Die Klimapolitik war schon oft Gegenstand ökonomischer Betrachtungen. Sogar mehr als 2000 Wirtschaftsexperten, darunter selbst Nobelpreisträger, meldeten sich zu Wort. Noch nie allerdings gelang es einem Mitglied der Ökonomenzunft, derartiges Aufsehen mit einer Expertise zu den Kosten des Klimawandels und den Nutzen der Klimapolitik hervorzurufen wie Anfang der Woche Nicholas Stern. Der Grund dafür ist nicht nur die geschickte Öffentlichkeitsarbeit der britischen Regierung, Sterns Auftraggeber. Nie zuvor ist aus berufenem Munde – Stern war bis zum Jahr 2003 als Chefvolkswirt der Weltbank tätig – so unmissverständlich deutlich gemacht worden, dass Klimapolitik die beste Wirtschaftspolitik ist: Sie kostet nur etwa ein Prozent des weltweiten Bruttoinladsproduktes, während der Verzicht auf sie Kosten von bis zu 20 Prozent verursachen könnte.

Robert M. Solow, 1987 mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet, nennt Sterns fast 600-seitige Expertise »ruhig, durchdacht und sorgfältig argumentierend«. Die Welt wäre geradezu »dumm«, ignorierte sie Sterns Botschaft, meint Amartya Sen, dem 1998 die Ehre des Nobelpreises zuteil wurde.

Laut Stern – eigentlich eine Binsenwahrheit – ist der Klimawandel Folge des größten Marktversagens, welche die Völkergemeinschaft je in Kauf genommen hat. Die eigentliche Leistung seines Reports ist die akribische Auflistung des weitgehend bereits vorhandenen Wissens zu drei zentralen Fragen: Wie hoch ist der Schaden, den die ungebremste Erderwärmung verursacht? Wie viel Geld müsste die Menschheit aufbringen, um sich mehr schlecht als recht an die wärmeren Zeiten anzupassen? Und: Was kostet im Vergleich dazu der Klimaschutz, die deutliche Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes? Ein makroökonomisches Modell, gefüttert mit den Daten, lässt Stern zu dem Ergebnis kommen, dass Klimaschutz – anders als manche meinen – das Wirtschaftswachstum nicht schmälert, sondern langfristig sogar fördert.

Allerdings, so Stern, muss die Politik rasch die richtigen Entscheidungen treffen: dem Ausstoß klimaschädlichen Kohlenstoffs weltweit einen Preis verpassen, ökologische Innovationen fördern und sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumen, welche die effizientere Verwendung von Energie blockieren. Je früher agiert werde, desto besser – denn desto weniger kostspielig sei der Kampf gegen die Erderwärmung. Selbst eine Verzögerung von nur ein oder zwei Dekaden werde die Menschheit auf »gefährliches Terrain« gleiten lassen, warnt Stern. Rettung ist möglich, so seine Botschaft – aber nicht mehr lange.

Zum Thema
Karawane ohne Ziel - In Nairobi wollen Diplomaten das Weltklima retten »

Klimaforschung und -wandel; Wetter; Energietechnik und alternative Energieformen: Ein Schwerpunkt »