Der Kunde ist König – in der Finanzbranche gilt dieser Satz kaum noch. Die empfohlenen Anlageprodukte halten Qualitäts- oder Kostenkriterien häufig nicht stand. Stattdessen bestimmt die Provision des Beraters oder der Bank, welche Anlage befürwortet wird. Bestes Beispiel: börsengehandelte Indexfonds, so genannte Exchange Traded Funds – kurz ETFs. Sie bieten bei der langfristigen Vorsorge viele Vorteile gegenüber aktiv verwalteten Investmentfonds. Sie sind attraktiv für die Kunden, aber unattraktiv für die Banken und Sparkassen und werden deshalb fast nie angeboten – noch nicht einmal auf Nachfrage. Sparpläne auf ETFs sind eine Rarität. BILD

Viel lieber verkaufen die Berater und Banken einen aktiv gemanagten Fonds. »Sie haben am Verkauf von ETFs kein gesteigertes Interesse, da das Geschäft als extrem margenschwach gilt«, sagt Björn Drescher vom Finanzinformationsdienst Drescher & Cie. Und Götz Kirchhoff, Vorstand der HypoVereinsbank-Tochter Indexchange, sagt: »Unser ETF auf den EuroStoxx 50 kostet jährlich 0,15 Prozent Gebühr. Da bleibt nicht viel übrig, was man dem Berater als Provision abgeben kann.« Bei Investmentfonds sei dies anders. Von der Verwaltungsgebühr in Höhe von 1,5 Prozent würde rund die Hälfte an die Bank gehen. »ETFs kaufen deshalb vor allem gut informierte Privatanleger. Der normale Bankkunde kommt an sie kaum heran«, sagt Kirchhoff.

Noch düsterer sieht es bei Sparplänen auf die börsengehandelten Indexfonds aus, obwohl sie mit der Länge der Anlagedauer attraktiver werden und sich somit gerade für die Altersvorsorge eignen. Kaum eine Bank in Deutschland und auch nur wenige Direktbanken haben solche Angebote im Programm. »Die Bestandsvergütung ist der Hauptgrund, weshalb es so wenig Sparpläne auf ETFs gibt«, sagt Thomas Meyer zu Drewer, verantwortlich für den deutschsprachigen Raum beim ETF-Anbieter Lyxor AM. Auch bei den Direktbanken würden in Sparplänen hauptsächlich die Fonds verkauft, die eine hohe Managementgebühr aufwiesen.

Was aber sind die Vorteile der börsengehandelten Indexfonds gegenüber traditionellen Fonds? ETFs sind transparent, da sie lediglich einen Aktienindex wie den Deutschen Aktienindex Dax oder den Eurostoxx 50 im Verhältnis eins zu eins nachbilden. Man spricht deshalb auch von passivem Management. Kein Fondsmanager muss sich für oder gegen eine Aktie aus dem Index entscheiden. Ein Computerprogramm bildet einfach den Index nach. Deshalb müssen Anleger keine hohen Gebühren für die Leistung der Fondsverwalter zahlen. Die jährliche Managementgebühr beträgt für die Standardprodukte zwischen 0,15 bis 0,5 Prozent – verglichen mit aktiven Fonds, die im Durchschnitt 1,5 Prozent pro Jahr kosten, ist das wenig. Da ETFs über die Börse gekauft werden, fallen auch keine Ausgabeaufschläge an. Lediglich die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis an der Börse ist zu berappen. Die Spanne ist verschwindend gering.

Nur drei deutsche Direktbanken haben ETF-Sparpläne im Programm

Für die Altersvorsorge sind ETFs aber nicht nur wegen der günstigen Kosten bestens geeignet. Sie schlagen sich auch oft besser als die aktiv verwalteten Fonds. Meist sind die Fondsmanager ihr Geld nicht wert. Das zeigen internationale Studien immer wieder. So auch eine aktuelle Auswertung der Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner: In den vergangenen elf Jahren haben lediglich sieben aktiv verwaltete Fonds, die in europäische Standardaktien anlegen, eine höhere Rendite erzielt als der Index EuroStoxx 50.

Besonders auf effizienten Aktienmärkten wie denen Europas und Amerikas fällt es den Managern der klassischen Investmentfonds sehr schwer, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Bei Schwellenländern liegen sie dagegen meist in der Auswertung vorn. Diese Märkte werden von weniger Experten nach Gewinnchancen durchkämmt und gelten deshalb als weniger effizient. »Statt der großen, aktiv gemanagten Fonds sollten sich Anleger deshalb lieber einen börsengehandelten Indexfonds ins Depot legen«, rät Alexander Etterer, Leiter des Kompetenzcenters Asset-Management bei Rödl & Partner.

Wer gezielt für die Altersvorsorge sparen möchte, fährt dabei mit Sparplänen gut, weil sich so das Geld diszipliniert in kleinen Schritten vermehren lässt. Schon 50 oder 100 Euro im Monat reichen durchaus, um privat für die Rente vorzusorgen. »Bei den Sparplan-ETFs bleiben die Kostenvorteile der Einzelanlage-ETFs erhalten«, sagt Etterer. Die Mindestsparrate pro Monat beträgt in der Regel 50 Euro. Anleger können zudem jederzeit in die Sparpläne einsteigen und auch Höhe und Rhythmus der Einzahlungen frei bestimmen.

Eine Garantie, dass zukünftig hohe Renditen zu erzielen sind, gibt es natürlich nicht. Doch ein langer Anlagehorizont hat zumindest in der Vergangenheit zwischenzeitliche Verluste wieder ausgeglichen. Mit CortalConsors, der Sparkassen-Tochter S-Broker und der DAB Bank bieten aber lediglich drei deutsche Direktbanken ihren Kunden ETF-Sparpläne an. Es gebe aktuell keine große Kundennachfrage, heißt es unisono von den anderen Online-Brokern. Das mit Abstand größte Angebot hat die DAB Bank. Gleich 13 ETFs, vom Dax und MDax über den EuroStoxx bis hin zu Pfandbriefen, haben die Münchner im Programm. Alle Produkte stammen jedoch vom Marktführer Indexchange. Und der ist, wie die DAB Bank auch, Tochter der HypoVereinsbank.

Die meisten anderen Direktbanken verweisen auf ihr großes Angebot an Sparplänen auf Index-Zertifikate. Sie verschweigen dabei die Nachteile, die strukturierte Produkte gegenüber ETFs aufweisen. Im Gegensatz zu ETFs sind Zertifikate Schuldverschreibungen. Im Insolvenzfall der Bank werden die Anleger also aus der Konkursmasse bedient, genau wie alle anderen Gläubiger der Bank. Außerdem kassieren die Emittenten bei vielen Zertifikaten die anfallenden Dividenden – und reduzieren damit die Performance erheblich. Bei ETFs ist dies nicht der Fall.

Vor allem der Kostenvorteil bei ETFs schlägt sich auf langfristiges Sparen positiv nieder. Bei einer monatlichen Sparrate von zum Beispiel 100 Euro und einer angenommenen jährlichen Rendite von 7 Prozent hat der Anleger mit seinem ETF, der jährlich 0,5 Prozent Verwaltungsgebühr kostet, nach zehn Jahren 16730 Euro auf dem Konto. Bei einem aktiv gemanagten Fonds mit einer durchschnittlichen Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent dagegen beträgt die Summe 15840 Euro, also 890 Euro weniger als beim ETF. In 20 Jahren hat sich die Differenz sogar auf 5349 Euro erhöht.

Der Ausgabeaufschlag ist bei dieser Rechnung noch nicht einmal eingerechnet. Da nur die wenigsten Fonds auf lange Sicht ihren Vergleichsindex schlagen, lässt sich ahnen, wie viel Rendite dem Kunden durch die Lappen gehen könnte. Zumal es auch zahlreiche ETFs mit einer Verwaltungsgebühr von nur 0,15 oder 0,2 Prozent gibt und der Kostenvorteil somit weiter steigt.

Das geringe Interesse der Kunden beruht auf mangelndem Wissen

Schon mehrfach haben die ETF-Anbieter mit Online-Brokern über Sparpläne verhandelt. Vergeblich. »Die meisten waren interessiert, haben das Projekt dann aber aufgrund der zu niedrigen Gebührenstruktur nicht weiter verfolgt«, berichtet Indexchange-Vorstand Kirchhoff. »Wir können hinsichtlich der Provisionen nicht mit Fonds konkurrieren«, sagt Lyxor-Vertreter Meyer zu Drewer resignierend. Lediglich iShares ist optimistisch. »Wir stehen in Verhandlungen mit Online-Brokern, dass mehr ETF-Sparpläne angeboten werden«, sagt Andreas Fehrenbach, Deutschland-Chef des ETF-Anbieters iShares.

In den Vereinigten Staaten hingegen sind ETFs seit langem fester Bestandteil der privaten Vorsorge. Dort investieren Privatanleger rund ein Drittel ihres Depotvermögens in diese Anlageklasse. iShares-Chef Fehrenbach führt das immer noch verhaltene Interesse der Privatanleger in Deutschland auch auf das geringe Wissen über diese Anlageform zurück. Bislang investierten weniger als zehn Prozent der Privatanleger auf eigene Faust in ETFs.

Aber es gibt Hoffnung: Die neue Finanzdienstleistungs-Richtlinie der EU, die so genannte Mifid (Markets in Financial Instruments), sieht vor, dass künftig alle versteckten Provisionen beim Fondskauf offen gelegt werden. Diese totale Transparenz könnte manchem Anleger die Augen öffnen – und den günstigen ETFs in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Jedes EU-Land muss die Mifid bis 2008 in nationales Recht umgesetzt haben.