Kindesmisshandlung Tod in Bremen
Vom Schicksal des zweijährigen Kevin wussten viele. Gerettet hat ihn niemand. Jetzt will keiner an seinem Martyrium schuld sein.
Es ist eine Szene wie aus einem Horrorfilm. Ein Mann geht zum Kühlschrank, öffnet die Tür, nimmt sich eine Flasche Bier. Im Kühlschrank liegt etwas, was in Mülltüten gewickelt ist. Riecht der Mann die Verwesung, oder ist er zu tief in seinem Rausch versunken? Er schlägt die Kühlschranktür wieder zu, schlurft ins Wohnzimmer, öffnet die Flasche, wirft sich in den Sessel, schaut Fernsehen und trinkt. Wochenlang. Vielleicht monatelang.
Es ist kein Film. Das Bündel im Kühlschrank ist ein Kind. Kevin, der zweijährige Sohn dieses Mannes, ist tot. In den Kühlschrank passte er nur deshalb, weil er schmächtig und unterernährt war. Ist der Vater dafür verantwortlich? Ein Ermittlungsverfahren mit solchem Verdacht gegen ihn läuft. Bernd K. heißt er, ein Junkie auf Methadon, dem üblichen Ersatzstoff beim Entzug, ein vorbestrafter Krimineller. Einer, der mit seiner Waffe andere bedrohte, auch Nachbarn, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und womöglich am plötzlichen Tod seiner Freundin – Kevins Mutter – eine Mitschuld trägt. Auch dazu wird gegen ihn ermittelt. Keiner, den man sich als Vater wünscht. Der Vater schweigt zu allen Vorwürfen.
Einmal, nach dem Tod der Freundin, kam er in die Psychiatrie und sein Sohn in ein Heim, das Kinderheim Hermann Hildebrand, da schien Kevin gerettet. Er hatte Knochenbrüche an beiden Unterschenkeln und andere Spuren von Misshandlung. Er wog zu wenig, war verwahrlost, in einem furchtbaren Zustand. Nach neun Tagen holte der gerade aus der Psychiatrie entlassene Vater seinen misshandelten kleinen Sohn wieder ab, obwohl der Heimleiter dagegen war, aber so hatte es das Jugendamt entschieden. Da ging die Rettungsluke wieder zu.
Das Jugendamt übernahm nun die Vormundschaft für den Jungen, die Verantwortung. Dem Vater, dessen psychische Labilität man erkannte, wurde eine Tagesmutter zur Seite gestellt, Kevin sollte Frühförderung erhalten, doch zu beidem tauchte er von Juli an nicht mehr auf, und niemand sah nach, warum. Bis die Polizei am 10. Oktober die Tür aufbrach und im Kühlschrank einen 90 Zentimeter langen, geschundenen, mit Fäulnisblasen übersäten Kinderkörper fand.
Es ist eine ungeheuerliche Geschichte, die sich in der Stadt Bremen zwischen dem Stadtteil Gröpelingen, dem Jugendamt und weiteren Stellen abspielte, und an ihrem schrecklichen Ende steht wie stets in solchen Fällen die Frage nach dem Warum. »Ein unverzeihliches Versagen der zuständigen Behörden« nennt Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen auf einer Pressekonferenz als Grund. Das klingt dramatisch, dabei ist es so banal: Geldnot, Personalknappheit – ja, und Gleichgültigkeit.
»Doch das dringend und zwingend Nötige ist nicht geschehen, das wissen wir heute« – auch das sagt Böhrnsen, und wie sonst sollte man eine so fatale Fehlentscheidung verteidigen? Wer hat Schuld? Der Arzt, der sich so vehement dafür einsetzte, das Kind beim Vater zu lassen? Der Sozialhelfer, man nennt ihn in Bremen Case-Manager, der sich einschüchtern ließ, gleich von zwei Seiten: von seinen Vorgesetzten, die ihm auferlegten, ja kein Geld zu verschwenden, und von Kevins Vater, dessen Gewalt er fürchtete? Der Bremer Senat, der am falschen Ende sparte? Die ganze Gesellschaft, die bereit ist, Geld für so vieles zu investieren, nur nicht für Kinder und deren Zukunft?
Der Rücktritt der Senatorin – ein Bauernopfer für politische Korrektheit
Für Kevin, geboren am 23. Januar 2004 als Kind einer drogenabhängigen Mutter, entgiftet, misshandelt, zur behördlichen Verschiebemasse degradiert und schließlich elendig gestorben, für ihn, mehr aber noch für die politische Korrektheit wird zunächst ein Bauernopfer gebracht. Die zuständige Senatorin Karin Röpke tritt zurück, zwei Tage später wird der Leiter des Jugendamtes, Jürgen Hartwig, vom Dienst suspendiert.
Er soll es gewesen sein, der die Kürzung jener Mittel durchsetzte, mit denen Kinder in Heimen untergebracht werden können. Hartwig, auf Pressekonferenzen erschüttert, hatte gegen sich selbst bereits ein Disziplinarverfahren angestrengt, außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Behörde. Und schließlich wurde ein fünfseitiges Protokoll über den Jungen erstellt und über die Maßnahmen, die man zu seinem Schutz ergriff. Es ist das Protokoll eines Kindermartyriums.
Papiere, Papiere, Papiere. Davon gibt es viele in Bremen. Eines spielt eine etwas geisterhafte Rolle in diesem Fall – die Dienstanweisung aus dem Bremer Bezirk Ost. Sie ist unmissverständlich: »Bis zum Jahresende gibt es keine stationären Heimaufnahmen mehr«, heißt es da. Und: »Ausnahmeregelung: Eine Neuaufnahme in ein Heim kann erfolgen, wenn ein anderer Unterbringungsfall ›Platz‹ gemacht hat.« Offiziell indessen gibt es diese Dienstanweisung gar nicht. Offiziell will sie keiner geschrieben, keiner beherzigt haben.
In den »fachlichen Weisungen«, die offiziell als Handlungsmaxime in Bremens sechs Sozialzentren gelten, sei von Geld keine Rede, sagt Jürgen Hartwig, zu dessen Amt für Soziale Dienste der Bezirk Ost gehört. Und: »Ich habe mir nichts vorzuwerfen.« Und: »Nach den Informationen, die ich bekommen habe, konnte ich davon ausgehen, dass etwas unternommen wird.«
Nach den Informationen aus der Akte Kevin.Die ist zentimeterdick, voll gestopft mit Informationen. Viel Theorie. Tödlich wenig Praxis.
Über den Bremer Stadtteil Gröpelingen sagt man, er sei ein sozialer Brennpunkt. Viele Ausländer wohnen dort und Menschen mit geringem Einkommen, sozial Schwache, Bildungsschwache und etliche andere Schwache, die man Randgruppen der Gesellschaft nennt und die deshalb auch oft an den Rändern der Städte leben, am Rande der Aufmerksamkeit. Für solche Stadtteile erfindet man Sozialprojekte, damit Ruhe herrscht. In Gröpelingen gibt es viele Billigläden und Dönerbuden. An den Straßen wachsen Kastanien und Eichen, Schilder warnen vor Schäden im Gehweg, Reihenhäuser aus den fünfziger Jahren gibt es dort, mit Wintergärten und Putten im Garten.
Von den Verletzungen des Jungen, sagt der Arzt, habe er nichts gewusst
Wenn man die Kinder der Nachbarschaft fragt, wie der Vater denn aussah, in der Kulmer Straße, hinten im Wendekreis, wo jene Wohnblöcke stehen, in denen der tote Junge lebte, dann sagen die Kinder: Der Bernd, der hatte so einen komischen Mund. Und die Augen? Ihm in diese Augen zu schauen, das hätten sie nicht gewagt, zu viel Angst hätten sie vor ihm gehabt. »Haut ab!«, hat er geschrien, wenn sie Lärm machten, wenn sie ihm zu nahe kamen, wenn sie nach Kevin fragten. Kevins Mutter, erzählen die Kinder, habe oft geweint, und dass Kevins Vater früher einmal mit ihnen Fußball gespielt hat, aber nach dem Tod seiner Freundin nie wieder.
Nur im Juli, da habe er plötzlich mit ihnen gesprochen und gesagt, sein Sohn sei an Krebs gestorben, und sie haben ihn noch bedauert, aber dann haben die Erwachsenen gesagt, man dürfe dem Bernd nicht glauben, der erzähle doch immer nur dummes Zeug. Juli, das war der Monat, in dem Kevin zuletzt lebend gesehen wurde.
Über den Fall Kevin wissen die Kinder in der Kulmer Straße alles. Sie haben jede Sendung gesehen und im Internet nachgelesen. Verstehen können sie das Geschehen dennoch nicht. Wie ein Kind in einen Kühlschrank passe? Ob sie Kevin noch einmal sehen könnten, will ein Mädchen wissen, und die anderen fahren ihr über den Mund. »Der ist doch schon verrottet.«
Dass sie ihn kaum kannten, den Kleinen, sagen auch die Erwachsenen. Ein Nachbar erzählt, der Vater sei ausländerfeindlich gewesen, unfreundlich, aggressiv. Man wollte bald nichts mehr mit ihm zu tun haben. Das Kind, habe man angenommen, sei bei der Großmutter. Und wie zur Verteidigung, als ahne der Nachbar, dass auch Gleichgültigkeit eine Schuld sein kann: Er habe genug mit seinem eigenen Leid zu tun, drei gescheiterte Ehen, neulich der Beckenknochenbruch, noch nicht richtig verheilt, arbeitslos. Nun hat er einen Rollwagen zum Spazierengehen, einen winzigen Hund zum Liebhaben, Zigaretten gegen den Frust, und beides, Nikotin und Bitterkeit, hat sich in sein Gesicht eingegraben. Man ahnt, warum sich hier niemand wundert, wenn einer sein Leben als Albtraum lebt.
Versucht man, zwischen den vorsichtigen, der Schweigepflicht unterliegenden Worten des zuständigen Rechtsmediziners, in dessen Institut der tote Kevin liegt, eine Botschaft zu finden, dann ist es die, dass der Junge schon Wochen, vielleicht Monate tot ist. Mehr will der Rechtsmediziner nicht sagen.
Es war der 4. Juli, als der Arzt von Kevins Vater das Kind zum letzten Mal sah, und es war überhaupt das letzte Mal, dass jemand Kevin lebend sah. Die Praxis des Arztes liegt hinter einer unauffälligen Tür in einem unauffälligen Treppenhaus, der Arzt hat 50 Patienten aus dem Drogenmilieu, er selbst hat lange graue Haare und Augen, die ein wenig gerötet sind. Das kann davon kommen, dass er sich seit letzter Woche fragt, wie so etwas geschehen konnte. Er hat ein Kind in Kevins Alter. Wenn er seinen Sohn jetzt ansehe, sagt er, denke er an Kevin.
Der Arzt betreut den Vater seit drei Jahren, er kannte das Kind und auch die Mutter. »Die Eltern gingen immer liebevoll mit ihm um«, sagt er, und dass »der Bernd« verzweifelt gewesen sei, als seine Freundin starb. Er habe sie geliebt. Er habe seinen Sohn geliebt. Warum der Junge dann so dünn war, hat er sich das nicht gefragt? »Wenn man in so einem Milieu lebt, sind es viele Steine, die man in den Weg gelegt bekommt.« Das Arbeitsamt habe dem Vater monatelang kein Geld gezahlt, alles sei auf das Konto der Freundin gegangen, und als die tot war, sei nichts mehr gekommen. Es habe eine einstweilige Verfügung gegeben, dennoch sei kein Geld geflossen.
Es ist diese Akzeptanz von Ausreden, Beschwichtigungen, Beruhigungen, die im Fall Kevin sprachlos macht. Es brauchte den Tod, um die Tragweite der Fehlentscheidungen zu erkennen. »Jeder Einzelne von uns, die mit dem Fall beschäftigt waren, hatte die Möglichkeit, eine Wende herbeizuführen«, sagt der Arzt. »Ich bin einer von denen.« Und die Qual über diese Schuld ist ihm anzusehen.
Fragt man ihn, was er für ein Typ war, »der Bernd«, dann schaut der Doktor eine Weile stumm auf seinen Schreibtisch. »Ein Christ. Ein sehr gläubiger Mensch. Einerseits. Ein Mensch mit einem hohen Gewaltpotenzial andererseits.« Über den Glauben hat er viel gesprochen mit seinem Arzt, über die Gewalt auch. »Es war der Glaube, der ihn immer wieder vom Weg der Gewalt abbrachte.« Wie übel es sei, dass alle jetzt annähmen, der Bernd habe Kevin umgebracht. Er könne sich das nicht vorstellen. »Ein Mörder war er nicht.« Und wenn Bernd das Kind in den Kühlschrank legte, dann nur, weil er sich von ihm nicht habe trennen wollen.
Der Arzt ist einmal hinzugezogen worden, als das Jugendamt über den Fall Kevin beriet. In so genannten Fallkonferenzen, die eigentlich monatlich stattfinden sollen und in denen ein Bericht über das Kind erstellt wird. Auch über Kevin, nur gesehen hat ihn dann eben keiner mehr. Der Arzt war im Februar anwesend, er weiß von einer weiteren Konferenz im April, da war das Kind noch dabei, aber er wurde nicht mehr dazugebeten. Von den Verletzungen des Jungen, dem Verdacht auf Misshandlung, sagt er, habe er nichts gewusst, auch nicht von den Ermittlungen gegen den Vater und von dessen Gewaltkarriere. Im September bat ihn das Jugendamt, einen Termin mit Vater und Kind zu vereinbaren, dabei wollte man ihm das Kind fortnehmen. Der Arzt lehnte ab. Da war Kevin vermutlich längst tot. Wie der Junge starb, das weiß bisher niemand. Der Vater soll auf den Kühlschrank gewiesen haben, als die Polizisten seine Wohnungstür aufbrachen und nach dem Kind fragten. »Da isser drin«, soll er gesagt haben, noch ein paar wirre Worte von einem Unfall gestammelt und schließlich auf seinem Aussageverweigerungsrecht bestanden haben. Vermutlich wird er dabei bleiben, denn nicht etwa lediglich ein Pflichtverteidiger steht ihm zur Seite, sondern ein renommierter Anwalt, der sich schnell fand.
Jetzt sind Case-Manager am Werk, das klingt nach Effizienz
Sieben Sozialstationen gibt es in Gröpelingen. Eine ist der »Wilde Westen«, dort arbeitet der diplomierte Sozialpädagoge Joachim Jung. Bei den Anwohnern heißt Jung nur »der Zoodirektor«, und ein wenig sieht er auch aus wie ein fahrender Schausteller mit seinen schwarzen Locken. Sein Gang ist wiegend, die Stimme fest mit ruhigem Klang. Wenn Jung sein Projekt erklärt, fallen Wörter wie Regeln, Grenzen, Selbstverantwortung. Lauter Dinge, die jene, mit denen er arbeitet, Eltern wie Kinder, nicht kennen. Im »Wilden Westen« gibt es Tiere zum Streicheln und Ponys zum Reiten. Und eine Betreuungsstätte und eine Elternschule, in der Hauswirtschaft gelehrt wird, auch Kindererziehung, Alphabetisierung.
Kevins Mutter ist hier einmal Schülerin gewesen, Kevin spielte so lange im Kinderhaus. Dann starb die Mutter, und man verlor den Kleinen aus den Augen. Fragt man Jung, wie passieren kann, dass ein Kind nicht vor dem Vater gerettet wird, sagt er, es gebe sicherlich ein Missverhältnis zwischen den Informationen, die er und seine Mitarbeiter an das Jugendamt herantrügen, und den Konsequenzen, die das Jugendamt daraus ziehe. Jung meint, seine Schützlinge unter Beobachtung zu haben, zu wissen, wann es in einer Familie so schief laufe, dass eingegriffen werden müsse. Aber ob das reiche? »Meiner ganz privaten Meinung nach hat der Case-Manager Angst gehabt, der Vater könne ihm etwas tun. Das hat er nicht kommuniziert. Allgemein muss man sagen, das System funktioniert nicht.«
Selbst wenn Kevins Tod individuelles Versagen zugrunde liegt – das bremische Erziehungshilfesystem hat den Fall zweifellos begünstigt: Das Amt für Soziale Dienste Bremen wurde in den vorigen Jahrzehnten in seiner Struktur mehrfach umgebaut. Von seinen rund 800 Mitarbeitern sind über 600 dem behördlichen Verwaltungsapparat zuzurechnen. Die eigentliche Arbeit mit den Klienten wird, verteilt über die Stadt, in Sozialzentren geleistet. An die Stelle von Bezirkssozialarbeitern traten die Case-Manager. Und weil ihr Name schon Effizienz verheißt, wurde ihre Zahl mehr und mehr reduziert.
»Da herrscht viel Resignation und Frustration«, klagt ein Behördenmitarbeiter, »auch aus Überforderung. Die Arbeit, die heute 120 Fallmanager tun, haben früher 200 erledigt« – trotz steigender Fallzahlen. Die Zahlen sagen aber nicht alles. Vielleicht sagen sie sogar das Wesentliche nicht. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt bei 50 plus. Männer und Frauen, in den sozialromantischen Siebzigern studiert, nach und nach desillusioniert, im Amt müde geworden, abgestumpft. Am Ende aus all dem Elend in den papiernen Amtsbetrieb regelrecht geflüchtet?
Jeder Case-Manager betreut rund 60 problematische Familien. Dazu zählen unter anderem jene 100 Familien in Bremen, von denen mindestens ein Elternteil drogenabhängig ist, mit Ersatzdrogen substituiert wird und dennoch seine Kinder großzieht. Die meisten Kinder drogenabhängiger Eltern sind allerdings in Heimen untergebracht.
Rund 25 Mädchen und Jungen werden in Bremen pro Jahr von drogensüchtigen Frauen geboren. Meistens sind die Mütter im Methadonprogramm und werden oft überraschend schwanger – weil sie durch die Ersatzdroge körperlich stabilisiert und wieder fruchtbar werden. Anfangs hilft die Elternschaft manchen Methadonsüchtigen, ihr Leben zu meistern, aber im Alter von zwei bis drei Jahren müssen die Kinder in staatliche Obhut genommen werden, wie die Sozialbehörde erklärt. Bei vielen – wie auch Kevin – wird den Eltern das Sorgerecht entzogen und dem Staat übertragen. Die Kinder erhalten einen Amtsvormund. Im Stellenplan der Stadt Bremen sind dafür rechnerisch 2,75 Mitarbeiter vorgesehen. Und so war Kevins Amtsvormund zugleich auch der von rund 220 anderen Kindern. Mit diesem Verhältnis von Mündeln zu Vormündern gehört Bremen bundesweit zu den negativen Spitzenreitern. »Vollkommen unverantwortlich« nennt ein Behördenmitarbeiter diese Situation.
So verwundert es kaum, dass die Betreuung schwieriger Familien vor allem vom Schreibtisch aus geschieht. Nicht nur bei den juristisch Verantwortlichen, sondern auch bei den Fachkräften: Case-Manager kennen nicht mehr das Viertel, für das sie zuständig sind, samt seiner Problemfamilien. Nachbarn, Lehrer, Kindergärtner wiederum kennen den Case-Manager nicht. So drohen Informationen verloren zu gehen und Kinder wie Kevin durch alle Raster zu fallen.
Denn die Aufgabe der Case-Manager ist nicht die »aufsuchende Familienarbeit« – dafür gab es in Bremen einst achteinhalb Stellen, die sind längst eingespart. Die Manager sollen managen: Hilfe für ihre Klienten organisieren, bei freien Trägern einkaufen und dabei aufs Budget achten. Auch das begünstigt Eskalationen wie im Fall Kevin: Verantwortung und Zuständigkeit wird auf mehrere Schultern verteilt. Teilzuständige schreiben fleißig teilverantwortliche Vermerke, die Akten wachsen, Mitarbeiter machen sich nach Aktenlage kundig – die Verantwortung wird atomisiert. Papier. Papier.
Und noch etwas. Mitarbeiter des Jugendamts werden »auf informellem Weg« immer wieder ermahnt, doch bitte auch die Kosten der Erziehungshilfe im Auge zu behalten, wie ein Beamter berichtet. Sie werden immer wieder angehalten, »zu prüfen, ob die billigere Lösung nicht doch noch vertretbar ist«. Und die billigere Lösung ist eben die, bei der das Kind in der Familie bleibt und dort unterstützt wird. Durch Familienhelfer oder Tagespflege, bei der sie vom Frühstück bis zum Abendbrot betreut werden.
Ob ambulante oder stationäre Hilfe – darauf schaut der Senat, seitdem die Erziehungshilfekosten vor wenigen Jahren explodiert sind. Ein Großstadtphänomen und ein Zeitsymptom: Immer mehr Eltern sind nicht willens oder in der Lage, ihre Kinder verantwortungsvoll großzuziehen. Und das kostet den Staat viel Geld.
Das Sozialressort stand unter dem Druck, Sparquoten zu erbringen
Jahr für Jahr versuchte die nun zurückgetretene Sozialsenatorin Karin Röpke (SPD), die Ausgaben unter Kontrolle zu halten – fast immer vergebens. Jahr für Jahr waren ihre Haushaltsprobleme ein Teil der Verhandlungsmasse der rot-schwarzen Senatorenriege im Rathaus. Bekam ihr Ressort Geld nachbewilligt, bekam auch ein CDU-Ressort Geld nachbewilligt. Sparquoten musste das Sozialressort trotzdem erbringen.
Bremen gibt rund 70 Millionen Euro pro Jahr an Erziehungshilfen aus – das sind ambulante Hilfen für rund 1100 und stationäre Hilfen für etwa 1200 Kinder. Vor vier Jahren waren die Ausgaben noch um einige Millionen niedriger. Und so verwundert es nicht, dass die Senatoren – wie viele andere im Netz von Zuständigkeit und Verantwortung einzig und allein nach Aktenlage – Sparpotenziale sahen.
Der Senat gab den Spardruck an die Senatorin weiter, die wiederum an ihren Staatsrat, der an den Amtsleiter. Und der delegierte den Druck weiter nach unten. »Ein System, das zu solch einem Tod führt«, sagt nun der SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen, »kann nicht in Ordnung sein.«
Dass das System womöglich kaputtgespart wurde – das allerdings sieht Böhrnsen nicht. »Das Schicksal eines Kindes steht über jeder Haushaltslage. Ich sehe im Moment auch keine Anhaltspunkte dafür, dass Geld bei den falschen Entscheidungen im Fall Kevin eine Rolle gespielt hat. Aber wir müssen prüfen, ob sich eine Mentalität eingeschlichen hat, mit der leise Zweifel zurückgestellt wurden, um nach finanziellen Argumenten zu entscheiden.«
Böhrnsen hat dem Amt für Soziale Dienste ein »Sofortprogramm« verordnet. Alle Familien mit Kindern, in denen Vater oder Mutter im bremischen Methadonprogramm sind, bekamen in den vergangenen Tagen Besuch. Die Lebensverhältnisse von 600 weiteren Kindern, die »in prekären Familienverhältnissen« leben, sollen nun ebenfalls »aus eigener Anschauung« beurteilt werden.
Der Bürgermeister will, dass alle diese Kinder zweimal in der Woche gesehen werden müssen. Wie das klamme Land Bremen das finanzieren will, weiß der Bürgermeister noch nicht.
»Das ist immer eine Frage der Schwerpunktsetzung«, sagt er jetzt. Warum hat Böhrnsen nicht schon in seiner vorherigen Funktion als SPD-Fraktionschef dafür gesorgt, dass das Sozialressort von übermäßigem Spardruck verschont blieb? Da verweist Böhrnsen auf den Koalitionspartner CDU, der im Bereich Soziales immer noch mehr sparen wollte als seine Partei.
Die rhetorischen Pirouetten der Politiker können manche Praktiker draußen in den Krisenvierteln nicht mehr hören. Für familiäre Notfälle gibt es in Bremen drei Krisendienste, die für vier bis sechs Wochen in die Familien gehen, so lange, bis schließlich die erhoffte Stabilisierung eintritt. Einer davon ist der Bremer Familienkrisendienst, und dort ist man seit dem Fall Kevin nicht nur betroffen, sondern wütend.
Mangel an Dialog, Unfähigkeit zur Kommunikation – so benennt Geschäftsführer Detlev Busche die wesentlichen Gründe. »Es geht nicht nur um Geld. Es geht auch um Haltungen und Werte. Das Ethos von ›Ich bin verantwortlich‹, das vermisse ich. Alle Moral ist auf das Budget ausgerichtet.«
Busche verweist auf eine Evaluation der Bremer Familienkrisenhilfe, ein 60-seitiges Werk mit Grafiken und Anhängen, in dem die Wirksamkeit der Maßnahmen und Vernetzungen untersucht wurden. Konsequenzen, schimpft er, habe das aber nicht gehabt. »Wir sehen das Elend und die Armut, es gibt Stellungnahmen noch und noch, aber niemand nimmt das ernst. Wir alle sind gedeckelt, es fehlt ein durchgängiger politischer Wille. Mit verlogener Rabulistik wird hier alles schöngeredet.«
Drei Tage nach der Entdeckung von Kevins Leiche sitzen die Nachbarn des Bernd K. in der Herbstsonne auf dem Balkon und empören sich nicht mehr über das tote Kind, sondern über die Medien. Man habe sie benutzt, falsche Darstellungen gebracht, sie unerlaubt fotografiert. Nun wollen sie Geld.
Einer hat schon den Anwalt eingeschaltet, die Klage läuft angeblich. »Mit mir machen die das nicht«, sagt er und erntet Beifall von den anderen. Und einer ruft: »Auf uns hier trampelt keiner rum.«
Sonst ist es wieder ruhig geworden in der Kulmer Straße. In Bremen haben die Ferien begonnen, und nach all dem Spektakel ist die Last der Langeweile für die Kinder noch schwerer zu ertragen. Drei Tage lang haben Fotografen sie vor Kevins Mietblock postiert, vor den Kuscheltieren und den Kerzen, vor dem »Warum?«-Schild, dem »Schon wieder!«-Plakat. Nun soll das alles gewesen sein? »Kommst du wieder?«, fragen sie die letzten Journalisten, die noch in dieser bitteren Geschichte stöbern. Es klingt nach einer flehenden Bitte.
Sie könnte rascher erfüllt werden, als der Stadt lieb ist. Während in Gröpelingen allmählich Ruhe einkehrt, sitzt ein anderes Kind anderer drogensüchtiger Eltern in einer ähnlich verlorenen Lage fest wie Kevin. Ein Mädchen. Auf einem Foto hält es seine blaue Schultüte im Arm und ist ordentlich angezogen. Nur: Es guckt nicht gerade so, als ob es sich auf die Schule freute. Der Blick ist ernst.
Das Foto ist eines der wenigen Bilder, die Marion Burghardt (Name von der Redaktion geändert) von ihrer Nichte hat. Sie wohnen in derselben Stadt, sehen sich aber nur unregelmäßig. Aber Marion Burghardt trägt Nicole (Name von der Redaktion geändert) immer bei sich. Aus ihrem Portemonnaie nestelt sie eine kleine Klarsichthülle mit Familienfotos hervor. Passbilder ihrer Kinder – und ihrer Nichte. »Das ist sie, meine Nichte Nicole.«
Nicole ist keine zehn Jahre alt und ihre Mutter drogensüchtig. »Sie liebt ihre Tochter, das glaube ich schon«, sagt Frau Burghardt, »was für eine Liebe das auch immer ist.« Eine Liebe jedenfalls, unter der das Kind auch leidet.
Der Fall ist amtsbekannt. Marion Burghardt hat sich per Einschreiben mit Rückschein an das Bremer Jugendamt gewandt. Die zarte, ungeschminkte Frau mit der strengen Frisur hofft, dass die Behörde nun, nach Kevins Tod, aus ihrer Lethargie erwacht und im Fall ihrer Nichte etwas unternimmt.
In einem neuen Fall glaubt die Behörde an einen Familienzwist
Ihre Nichte werde doch immerhin tagsüber betreut, hat man ihr gesagt. »Ich habe schon so oft im Amt angerufen und vorgesprochen, meist habe ich nur diese Antwort zu hören bekommen: Es gibt noch viel schlimmere Fälle.« Das ist leider wahr: Nicole ist älter als Kevin. Sie besucht die Schule und bekommt anschließend besondere Betreuung im Hort.
Obwohl das Kind also den größten Teil des Tages in der Obhut staatlicher Einrichtungen sei, ändere das nichts daran, dass es verwahrlose, sagt seine Tante. Vom Nachmittag an sei es allein mit der Mutter. Die gehe mit Nicole weder zum Arzt noch zum Kinderarzt oder zum Zahnarzt. »Nicole hat lauter schwarze Zähne.« Im Winter trage sie oft Sommerkleidung.
Schon die zweite Grundschulklasse musste Nicole wiederholen. »Und was«, fragt sich die Tante, »ist während der Schulferien? Wo ist Nicole jetzt? Wer macht ihr jetzt etwas Warmes zu essen?« Wenn das Kind bei der Tante, bei Cousins und Cousinen zu Besuch sei, was selten vorkomme, sei es ernst und schweigsam. »Man merkt, dass sie seelische Probleme hat. Aber ihr ist eingebläut worden, nichts von daheim zu erzählen.«
Außer den Verwandten habe Nicole außerhalb der Schule keine Kontakte zu anderen Kindern. »Sie darf niemanden in die Wohnung lassen.« Geburtstag und Weihnachten – für Nicole und ihre Mutter seien das Tage wie andere auch. »Wenn sie von uns keine Geschenke bekäme, ginge sie ganz leer aus«, behauptet die Tante. »Sie passt mehr auf ihre Mutter auf, als dass die auf sie aufpasste.«
Die Mutter ist Frau Burghardts Schwägerin. Sie ist Mitte 30 und seit rund 20 Jahren drogenabhängig. Nachdem sie ins Bremer Methadonprogramm kam, wurde sie schwanger von Marion Burghardts Bruder, der ebenfalls süchtig ist. Doch trotz Methadon komme Nicoles Mutter nicht vom Stoff los – sie konsumiere zusätzlich und gehe dafür auf Bremens Drogenstrich.
»Sie nimmt Nicoles Urin in einer Thermoskanne mit zum Arzt, damit der ihr attestieren kann, dass sie keinen Beigebrauch hat«, sagt Marion Burghardt. »Das machen viele im Programm, wenn sie Kinder haben. Und abends lässt sie das Kind allein, um auf dem Straßenstrich anschaffen zu gehen.«
Marion Burghardt hat in der Vergangenheit schon viel versucht. Das Sorgerecht beantragt – abgelehnt. »Meine Schwägerin schafft es wie so viele Drogenabhängige, sich stundenweise zusammenzureißen und dem Amt die treu sorgende Mutter vorzugaukeln.«
Alles nur Familienzwist?
Im Bremer Amt hat man offenbar diesen Eindruck. Frau Burghardts Schreiben ans Jugendamt blieben bislang unbeantwortet. »Wenn die sich das Kind überhaupt mal angesehen haben, dann haben sie festgestellt: zwei Arme, zwei Beine, ein Kopf – alles in Ordnung«, sagt Marion Burghardts Ehemann.
Und selbst wenn Nicole und ihre Mutter jetzt Besuch bekämen vom Jugendamt, dann sei der angemeldet. »Und dann zieht meine Schwägerin wieder eine große Show ab«, sagt Marion Burghardt. Das hat Kevins Vater ja offenbar auch beherrscht.
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- Datum 18.10.2006 - 05:45 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.10.2006 Nr. 43
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Warum sich um solche Wracks in unserer Mitte heul(ch)en? Geldmangel? Wie sollen wir dann unsere neuen Luxusmuseen finanzieren? Milliarden, ein neues Museum braucht das (Kultur)Land BRD... Kinder? ach was, die quengeln so, die sind zu teuer, die haben nur Ansprüche... Museen sind viel sch...
"Bremen gibt rund 70 Millionen Euro pro Jahr an Erziehungshilfen aus – das sind ambulante Hilfen für rund 1100 und stationäre Hilfen für etwa 1200 Kinder." Habe ich richtig gelesen? Das sind pro Kind 30434 Euro?
Wie viele Ebenen, wie viele Einzelpersonen waren in diesem Fall eigentlich zuständig? Mir scheint, auch mit sehr viel mehr Geld ist das Leben von Kindern wie Kevin nicht zu retten. Weil letztlich niemand hilft. Man prüft und prüft und prüft und inzwischen stirbt ein Mensch. In diesem Fall ein sehr junger, in anderen Fällen ein sehr alter, ein sehr kranker oder ein sehr schutzloser. Viele Menschen haben an den Toten zu deren Lebzeiten verdient, viele haben auf ihre Kosten Prestige erworben. Am Ende aber stirbt doch jeder für sich allein. Der nächste "Fall" ist nur eine Frage der Zeit. Unterschicht ist nämlich überall: in verdreckten Wohnungen ebenso, wie in Arztpraxen und Amtsstuben. Nicht zuletzt natürlich in den Büros der sogenannten Entscheidungsträger. Weil niemand ein Recht darauf hat, bezahlte Leistung auch wirklich einzufordern. Ich möchte wetten, ihr nächste Opfer kommt aus Berlin. Und dann wird auch das Verfassungsgericht noch einen Teil der Schuld übertragen bekommen.
ich habe keine Kinder. Aber was sich die sogenannte Gesellschaft in Bremen geleistet hat, es wäre besser, es würden alle schweigen. Das ist scheinbar der Preis unserer globalisierten Welt, uns kümmert welche Grausamkeiten in fernen Ländern passieren und kritisieren diese. Was in unserer Nachbarschaft allerdings passiert, ....., wir leben schliesslich in einem zivilisierten Land, oder? Die "Zuständigen" in diesem "Fall" haben sich scheinbar nicht weiter als für die Nummer des Aktes interessiert. Falls der Artikel die Tatsachen wiedergibt, hätten die "Zuständigen" NIEMALS der Rückkehr des geschundenen Kindes zu diesem "Vater" zustimmen dürfen. Dem Sozialarbeiter hätte man Polizeibeamte beistellen sollen, ich denke der Hinweis auf die Gewalttätigkeit des "Vaters" hätte als Rechtfertigung mehr als nur gereicht. Nochwas: Diesen Kindesmörder würde ich mit Veröffentlichung des Namens und des Wohnortes bekanntgeben, damit jeder weis, mit wem er es zu tun hat. Täterschutz hat in diesem Fall nichts zu suchen, wie das Kind "geschützt" wurde zeigt der Artikel........ . Jeder der meint, diesen "Menschen" schützen zu müssen, sollte das bisher geschehene bedenken.
Man kann es drehen wie man will, wir werden für sozialpolitische Belange mehr Geld bereitstellen müssen. Wer die Dinge zu Ende denkt, wird zu dem Schluss kommen, dass neben möglicherweise menschlichem Versagen Geldmangel die Ursache für Fälle wie der von Kevin ist. Wenn sozialpolitische Massnahmen, Jugendhilfen, Betreuungsangebote fehlen, weil nicht finanzierbar, rächt sich das früher oder später.
Aber woher nehmen, wenn die Kassen leer sind?
Man wird wohl denen, die haben, ein wenig mehr abverlangen müssen als bisher. Niemand (oder nur wenige) bestreitet, dass in Deutschland Ungleichheiten bestehen und dass diese sogar größer werden. Die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen nimmt zu, die Reichen werden reicher, die sozial Schwächeren zahlreicher.
Und wenn die zahlreicher werden, muss auch mehr Geld für sie bereitgestellt werden.
Eine der arbeitsmarktpolitischen Massnahmen von Rot-Grün waren Steuergeschenke an die Grossindustrie. Die Hoffnung waren neue Arbeitsplätze.
Die Konzerne haben die Steuervorteile gern genommen, aber Arbeitsplätze wurden nur unzureichend geschaffen. Die entgangene Steuer fehlt und so ist eben kein Geld unter anderem für Strukturen da, die Kevin und andere Kinder schützen helfen.
Andere Beispiele lassen sich finden. Da muss gegengesteuert werden.
Wer nicht bereit ist, die Verteilung der ökonomischen Ressourcen von unten nach oben zu stoppen und die Starken nicht stärker an den Sozialkosten beteiligen will, der braucht Kevin keine Krokodilstränen nachzuweinen.
Leider scheitert es meistens nicht an der positiven Gesinnung, sondern schlicht am deutschen Bürokratismus.
Ich bin betroffener Vater und habe am 20. Juni ein Fax mit der Bemerkung EILT an das Jugendamt Berlin Reinickendorf gesandt, da ich von meinem zahnjährigen Sohn, der bei seiner Mutter lebt bereits 10 Tage nichts gehört hatte. Auch telefonisch war er nicht erreichbar. Das Amt hat schlichtweg gar nicht reagiert.
Damit nicht genug. Ich habe mich dann nach ca zwei Wochen an den zuständigen Bezirksstadtrat gewandt, der kürzlich um den Bürgermeisterposten kandidierte. Nach viermaliger Nachfrage hat dieser sich dann zu der Äußerung hinreißen lassen: Ich solle doch das Gespräch mit dem zuständigen Mitarbeiter suchen.
Eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten!! Die zuständigen Ämter pflegen nur Ihrem Büroschlaf und konstruieren ihre Daseinsrechtfertigung !
Da helfen keine gezielten Hinweise, da helfen bestenfalls Strafgesetze, die die Behörden an die Kandare und in die Pflicht nehmen.
Gerhard Kuntz, Berlin
und die anderen vorhergegangenen Fälle (von der Dunkelziffer mal ganz zu schweigen) welche Mentalität in unserer Gesellschaft vorherrscht. Und damit auch natürlich auch bei den Politikern, die aus dieser Gesellschaft hervorgehen und die Verwaltungsapparate steuern.
Noch immer stehen die Behörden und die Bürokratie über dem Wohl der Menschen hier im Lande.
Der Bürger ist für die Bürokratie da, nicht die Bürokratie für den Bürger.
Wenn der Bremer Bürgermeister sagt:"Die CDU will MEHR sparen als wir..." sagt er dadurch doch nur, das die SPD ebenfalls sparen will.
Solch rhetorisches Herauswinden und Schuld weiterschieben, mit diesem Fall im Hintergrund, kann man nur noch als "über Leichen gehen" bezeichnen. Im wahrsten Sinne des Worts...leider.
Deutschland verspielt seine Zukunft, weil es sich nicht um seine (sowieso zu wenigen) Kinder kümmert.
Ich will nicht semantisch spitzfindig sein, gerade bei so einem Thema. Aber eine Sache ärgert mich schon ein wenig. Da wird von Schuld gesprochen und Verantwortung. Alles berechtigt, keine Frage.
Aber eines wird dabei oft unterschlagen: der Schuldige am Tod des Kindes, vielleicht sogar der Mörder, ist in allererster Linie zunächst mal der Vater.
Von dieser ganz persönlichen Schuld sollte man bei aller berechtigter Aufregung um das Versagen des staatlichen Organe und der handelnden Personen auch nicht vergessen zu sprechen.
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