Sozialdebatte Rezepte gegen die Armut
Wie eine intelligente Politik für mehr Gerechtigkeit aussehen müsste.
Dieses Land braucht dringend eine intelligente Armutspolitik. Dabei helfen weder Almosen für die Bedürftigen noch eine moralische Anklage der Reichen. Es geht um die Schwachen der Gesellschaft und die Durchsetzung ihrer Rechte als gleichberechtigte Bürger – nur so kann ein Ausbrechen aus ihrer Armut ermöglicht werden.
Niemand kann sagen, wie eine Armutspolitik im Detail auszusehen hätte. Eine Lösung dürfte Jahrzehnte in Anspruch nehmen und erfordert gerade keine Politik aus einem Guss, sondern lässt sich nur als vernünftiges Patchwork vieler einzelner Maßnahmen realisieren. Dazu gehört auch die Einsicht, dass manchen sozialen Missständen mit den Mitteln der Sozialpolitik gar nicht beizukommen ist. Die Grenzen, die Ungleichheit setzt, sind in wechselseitigem Respekt nur schwer zu überschreiten. Hier soll deshalb lediglich der Versuch unternommen werden, Prinzipien einer solchen Hilfe für die Armen zu formulieren.
Erstens muss Armutspolitik mehr sein als eine Politik für die Mittelschicht. Noch jede Bundesregierung hat im Namen des sozialen Ausgleichs vor allem ihre wichtigste Wählergruppe bedient: die Mitte, egal, ob die alte oder die neue. Die rot-grüne Regierung begründete ihre Fokussierung auf die »neue Mitte« gelegentlich mit einem Zitat des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, der meinte, es gehe um »people who work hard and play by the rules«, um Leute also, die hart arbeiten und sich an die Regeln halten. Das sind Niedriglöhner, Ein-Euro-Jobber und Langzeitarbeitslose im Verständnis auch der Großen Koalition nun gerade nicht. Wer diese Gruppen jedoch unterstützen will, muss die gültigen Rituale der Umverteilung sozialer Leistungen infrage stellen.
Dazu gehört, dass der Staat nicht länger nur die Privilegierten auf dem Arbeitsmarkt unterstützt: den klassischen Vollzeit-Arbeitnehmer. Gerade die Millionen in prekären Beschäftigungsverhältnissen brauchen stärkere Hilfe, insbesondere durch Subventionen bei der Krankenversicherung und der Altersvorsorge. Ein schlechtes Vorbild ist die steuerliche Förderung der so genannten Riester-Rente. Diese bekommt nur, wer Beiträge an die gesetzliche Rentenkasse zahlt – also derjenige, der einen sozialversicherungspflichtigen Job hat und die Zusatzversorgung nicht so nötig braucht wie die schlecht abgesicherten Selbstständigen und Minijobber, die von Altersarmut bedroht sind.
Zweitens darf Armutspolitik keine Politik sein, die die Mittelschicht stets benachteiligt. Immer wieder muss neu ausgehandelt werden, worin der Anteil beider Gruppen zur Sicherung des Gemeinwohls besteht. Die Frage der Solidarität zwischen der Mittelschicht und den Ausgeschlossenen ist für die künftige Sozialpolitik in Deutschland von zentraler Bedeutung. Ein markantes Beispiel für die Schwierigkeiten dabei ist das neue Elterngeld. Es verspricht dem Elternteil, der für die Kinderbetreuung aussetzt, ein Jahr lang zwei Drittel des letzten Nettoeinkommens, maximal jedoch 1800 Euro im Monat – in Zeiten der Rentenkrise ein sinnvolles Instrument der Familienförderung, auch wenn es vorrangig auf die Sorgen junger Akademikerinnen zielt, mit einem Kind auf die finanzielle Talfahrt zu geraten. So aber, wie das Elterngeld von der Großen Koalition ausgestaltet worden ist, verletzt es das Gebot der Solidarität mit den Armen. Arbeitslose und Geringverdiener verlieren mit ihm die Hälfte ihres heutigen Erziehungsgeldes, das ab 2007 vom Elterngeld abgelöst wird.
Drittens wird Armutspolitik nur wirksam sein, wenn sie sich nicht am alten Sozialstaat orientiert. Dieser taugte nur für die Wirklichkeit national begrenzter Industriegesellschaften, in denen die Männer für das Familieneinkommen verantwortlich waren. Er verstand Sozialpolitik vor allem als Sozialversicherungspolitik. Er orientierte sich am Rentner und nicht am Schüler. Er versuchte, Ungerechtigkeiten durch finanzielle Transfers auszugleichen. Er setzte dabei falsche Anreize, machte von staatlicher Hilfe abhängig und förderte die Menschen wenig. Er kümmerte sich kaum darum, wie der Einzelne durch aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben Armut und sozialen Ausschluss verhindern konnte.
Viertens muss Armutspolitik deswegen vor allem Bildungspolitik sein. Und zwar vom Kindergarten an. Dazu gehört das Eingeständnis, dass das deutsche Bildungssystem hochgradig unsozial ist. Es benachteiligt die sozial Schwachen und die Migrantenkinder. Die Hauptschule ist zum Sammelbecken der Bildungsverlierer geworden. Jeder zehnte Hauptschüler verlässt ohne Abschluss die Schule. Knapp ein Viertel aller Schulabgänger jedes Jahrgangs besitzt völlig unzureichende Kompetenzen, jeder fünfte Jugendliche bricht seine Ausbildung ab. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich ins Heer der Ungelernten und Dauerarbeitslosen einzureihen.
Wenn ihnen, analog zum Mindestlohn, nicht eine Mindestbildung garantiert wird – der Wissenschaftsexperte Wolf Lepenies definiert ein solches »Bildungsexistenzminimum« durch einen Hauptschulabschuss oder den Abschluss einer Berufsausbildung –, sind Armut und sozialer Ausschluss vorprogrammiert. Selbst die Verdoppelung ihres Arbeitslosengeldes würde sie davor nicht bewahren.
Fünftens funktioniert Armutspolitik nur als Querschnittsaufgabe. Sie erfordert ressortübergreifendes Handeln – nicht gerade eine Stärke deutscher Politik. Großbritannien etwa macht vor, wie es geht. Ihre Early Excellence Centres verbinden Bildungs-, Sozial- und Gesundheitspolitik. Dabei handelt es sich um Kindergärten in sozialen Problembezirken, so genannte »frühpädagogische Stützpunkte«. Die Kinder profitieren von einem umfassenden Spiel- und Lernangebot. Entscheidend bei den Early Excellence Centres ist jedoch die Einbeziehung der Eltern. Sie werden in Erziehungsfragen beraten und können Computer- oder Englischkurse besuchen. Arbeitsvermittler und Vertreter der Sozialbehörden kommen direkt in die Kindergärten. Vieles von dem, was die Schwächsten früher nicht erreicht hat, finden sie hier. Die Kindergärten funktionieren als Servicestelle für viele Familien im Stadtbezirk.
Sechstens ist Armutspolitik eine Politik des Respekts. Ihre zentrale Frage lautet: Wie können Menschen ein sinnvolles Leben führen, auch wenn sie keinen Arbeitsplatz finden? Das verlangt allerdings den Abschied von einer Lebenslüge. Wer glaubt denn schon noch daran, dass Vollbeschäftigung herbeiregiert werden kann? So schwierig es für Politiker ist, das Offensichtliche zuzugeben – täten sie es in diesem Fall, wäre von der Gesellschaft eine große Last genommen: Sie müsste nicht mehr auf das Unmögliche hoffen, das untergräbt ohnehin nur das Selbstwertgefühl, weil es jeden auf seine Funktion als Subjekt des Arbeitsmarktes reduziert. Dieses Starren auf die Zahl der Erwerbslosen, dieses job first, dieser panische Zwang, um jeden Preis neue Arbeitsplätze schaffen zu müssen, wo es doch Millionen von Arbeitslosen gibt, die keine Chance mehr haben auf einen »richtigen« Vollzeitjob – das verschärft nur die Probleme, anstatt sie zu lösen.
Siebtens braucht Armutspolitik engagierte Armutspolitiker. Es gibt in allen Parteien Sozialpolitiker, Arbeitsmarktpolitiker, Gesundheits- oder Bildungspolitiker – aber keinen einzigen Armutspolitiker. Das hat einen Grund: Keine Partei hat den Armen und Ausgegrenzten etwas mitzuteilen, mit Ausnahme vielleicht der Linkspartei, die ja selbst ein Produkt des Widerstandes gegen Agenda 2010 und Hartz IV ist. Aber auch sie vermag den oft stummen Protest schon längst nicht mehr zu binden.
Die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im März 2006 betrug 44,2 Prozent – historischer Tiefststand für die Bundesrepublik. Dieses Ergebnis erzählt mehr über die soziale Spaltung des Landes und seine Folgen als alle parteipolitischen Programmpapiere zusammen. Wir sind Zeuge einer aufschlussreichen Merkwürdigkeit: Je offensichtlicher sich die Gesellschaft in Gewinner und Verlierer teilt, desto mehr schließen die Parteien ihre Reihen. Sie erlauben kaum noch Abweichungen. Sie überlassen die Verlierer sich selbst – und der Super Nanny auf RTL.
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Der Text ist ein Auszug aus dem aktuellen Buch:
- Datum 18.10.2006 - 09:59 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.10.2006 Nr. 43
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Anscheined haben sich die Autores des Artikels damit abgefunden dass es keine Lösung für Langarbeitslosigkei gibt. Dabei ignorieren sie zum Beispiel dass in den USA die Arbeitslosigkeit bei ungefähr 4,5% liegt, und dort gibt es millionens von sehr schlecht qualifizierten Menschen, 10 millionen illegalen Einwanderern aus Lateinamerika. Sie alle Arbeiten und haben Vollzeitjobs!
Was bedeutet es einen Niedriglohnjob zu haben?
Es bedeutet hauptsächlich eine Chance zu haben. Die Chance sich vom Tellerwäscher zum Millionär hochzuarbeiten. Die meisten werden zwar nicht millionäre, aber die meisten arbeiten sich hoch und bilden sich weiter! Wer Arbeitet führt ein geregeltes Leben, ist ein Vorbild für seine Kinder, auch wenn er schlecht verdient!
Der Verdienst kann übrigens durch die sogenannte Negativsteuer verbessert werden. Die Gesellschaft zahl eine Prämie für geringverdiener, dafür dass sie fleissing sind, arbeiten, für ihre Kinder ein Vorbild sind.
Leider, in Deutschland, sind Niedrigarbeitsangebote verboten und verpönt. Alle die problematische Biografien haben (Ausbildung abgebrochen, im Knast gesessen, Langarbeitszeitlos), ist es PER GESETZ VERBOTEN niedrige Löhne auszuhandeln, ohne Kündingsschutz, und damit eine Chance verwehrt im Arbeitsmarkt fuss zu fassen! Untersuchungen zeigen, dass in Ländern mit flexiblen Arbeitsmärkten, die meisten Menschen nur für kurze Zeit in Arbeiten mit niedrigen Löhnen verbleiben! Im laufe der Jahre arbeitet sich die grosse Mehrheit hoch, bildet sich weiter, und verdient wesentlich besser. VORAUSSETZUNG: dass Niedriglohnarbeitsplätze nicht verboten werden so wie es heute in Deutschland geschieht! Und bitte kein Grundeinkommen, das verschlimmert doch alles nur noch tausendmal.
Zu diesen Schrecklichen Artikel:
"Wie können Menschen ein sinnvolles Leben führen, auch wenn sie keinen Arbeitsplatz finden?"
ANTWORT: Niemand kann ein sinnvolles Leben führen wenn er auf kosten anderer Lebt und unproduktiv ist.
"Das verlangt allerdings den Abschied von einer Lebenslüge. Wer glaubt denn schon noch daran, dass Vollbeschäftigung herbeiregiert werden kann?"
ANTWORT: Vollbeschäftigung kann kaputtregiert werden, wie das Deutsche beispiel zeigt. Vollbeschäftigung gibt wenn es eine Freiheitliche Wirtschaftsordnung gibt.
"So schwierig es für Politiker ist, das Offensichtliche zuzugeben täten sie es in diesem Fall, wäre von der Gesellschaft eine große Last genommen: Sie müsste nicht mehr auf das Unmögliche hoffen, das untergräbt ohnehin nur das Selbstwertgefühl, weil es jeden auf seine Funktion als Subjekt des Arbeitsmarktes reduziert."
ANTWORT: Absurd, ein unverschämte ausrede um den Status-Quo zu erklären. Den Menschen wird ja gar nicht erlaubt Arbeit frei auszuhandeln.
Wir brauchen mehr Freiheit und mehr Respekt und Solidarität für Fleiss und Arbeit.
Ein interessanter Beitrag mit origineller Betrachtungsweise.
Ich möchte jedoch eine Anmerkung machen.
Dabei helfen weder Almosen für die Bedürftigen noch eine moralische Anklage der Reichen.
Es geht hier nicht so sehr um Moral, damit wird der Gegenstand der Diskussion von interessierter Seite gerne verniedlicht und bagatellisiert. Es geht um Gerechtigkeit !
Wir müssen uns Gedanken machen um die Bewertung der Arbeit. Manager rechtfertigen ihre Millionenbezüge mit ihrer Budgetverantwortung. Einzelne Entscheidungen haben in grossen Einheiten aufgrund eines Multiplikationeffektes grosse materielle Folgen. Dieselben Entscheidungsprozesse haben in kleineren Einheiten nicht den quantitativen Effekt. Qualiativ unterscheidet sich die Tätigkeit jedoch nicht. In andere Bereichen, etwa der Medizin wird diese Budgetverantwortung, im übertragenen Sinne die Verantwortung für Gesundheit und ggf. Leben von Patienten, nicht akzeptiert. Darüberhinaus ist diese Budgetverantwortung rein betriebswirtschaftlich definiert, der volkswirtschaftliche Aspekt wird nicht berücksichtigt. Volkswirtschaftlich schlägt die Entscheidung zur Entlassung von Mitarbeitern jedoch negativ zu Buche. Ich weiss, es gibt Situationen, in denen Entlassungen von Mitarbeitern unvermeidlich und auch volkswirtschaftlich vertretbar sind. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit in mehreren grossen Konzernen zählen jedoch nicht dazu. Es ist geradezu pervers, dass die Entlassung von Menschen in die Arbeitslosigkeit trotz guter wirtschaftlicher Erträge aus rein unersättlicher Profitgier auch noch belohnt wird.
Gibt es überhaupt eine Tätigkeit, die einem realistischen Gegenwert von Bezügen sagen wir oberhalb 1 Million Euro jährlich entspricht ? Die Grenze von 1 Mill. Euro ist willkürlich gelegt, die Latte liegt aber sicherlich nicht zu tief. Was spricht dagegen, jeden Euro oberhalb einer Million jährlich zu 100 % zu versteuern ? Bitte nicht mit angeblich fehlendem Anreiz zur Leistung argumentieren. Dieses Argument ist angesichts Millionen arbeitsloser, nicht arbeitsunwilliger (!) Menschen, eine Verhöhnung der Betroffenen.
vor allem dank der Ausgewogenheit und der klaren Sprache. Wie schön wäre es, wenn sich beides mal in der Politik niederschlagen würde, man stelle sich mal vor, wir lösen uns vom alten Sozialstaatssystem als nicht mehr haltbar, fordern gleichzeitig aber ein Neues welches sich vor allem auf die sozial schwachen Schichten (Unterschicht kommt mir noch nicht so ganz über die Finger) konzentriert - was machen wir dann eigentlich mit unserem schönen politischen rechts und links? Endlich mal einsargen und ganz tief verbuddeln?
Einige Wenig- oder Nichtstuer wird es immer geben. Ob deren Anzahl wirklich so hoch ist wie in Ihrer pessimistischen Einschätzung ist schwer zu sagen.
Mir fällt auf, dass der Hinweis auf Nichts- oder Wenigtuer immer im Hinblick auf Arbeitslose kommt, die öffentliche Unterstützung beziehen. Ist jemals untersucht worden, wieviele jointrauchende Nichts- oder Wenigtuer es gibt, die über ererbtes Vermögen und Produktionsmittel verfügen und nicht primär auffallen, weil sie andere für sich arbeiten lassen können ?
Unter dem Gesichtspunkt sozialer Gerechtigkeit ist das mal eine Frage wert.
Jeder, der staatliche Leistungen erhält, sollte verpflichtend ein entsprechendes Äquivalent leisten.
Da stimme ich vorbehaltlos zu. Warum wird das jedoch nur von Arbeitslosen eingefordert, die unverschuldet in Not geraten sind, nicht jedoch gleichermassen von der Industrie ?
Welche enormen Vorleistungen an Infrastruktur werden oft von der öffentlichen Hand erbracht ( man denke z. B. an Hamburg und Airbus )und wie sieht es mit der äquivalenten Gegenleistung aus ?
Es ist ja aberwitzig, dass es Firmen möglich war, Kosten für die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland von der deutschen Steuer abzusetzen. Was für eine Gegenleistung
für die staatliche (Fehl)leistung !?!?
"Diese Idee setzt auf ein positives Menschenbild und seine persönliche Entwicklung ohne Zwang und Sanktionen."
Das bedingungslose Grundeinkommen ist rein theoretisch gut, ist aber viel zu elitär und geht von der obigen (leider falschen) Grundannahme aus.
Es wird nur bei einem zu kleinen Teil der Menschen so funktionieren, wie es gedacht und effizient ist, nämlich dass diese Menschen ihre Talente und Fähigkeiten genau für das einsetzen, was sie am besten können und mögen.
Ein zu grosser und wahrscheinlich stetig wachsender Teil der Bevölkerung wird sich zunächst einmal lange ausruhen, und dann nur noch ab und an mal einige Nebenjobs annehmen, um einen Urlaub oder ein neues Fahrrad oder ein gebrauchtes Auto zu finanzieren, ganz abgesehen von denen, die sich von Anfang an konsequent mit einem Joint vor den Fernseher setzen und gar nichts mehr machen.
Mit dieser grossen Zahl der Wenig- oder Nichtstuer bricht aber die Finanzierungsgrundlage des Grundeinkommens sehr schnell zusammen.
Dennoch ist das Grundeinkommen vom Prinzip her interessant, wenn man sich nicht von Anfang an mit der obigen Annahme selbst belügt. Es bietet in der Tat die von Dir angeführte mehr als interessante Chance der Abschaffung der wuchernden Sozialbürokratie, des bananenrepublikanischen Steuersystems u.s.w.
Allerdings musst Du erst eine Antwort darauf finden, wie Du den grossen Anteil der Nichts- und Wenigtuer aktivierst, ansonsten landest Du mehr oder weniger im Kommunismus, der hatte ein ähnlich positives Menschenbild.
Jeder, der staatliche Leistungen erhält, sollte verpflichtend ein entsprechendes Äquivalent leisten.
Es gibt genug zu tun, Anlagen säubern, sie in Ordnung halten, Kinder beaufsichtigen usw...
Wer Unterstützung bekommt, wird ja eigentlich gleichzeitig zur Faulheit verdammt, das ist ein Fehler!!
Zitat aus Ihrem Beitrag:
"Niemand kann ein sinnvolles Leben führen wenn er auf kosten anderer Lebt und unproduktiv ist."
Alexander von Humboldt hat also Ihrer Meinung nach kein sinnvolles Leben geführt? (Zur Erinnerung: Er war ein Sohn reicher Eltern, der jedoch zeit seines Lebens keinen Wert darauf legte, diesen Reichtum zu halten und zu vermehren, sondern er benutzte ihn - und verbrauchte ihn -, um seinen wissenschaftlichen Interessen nachzugehen. Mit anderen Worten: Er lebte auf Kosten seiner Eltern.)
Es gibt KEINE ARBEIT FÜR ALLE MEHR; und je schneller wir das begreifen, um so schneller finden wir (vielleicht) Lösungen für die Misere.
Ein durchdachter Ansatz für eine Reform die den Namen auch verdient, ist das bedingungslose Grundeinkommen. Prof Götz Werner vertritt dieses Konzept. Der mehrfache Umsatzmilliardär (DM Drogerie) hat das Konzept durchgerechnet. Götz Werner ist kein "linker Spinner", der den Garten Eden verspricht. Er denkt ökonomisch und antroposophisch. Jeder Bürger, egal ob Arbeitslos, oder Millionär erhält ein Geld vom Staat, das deutlich über dem heutigen "soziokulturellen Einkommen" liegt. Das hat auch Ministerpräsident Althaus ,CDU Thüringen, mit seinem Ansatz, dem "solidarischen Bürgergeld" getan. Beide Konzepte beinhalten einen gigantischen Bürokratieabbau. Steuer, Arbeit, Soziales werden mit einem Schlag reformiert. Der Staat gibt Sicherheit im doppelten Sinn. Jeder kann sich etwas dazuverdienen. Die Lohnnebenkosten fallen weg. Die Subventionenen fallen weg. Das Gesundheitssystem ist saniert und das Steuersystem ist radikal vereinfacht.Der Arbeitsmarkt brauch keine Mindest- oder Kombilöhne. Es gibt keine Arbeitslosen mehr. Diese Idee setzt auf ein positives Menschenbild und seine persönliche Entwicklung ohne Zwang und Sanktionen. Daraus entsteht Innovation und Leistung. Ein Paradigmenwechsel. Das ist die richtige Antwort auf die Herausforderungen hochtechnisierter Wohlstandsgesellschaften, die im globalen Wettbewerb mit Ländern stehen, die am Anfang der "Industrialisierung" sind.
Worauf warten wir noch?
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