Im deutschen Berufsleben, so hat jüngst eine Studie ergeben, zählt nicht die fachliche Kompetenz, sondern die Fähigkeit, sich zu verkaufen, durchzuwursteln und anzuwanzen. Der Arbeitsmarkt ist verstopft mit Verzweiflungsschauspielern, deren wahre Begabungen das gurrende Networken und das surrende Mobben, das Bücken und Kampf-Buckeln sind. Vielleicht bestehen »Unterschicht« und »Prekariat« nicht, wie ein Herr Beck aus dem Pfälzer Wald unterstellt, aus Menschen, die sich vom Wertschöpfungsprozess abgemeldet haben, sondern vielmehr aus solchen, die die Schnauze voll haben vom Rumschleimen und Hochgleiten, Himmelherrgott!

Könnte es sein, dass für die Unterschicht die angsterfüllte Mittelschicht das wahre Prekariat ist, also die unsägliche, mit einem ewigen »Okay« in jeden Round Table hineinnickende, an allen klebrigen Projektsträngen ziehende Truppe von Mitläufern und Besoldungsgruppenhampeln, die heimlich am Abend den Sechsämtertropfen kippen in das große Loch, das ihnen der Tag in die Seele fraß? Während die Unterschicht schon am hellen Tag froh den Sechsarbeitsämtertropfen schlürft? Ist die Unterschicht die wahrhaft befreite Klasse dieses Landes?

Nun, wir wissen es nicht. Künftige Generationen sollen es entscheiden. Wir aber, die klammen Angehörigen der Mittelschicht, werden lernen müssen, uns zu behaupten zwischen denen, die nichts zu verlieren haben und die uns überlegen sind, denen ganz oben und denen ganz unten. Und wie machen wir das? So, wie wir alles machen. Indem wir tun, als wären wir gar nicht da. Indem wir uns tot stellen.

Fangen wir gleich damit an. Halloween steht vor der Tür, das Fest des Gruselns, und wir schließen uns den Kindern an in ihren Freddy-Krueger- und Roland-Pofalla-Kostümen. Wir wollen alle das Fürchten lehren – als Untote! Aber was anziehn? Ober- oder Unterschicht -Wear ? Die Ackermann-Maske mit dem Victory-Finger-Latexhandschuh? Oder das Effenberg-Arschgeweih mit Lametta? Nein, wir streifen die Klaus-Kleinfeld-Rolex über und gehen nackt. Die Kleinfeld-Rolex wird auf Befehl unsichtbar und zieht den Mann, an dem sie hängt, mit ins Nichts. Hier wollen wir ausharren, bis alles vorüber ist. Denn das Nichts ist eigentlich kein schlechter Ort. Nichts, sagt Herbert Achternbusch, der Dichter aller Schichten, der Überschichtdramatiker, nichts ist immer noch besser als gar nichts. Finis