenschaft und Politik.

Winnacker : In den ersten drei Tagen war das so, aber inzwischen geht es doch weitgehend nur noch um die Ergebnisse. Ich bin sehr zufrieden. Der Prozess war rein wissenschaftsgetrieben. Ich hatte gehofft, die Politik am Ende noch besser informieren zu können. Das kann nun in der zweiten Runde versucht werden.

ZEIT: Welche Folgen wird der Streit für die zweite Runde haben? Kann sich die DFG vorstellen, Politiker als Berichterstatter in das Verfahren einzubeziehen – wie beim Wissenschaftsrat?

Winnacker : Nein, das nicht. Was ich mir vorstellen kann, ist, dass ein oder zwei Vertreter der Wissenschaftsministerien während der Beratungen der Gutachtergruppen zuhören.

ZEIT: Es scheinen nur technisch-naturwissenschaftlich ausgerichtete Universitäten eine Chance zu haben. Unter 17 Exzellenzclustern ist nur ein geisteswissenschaftlicher. Zukunftskonzepte, die auf die Interdisziplinarität setzten – Heidelberg, Tübingen –, fielen durch. Will der Wettbewerb den Abschied von der Volluniversität einläuten – hin zur Spartenuniversität?