Sozialdebatte Reden über die Unbenennbaren

Manche Politiker wagen es nicht einmal, von einer Unterschicht zu sprechen. Doch das Thema ist wichtig: Fünf bis sechs Millionen Menschen haben sich aufgegeben

Am Anfang stand ein Interview des SPD-Vorsitzenden. Dann starb in Bremen der kleine Kevin. Schließlich lieferte eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung neue, aufschlussreiche Zahlen. Wirft Deutschland in diesen Tagen, in denen aufgeregt über die »Unterschicht« diskutiert wird, tatsächlich einen mutigen Blick in seine Schmuddelecken, dorthin, wo eigentlich nur frisch gebohnerte soziale Sauberkeit sein sollte? Nein, natürlich nicht. Dass es Armut in diesem reichen Land gibt, wussten die Politiker vorher. Seit fünf Jahren wird die Not in einem »Armutsbericht« beziffert. So regelmäßig wie der Herbst zieht seit ein paar Jahren die politische Debatte über die »Unterschichten« ein, und so verlässlich wie der allerletzte Sonnenstrahl verschwindet sie wieder aus dem Gesichtsfeld. Darauf konnten sich bisher alle verlassen. Doch vielleicht ist das diesmal anders. Denn das in düsteren Farben schillernde Phänomen will sich nicht wegreden lassen, es bleibt einfach da und schreit Politik und Gesellschaft stumm ins Gewissen. Dabei geht es nicht vorderhand um misshandelte Kinder, das sind schreckliche Einzelfälle, und sie fallen in die Aufsichtspflicht örtlicher Behörden. Es geht auch nicht um Kartoffelchips mümmelnde Dickerchen, das sind Zerrbilder, die die gesellschaftliche und politische Problematik dahinter verharmlosen.

Aber worum geht es dann? Was an der Sache neu zu entdecken ist, das ist die ratlos verwaltete Normalität der Resignation. Etwa fünf bis sechs Millionen Deutsche verharren im Stand sozialer Hilflosigkeit. Sie haben sich als Mitglieder einer dynamischen Arbeitsgesellschaft aufgegeben. Es sind keine subkulturellen Freaks, sondern von Langzeitarbeitslosigkeit oder grundgesichertem Arbeitslosengeld-II-Alltag als Alleinerziehende zermürbte Normalos. Ihre wirtschaftlichen Aussichten sind gleich null, das will niemand so sagen, aber es ist so. Was ebenfalls neu zu entdecken ist, das hat mit den Möglichkeiten der Großen Koalition zu tun, genauer gesagt, mit ihren Ankündigungen, sich an den großen Reformen messen zu lassen, sich mit ihren Mehrheiten ans ganz Schwierige zu wagen. Jetzt wäre die Zeit, sich auf eine Sozialpolitik zu einigen, die mittelfristig dafür sorgt, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen nicht weiter ansteigt – wenn sie schon nicht massenhaft zurück in Lohn und Brot gebracht werden können.

Aber der Reihe nach. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck am vorvergangenen Wochenende das schlimme Wort »Unterschichten« ausgesprochen: Zu viele Menschen, so Beck, hätten sich mit ihrer aussichtslosen Lage »arrangiert«. Was er auslöste, war ein heftiger innerparteilicher Streit um das arbeitsmarktpolitische Erbe Gerhard Schröders. Die SPD-Linke machte sofort die Hartz-Reformen als Ursache der sozialen Resignation aus. Aber Hartz IV war bereits eine – wie immer unzulängliche – Reaktion auf die Lage, und zwei Jahre Agenda-Politik können kaum erklären, was sich da im Zuge des Strukturwandels der Wirtschaft seit mehr als einem Jahrzehnt aufgetürmt hat. Aber auch Arbeitsminister Franz Müntefering, der die Reformen verteidigt, distanzierte sich von Becks Wortwahl, fand sie diskriminierend, will nicht einmal zugestehen, dass es so etwas wie soziale »Schichten« in Deutschland gebe (siehe Interview Seite 7). Ganz links beklagte Oskar Lafontaines Ehefrau Christa Müller in einem Anflug politischer Unkorrektheit die »Reproduktion des asozialen Milieus«, derweil Wirtschaftsminister Michael Glos befand, alles sei eine Erfindung von Soziologen. Und CDU-Fraktionschef Volker Kauder sprach wie mit übergezogenem rhetorischen Latexhandschuh von »Menschen mit sozialen und Integrationsproblemen«. So skandalös ist das Resignationssyndrom, dass es nicht einmal einen richtigen Namen haben darf.

Währenddessen werden die »Unterschichten« langsam deutlicher sichtbar. Eine im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Gesellschaft im Reformprozess angefertigte Studie zeigt Genaueres. Ihr Zahlenwerk wird erst im Dezember veröffentlicht, doch ihre Resultate liegen vor. Und befeuern seit dem vergangenen Wochenende die Debatte. Das Neue an dieser Studie besteht darin, dass sie neben den klassischen sozioökonomischen Daten wie Einkommen und Arbeitsplatzsituation auch die Werteinstellungen, die Lebensbewältigungsmuster und Selbsteinschätzungen der Befragten berücksichtigt.

Neun Gruppen lassen sich aus dem Zahlenmaterial bilden, vier davon stellen ungefähr das obere Segment der Gesellschaft dar, dann folgt eine teils stabile (»Zufriedene Aufsteiger«), teils wacklige (»Bedrohte Arbeitnehmermitte«) Mittelschicht – sowie ein unteres Ende, das mit jenen acht Prozent Ausgeschlossenen abgeschlossen wird, die in der Studie »Abgehängtes Prekariat« heißen, weil nicht nur ihre Lebens- und Arbeitsverhältnisse unsicher sind, sondern auch ihr Blick auf sich und die Welt von erheblicher Verunsicherung gekennzeichnet ist.

In Westdeutschland macht diese Gruppe vier, im Osten allerdings 25 Prozent der Bevölkerung aus. Der Männeranteil ist hoch. Es sind die Vereinigungsverlierer. Dort findet der Abstieg statt, ist die Arbeitslosigkeit am höchsten. Dort hält man die Arbeitswelt für eine geschlossene Gesellschaft, misstraut der Politik, fordert jedoch einen starken, regulierenden Staat. Es existiert kaum eine Parteienbindung, aber viele der Betroffenen sind gewerkschaftlich organisiert. Ausländer gelten als Feinde. Überdurchschnittlich viele aus dieser Gruppe wählen die Linke.PDS (26 Prozent) oder rechtsextreme Parteien (6 Prozent).

Um sich vom unteren Drittel der Gesellschaft einen Eindruck zu verschaffen, lohnt der Blick auf zwei weitere Gruppen, die die Studie benennt. Die »Selbstgenügsamen Traditionalisten« (11 Prozent) sind alt, mehrheitlich Frauen, viele Rentnerinnen darunter. Auch dort ist das Bildungsniveau niedrig, das Einkommen unterdurchschnittlich, das Misstrauen gegenüber der Politik massiv. Jedoch ist das Wertgefüge stabil, die Religion schafft Orientierung, Konventionen gelten. Die Fixierung auf die Volksparteien ist intakt.

Das ist anders bei den »Autoritätsorientierten Geringqualifizierten« (7 Prozent). Die Distanz zur Politik ist dort am größten, Nationalbewusstsein und Fremdenfeindlichkeit sind ausgeprägt. Auch diese – im Durchschnitt sehr alte – Gruppe ist gesellschaftlich integriert, wird aber von Ängsten geschüttelt. Ihre Selbstwahrnehmung tendiert in Richtung einer gesellschaftlichen Auflösung, die durch ihre tatsächliche Lage nicht gedeckt ist. Das ist vielleicht das beunruhigendste Ergebnis der Studie: Abstiegsfurcht und Vertrauensverlust fressen sich bis in die gesellschaftliche Mitte hoch, auch die, die noch dazu gehören, beschreiben ihre Lage als »prekär«, selbst da, wo Werte intakt sind und die Religion eine große Rolle spielt. Was sich dabei wirklich und messbar auflöst, ist das Vertrauen ins politische System generell.

Das Gefühl, sozial ausgeschlossen zu sein, ist also nicht an die Arbeitslosigkeit gekoppelt. Es gibt Arbeitslose, die keineswegs resignieren, und Arbeitnehmer, die es tun. In der Gruppe des »Abgehängten Prekariats« fallen allerdings sämtliche Unsicherheitsfaktoren in eins und produzieren dauerhafte Hoffnungslosigkeit. »Unterschicht« heißt also nicht nur Langzeitarbeitslosigkeit, sondern ist auch von der Abwesenheit eines elementaren Sinnhorizontes gekennzeichnet.

Was folgt daraus? Ein erfülltes Leben ist an die Möglichkeit zu arbeiten gebunden. Was Zuversicht auslöst, muss hinzukommen. Aber »Sinn« bleibt für viele, zumal für die »Unterschichten« eine leere Position. Religion füllt diese Stelle nur noch für wenige, das zivilgesellschaftliche Engagement im demokratischen Rechtsstaat ebenso. Damit ist man mitten in den Schwierigkeiten politischer Maßnahmen. Ist vom Sozialstaat zu verlangen, den »Unterschichten« ein Sinnangebot zu machen? Das widerspricht dem freiheitlichen Staatsverständnis. Den Schröderschen Hartz-Reformen wurde von Anfang an vorgeworfen, sie seien ein »kaltes« Strukturprojekt, geradezu eisig, weil in einer Phase der Haushaltskonsolidierung auf den Weg gebracht. Die Frage nach dem »Wozu« der Sozialstaatsreformen blieb unbeantwortet. Daran hat sich nichts geändert. Vielleicht muss die Politik die Frage nach dem Sinn nicht beantworten, aber sie muss Bedingungen schaffen, unter denen diese Frage nicht existenziell zu werden droht.

Im Großbritannien zu Beginn der Ära Blair versuchte man es mit dem Zugriff aufs Private. Leistungen gewährte der Staat nur noch als Gegenleistung für eine Veränderung der Lebensweise, der Ernährungsgewohnheiten, der Erziehung der Kinder, des TV-Konsums oder des Suchtverhaltens der Erwachsenen. Der überwachende Supernanny-Staat ließ sich aber nicht durchhalten, er kann sich nicht in jedes Kinderzimmer, in jede Speisekammer fräsen. Das Unterschichtenproblem lässt sich nicht »kulturalisieren«, nicht allein mit pädagogischen Appellen und Kontrollen lösen. Wenn die Hartz-Gesetze noch mit Strafklauseln verschärft werden, wird dies die Resignation eher befestigen und Abstiegsängste weiter schüren. Das ist die falsche Symbolik.

Doch auch die reine Transferpolitik ist an ihr Ende gelangt. Eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung zur »Sozialen Lage in Europa« verfrachtete die deutsche Sozialpolitik auf einen der letzten Plätze in der EU: zu teuer, zu ineffizient, gemessen am Ziel der Reintegration von Arbeitssuchenden. Was bleibt? An der Langzeitarbeitslosigkeit wird sich mittelfristig nur etwas ändern, wenn es gelingt, die unheilvolle Verkettung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu unterbrechen – Schulabbruch oder geringe Qualifikation, fehlende Lehrstellen, geschlossener Arbeitsmarkt, dann frühe Arbeitslosigkeit. Mit Politik kann man die Generation der Kinder retten. Jedenfalls müsste sie es versuchen.

Das Wichtigste wäre dann die Resignationsvorbeugung: Familienförderung, frühkindliche Bildung und Unterbringung müssten mit einer entsprechenden Schulpolitik koordiniert werden. Um sich des Unterschichtenproblems ernsthaft zu widmen, wäre ein »Grand Design« nötig. Aber ist die Große Koalition hierzu überhaupt willens? Der Verlauf der aktuellen Debatte, der Streit um das Wort »Unterschicht« ist verräterisch.

Die Volksparteien reagieren mit ihren alten Reflexen: Außerhalb ihrer potenziellen Reichweite darf es keine ungezogene soziale Wirklichkeit geben, alles und alle sind im Prinzip integriert. Die Semantik, der Aufwand an beschönigenden Formulierungen belegt aber nur, dass beide Koalitionäre fest entschlossen sind, an den kleinen sozialpolitischen Lösungen festzuhalten, die noch im Rahmen des Großen Waffenstillstands möglich sind: die Hartz-Gesetze zu verbessern, auf ihre Effekte zu warten und zum Erhalt der Systeme den Abgabendruck auf die Steuerzahler zu erhöhen. Ein integriertes sozialpolitisches Konzept, das dem gesellschaftlichen Ausschlussmechanismus am unteren Ende der Sozialskala Einhalt geböte, ist nicht in Sicht. Die bittere Wahrheit ist, dass eine Generation von Langzeitarbeitslosen nichts anderes zu erwarten hat als Transferleistungen. Und wenn es ganz bitter kommt, nicht einmal das.

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Leser-Kommentare
  1. selbstverstänlich bezog sich mein letzter Beitrag auf den Beitrag von mpalmer.

    korfstroem

  2. Unterschicht(sdebatte)

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Sie, von der das Land nun spricht.
    Kam sie uns denn nur zugeflogen?
    Oder hat sich ein Land zu lange belogen?

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Sie ist nicht erst seit heute in Sicht.
    Schleichende Prozesse ignorieren,
    Problemverdrängung präzisieren.

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Volk, willst du es kapieren oder nicht?
    Fragst nach Schuld dieser Misere,
    für das Öffnen dieser Armutsschere.

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Was erwartest du von welchem Wicht?
    In der Politik, von Wirtschaftsbossen,
    von all den korrupten Parteigenossen!

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Geh mit dir selbst ins Gericht!
    Wahlversprechen, Lug und Trug – Lügen!
    Schemenhaft soll sich ein Volk einfügen.

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Schleichend verlierst du dein Gesicht.
    Hast gezüchtet selbst deine Proleten,
    Erntezeit! Siehst dich plötzlich in Nöten.

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Dennoch uns die Politik verspricht.
    Arbeit – heißt es – ist für alle da.
    Fangt doch Heuschrecken – basta!

    Deutschland, deine Unterschicht!
    Die jetzt von deiner Klippe bricht.
    Übrig bleibt ein Elite-Fels-Massiv?
    Der Gewinn daraus? – spekulativ!

    Deutschland, selbst nur Unterschicht?
    Je nach Blickwinkel, je nach Sicht!
    Stell dich doch mal deinem Gewissen.
    Menschen, – die ethische Werte vermissen!

    Wer hat die Moral wohin verbannt?
    In dem einstigen Wirtschaftswunderland.
    Wer hat Bildungslücken akzeptiert?
    Wenn gar nicht im Vorfeld ignoriert!
    Wo wird Ethik, Recht, Moral gelehrt?
    Oder setz ich hier aufs falsche Pferd?
    Brauchst du Pisa, um zu wissen,
    dass sich stets die Schuldigen verpissen!

    Bildung fängt nicht erst in der Schule an.
    Vorbild sein mit Werten, wo man nur kann.
    Wer hat wo und wie die Weichen gestellt?
    Verblödungs-TV, anstatt einer Bücherwelt!

    Verblödung auf dreißig oder mehr Kanälen.
    Spaßgesellschaft und Big-Brother zählen.
    Verdummungsprogramme für das Volk geschaffen.
    Und diese zeugen dann dieselben Affen.

    Wie kinderfreundlich ist unser Land?
    Ist eine Antwort jemandem bekannt?
    Wie soll die Reife eines Kindes entstehen?
    Wo selbst Erwachsene getrennte Wege gehen!

    Deutschland, jetzt sprichst du von Unterschicht!
    Siehst dich plötzlich (hoffentlich) in der Pflicht.
    Vorbilder! Das wär bereits die erste Kur!
    Doch wo sind sie, sag es mir, wo sind sie nur …?

    Baden-Baden, 17. Oktober 2006
    (Bertram Schrag)

  3. Geld regiert die Welt und wo es sich "verdünnisiert", da gerät die Gesellschaft in einen Sog, der zwar nicht zwangsläufig in die Tiefe zieht, aber vielen erstmal die Luft zum Atmen nimmt und sowieso weniger Chancen für alle übrig lässt.

    Da die Diktatur des Proletariats jedoch sicher nicht zurückkehren wird, ist guter Rat erstmal teuer. Die, die noch über genügend Geist verfügen, der schon aus mancher Not eine Tugend gemacht hat, werden deshalb eine neue Zeit einläuten müssen, damit sich das Leben auch in Zukunft noch als lebenswert erweist und sie sollten diesmal die mitnehmen, die sich nicht gut genug auskennen, um dem vermeintlich unvermeidlichen Schicksal ein Schnippchen zu schlagen.

    Da die Welt der Zukunft ja sowieso von Frauen regiert/dominiert werden wird, scheint es nämlich trotz schwindender Ressourcen möglich zu sein, die für das Glück eines jeden erforderlichen Lösungen zu finden, denn der "Sozialismus" der Zukunft, die vernetzte Gesellschaft, ist weiblich und die durch teamorientierte Arbeit erzeugten Synergieeffekte sind ganz und gar nicht ausgeschöpft.

    Nachdem sich die Union mit ihren vielen mächtigen Männern um die eine Frau herum bisher als absolut unfähig erwiesen hat, auch nur ansatzweise für gerechtere Verhältnisse in Deutschland zu sorgen, werden es wahrscheinlich die restlichen Parteien besorgen müssen, uns in eine neue schöpferische Phase des Kapitalismus zu lotsen, zumal Bürgerlichkeit ja offenbar in keinster Weise dazu geeignet ist, die als Differenzprobleme empfundenen Schwierigkeiten kompensieren zu helfen. Die Ignoranz der von redlichen Absichten getriebenen ist es, die uns in Deutschland den Blick auf die Lösungen verstellt. Denn wo nichts so bleibt wie es war, ist die Flucht zurück in eine alte Werte- und Schicksalsgemeinschaft ein absoluter Irrsinn.

  4. Liebe GleichstellungsbeauftragtInnen, da ist mal wieder ein Männeranteil hoch.
    Verdammte Männerbündnerei in diesem Land, was?

  5. tutmir leid, ich hatte auf eine sachliche Diskussion mit mehr Sachkenntnissen Ihrerseits gehofft.

    Die bessere Alternative zum Aufbau der Noch-DDR hatte die Übergangsregierung selbst entwickelt. An DDR-Unternehmen durften Unternehmer aus dem Ausland (damals auch D) nur einen Anteil unter 50 Prozent erwerben. Damit war die Einbeziehung der Menschen aus den Neuen Ländern gesichert. Ähnlich ging auch China bei der Initialzündung seines Aufschwungs vor.

    Um die katastrophalen Auswirkungen der westdeutschen Wirtschaftspolitik auf das Innenleben der Neuen Länder zu erkennen, reichte schon 1990 Basiswissen der VWL. Der Autor dieser Zeilen hatte ab 1990 Direktkontakt zu Unternehmen und Mitarbeitern in den Neuen Ländern und lebte mehrere Jahre dort und weiß von was er spricht.

    Ihre restlichen Argumente reichen leider nur für den Stammtisch. Prost

    korfstroem

  6. Nein, Nein, Nein. Kurt Beck, Sie irren nicht. Denn bei einem Irrtum geht der Irrende von der Wahrheit seiner Ansichten aus. Sie, Herr Beck, handeln mit Vorsatz.

    Die Menschen haben sich nicht aufgegeben. Die Menschen wurden aus der Gesellschaft herausgedrängt. Wegdefiniert, wie die Arbeitslosen. Enteignet wie die Rentner (Stichwort: Rentenanpassung) Als Parasiten beschimpft (Stichwort: Sozialdemokrat Clement).

    Die SPD hat sich ihrer selbst entfremdet. Die CDU hat ihr christliches "C" gegen capitalistische Kälte eingetauscht. Glaubwürdig sind beide Parteien schon lange nicht mehr. Antworten auf die drängenden Fragen der Gegenwart - von wem sollen die Antworten kommen? Von den selbstsüchtigen Apparatschiks der Parteien??

    Kurt Beck und Co. können sich ihre Selbstgerechtigkeit noch leisten. Die Menetekel von Sachsen bis Mecklenburg-Vorpommern sind noch verwaschen, mit kleiner Schrift geschrieben.

    Ernst wird die Lage der Nation, wenn die NPD die Kommunalwahlen, die ersten Bürgermeisterwahlen gewinnt, die ersten Arbeitsplätze für ihre Mitglieder organisiert.

    Was dann, Herr Beck, Frau Merkel? Sie können dann im Ausland eine Lehrtätigkeit aufnehmen wie Herr Fischer. Wir können das nicht.

    korfstroem

    • keox
    • 18.10.2006 um 23:45 Uhr
    • etiam
    • 18.10.2006 um 13:20 Uhr

    Da hat man ein gigantisches realpolitisches Problem - und was macht die Politik- - über Begrifflichkeiten streiten, weil die Wahrheit so ungeheuerlich ist, dass man nicht mal über sie sprechen kann, ohne die selbstgesetzte bigotte Pseudomoral politisch korekter Terminologie zu verletzen.
    Herr Müntefering muss wohl erst einen Pflasterstein aus den Reihen des neuen Prekariats ans Hirn geworfen bekommen, damit dieses ihm hilft zu erkennen um welche Phänomene es sich hier handelt.

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