Werte Wer bestimmt die Moral?
Der Nationale Ethikrat soll von einem neuen Gremium ersetzt werden: Dem Deutschen Ethikrat. Manche Abgeordnete fürchten eine Entmachtung des Parlaments.
Seine Auflösung müsste für viele eigentlich ein Grund zu Freude sein. Kaum ein Gremium wurde bei seiner Einsetzung so heftig kritisiert wie der Nationale Ethikrat, den der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder vor fünf Jahren einberief. Die Expertenrunde sei doch nur ein »Abnickgremium der Bundesregierung«, schimpften Kritiker, die Ratsmitglieder seien alles andere als demokratisch legitimiert. Doch das nun bevorstehende Ende des Ethikrats löst kaum noch Jubel aus. Im Gegenteil: Wenn die letzte Jahrestagung des Ethikgremiums am Donnerstag dieser Woche über die Bühne gegangen sein wird, geht der Streit im Bundestag vermutlich erst so richtig los.
Denn pünktlich zur letzten großen Sitzung des Nationalen Ethikrats (Thema: »Gesundheit für alle – wie lange noch?«) hat das Bundesministerium für Forschung und Bildung eine Gesetzesvorlage im Parlament eingereicht: Demnach soll das bisherige Gremium von einem »Deutschen Ethikrat« ersetzt werden. Diesem käme endlich jene demokratische Legitimation zu, die seinem Vorgänger fehlte: Seine Mitglieder sollen zur Hälfte von der Regierung, zur Hälfte vom Bundestag benannt werden. Zugleich will Forschungsministerin Annette Schavan den neuen Rat nicht mehr im politischen Nirwana schweben lassen, sondern dem Bundestag angliedern. Dort würde der Deutsche Ethikrat gleichzeitig die Nachfolge der bisherigen Enquete-Kommission Ethik und Recht der modernen Medizin antreten, die im vergangenen Jahr auslief.
Ist dieser Plan nicht vorbildlich? Statt zweier konkurrierender Beratungsgremien gäbe es in Zukunft nur noch einen gemeinsamen Ethikrat, über dessen Besetzung die Parteien mitbestimmen dürfen – so wie sie es immer gefordert hatten. Doch gegen Schavans Vorstoß formiert sich unter den Parlamentariern schon eine neue Kritikerfront. »Wir brauchen keinen Expertenrat, der hinter verschlossenen Türen tagt und von Zeit zu Zeit dicke Stellungnahmen veröffentlicht«, schreibt eine Initiative von Bündnis 90/Die Grünen, der Linkspartei und einige SPD-Abgeordneten.
Die Gruppe befürchtet, dass der Deutsche Ethikrat parlamentarische Diskussionen um bioethische Themen verhindern könnte, statt sie zu befruchten: »Es ist wahrscheinlich, dass die Voten des Ethikrats ohne hinreichende Debatte eins zu eins übernommen werden«, sagt Arne Jung-Johann von Bündnis 90/Die Grünen. Darum wünschen sich die Anhänger der Gruppeninitiative ein Gremium nach dem Vorbild der früheren Enquete-Kommission: Nicht allein Experten, sondern auch Bundestagsabgeordnete sollen darin über ethische Konflikte in Medizin und Biotechnik beraten. »Es ist doch etwas anderes, ob man ein moralisches Problem mit Experten zusammen diskutiert oder nur ihre abschließenden Vorschläge liest«, bekräftigt der SPD-Abgeordnete und ehemalige Vorsitzende der Enquete-Kommission Ethik und Recht der modernen Medizin René Röspel dieses Ansinnen.
»In den Rat müssen Experten. Sonst beraten die Politiker sich ja selbst«
Die Parlamentarier treibt dabei wohl weniger ihre Lust an der Gremienarbeit, sondern die Hoffnung auf politische Einflussnahme. Wer in einer parlamentarischen Kommission mitmischt, stellt schließlich die Weichen für spätere Empfehlungen. So waren beispielsweise die ethisch konservativen Voten der Enquete-Kommission auch damit zu erklären, dass dort auffallend viele Vertreter eines strengen Lebensschutz-Konzeptes saßen. Diesen Einfluss wollen die Politiker offenbar auch in dem neuen Rat geltend machen.
Die Experten sind davon selbstredend nicht begeistert. Im internationalen Vergleich, sagt die amtierende Vorsitzende des Nationalen Ethikrats, Kristiane Weber-Hassemer, käme eine solche Zusammenarbeit von Ethikexperten und Politikern »praktisch nicht« vor. »Das dürfte kein Zufall sein.« Auch der Vorsitzende der Zentralen Ethikkommission der Ärztekammer Urban Wiesing hält das Gegenkonzept der Initiative nicht für tragfähig. »Da der Deutsche Ethikrat die Politik beraten soll, ist es einzig sinnvoll, ihn mit Experten zu besetzen«, sagt er. »Sonst beraten die Politiker sich ja selbst.«
Die Stellungnahmen des künftigen Ethikrats dürften sich dabei vermutlich nur wenig von jenen des alten Expertengremiums unterscheiden. Und diese, das haben die vergangenen fünf Jahre bewiesen, fielen nicht nur fachlich differenziert, sondern durchweg auch moralisch ausgewogen aus. Häufig enthielten die Berichte des Ethikrats gespaltene Voten, die den Dissens der Experten etwa zu Fragen des Klonens oder der Selbstbestimmung am Lebensende widerspiegelten. »Solche Differenzen sind bei ethischen Debatten einfach nicht zu vermeiden«, sagt Urban Wiesing. »Auf diese Weise repräsentiert der Rat die Pluralität unserer Gesellschaft.«
Die Angst mancher Parlamentarier vor zu starker Beeinflussung erscheint also reichlich übertrieben. Auch künftig werden sie, wenn sie über die Empfehlungen eines Deutschen Ethikrats befinden, vermutlich verschiedene Positionen zur Auswahl haben. Und letztlich, betont auch Ethikrätin Weber-Hassemer, sind es immer noch die Politiker, die die endgültigen Entscheidungen treffen.
Bei näherem Hinsehen erweist sich der Streit um den zukünftigen Ethikrat somit als ein polit-internes Gerangel. Gänzlich aus dem Blick gerät dabei ein viel grundsätzlicheres Manko deutscher Ethikberatung, nämlich die fehlende Einbeziehung der Bevölkerung. Was die Bürger über Patientenverfügungen, Stammzellforschung oder Reproduktionsmedizin denken, findet bislang kaum Eingang in politische oder ethische Diskussionen. »Hier herrscht ein deutliches demokratisches Defizit«, analysiert die Soziologin und Medizinethikerin Tanja Krones vom Konfliktforschungszentrum der Philipps-Universität Marburg.
In einer empirischen Umfrage zur so genannten Präimplantionsdiagnostik (PID) konnte Krones zeigen, wie wenig repräsentativ die Ansichten der bundesdeutschen Ethikgremien für die Meinung der Bundesbürger sind. Die PID, bei der künstlich gezeugte Embryonen vor ihrer Implantierung in den Körper einer Frau auf genetische Defekte untersucht werden, ist bislang in Deutschland – anders als in anderen Ländern – verboten. Die Enquete-Kommission lehnte die PID mit 16 zu 3 Stimmen entschieden ab; der Nationale Ethikrat vertrat eine gemäßigt liberale Ansicht und empfahl eine streng begrenzte Zulassung solcher vorgeburtlicher Tests.
Die von Tanja Krones befragten Bürger dagegen äußerten sich hingegen sehr viel offener gegenüber der neuen Technik: Zwei Drittel der Befragten würden die PID zur Diagnose schwerwiegender chronischer Erkrankungen zulassen.
Der Rat soll den Willen des Volkes kennen – ohne ihm immer zu folgen
»Letztlich lag der Nationale Ethikrat in seinen Entscheidungen näher an der Lebenswelt der Bevölkerung als die Enquete-Kommission«, resümiert Tanja Krones. Dennoch seien die Unterschiede in den moralischen Ansichten von Sachverständigen und Laien eklatant. Die Marburger Medizinethikerin fordert daher in Anlehnung an Projekte der britischen Human Fertilisation and Embryology Authority eine intensivere Nutzung empirischer Umfragen, um das Meinungsbild der Bevölkerung kennen zu lernen.
Die Idee an sich wird von Ethikexperten einhellig begrüßt. »Ethik funktioniert nun mal nicht im luftleeren Raum«, sagt Urban Wiesing, und auch die Vorsitzende des Nationalen Ethikrats kann sich gut vorstellen, auf empirische Befragungen zurückzugreifen. Wenn es jedoch um die Frage geht, inwieweit die Ansichten der Bevölkerung in die endgültigen Beschlüsse einfließen sollen, werden die Fachleute vorsichtig: Man müsse sich davor hüten, einzig die Volksmeinung zu wiederholen, sagt Wiesing. Auch Kristiane Weber-Hassemer warnt vor allzu vereinfachten Vorstellungen einer Bürgerbeteiligung: »Es mag durchaus vorkommen, dass eine Mehrheit von Menschen zu bestimmten Themen Ansichten vertritt, die ein ethisch beratendes Gremium nicht akzeptieren kann.« Wenn sich etwa die Mehrheit der Bevölkerung dafür ausspräche, die Todesstrafe wieder einzuführen, wäre dies trotz Mehrheitenvotums keine moralische Option.
»Ein wirklich umfassender gesellschaftlicher Diskurs in der Bioethik ist nun mal leider eine Utopie«, sagt Weber-Hassemer. Dennoch müsse man als Ethikrat wissen, was in der Bevölkerung gedacht werde – schon als Grundlage für die eigene, kritische Reflexion.
Für genau diese Aufgabe wäre der künftige Deutsche Ethikrat geradezu prädestiniert. Schon heute bemüht sich der Nationale Ethikrat auf seinen öffentlichen Jahrestagungen und Abendveranstaltungen, auch den Ansichten des Publikums Gehör zu schenken. Die Ratsmitglieder wissen jedoch selbst, dass die Stimmungsbilder, die sie dort kennen lernen, nicht das wirkliche Meinungsspektrum innerhalb der Bevölkerung widerspiegeln. Denn auf den Weg in die Veranstaltungen des Ethikrats macht sich meist nur, wer sich ohnehin für ethische Themen interessiert. Mit der Einführung empirischer Umfragen jedoch könnte eine solche Schieflage begradigt werden. Mit ihrer Hilfe wären die Experten des zukünftigen Deutschen Ethikrats in der Lage, sowohl über ihre fachlichen Argumente als auch über das Meinungsbild der Deutschen zu beraten. Eventuell könnte der Rat sogar so genannte Bürgerforen veranstalten, die in den vergangenen Jahren verschiedentlich erprobt wurden und sich als gutes Instrument gezeigt haben, den Willen der Bürger zu erkunden.
Deren Ergebnisse könnte der Ethikrat, zusammen mit seiner eigenen Empfehlung, dann gebündelt der Politik zukommen lassen. Das Parlament würde somit umfassend informiert. Und die Diskussion der Abgeordneten um mögliche weitere Ethikgremien hätte endlich ein Ende.
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Die wechselnde Konjunktur der Ethikräte
(ZEIT 19/2001) »
- Datum 27.10.2006 - 06:26 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.10.2006 Nr. 44
- Kommentare 16
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Die gern herangezogene Frage wie die Bevölkerung entscheidet bei der Todesstrafe ist kaum geeignet die Ethik der Menschen, und der Bürger zu bewerten. Die Antworten resultieren aus den Vorbildern die der Bevölkerung vorgeführt werden, und natürlich wird sie bei einer aggressiven Politik genauso aggressiv sein.
Wenn Politiker Menschenrechte mißachten, oder Menschen unterstützen die das tun, so wird die "Masse" sicherlich unreflektiert das weitergeben.
Geht man allerdings vom Wege der "Vorbilder in der Politik" ein wenig zur Seite, dort wo noch nicht "Ethik" von Politikern besetzt ist, so findet man schnell sehr ausgewogene, aber auch differenzierte Meinungen dazu - weil Ethik durchaus in jedem Menschen steckt, aber auch die Angst eben den "Vorbildern" zu missfallen.
Die Befragung der Bürger ist damit ein zweischneidiges Schwert. Führt man sie über von Politikern besetzte Positionen aus, so wird man fast immer die Position der Politiker finden, ist es ferne von diesen Problemen, so findet man die eigentliche Einstellung der Menschen.
Und das gerade die Position von Politikern weniger von "Ethik", sondern mehr von wirtschaftlichen Interessen bestimmt wird, sollte uns da zu denken geben, und vielleicht auch der "Ethik-Rat" als solches.
Was ist das letztlich für eine "Ethik" die von sog. Fachleuten präsentiert wird? Ein wenig doch das obrigkeitsstaatliche Bild der autoritären Kirchen und sonstigen Machthabern, sogar wenn die "Fachleute" das selber schon lange nicht mehr sehen folgen sie doch ihren Selbsterfüllenden Konzepten!
Gerade die Manipulierten Klon Experimente um "Hwang Woo-suk" zeigen doch, das "Experten" hier hemmungslos gefälligkeitsgutachten ausstellen, offensichtlichen Betrug akzeptieren, nur um ihre eigenen Pfründe nicht zu gefährden.
Man kann daraus eigentlich nur ableiten das "Experten" ziemlich ungeeignet sind um "Ethische" Regeln zu erarbeiten, man sollte da eher die "Nicht Experten" fragen. Sprich beim Klonen den Bäcker, bei Atomforschung den Schreiner. Weil nur diese den nötigen Abstand zu den befragten Themen haben, und wirklich aus der Position der "Ethik" heraus, und nicht aus wirtschaftlichen oder Machtverhältnissen heraus ihre Empfehlungen geben.
Und ob Politik ein Recht auf "Ethik" und ihre Einforderung haben ist zumindest sehr zweifelhaft. Nichts an ihrer Ausbildung oder ihrem Handeln gibt auch nur einen Anhaltspunkt dafür das sie "besser" geeignet sind solche Entscheidungen zu treffen, eher zeigt die aktuelle Politik weltweit das "Ethik" dort immer hinter politischer Motivation oder Wirtschaftlichen Interessen zurücksteht.
Was eigentlich gemacht werden müßte, nämlich die "Vorbildfunktion der Politiker" zurückzudrängen, und zweitens die Kompetenz der Fachleute auf die "Bürger" die eben nicht involviert sind zu übertragen scheitern natürlich sofort daran, was auch die Autorin schreibt - dem möglichen Machtverlust den Politik und "Experten" dort erleiden würden.
So wird wohl Meinung und Macht einzelner und nicht die Ethik weiterhin das geschehen prägen - egal wer das letztlich umsetzt, welche Gremium oder welcher Politiker dafür eintritt.
Ethik ist vielleicht ein feines Gespinst, was nicht "allgemein" weder Politisch noch über Experten zu klären sein wird, was von Ort zu Ort unterschiedlich ist - und auch letztlich bleiben wird. Dafür gibt es weder legitime Experten, noch legitime Politiker, es bleibt immer die Entscheidung einer kleinen Gruppe von betroffenen, für jeden einzelnen Fall, und in jedem einzelnen Fall.
In vielen Punkten denken wir wohl tatsaechlich sehr aehnlich. Es gibt nur ein paar Details, in denen unsere Ansichten auseinandergehen.
Eins ist die Frage, ob Ethik ein "gesellschaftlicher Konsens" ist. Ich sage dazu: Nein, Ethik ist nicht *selbst* ein Konsens, aber sehr wohl von einem Konsens stark beeinflusst. Ethik ist aber auch (unter anderem), wie weit man den Konsens uebernimmt oder aus anderen Erwaegungen ablehnt.
Dann fassen Sie den Artikel wie folgt zusammen:
"Soll/kann es einen Ethikrat aus Experten geben, der für "Andere" die Ethik festlegt, und der eine "Qualifizierung" für Ethik hat?"
Darum geht es aber gar nicht - weil alle seine Teilnehmer sehr genau wissen, dass das ein Unding waere. Wenn Sie nochmal genauer in den Artikel hineinlesen, koennen Sie dort aber auch finden, dass das niemals versucht wurde noch versucht wird. Da steht etwas von "dicken Stellungnahmen" und "Voten"; auf der zweiten Seite findet sich folgender Abschnitt:
"Und diese, das haben die vergangenen fünf Jahre bewiesen, fielen nicht nur fachlich differenziert, sondern durchweg auch moralisch ausgewogen aus. Häufig enthielten die Berichte des Ethikrats gespaltene Voten, die den Dissens der Experten etwa zu Fragen des Klonens oder der Selbstbestimmung am Lebensende widerspiegelten. »Solche Differenzen sind bei ethischen Debatten einfach nicht zu vermeiden«, sagt Urban Wiesing. »Auf diese Weise repräsentiert der Rat die Pluralität unserer Gesellschaft.«"
Der Ethikerat arbeitet, indem er sich alle Seiten anhoert und versucht zu sortieren, zu gliedern, zusammenzufassen und abzuwaegen. Ich habe selbst einmal an einem Treffen mit Mitgliedern der "Enquete-Kommission Ethik und Recht der modernen Medizin" teilgenommen und dort einen, wenn auch nur kurzen, Einblick in diese Arbeit bekommen, und auch in die ungeheure Komplexitaet der Dinge, um die es da geht.
Kommision resp. Rat befassen sich ueber ganz lange Phasen (auch mal Jahre!!) damit, alle Meinungen zu hoeren, zu sammeln und zu ueberdenken. Damit geschieht genau das eben nicht, was Sie befuerchten, dass "diese Experten "NUR IHRE" aber nie die Sicht aller haben können.", wie Sie schreiben. Doch, genau das: Der erste und ein sehr langwieriger Teil der Rats- oder Kommissionsarbeit besteht darin, moeglichst die Sicht aller zu erfahren und zu buendeln und zu sehen, wo sie uebereinstimmt und wo sie auseinandergeht.
Die Expertise liegt dann darin, diese Sammlung so aufzubereiten, dass sie durchschaubar wird und man auf ihrer Basis versuchen kann, Entscheidungen zu treffen. Basis dieser Entscheidungen ist aber, um das nochmal zu betonen, die Sammlung von Meinungen, die Sicht ALLER!
Und *genau deshalb* steht am Ende dieser Arbeit so gut wie NIE ein "Folgende Entscheidung ist ethisch". *Dass* die Voten so viel Papier verschlingen, liegt genau daran, dass die Experten in der Kommission genau wissen, dass ein solches Votum faktisch immer falsch ist. Was am Ende zu Papier gebracht wird, sind genau diese zahllosen Sichtweisen, die insgesamt die Sicht ALLER ausmachen, und die Folgerungen, die jeweils daraus zu ziehen sind.
Wenn Sie allerdings schreiben: "Und natürlich ist die "Verbesserung" des Menschen doch etwas gutes ... kein "Experte" schreit da nein, das ist Ethisch nicht zu verantworten, sondern sie diskutieren alle über das "bißchen" verstoßen, das es ja alles nicht so schlimm ist und ja "Nur" dem Menschen dient!", dann moechte ich darauf hinweisen, dass dies den mir bekannten Fakten einfach widerspricht. Im Rahmen meiner vorigen Arbeitsstelle bin ich mit Medizinern, die Schwangerschaftsberatung machen, in Kontakt gewesen. Diese haben *alle* einen sehr kritischen Blick bezueglicher ihrer eigenen Moeglichkeiten und deren Anwendung gehabt; schon wo es nur um praenatale Diagnostik ging, war fuer sie wohl *immer* die erste Frage: "Muss das sein, oder geht es nicht auch ohne?" Sie unterstellen dauerhaft, Experten wollten immer alle das Machbare am liebsten auch tun. Ich fuerchte, Silverhair, Sie befinden sich da einfach im Unrecht. Es ist nicht so, dass alle Wissenschaftler im Machbaren das hoechte aller Ziele sehen - davon haben sie die Erfahrungen des letzten Jahrhunderts gruendliche geheilt! Oft sind es zuallererst die Kollegen oder sogar die Forscher selbst, die auf Gefahren aufmerksam machen und die die Frage nach der Ethik neuer Moeglichkeiten aufwerfen!
Und *genau das* findet sich, wenn man in die Berichte mal hineinliest, dort genau auch wieder.
Sie muessen keine Angst haben, dass ein Ethikrat oder eine Ethikkommission Ihnen eine Ethik diktiert - das wird nicht mehr der Fall sein als das Diktieren der Ethik durch Medien und gesellschaftliches Umfeld derzeit. Eher weniger, weil Rat oder Kommission eben keine Einzelmeinungen darstellen (wie Interviews, Zeitungsartikel und dergleichen), sondern soweit als moeglich berits jetzt auf der Sicht ALLER aufbaut - oder das wenistens versucht.
>> Das alles sind Fragen die muß man eben beantworten
>> können, auch ohne Wissen wie etwas genau funktioniert,
>> oder ob es ein kleines mittleres oder grosses Risiko
>> darstellt!
Aber wenn ich nicht weiss, wie etwas funktioniert - woher soll ich wissen, was daraus fuer das Weltbild folgt? Wenn ich nicht weiss, was es mit Gammastrahlung und Zerfallsdauern auf sich hat, wie sol ich sagen, ob meine Kinder durch ein Brennstabendlager beeinflusst werden?
Darauf genau hat meine Frage nach der Gesichtstransplantation gezielt. Sie schreiben:
>> Aus deinem zweiten Beispiel, der Gesichtstransplantation
>> - nun, ich muß nicht wissen ob das machbar ist,
>> ich muß keine Chemischen oder biologischen Kenntnisse
>> dafür haben um diese Frage zu entscheiden, sondern ich
>> muß persönlich abwägen ob ich das "möchte" für mich -
>> oder für andere.
Und *woher* soll ich das wissen? Soll ich es einfach mal ausprobieren?
Gesichtstransplantationen sind extrem heikel - nicht wegen der medizinischen Seite, die ist im normalen Rahmen beherrschbar. Es ist das Problem, dass der Patient ploetzlich nicht mehr sein eigenes, sondern ein fremdes Gesicht an sich selbst sieht - und das er in einen Personelichkeitskonflikt gestuerzt wird, weil "Gesicht zeigen" nicht ganz zufaellig zur Methapher fuer "zeigen, was man wirklich denkt" steht. "Wenn mein Gesicht nicht mehr meins ist, bin ich dann noch ich?" - das ist im Fall von Gesichtstransplantationen ploetzlich ueberhaupt keine abstrakte Frage mehr.
Alle die negativen Folgen eines auffaellig entstellten Gesichts sind offenkundig - man wird angestarrt oder Gespraechspartner vermeiden verzweifelt den Blick ins eigene Gesicht. Leicht zu entscheiden, dass man das niemandem wuenscht (sofern man ueber ein Minimum an Mitgefuehl verfuegt). Leicht, zu sagen: "Soll man doch transplantieren, weil die Patienten danach viel weniger Probleme im Umgang mit anderen haben." Ich musste selbst auch erst lernen - d.h. mir Fachwissen aneignen -, bevor ich begriffen habe, dass diesen Leuten mit einer Transplantation nicht unbedingt geholfen ist.
Aber das ist, wie Sie korrekt einwenden, nichts anderes als eine Risikoabschaetzung. Die Ethik der Entscheidung haengt nun daran, ob *der Patient* "findet", dass der gesellschaftliche Bonus den Selbstzweifel aufwiegt oder ob die prinzipielle Selbstgewissheit den gesellschaftlichen Malus. Es ihn ausprobieren zu lassen, ist naheliegenderweise keine besonders pfiffige Loesung...
>> Als Schäuble unbedingt "Flugzeuge" abschießen wollte, um
>> möglicherweise Personen in Gebäuden zu schützen hat das
>> BVerfG eine "Ethische" Grundentscheidung des GG
>> beschlossen, auch ohne zu wissen ob das "Machbar" ist.
Hm? *Was* war daran in bezug auf die Machbarkeit unbekannt? Es ist bekannt, dass man Flugzeuge fliegen lassen kann (es geschieht offenbar staendig), und es ist bekannt, dass man Flugzeuge abschiessen kann (das passiert gluecklicherweise deutlich seltener, aber mE immer noch zu haeufig). Das Gericht konnte also auf der Basis von Bekanntem urteilen.
Genauso ist es mit dem Beispiel "Folter": Jeder Mensch, der zuweilen die Zeit und vergleichbare Lektuere liest, weiss, dass Folter verheerende Folgen hat. D.h. hier liegt ausreichend "Fachwissen" vor, um zu entscheiden; nicht etwa eine "Abwesenheit von Wissen", *trotz derer* entschieden werden koennte. Denn wer nicht weiss, was Folter fuer den Gefolterten bedeutet, sieht ja nur die Haelfte des Bildes.
>> Wer Experte ist, der entscheidet leicht für die
>> Machbarkeit, ... aber genau deshalb
>> ist er blind für die wirkliche "Ethische Frage"...
Ich denke, da pauschalisieren Sie ein wenig zu stark. Wenn alle Experten so denken wuerden, haetten wir alles Umsetzbare naemlich schon, weil dann die Nicht-Experten ja gar nicht mitkriegen wuerden, was die Experten unter sich so verhandeln. Dass wir ueberhaupt ueber solche Fragen, in denen wir beide Nicht-Experten sind, reden, liegt ja daran, dass die Experten eben ganz unterschiedlicher Meinung sind. Wo alle Experten sich einig sind, gibt es keine Diskussion, weder unter ihnen noch unter den "Laien".
>> Aber, Ethik ist nicht etwas was man reklamieren kann
>> durch "Studium" oder "Wissen",
>> es ist eine höchst persönliche Menschliche Einstellung!
Das ist schon in der Philosophie eine Position, zu der man sehr verschiedener Meinung sein kann. Soweit ich weiss, hat Aristoteles (bitte um Entschuldigung, kann gerade nicht nachschlagen) gesagt, Erziehung solle dazu dienen, "das Liebenswerte lieben und das Hassenswerte hassen zu lernen", d.h. angemessene ethische Entscheidungen zu treffen.
Lieben und hassen kann ich aus dem Bauch heraus. Aber wenn ich es liebe, zu luegen, und hasse, belogen zu werden - wie ist es dann um meine Ethik bestellt? Mein "Gefuehl" sagt mir, es ist alles in bester Ordnung, also...?
>> Ethik und Moral sind nicht etwas was man studieren kann,
>> es sind Eigenschaften die "andere" Menschen einer
>> einzelnen Person zuordnen, und je mehr das machen - desto
>> "angesehener" ist sie.
Damit erklaeren Sie aber Anbiederung und Massengeschmack zu den hoechsten ethischen Richtlinien, oder? Es war ueberhaupt nicht angesehen im roemischen Reich, den Kaiser nicht als Gott anzubeten. Ich halte diejenigen, die sich (unter Inkaufnahme der Hinrichtung) geweigert haben, trotzdem fuer die ethisch hochstehenderen Leute. Dagegen war es ueberhaupt keine Frage, dass Sklavenhaltung voellig korrekt ist - es gab durchaus kluge Belehrungen darueber, dass und warum manche Menschen nur zum Sklaven taugten. Trotzdem halte ich aus meiner modernen Sichtweise heraus die Sklavenhaltung insgesamt und vollstaendig fuer ethisch inakzeptabel.
So bitter das fuer Sie klingen mag: Wir heute sind nah an Mahatma Ghandi und M.L. King, und wir halten sie fuer "moralisch hochstehend". Vor 1000 Jahren waeren sie vielleicht anders beurteilt worden, und in 1000 Jahren wird man sie vielleicht anders beurteilen. (Obwohl ich das nicht annehme.)
Ich denke, es gibt eine ueberzeitliche Ethik, die man sehr wohl studieren und lernen kann. Nur ist das ein sehr schwieriges Themengebiet, weshalb es Teil der Gesellschaftsordnung ist, eine "Grundethik" zu definieren, anhand derer man sich dann leichter orientieren kann. Diese Grundethik kann man beeinflussen, wie einzelne Personen und Gruppen immer wieder erfolgreich zeigen. Beispielsweise haben wir im letzten Jahrhundert das Wort "Umweltschutz" in den Katalog ethischer Verhaltensweisen aufgenommen. Davor war das einfach kein rechtes Thema. Aber dass wir die Umwelt fuer schuetzenswert halten, verdienen wir letzlich doch auch wieder einer Risikoabschaetzung, die beispielsweise der "Club of Rome" vorgenommen hat. Es waren (und sind) die Schreckenszenarios, die uns bewegt haben, darueber nachzuenken, ob wir so weiterlebn wollen wie bisher. Es waren die Berechnungen und Abschaetzungen zum Ozonloch, die ein "Bauchgefuehl" ausgeloest haben, das dann wiederum dazu beigetragen hat, bestimmte Entscheidungen zu faellen. Was haetten Sie ohne "die Experten" wohl vom Ozonloch erfahren? Oder vom sauren Regen und dessen Folgen fuer den Wald? Oder von der Temperaturerhoehung, die derzeit statfindet? Wenn wir "Energiesparen" derzeit fuer ein "angemessenes", d.h. ethisches Verhalten erklaeren, dann doch, weil wir Experten haben, die uns sagen, was pasiert, wenn wir es nicht tun - und wir diese Folgen nicht in Kauf nehmen wollen, weil wir das fuer "ethisch untragbar" halten.
Ethik setzt - schon von ihren Grundlagen her - immer sachbezogenes Wissen voraus.
Manches von diesem Wissen kann man als Allgemeingut betrachten, anderes nicht. Aber wer das notwendige Wissen nicht hat, dem kann man bestenfalls "ehrlichen Irrtum" unterstellen, keinesfalls, dass er "ethisch recht entschieden" haette.
da hat wohl was nicht funktioniert...
"Verzeihung, wenn ich sie korrigiere, aber das stimmt nicht! das mag für Moral stimmen, aber nicht für Ethik. Ethik ist laut Lexikon die Wissenschaft des Sittlichen. Und die Inhalte eine Wissenschaft kann man sehr wohl durch ein Studium lernen. "
Meinen Sie nicht, das sie da der Wissenschaft etwas zuviel zuordnen? Wissenschaft ist hauptsächlich eine Technologie wie ich mit Dingen die ich Untersuchen möchte umgehen. Klassifizieren, Analisieren, Auflisten, Modelle bauen und wiederlegen!
Nur, alles dieses Studieren hilft ihnen nicht den "Inhalt" dahinter zu lernen. Kein Studium der Literaturwissenschaft macht sie zu einem guten Schriftsteller, kein Studium der Theaterwissenschaft zu einem guten Schauspieler oder Regisseur.
Gerade bei den Geisteswissenschaften fehlt etwas wie "prüfbarkeit" und das führt dazu das sie zwar die Technik wie man Literatur analysiert lernen können, aber von Literatur oder Ethik trotz allem nicht das geringste Gefühl, geschweige den ein inneres Verständnis von Ethik haben!
Die Mehrheit der "Listeraturwissenschaftler" landet eben in Zeitungsredaktionen oder Werbeabteilungen, und werden keine Bestzellerautoren, trotz "Wissenschaft" dahinter!
Und Ethik/Moral, das hat so viele Aspekte das einfach die "Technologie" wer hat was wann weshalb gesagt - nicht ausreicht, um dort irgendein verläßliches Urteil bilden zu können!
Geisteswissenschaften haben überdies den Nachteil das ihre "Ergebnisse" eben nicht wie in den Naturwissenschaften zumindest eine Rudimäre Prüfung zulassen, sie können jeglichen Unsinn verbreiten - und es fällt 100 Jahre lang vielleicht überhaupt nicht auf wie schwachsinnig diese "Ethik" Moral etc. war.
Wissenschaft kann hier hilfreich sein, für jemand der begabt ist, aber sicherstellen das Studium von Ethik auch nur die geringsten Moralischen Werte bei der Person implementiert tut es das nicht!
Denken sie an die Ärtze die Leichen ausgruben um etwas über das Skellett zu lernen, über Menschen wie Mengele mit ihren absolut verqueren Moralischen Handlungen bis hin zu sogar noch heute vorherschenden "Rassen-Medizinischen" Ärtzen nach. Das sind alles Experten gewesen, aber ihre Wissenschaft hinderte sie nirgendwo darin irgendwo Ethish verwerflich zu handeln!
Auch die Nazis, das Apartheidsregime in Südafrika oder die Aktuelle Rassenmedizin in Amerika berufen sich auf "Experten" und Wissenschaftler, die Atombombe wurde genauso von Wissenschaftlern entwicklelt, und der Irakkrieg ist auch von Experten und Wissenschaftlern mit dem schein-hehren Ziel die Demokratie zu stärken entstanden!
Haben all diese "Experten" wirklich Ethik betrieben, oder waren es nicht doch einfache billig egoistische Interessen, und warum sollte das in D. anders sein?
Schauen sie auf den Folterskandal in Frankfurt, auf den Fall Bachmeier, auf den Wunsch von Schäuble Flugzeuge abzuschießen mit Terroristen an Bord und die klare Absage des BVerfG zu diesem Handeln, trotz der "Ethik" Menschenleben schützen zu wollen?
Die Wissenschaft hilft da nur das zu katalogisieren, die Geschichte aufzuschreiben, aber sie hilft in keinster Art und Weise "wirklich" richtige Schlüsse da für die Zukunft zu entwickeln, es ist und bleibt immer nur die Meinung von einzelpersonen - solange bis ein paar hundert Jahre verflossen sind und die "Richtigkeit" einer Ethik gestärkt, oder verworfen haben!
Die Ethik der Niederländer sagt es ist erlaubt Menschen mit schweren Krankheiten die Möglichkeit zu geben sich selber umzubringen, die der Deutschen lehnt das ab. Aber die "Experten" haben weltweit das gleiche Studiert, tauschen sich alle paar Tage/Wochen aus - untersuchen Wissenschaftlich das alles bis ins kleinste Detail - nur kommen zu vollkommen verschiedenen Ergebnissen!
Dummerweise hilf eben bei einigen Dingen Wissenschaft nicht wirklich weiter, bei vielen Geisteswissenschaften ist sie zwar nützlich zum katalogisieren und nachlesen, aber richtige Werte kann sie nicht wirklich vermitteln - keiner wird Bestzellerautor durch literaturwissenschaft, und keiner hat "Ethik" gepachtet durch Ethik/Moralwissenschaft!
Mfg
Silverhair
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"I've resigned, I will not be pushed, filed stamped, indexed, briefed, de-briefed or numbered! I'am not a number, I am a free man!" (The Prisoners/Nr. 6)
Bildung ist ganz sicher ein wichtiges Element, wenn es um Ethik geht, was nicht ausschließt, dass das Bauchgefühl auch eine Rolle spielt. Vermutlich gibt es sowas wie vererbtes Wissen und sicher ist die erlernte Moral, aber wir leben in so einer hochtechnisierten, komplexen Welt, die in sehr vielen Bereichen nicht ohne Fachwissen die simpelsten Entscheidungen treffen läßt. Zum Beispiel ist es möglich, dass mein Bauchgefühl nichts von Genmanipulation z.B. beim Mais hält. Wenn ich mich aber lange auseinander setze mit pro und contra, wenn ich z.B. an Chemikalien und deren Auswirkungen denke, die aber nicht so sehr im Kreuzfeuer stehen wie Genmanipulation, dann kann es sein, dass mein Kopf zu einer anderen Entscheidung kommt als der Bauch. Je mehr man manchmal von einer Sache weiß, umso schwieriger wird die Entscheidung, weil es nicht so sehr um Schwarz oder Weiß, sondern um das kleinere von zwei Übeln geht.
Auf der einen Seite dürfen weder Wissenschaftler noch Politiker alleine entscheiden, was moralisch vertretbare Forschung ist. Die breite Öffentlichkeit, als der Normalbürger, muss an diesen Entscheidungen unbedingt beteiligt werden. Auf der anderen Seite ist diese Forderung auch mit hohen Risiken verbunden. Politische und wirtschaftliche Interessengruppen können die öffentliche Meinung beeinflussen und z. B. durch teure Werbekampagnen Stimmung für oder gegen eine bestimmte Forschungsrichtung machen. Der breiten Öffentlichkeit fehlt der wissenschaftliche Sachverstand, um die Folgen komplizierter Forschung einschätzen zu können. Sie wird damit anfällig für solche Meinungskampagnen. Die Medaille hat also, wie so oft, zwei Seiten.
Auf der einen Seite dürfen weder Wissenschaftler noch Politiker alleine entscheiden, was moralisch vertretbare Forschung ist. Die breite Öffentlichkeit, als der Normalbürger, muss an diesen Entscheidungen unbedingt beteiligt werden. Auf der anderen Seite ist diese Forderung auch mit hohen Risiken verbunden. Politische und wirtschaftliche Interessengruppen können die öffentliche Meinung beeinflussen und z. B. durch teure Werbekampagnen Stimmung für oder gegen eine bestimmte Forschungsrichtung machen. Der breiten Öffentlichkeit fehlt der wissenschaftliche Sachverstand, um die Folgen komplizierter Forschung einschätzen zu können. Sie wird damit anfällig für solche Meinungskampagnen. Die Medaille hat also, wie so oft, zwei Seiten.
(Numen)"Aber auf Basis welchen Wissens sollen die entscheiden? Kann der Schreiner beurteilen, ob ein Risiko noch vertretbar ist, wenn er keine Ahnung hat, worum es ueberhaupt geht? Was weiss der Baecker vom Klonen, ausser das er die Hefe, die dabei eingesetzt wird, selbst taeglich verwendet? Die Hefe tut ihm nichts Boeses, im Gegenteil - trifft das damit automatisch auf Klonen auch zu?"
Ich glaube du verwechselst "Risikoabwägung" mit Ethik.
Beide sind sich ähnlich, aber Ethik fragt nicht nach dem Risiko, sondern es fragt danach "ob man etwas prinziell machen möchte, ob man mit dem daraus sich ergebenden Weltbild einverstanden ist"
Und diese Frage muß "jeder" für sich selber beantworten können, auch ohne Fachwissen zu haben!
Ist es "Ethisch" jemand zu foltern, auch wenn man damit ein Leben rettet? Ist es Ethisch Menschen umzubringen - weil da jemand Krieg schreit, oder ist es Ethisch Ungeborenes Leben "abzutreiben", Kernkraftwerke zu bauen wo man möglicherweise Millionen durch einen Unfall umbringen kann?
Das alles sind Fragen die muß man eben beantworten können, auch ohne Wissen wie etwas genau funktioniert, oder ob es ein kleines mittleres oder grosses Risiko darstellt!
Sogar wenn eine Technologie perfekt beherrscht würde, wäre sie nicht zwingend dann Ethisch erlaubt, und um diese Entscheidung zu treffen, benötige ich und kein anderer irgendein Expertenwissen, sondern etwas was mehr mit Gefühl und der Achtung vor den anderen Menschen einhergeht.
Experten "wägen" meistens Risiken ab, und was "machbar" ist wird auch gemacht - sie sind da schlechte Ratgeber eben.
Als Schäuble unbedingt "Flugzeuge" abschießen wollte, um möglicherweise Personen in Gebäuden zu schützen hat das BVerfG eine "Ethische" Grundentscheidung des GG beschlossen, auch ohne zu wissen ob das "Machbar" ist.
Aus deinem zweiten Beispiel, der Gesichtstransplantation - nun, ich muß nicht wissen ob das machbar ist, ich muß keine Chemischen oder biologischen Kenntnisse dafür haben um diese Frage zu entscheiden, sondern ich muß persönlich abwägen ob ich das "möchte" für mich - oder für andere.
Wer Experte ist, der entscheidet leicht für die Machbarkeit, egal ob Transplantationen oder Klonen, ist ja letztlich einfach, und für den Fachmann nur ein bissle Technischer Aufwand, aber genau deshalb ist er blind für die wirkliche "Ethische Frage", wollen wir "Künstliche" Menschenbilder, künstliche - geplante Menschen, wollen wir Atombomben und was immer wir uns ausdenken können? Oder wollen wir uns selber Grenzen setzen, die unabhängig von der "Machbarkeit" und dem "Risiko" sind?
Es mag faszinierend sein durch Gentechnologie bestimmte Krankheiten ausrotten zu können, vielleicht könnte man damit auch MS für alle Zeiten beseitigen, nur ... dann würde Stuard Hawkins und vielleicht viele viele andere grosse Geister nie geboren werden, weil scheinbar die "Unzulänglichkeit" des Menschen ihn zu Höchstleistungen auch antreibt. Soetwas ist keine Frage der "Machbarkeit" oder des Risikos - es ist eine Frage die auf ganz anderer Ebene entschieden werden muß - und da ist der Bäcker eben dem Experten überlegen - er schaut nicht auf diese "Machbarkeit oder das Risiko" er schaut darauf ob er das mit seiner eigenen Menschlichkeit vereinbaren kann.
Mfg
Silverhair
Aber, Ethik ist nicht etwas was man reklamieren kann durch "Studium" oder "Wissen", es ist eine höchst persönliche Menschliche Einstellung!
Verzeihung, wenn ich sie korrigiere, aber das stimmt nicht! das mag für Moral stimmen, aber nicht für Ethik. Ethik ist laut Lexikon die Wissenschaft des Sittlichen. Und die Inhalte eine Wissenschaft kann man sehr wohl durch ein Studium lernen.
Wie man den Umgang mit Lebensmitteln als Koch lernen kann um ein gutes Essen zu machen, den Umgang mit Kindern als Kindergärtner lernt, um sie in ihrer Entwicklung zu begleiten, so setzt sich der Ethiker viel und vielschichtig mit moralischen Fragen auseinander um möglichst überzeugenden Antworten auf sie zu finden.
Jemand der am liebsten bei MC D isst und jedes Essen versaut, würde kein Koch werden, jemand der Kinder nicht mag und keinen Draht zu ihnen hat nicht Kindergärtner und jemand dem Moral Schnuppe ist und der sich immer wie ein Arsch verhält nicht Ethiker.
Deshalb ist es keine Scheinbegründung, dass man in ethischen Fragen Menschen zu rate zieht, die sich damit auskennen, ebenso, wie man einen Kindergärtner oder Pädagogen fragen würde, wenn man Fragen über die erziehung von Kindern hat.
>>Mahatma Ghandi war sicherlich Ethisch und moralisch Hochstehend - obwohl er das nicht studiert hatte, aber hat er irgendwo gesagt - man "müsse" seiner Ethik folgen?>Aber seltsamerweise finden sich in "Ethikräten" immer wieder Menschen die sich selber anmaßen das alles "besser zu wissen" das studiert zu haben - und doch haben sie fast immer nur ihre Persönlichen Interessen im Auge! >Der "Experte" der morgens dem Parlament berichte es wäre Ethisch vertretbar Genexperimente durchzuführen, und der nachmittags dafür plädiert das die dt. Wissenschaft hintenansteht weil sie keine Forschung betreiben würde, der ist wohl kaum "qualifiziert" für Ethik - er ist eben voreingenommen!>weil sie diese Entscheidung ja gegen sich selber fällen müßten, und das macht keiner!>Und es ist auch keine Frage ob Deutschland (oder jedes andere Land) da wissenschaftlich im Nachteil ist oder nicht - alles das ist vollkommen unwichtig wenn ich Moral und Ethik werten will!
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