Hepatitis Tückisches Virus

Gegen den Erreger der Leberentzündung kann man längst impfen, aber viel zu wenige tun es. Deshalb wird auch Leberkrebs immer häufiger

Obwohl es seit fast zwanzig Jahren einen Impfstoff gegen Hepatitis B (HBV) gibt, verbreitet sich die Infektion global fast ungebrochen. Nur in Ländern mit umfassenden Impfprogrammen, etwa in Taiwan oder Südkorea, schwindet die Seuche. Anfang Oktober wurde anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages der WHO deutlich: Eine Hauptstütze für die Krankheit ist Unwissen. »In Deutschland haben rund 1,2 Millionen Menschen eine chronische Hepatitis B oder C, aber nur etwa zehn Prozent wissen davon«, warnt etwa die Deutsche Leberhilfe.

Dies bestätigt Michael Manns, Leberspezialist und Direktor am Zentrum für Innere Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover: »Die Zahl der Leberkrebs-Erkrankungen hat sich in den letzten dreißig Jahren verdoppelt, jährlich kommt es zu ungefähr 5000 Neuerkrankungen.« Bei kaum einer anderen Krebsart sei hierzulande »eine solche Dynamik zu beobachten«. Aktuelle Daten aus Hannover zeigten, dass »mehr als die Hälfte aller Leberzellkarzinom-Patienten eine chronische Virushepatitis hatte«. Deshalb sei schon bei leicht erhöhten Leberwerten eine Abklärung der Ursachen wichtig. Bei chronischer Virushepatitis könnten eine geänderte Lebensweise und eine Therapie dazu beitragen, »dass ein Leberkarzinom gar nicht erst entsteht«.

Laut WHO leiden weltweit etwa 350 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis B, etwa eine Million Menschen sterben jährlich an den Folgen. Sie zählt zu den häufigsten Virusinfektionen. HBV wird bei der Geburt und sexuell übertragen, die Viren stecken vor allem im Blut, aber auch in Schweiß, Tränen, Muttermilch, Sperma.

In Deutschland werden seit rund zehn Jahren Säuglinge und Kleinkinder gegen Hepatitis B geimpft. Etwa 80 Prozent aller Erstklässler seien heute geschützt, heißt es. Doch Heinz-J. Schmitt, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, betrachtet solche Zahlen mit Skepsis. Bei den Impfraten werde viel geflunkert, warnt er. »Die Zahlen der Schuleingangsuntersuchung beziehen sich nur auf Kinder, die einen Impfpass vorlegen.« Jene ohne Pass seien in der Regel nicht geimpft, es bleibe also eine beachtliche Dunkelziffer. »Valide Impfdaten, die den Vorgaben der WHO genügen, gibt es in Deutschland nicht«, kritisiert Schmitt.

Generell fehle ein klares Impfprogramm. »Wir haben nur unspezifische Impfempfehlungen ohne Ziel, Umsetzungsplan und Erfolgskontrolle«, sagt er. Da erstaunt es nicht, dass der (von den Krankenkassen bezahlte) Hepatitis-Schutz bei Jugendlichen erschreckend niedrig ist: Nur etwa dreißig Prozent der Teenager starten mit einer Immunität gegen HBV ins Sexualleben. Erst mit dem Heranwachsen der besser geschützten Schülergeneration, so hofft das Robert-Koch-Institut, werde die Epidemie »voraussichtlich innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre deutlich zurückgehen«. Hans Schuh

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