Ulrich Greiner

von 

Fortschritte in der Literatur gehen anders als sonst. Das neuere Auto ist dem älteren zumeist überlegen, was für den Roman keineswegs gilt.

Jedenfalls bezeichnet der Tristram Shandy von Laurence Sterne (1713 bis 1768) den frühen, kaum mehr überbotenen Höhepunkt einer Romankunst, die das Handlungsgerüst (wenn davon überhaupt die Rede sein kann) hinter einer Vielzahl der ausschweifendsten Abschweifungen verschwinden lässt und den Leser auf verführerische Weise dazu nötigt, am intelligenten, sich selber ins Wort fallenden Räsonnement größeren Gefallen zu finden als an der auch damals schon beliebten Illusionsmaschine namens Roman (sieh e Robinson). Es ist ein Wunderwerk an Witz und Weisheit, dessen ursprünglich neun Bände hier in einer schönen Gesamtausgabe vereint sind. Allein die Geburt Tristrams (sie ereignet sich erst in Band 3) ist zum Weinen kompliziert und zum Lachen komisch. Bei diesem Tristram Shandy handelt es sich um die 1983 bis 1991 im nicht mehr existenten Haffmans Verlag erschienene und nun revidierte Übersetzung Michael Walters. Sie ist mit Recht gerühmt worden. Wer wissen will, wo der europäische Roman beginnt: Hier!

Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman

In ertragen und kommentiert von Michael Walter - Eichborn Verlag, Berlin 2006 - 854 S., 39,90

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