Master Von Göttingen nach Princeton

Stifterverband und DAAD haben die zehn besten internationalen Masterprogramme aus Deutschland gekürt.

Das Auslandssemester ist Pflicht, der Professor lehrt auch in Harvard, und die Mitstudenten kommen aus Paraguay: So sehen die internationalen Masterprogramme aus, unter denen nun der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und der Deutsche Stifterverband die zehn besten gekürt haben. »Forschung und Lehre entwickeln sich nicht isoliert im nationalen Rahmen«, sagt Birgit Klüsener vom DAAD, »die Studenten brauchen den Blick über den Tellerrand – sei es durch einen Aufenthalt im Ausland oder durch Diskussionen mit Kommilitonen aus anderen Ländern.« Allen Gewinnerprogrammen gemeinsam sei ein »innovatives Konzept, eine qualitativ hochwertige Lehre und eine überzeugende internationale Ausrichtung«, so Klüsener.

Davon hat auch Christina Pätzold profitiert. Sie ist eine der ersten Absolventinnen des Masterprogramms »Internationale Beziehungen« an der Freien Universität Berlin (FU), das zu den zehn Gewinnern zählt. »Nach Paris, Washington oder auch St.Petersburg kann man ganz leicht für ein Semester wechseln«, erzählt sie. Alle Studenten müssen mindestens ein halbes Jahr außerhalb des Landes studiert haben, sei es während der vier Semester des Masterprogramms oder davor. Ebenfalls Pflicht: drei Monate Praktikum. Christina Pätzold hat ihres in Peru absolviert. »Bei der Vermittlung von Auslandspraktika bekommt man jede Unterstützung, die man sich nur wünschen kann«, sagt sie.

In Peru konnte Pätzold die Auswirkungen der Verwaltungsreform erforschen – und so ihre Masterarbeit vorbereiten. In Berlin stehen den Studenten Kurse an der FU, der Humboldt-Universität und der Potsdamer Universität offen. Bei so guten Bedingungen ist der Andrang groß; bei der letzten Auswahlrunde wurde nur jeder Neunte genommen. Von den 100 Studenten kommt ein Drittel aus dem Ausland, im Seminar wird daher Englisch gesprochen. In die Diskussionen über Außenpolitik und internationale Beziehungen können diese Studenten ganz andere Perspektiven einbringen.

Von solchen Bedingungen können andere Masterstudenten nur träumen. Zwar soll die Umstellung auf Master und Bachelor die internationale Vergleichbarkeit von Leistungen erleichtern und so einen einfachen Austausch zwischen den Ländern ermöglichen, doch das dauert. »Gerade die neu geschaffenen Programme brauchen ihre Zeit«, sagt Birgit Klüsener vom DAAD. »Mit ausländischen Universitäten zu kooperieren und Gastdozenten sowie ausländische Studierende zu gewinnen, das läuft naturgemäß langsam an.« Für den Wettbewerb gingen insgesamt 121 Bewerbungen von 77 Hochschulen ein, »die meisten von erstaunlich guter Qualität«. Gewonnen haben auch Masterprogramme in Bonn, Dortmund, Freiburg, Jena, Weimar, Mannheim und Pforzheim.

Unter den Gewinnern sind auch ältere Masterprogramme wie etwa Neurosciences an der Universität Göttingen, die 2000 als »auslandsorientierter Studiengang« vom DAAD empfohlen wurden. Die Veranstaltungen in Molekularbiologie oder Neurowissenschaften werden auf Englisch abgehalten, die Masterarbeiten oft extern in Princeton, Lausanne oder Stockholm absolviert. Die Bewerber kommen aus über 60 Ländern, was nicht zuletzt der guten Vermarktung des Studiengangs zu verdanken ist. So werben Vertreter etwa regelmäßig auf der Bildungsmesse in Hongkong für ihren Studiengang. Für die Auswahlgespräche müssen die Studenten aus Indien und China nicht extra anreisen – sie können ihr Bewerbungsgespräch per Videokonferenz führen.

Mehr zum Thema beim DAAD .

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