Kaum verlässliche Zahlen über kindesmisshandlungen Experten rätseln über Dunkelziffern

Es gibt kaum verlässliche Zahlen über Kindesmisshandlungen.

Der polizeilichen Kriminalstatistik zufolge scheinen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung in Deutschland keine drängenden Probleme zu sein. In Berlin registrierte das Landeskriminalamt (LKA) im vergangenen Jahr 314 Fälle von Vernachlässigung und 472 Fälle von Misshandlung – »für eine Dreimillionenstadt geradezu lächerlich gering«, kommentiert ein LKA-Mann die Zahlen. Noch weniger Fälle sind es, in Relation gesehen, auf Bundesebene: Laut Bundeskriminalamt (BKA) wurden im vergangenen Jahr 2905 Misshandlungen und 1178 Vernachlässigungen von Kindern in Deutschland registriert.

Doch sind sich Experten und Behörden einig, dass das nur die Spitze des Eisbergs sein kann. Die Dunkelziffer soll über 90 Prozent ausmachen. Die Polizeistatistik enthält nur Fälle, in denen Anzeige erstattet wurde. »Die Zahlen sind nichts wert, sie sind nur ein Arbeitsnachweis der Polizei«, sagt Professor Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Nur: Andere Zahlen gibt es nicht. »Selbst wir, die wir ständig über Kindesmisshandlung forschen, haben ein Problem. Wir befragen Zehn- bis Vierzehnjährige, was in ihrer Kindheit gewesen ist. Damit haben wir nie einen aktuellen Befund.«

Immerhin, einige Aufschlüsse bieten diese zeitversetzten Befragungen doch. Danach ist die Zahl der Kindesmisshandlungen in der Summe zwar konstant. Schlüsselt man sie auf, stellt man jedoch fest, so Pfeiffer: »In der Mittelschicht ändert sich das Erziehungsverhalten, dort gibt es keine Ohrfeigen mehr, wird nicht mehr übers Knie gelegt.« In der Unterschicht dagegen werde vermehrt geschlagen. Pfeiffer: »Ein von Armut betroffener Hauptschüler hat ein fünfmal so hohes Risiko, zu Hause geschlagen zu werden, wie ein Gymnasiast.«

Dass so wenige Zahlen über Kindesvernachlässigung und -misshandlung vorliegen, hält Georg Ehrmann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, auch für politisch gewollt. »Wenn alle Fakten bekannt wären, würde man feststellen, dass man die Jugendämter aufstocken muss.« Schon heute, so Ehrmann, müssten die Träger der Jugendhilfeeinrichtungen in den jährlichen Etatverhandlungen der Politik die finanziellen Mittel regelrecht abtrotzen.

Um Kindesmisshandlung zu begegnen, brauche es vor allem mehr »aufsuchende«, also direkt kontaktierende Familien- und Jugendhilfe, fordert Ehrmann. Doch das Gegenteil geschieht. »Weil die Mittel gekürzt wurden«, sagt Norbert Blesch vom Münchner Kinderschutz und Mutterschutz e. V., »kann eine Vollzeitkraft eine Problemfamilie heute nur noch fünf Stunden in der Woche betreuen, früher waren es fünfzehn Stunden.«

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Leser-Kommentare
    • wpaul
    • 19.10.2006 um 12:38 Uhr

    .. gibt es nur bei einigermassen zuverlässigen Zahlen, das heist auch langfristige Zahlen die einen Trend erkennen lassen.
    Argumentationen mit Dunkelziffern sind eher peinlich.
    Z.B. gibt es in Kanada und USA jährliche Statistiken über tödliche - tödliche - Kindesmisshandlungen, im Internet nachlesbar, so etwas müßte doch in unserem überverwalteten Staat auch möglich sein, bevor es um Legendenbildung und Scheindiskussionen geht. Der Großteil dieser Delikte war übrigens Vernachlässigung bis zum Verhungern, so was kann eigentlich nicht ganz heimlich ablaufen, Kevin lässt grüßen

  1. Es gibt also kaum verlässliche Zahlen über Kindesmisshandlungen.
    Aber alle anderen Zahlen sind verlässlich?

    Wirklich?

    Wenn das Ministerium für alles außer Männer verkündet, dass 37% der Frauen der Opfer häuslicher Gewalt sind, haben wir, die wir nicht in Gender Studies Wonderland sondern in der wirklichen Welt leben, so unsere Zweifel. Aber was sind schon die Zweifel von uns kleinen Sündern gegen die Statistik einer Fälscherbande?

    Wenn das Ministerium für alles außer Männer in der Studie
    „Die wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung“
    angefertigt von (beinahe hätte ich doch geschrieben „Fälscher“) Professor Andress, herausfindet, dass ein abgezockter Mann gerade mal 7% seines Einkommens bei einer Scheidung einbüßt, dann fragen wir kleinen Sünder uns schon wie das möglich ist. Denn eingedenk der Tatsache, dass nach Gesetzeslage (!) der Mann an seine Ex-Frau 3/7 und für jeder Ex-Kind 1/7 seines Einkommens zahlen muss, ergibt sich nach Adam Riese ein Einkommensverlust von so 55%. Aber sei´s drum, was ist schon die einfache Mathematik gegen die Fälschungen des Andress? Zumal der die Zahlen ja nicht so einfach aus dem Ärmel geschüttelt hat, sondern total wissenschaftlich ermittelt auf Basis von Sozio-ökonomischen Panels, Repräsentativbefragungen und Expertengesprächen mit Familienrichtern, Scheidungsanwälten und anderen Sachverständigen.

    Wie, bitteschön, soll in diesem Fälschersystem eine Statistik zu unserem Thema zustande kommen? Die feministischen Kampfgruppen haben doch durch die von denen durchgesetzte Entgrenzung der Begriffe jedwede Vergleichbarkeit (die Voraussetzung für Statistik, was sonst wollen die denn in ihre Excel-Listen eintragen!?) zunichte gemacht.

    Früher konnte man sich z.B. vorstellen, was mit der Terminus „Gewalt“ gemeint ist.
    Heute? Pustekuchen. Es gibt kein objektiver Kriterium mehr. Gewalt ist das, was die feministischen Kampfgruppen als Gewalt empfinden.
    Im Zuge des Gewaltschutzgesetzes (für das sich die toten Kinder Jessica, Karoline, Kevin und Mehment bei der Ministerin herzlich bedanken; wenn sie es noch könnten. Kinder sind nämlich absichtlich aus dem Gewaltschutz ausgeschlossen!) wurde in die Handlungsanleitungen der Polizei aufgenommen, dass der Mann auch im Fall der Beschuldigung einer Straftat gem. §185 StGB (Beleidigung) aus der Wohnung auszuweisen ist.
    Was wir begrüßen und unterstützen, denn die Beleidigung ist ja irgendwie eine Form verbaler Gewalt und weil wir auf Seiten der Opfer (bei den feministischen Kampfgruppen generell als sogenannte „Frauen“ bezeichnet) sind, sollten wir an die Beweisbarkeit keine zu großen Anforderungen stellen.
    Wenn jedoch anlässlich eines Knastaufenthaltes des Vater beim kleinen Kevin im Kinderheim Knochenbrüche an beiden Unterschenkeln (!) und furchtbare Unterernährung festgestellt werden, dann ist da nach Einschätzung der perversen Gestalten, d.h. der Bremer Behörden, keine Gewalt feststellbar (sonst hätten die nämlich ein Verfahren einleiten müssen).

    Wie soll angesichts dieser Perversion der Sprache, nach der Abschaffung aller Maßstäbe, eine Statistik zu stande kommen? Und welchen Wert hätte diese?

    Also, bevor wir das Fehlen von Zahlen beklagen, sollten wir erst mal wenigstens versuchen, zur Rechtstaatlichkeit zurückzukehren.
    D.h. die Fälscher des Ministeriums für alles außer Männer werden bestraft.
    Und die Pervertierung der Sprache durch die raffgierige Helferindustrie muss aufhören. Dazu ist es notwendig, die raffgierige Helferindustrie abzuschaffen. D.h. ab sofort keinen Cent mehr für die Kinderschützerinnen, Frauenschützerinnen, Gleichstellungsbeauftragtinnen, Frauenforscherinnen, Frauenhäusinnen usw. usf. Die sollen zur Abwechslung mal ihr Geld auf ehrliche Weise verdienen.

    Und dann können wir anfangen, eine Statistik zu erstellen. Erst dann!

    Interessant ist noch was anderes.
    Es gibt nämlich Zahlen, die unzweifelhaft feststehen. Das sind die kommunalen und staatlichen Ausgaben für Erziehungshilfen, Kinderheime, Kinder- und Jugendpsychiatrie, betreutes Wohnen, Sozialarbeiter alle Coleur.
    Obwohl die raffgierige Helferindustrie uns regelmäßig mit einer Unmenge von Zahlenwerken und Statistiken eingedeckt, hört man zu diesen Themen regelmäßig – nichts.

    Der Kinderschutzbund („Kinder sind Armutsrisiko Nummer eins“) schweigt sich aus.
    Und auch die feministischen Kampfgruppen („nur 5% der Vorstände von DAX-notierten Unternehmen sind Frauen“ „37% der Frauen sind das Opfer häuslicher Gewalt“ und weitere Prozente ohne Ende) sind auch merkwürdig desinteressiert an diesen Tatsachen..

    Schade eigentlich! Und auch irgendwie logisch.
    Denn wenn die Absoluten Zahlen und deren Entwicklung über die Jahre mal in einer geschlossenen Statistik nachlesbar wären, wäre die ganze Verlogenheit des Feminismus und das grandiose Scheitern der linken Sozialpolitik für jedermann sofort erkennbar.

  2. Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kritisiert Jugendämter in Brandenburg:

    Kindesmisshandlung selten gemeldet..

    Presseinformation

    Untragbare Statistik der Jugendämter zu Missbrauch und Misshandlungvon Kindern Brandenburger Kriminalisten kritisieren Haltung der Landesregierung

    mehr dazu hier:

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