USA Oder doch Hillary for President?
Hillary Clinton lebt den Wahlkampf.
Wie man eine Geburtstagsparty wirksam inszeniert, versteht niemand besser als Hillary Clinton, neuerdings 59. Und so geht’s: Die 1100 engsten Freunde werden in einen hübschen Glaspavillon in New Yorks Central Park eingeladen, eine Geburtstagstorte steht bereit, und der Gatte sagt: »Vor ein paar Tagen habe ich Hillary gefragt: ›Was wünschst du dir, dass ich an deinem Geburtstag tue?‹ Ich dachte an alles Mögliche, sogar an halbwegs Intimes. Aber sie sagte: ›Ich möchte, dass du Wahlkampf für mich machst.‹ Also habe ich getan, was ich in diesen Tagen immer tue: Ich salutierte und sagte: ›Yes, Ma’m‹.«
Wahlkampf zum Geburtstag! So was fällt nur den Clintons ein! Der Kreis der Freunde brüllte vor Lachen. Da haben sich die 1000 Dollar schon gelohnt, die dieser Abend jeden Gast kostet. Macht übrigens gut eine Million für die Wahlkampfschatulle. Nicht dass Hillary noch Geld brauchte für die Wiederwahl in den Senat. Kommende Woche wird sie locker siegen, ihr Gegner liegt in den Umfragen 30 Prozentpunkte zurück.
Aber was in der Spendenkasse liegen bleibt, darf sie für den nächsten Wahlkampf verwenden. Und der könnte am Tag nach der Wiederwahl beginnen, dann um die Präsidentschaft 2008. Als der Senatskonkurrent ihr vorhielt, sie lasse sich übergangsweise als Senatorin wählen, konterte sie: Wen das störe, der solle es halt bei der Wahl berücksichtigen. Klarer lässt sich eine Kandidatur kaum ankündigen.
Seit sechs Jahren bereitet Hillary Clinton sich vor. Erst versuchte sie, die alten Löwen des Senats für sich einzunehmen. Sie gab sich zurückhaltend, gelehrig und moderat. Neuerdings hält sie alle paar Wochen eine programmatische Rede und baut so ihr Wahlprogramm. Die Organisation steht schon. Geld ist das geringste ihrer Probleme. Nur die politische Atmosphäre für den Sieg 2008 muss noch passen. Und das setzt voraus, dass allein George Bush zum Opfer des Irak-Krieges wird, nicht aber Clinton. Denn beide sind Kriegsbefürworter. Stimmen bringt das momentan nicht. Da kann der Gatte noch so freundlich salutieren und den 1100 engsten Freunden zurufen: »Hillary ist die fähigste Person, die ich im öffentlichen Leben je erlebt habe.«
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- Datum 03.11.2006 - 05:27 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 02.11.2006 Nr. 45
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