Privat-Spende Vom Röster zum Stifter
Jacobs spendet 200 Millionen für Bremens International University. Diese nennt sich ab sofort Jacobs University Bremen. Ein Investitions-Signal für die Zukunft?
Gerade hat sich der Rauch des Elitefeuerwerks verzogen, da zeigen sich im Licht des Alltags die Niederungen der deutschen Hochschullandschaft. Seit 1995 hat sich die Zahl der Professorenstellen an den deutschen Universitäten um fast 1500 verringert. Die Zahl der Studenten steigt hingegen. Bis 2010 müssen die Hochschulen 90000 Studienplätze schaffen, um den Ansturm zu meistern. Doch die Verhandlungen über einen Finanzpakt zwischen Bund und Ländern sind in der ersten Runde gescheitert.
Düstere Aussichten? Nicht überall. Am Stadtrand von Bremen wird gejubelt. Dort tritt der Physiker Joachim Treusch als neuer Präsident der International University Bremen an – und kann gleich eine frohe Botschaft verkünden: Der bislang defizitären Universität fließt eine private Investition von 200 Millionen Euro zu, einer der höchsten Einzelbeträge, die je ein Stifter in Europa einer Universität zukommen ließ. Hinter der edlen Gabe steht die ehemalige Bremer Kaffeerösterdynastie Jacobs. 15 Millionen Euro jährlich will die Jacobs-Stiftung in den kommenden fünf Jahren in den laufenden Betrieb investieren und damit der privaten Universität aus der finanziellen Krise helfen. Weitere 125 Millionen werden ins Stiftungskapital fließen, sollte sich die IUB weiterhin positiv entwickeln – zur Jacobs University Bremen.
Die Investition könnte zum Signal werden. Wird endlich auch den Reichen in Deutschland bewusst, dass ihnen das Wohl und Wehe deutscher Hochschulen nicht egal sein kann? Nehmen sich deutsche Manager (nicht nur was die Höhe ihrer Gehälter betrifft) endlich Amerika zum Vorbild? Der Amerikanische Traum von der Bildungselite war und ist schließlich ohne private Geldgeber nicht denkbar. Soeben hat die Stanford University angekündigt, in den kommenden fünf Jahren 4,3 Milliarden Dollar einwerben zu wollen.
Hierzulande gerät eine Hochschule schon in die Schlagzeilen, wenn sie – wie kürzlich die FH Würzburg – nach einer Spende in unbekannter Höhe ihr größtes Auditorium in »Hörsaal Aldi Süd« umbenennt. Noch sind das Einzelfälle, beinahe Kuriositäten. Doch der Grundgedanke, dass auch die Wirtschaft in unsere Hochschulen investiert, sollte in Zukunft zur Normalität werden.
Dass ausgerechnet aus dem armen Bremen das Signal zum Aufbruch kommt, ist kein Wunder: Wie kaum ein anderer Hochschulstandort steht Bremen für den Wandel. Die staatliche Uni hat sich von der roten Kaderschmiede zum einzigen norddeutschen Kandidaten für die Schlussrunde der Exzellenzinitiative gemausert. Und die private IUB hat den Standort mit 1000 Studenten aus 85 Staaten zusätzlich aufgewertet. Nun kann Bremen vorführen, dass man unter einem »Hochschulpakt« auch anderes verstehen kann als das peinliche Gezerre, das uns Bund und Länder derzeit vorführen. Andreas Sentker
Elite-Unis in Deutschland - wer profitiert und wer bezahlt?
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- Datum 01.11.2006 - 12:52 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 02.11.2006 Nr. 45
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