USA

Amerikaner sind wir alle

George W. Bush ist für Amerikas Freunde eine schwere Belastung. Kann sein Nachfolger die guten Seiten deutsch-amerikanischer Partnerschaft wiederbeleben?

Der Kriegseintritt der USA lag noch nicht einmal ein Jahr zurück, als Franklin D. Roosevelts Demokratische Partei 1942 eine herbe Wahlniederlage erlitt. Das Muster wiederholte sich bei fast allen seinen Nachfolgern – zumal im zweiten Jahr ihrer zweiten Präsidentschaft. Doch bei den Kongresswahlen am 7. November geht es nicht um den normalen Popularitätsverschleiß des Mannes im Weißen Haus. Auf der politischen Tagesordnung steht vielmehr das institutionelle Machtgefüge des Landes, das imperiale Selbstverständnis der Bush-Regierung, der lügenhaft begründete Irak-Krieg, der Einfluss fundamentalistischer Evangelikaler auf die Politik und – und das Selbstvertrauen des Landes in den demokratischen Prozess.

Der republikanisch beherrschte Kongress hat sich im Namen des »Kriegs gegen den Terrorismus« selbst entmachtet. Dem Präsidenten gestand er wenige Tage nach dem Al-Qaida-Anschlag vom 11. September 2001 das Recht auf militärische Interventionen nach eigenem Gutdünken in aller Welt zu. Tief gespalten ist heute die Nation mit inzwischen 300 Millionen Einwohnern angesichts der eigenen Kriegstoten, aber auch angesichts der immer weiter geöffneten Schere zwischen Reichen und Armen, der staatlichen Neuverschuldung in diesem Jahr von 250 Milliarden Dollar, von der astronomischen Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand ganz abgesehen.

Ein Thema wird die Wähler allerdings kaum interessieren: Auf dem Spiel steht auch die Zukunft des amerikanischen Ansehens in Europa – zumal in Deutschland. Sollte mit einem Sieg der oppositionellen Demokraten in beiden Häusern des Kongresses der Abstieg George W. Bushs eingeleitet werden, dürfte ein Seufzer der Erleichterung durch Europas Staatskanzleien wehen, von Polen und Großbritannien vielleicht abgesehen. Dramatisch verlief die Entfremdung seit dem Irak-Krieg zwischen Deutschland und Amerika.

Als zornige, aber nicht als rächende Sieger waren die US-Truppen 1945 einmarschiert. Es sollte weitere 40 Jahre dauern, bis Bundespräsident Richard von Weizsäcker die so genannte »Stunde Null« auf ihren wahren Begriff brachte: Es war die Befreiung aus einem mörderischen Wahn.

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges waren über 300000 Amerikaner auf deutschem Boden stationiert. Jetzt sind es nur noch 70000. Mindestens drei Millionen wehrpflichtige junge Amerikaner repräsentierten im Laufe der Jahre in ihrer Ausgehzeit den American Way of Life. Er entsprach dem Lebensgefühl ihrer gleichaltrigen deutschen Zeitgenossen. Vom Schüleraustausch bis zur Annahme amerikanischer Mode, Musik und Literatur – zumindest diese kulturelle Globalisierung verlief schmerzlos und vergnüglich.

Die Beschwörung einer westlichen »Werte-Gemeinschaft«, das Hohe Lied demokratisch verfasster Staaten, diente als Begütigung kleiner Bündniskonflikte. Es stimmte ja, die Gemeinsamkeiten, von der repräsentativen Demokratie bis zur religiösen Toleranz, vom Schutz bürgerlicher Freiheit bis zum Recht auf Eigentum – sie alle schienen sicher aufgehoben im atlantischen Erbe der Aufklärung. Dass es in Deutschland mit Hilfe der westlichen Alliierten erst 1945 in seine Rechte trat – das war der Kern unserer »Amerikanisierung«.

Doch der Mythos Amerika begann in Vietnam zu bröckeln. Gewiss, die imperialen außenpolitischen Schattenseiten der Großmacht – die CIA-gestützten Interventionen in Mittelamerika, der folgenschwere Sturz des gewählten Premiers Mossadegh in Teheran im Jahr 1953, Washingtons herzensgute Beziehungen zu tyrannischen Regimes überall dort, wo Öl floss – all das zählte zum Gesamtbild Amerikas. Aber es spielte für die politischen Klassen Westeuropas so lange keine Rolle, so lange die Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen der Alten Welt mit denen der Vereinigten Staaten identisch blieben.

Nur eines fehlte im religionsmüden Europa: die Heilsbewegung amerikanischer christlicher Fundamentalisten, für die zwar Abtreibungen des Teufels sind, nicht aber die Todesstrafe. George W. Bush hat über einhundert Hinrichtungen zu verantworten; als christlicher Gouverneur von Texas kannte er keine Gnade.

Auch hätte sich niemand vor fünf Jahren vorstellen können, schon bald einen Bündnis-Diskurs über die prinzipielle Berechtigung von Folter führen zu müssen. Ein amerikanischer Vizepräsident, der (wie zuvor schon der Verteidigungsminister) die Anwendung von Foltermethoden im »Kampf« gegen Terrorismus-Verdächtige ohne Wenn und Aber verteidigt – der scheint aus dem Bestiarium des Antiamerikanismus zu stammen. Dick Cheney und sein Präsident haben es fast eigenhändig geschafft, einen ganz besonderen kulturellen clash of civilizations zu inszenieren, den zwischen ihrer Regierung und der Mehrheit der Europäer. Die absehbaren Verluste der Republikaner bei diesen Kongress-Wahlen könnten in Berlin als Zwischensumme der US-Außenpolitik interpretiert werden - oder als Erinnerungsposten an den wahren Zustand europäisch-amerikanischer, zivilisatorischer Gemeinsamkeit.

Eines steht jetzt schon fest: Hinterlassen wird die Bush-Regierung eine desavouierte Nato. Sie droht herabzusinken zum beliebigen Instrument unilateraler Machtprojektion. Die Bundesrepublik ist auf die Rolle eines US-Standorts reduziert worden. Gestützt auf rüstungstechnische Überlegenheit, haben Rumsfelds Strategen einen »Transformations«-Plan entwickelt, der Amerikas Soldaten an die Türschwellen Russlands geführt hat. Deutschland beherbergt in Stuttgart die US-Kommandozentrale für mögliche Militäreinsätze in 93 Staaten – vom Baltikum bis Afrika.

Nicht nur Gerhard Schröders »Nein« zum Irak-Krieg, sondern vor allem die Weltwirtschaft mitsamt ihren unkontrollierten Finanzströmen, ihren ökologischen und energiepolitischen Konsequenzen wird das künftige Verhältnis Deutschlands zu den Vereinigten Staaten definieren. Die Globalisierung verführt zu nationalen Egoismen, und das größere Ego sitzt in Washington. Die Bundesrepublik, so wird sich auch während der nächsten Präsidentschaft herausstellen, ist für Washington keineswegs eine »Mittelmacht«, sondern ein hübscher Mosaikstein amerikanischer Außenpolitik – solange dieser kein echter gesamteuropäischer Partner gegenübersteht. Es wird darauf ankommen, wie Washington mit dem Mosaikstein spielen will: Außenpolitik ist immer noch eine Stilfrage. Sie wurde in der Vergangenheit beherrscht von Könnern wie Kennan und Kissinger – bis hin zu James Baker, dessen Verdienste um die Wiedervereinigung so bedeutend sind wie die von Vater Bush.

Der unrühmliche, langsame Abschied des Sohnes von der Weltbühne dürfte am kommenden Wahltag Amerikas beginnen. Sein Führungsstil hat ihn innen- und außenpolitisch beschädigt. Kein anderer Präsident, mit Ausnahme Richard Nixons, musste eine ähnlich vernichtende öffentliche Abwertung seiner Amtszeit erleben. Die Fülle der Memoiren von geschassten Offizieren, Geheimdienstlern und Beratern, die dem Präsidenten und dem inneren Zirkel im Weißen Haus Inkompetenz, Zynismus und schiere Dummheit nachsagen, belegt das Ausmaß von Enttäuschung – aber auch die funktionierenden Mechanismen der Selbstkorrektur. Elemente der US-Verfassung, Meinungsfreiheit und das Recht auf unverfälschte Präsidentschaftswahlen, sind in den vergangenen sechs Jahren in Gefahr geraten, aber sie sind nicht abzuschaffen. Was bleibt, abgesehen von zwei weiteren Amtsjahren der Regierung Bush, ist die zur Gewissheit werdende Hoffnung, dass sich die Illusion, mit militärischer Allmacht politische Hegemonie zu verknüpfen, mit der Wahl des nächsten Präsidenten aus Washington verflüchtigen wird.

Der atlantische Alltag der früheren Jahre könnte wiederkehren – ein hochmutfreier Dialog über all jene Themen, die George W. Bush von Herzen egal waren: globale Umweltprobleme, Abrüstung, Kampf gegen Hunger und millionenfaches Kindersterben in Afrika. Nicht seine Wirtschafts- und Militärmacht, sondern sein angestammter Freiheitsbegriff könnte sich einmal mehr als das beste, waffenlose Exportgut Amerikas erweisen.

Und vielleicht entdeckt der nächste Präsident, dass im guten alten Bündnispartner Deutschland noch genug Energie steckt, um gemeinsame Projekte (vom Balkan bis Afghanistan, vom Nahen Osten bis zur Pflege des immer noch unberechenbaren Russlands) zusammen mit anderen Europäern zu einem glücklichen Ende zu führen. Es schlüge dann die Stunde der Diplomatie – und vielleicht auch der Diplomaten.

Allein in Frankfurt beschäftigen die USA 800 Konsularbeamte. Jeder Einzelne von ihnen könnte Donald Rumsfelds Chef erklären, dass die Deutschen nicht zu missachten sind; denn amerikanisiert sind sie auf die eine oder andere Weise alle. Das liegt unter anderem an einer politischen und gesellschaftlichen Verfassung, die sie nicht zuletzt dem zornigen Sieger von 1945 verdanken. Sie ist nahrhafter als Millionen Care-Pakete und der ganze Marshall-Plan zusammen.

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Leser-Kommentare

  1. Ich erwaehne obiges Wort, welches ich derzeit in Kellers "Kleider machen Leute" finde, da ich jenen Text in einem Literaturseminar hier in Baltimore behandle. Naumann wirkt wie eine Galionsfigur eines Schiffes: er ist obendrauf montiert; steuert Blick des Lesers auf ein Thema--George Bush, der seiner Ansicht nach--und per Textraub aus US-Zeitschriften--der meistgeschmaehte Praesident der US-Geschichte sei; und meint, sein Wort sei praegnant an Bedeutung. Was fuer ein Schwachsinn: Naumann hat angeblich vergessen, wie Kollege Joffe, das es sich um ein jetzt ueber 200-jaehriges Verhaeltnis der Amerikaner mit ihren Praesidenten handelt. Wer, Herr Naumann, hat zur Zeit Jeffersons um Himmelswillen eine Umfrage durchfuehren koennen? Wer z.B. drueben (Sie bestimmt nicht) kennt sich in der US-Politik der Lincoln-Aera aus, wobei man sagen muesste, er waere im 19. Jh. der meistgeschmaehte US-Praesident jener Zeit. Fuer Sie, wie es so haefig drueben der Fall ist, gibt es keine Praesidenzfaelle, keinen Sinn der Geschichte, kein Nachdenken ueber die LANGFRISTIGEN Dimensionen der verschiedenen Politiker hueben/drueben. Stattdessen wird man mit dem ueblichen Niveau der Volksverduemmung uebergossen. Der deutsche Leser bekommt nur eine sondierte, ausgepiekte Auswahl--eben muesste man bekraeftigen, wie Joffe richtig erwaehnt, dass weder der einen noch der anderen Partei volles Vertrauen gewinnt, da man in Sache Irak im Unklaren sitzt.

    In summa muessten Naumann u. Co. hiesige Tendenzen langfristig betrachten, und zwar im Sinne der US-Geschichte: Kurskorrekturen sind normal; deren Verlauf kommt nicht ohne Stoerung(en); und sie verbessern das System, und im Laufe der Zeit das Land. Bush ist kein Sonderling, und gar nicht kontroversaler wie Vorgaenger Washington, Jefferson, Adams, Lincoln, Teddy oder Franklin Roosevelt, geschweige von Truman, Nixon, Clinton oder der vergoetterte JFK. Sie sind wer sind--Maenner, mehr nicht.

  2. Dieser Artikel sträubt von heuchlerischer Naivität und völlig unpassender Vergangenheitsverklärung. Die Politik von Präsident Bush erklärt sich auf rationelle Weise und ist getragen wie bereits unter seinen Vorgängern - was hat man Reagan etwa nicht auch verteufelt - von Machtpolitik zur Aufrechterhaltung der wirschaftlichen Potentialität, wovon im übrigen nicht nur alte "Verbündete" wie Deutschland, sondern auch aufstrebende neue Mächte wie China profitieren. Deutschland hat weiter in den Augen Amerikas keine besondere Bedeutung, sondern stellte seit spätestens des 2. Weltkrieg einen einzig wichtigen Baustein seiner weltweiten Machtpolitik dar. Ob sich die Amerikaner und die Deutschen verstehen, muss im Grunde einen Politiker, der doch dazu da ist, das eigene Volk möglichst zu bereichern und dessen Stabilität und Handlungsfreiheit zu garantieren, alles anderes ist Heuchelei, völlig egal sein. Und in der Tat ist das ja auch so. Was allerdings vor allem an dem Artikel schockiert ist die Tatsache, dem Leser einen so umstrittenen Machtpolitiker wie Kissinger als Beispiel für eine gesunde, von Werten getragene Politik oder internationale Beziehung anzupreisen. Jedenfalls, Bush ist weder verrückt noch besonders unmoralisch, die Zeiten und damit die anzuwendenen Mittel zur Erreichung der im Kern gleichbleibenden Ziele haben sich geändert, und die Deutschen zumal täten gut daran, sich nicht mehr unter dem schützenden Rockzipfel von Mama Amerika verstecken zu wollen, sondern sich statt dessen reif, demokratisch und selbstbewusst die Mittel zur Durchsetzung ihrer Ideale zu geben.

  3. 3. GWB

    Wenn die Entfremdung zwischen Deutschland und Amerika seit dem Irak-Krieg "dramatisch verlief", dann liegt das sicher nicht nur an Bush. Schröder selbst hat maßgeblich zur Vergiftung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses beigetragen, indem er nicht nur den Irak-Krieg abgelehnt hat (was ja durchaus sein gutes Recht war), sondern darüber hinaus versucht hat, mithilfe einer deutsch-französisch-russischen Achsenbildung über den UN-Sicherheitrat die USA an einer Irak-Invasion zu hindern.

    Alerdings habe ich den Eindruck, dass die Entfremdung zwischen Deutschland und Amerika inzwischen wieder etwas abgenommen hat, was wohl in erster Linie der besonnenen, weniger auf Konfrontation ausgerichteten Außenpolitik von Kanzlerin Merkel zu verdanken ist. Angie scheint doch prima mit dem Haudegen im Weißen Haus zurechtzukommen, oder nicht? Obwohl man Merkel wahrlich nicht Vassallentreue gegenüber Washington vorwerfen kann - siehe zum Beispiel ihre Aufforderung an Bush, das Lager auf Guantanamo zu schließen.

    Anders als viele hierzulande sehe ich Bush eigentlich nicht als einen Neokonservativen an, sondern als einen im Grunde eher liberalen Präsidenten. Seine liberalen Instinkte erkennt man z.B. an seiner durchaus großzügigen Einwanderungspolitik, und auch an seiner Wirtschaftspolitik. Bush hat sich aber offenbar von den Neokonservativen mit ihrem "Projekt für ein neues amerikanishes Jahrhundert" verführen lassen.

  4. von sich auf Andre schiessen.

    Das da: -- "Jeder Einzelne von ihnen könnte Donald Rumsfelds Chef erklären, dass die Deutschen nicht zu missachten sind; denn amerikanisiert sind sie auf die eine oder andere Weise alle." -- ist Schwachsinn, der nichtmal für alle Westdeutschen und ganz sicher für keinen einzigen Ostdeutschen zutrifft. Das irgendwelche Welttheoretiker die Zukunft Deutschlands nur in Beziehung zur USA sehen können, ist deren Problem. Einer Mehrheit der Deutschen ist es eagl, ob in Amerika die Sonne scheint oder Bomben fallen. Fechtet eure Kriege allein aus und verliert sie allein. Wir in Europa haben kein Interesse daran Demokratie irgendwo anders hinzubringen.

  5. Die romantische Idee vom guten Fürsten der nur durch seine bösen Berater oder wahlweise durch seine zweite böse Frau (eine garstige Stifmutter für die arme Prinzessin) ins Unglück laviert wird, hat die deutsche Aufklärung und Romantik schon immer beschäftigt.

    Es traf blos niemals zu und hat auch nicht geholfen!

    Ganz schlimm war jedoch die "Achse des Verrates" Paris, Berlin, Moskau die sich erfrecht hat den Versuch zu wagen einen Krieg zu verhindern.

    Wenn es geklappt hätte könnten einige Millionen, incl. Präsident Busch, heute bestimmt besser schlafen. Schade!

  6. Auch wenn ich Ihnen zustimme, dass Amerika im Irak einen Fehler nach dem anderen begangen hat, so hat der Irak-Krieg doch das eine Gute mit sich gebracht: nämlich den Sturz Saddam Husseins und das Ende des Baath-Regimes. Der Jubel in den Straßen von Bagdad über das Todesurteil gegen den Ex-Diktator zeigt doch recht deutlich, dass die meisten Iraker froh darüber sind, Saddam Hussein und seine Bande los zu sein. Ganz so umsonst ist dieser Krieg also doch nicht gewesen.

    Ich werfe Schröder vor, das bis dahin ausgezeichnete deutsch-amerikanische Verhältnis unnötigerweise aufs Spiel gesetzt und eine Spaltung Europas mutwillig in Kauf genommen zu haben, und zwar aus durchaus eigensüchtigen Motiven - nämlich um die Bundestagswahl 2002 zu gewinnen.

    • 07.11.2006 um 13:11 Uhr
    • colca

    Ach ja, Herr Naumann - es muss eine schöne Zeit gewesen sein, früher, als noch 300 000 GIs das Lebensgefühl der jungen Deutschen teilten und das "atlantische Erbe der Aufklärung" in so fürsorglichen Händen wie denen eines Herrn Kissingers ruhten, der eigentlich in etlichen Ländern der Welt für seine Interventionen und schmutzigen Putsche vor Gericht gestellt gehört. Ich sage nur Kambodscha, Vietnam oder Chile.
    Es spricht nicht gerade für die Lehrkompetenz der Universitäten in München und Marburg, wenn der Autor nach dem Studium von Politik, Philosophie und Geschichte(!) solche kruden Theorien ventiliert, bürgerliche und religiöse Freiheiten seien in Deutschland erst durch die Amerikaner in ihre Rechte eingesetzt worden.
    Liegt es vielleicht an der Fokussierung auf 12 verbrecherische gesamtdeutsche und 40 verlorene ostdeutsche Jahre, dass 1000 Jahre deutsche Kultur- und Rechtsentwicklung nonchalant ausgeblendet werden? In dieser Sichtweise stellt 1945 tatsächlich die Stunde 0 dar, sozusagen "format C:" der Nation - und das wunderschöne Baby war die selige Bundesrepublik des Kalten Krieges, als die Welt noch so schön übersichtlich und der Herr Naumann noch jung war.
    Tja, heutzutage müssen wir uns mit 70 000 GIs im Land begnügen. Wenigstens haben wir das strategische Kommando in Stuttgart, von wo aus potenziell (und nicht nur) in 93 Staaten amerikanische Kriege geführt werden können.
    Aber wen stört das schon?
    Amerikaner sind wir ja alle, nicht wahr Herr Naumann?

  7. .... die Demokraten [wenigstens unsere Familie].

    Um:

    1. Aus dem Iraq uns allmaehlich (hoffentlich schneller als langsamer) zurueckzuziehen:
    a. Den Shiitischen Teil zu erlauben, mit dem Iran zusammenzuarbeiten,
    b. Den Kurden ihre Selbstaendigkeit zuzustehen,
    c. Den Sunnis und Baghdad zu erlauben, wenn sie es so wollen, mit Hilfe der Saudis oder Syria zu leben.

    2. Zu konzentrieren, wie es Bush uns vor 9/11 versprochen hatte:
    a. an unsere Innenpolitik (unseren eigenen Problemen, die Europa nichts angehen und fuer die wir es sicherlich nicht brauchen),
    b. in der Aussenpolitik weniger als in den letzten 60 Jahre, und dann nur an unsere Zukunft, die ueber den Pazifik.

    3. Europa (das unsere Werte wenig teilt als China) und die Welt ueber den Atlantik, die uns nichts anbieten kann, zu "vergessen", wie Kucinich (Demokrat aus Ohio) es wollte:
    a. ohne zu konzentrieren (oder vielleicht nicht mal teilzunehmen) an WTC, IMF (und auch die UN und NATO),
    b. sondern uns auf "bilateral" Verbindungen mit anderen einzelnen Staaten zu verlassen, wie z. B. mit Israel (wie es uns die Brueder Levin aus Michigen, Demokraten, wollen), dem alle unsere Militaermittel und Waffen (ohne Ausnahme) zur Verfuegung stehen, oder mit Japan (mit dem McArthur einen Vertrag 1945 abgeschlossen hat).

    4. Iran dieser Welt ueber den Atlantik zu ueberlassen, wie Nord-Korea den Chinesen, die auf dem Weg sind mit diesem anderen idiotischen Land fertig zu werden.

    5. GM (und andere) zu dringen/verpflichten, die Ruesselheims zu schliessen und den Verlust besser zu Hause fuer versprochene Sozial und Krankenversicherung Unterstuetzung der heutigen und in Ruhe stehenenden GM Arbeiter zu verwenden.

    6. Den "erlassenen" (fuer Export) VAT zu kassieren fuer Gueter aus Europa, so dass dieses ewige "dumping" aus Europa endlich zu Ende geht.

    und um sich gut selbstaendig verteidigen zu koennen (was wegen der Entfernung ueber die Meere) es uns meoglich macht, so dass wir das Leben unserer Staatsbuerger und den Einwanderen, die wir brauchen (hier gibt es selten Zeiten mit grossen Arbeitslosprozente [wie anderswo in der Welt, besonders in Europa], und die sich uns anpassen wollen (nicht als Gastarbeiter sondern als Buerger, die an unseren Kapitalismus glauben).

    Wenn die Demokraten uns nicht besser auf diesen Weg bringen, werden wir in 2 oder 6 Jahren wieder den Republikanern anbieten an diesem Rezept zu arbeiten.

    Unser Abenteuer war nicht Iraq. Es war der Atlantik und unsere Verwicklung mit den Voelkern, die wir und unsere Eltern/Grosseltern und Urgrosseltern verlassen hatten, weil sie dort mit der Mehrheit ihres Volkes nicht auskommen konnten.
    Unser Abenteuer waren nicht die letzten 5 Jahre, sondern das letzte Jahrhundert (einschliesslich der Marshall Plan), dass uns "grief" bebracht hat, nie Freude.

    Mit besten Gruessen

    d/j gerbeth

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  • Von Michael Naumann
  • Datum 3.11.2006 - 11:12 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 02.11.2006 Nr. 45
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