Filmsatire Ein Mann greift ins KloSeite 3/3

Borat wie AliG sind oft dafür gelobt worden, dass sie auch »politisch Korrekte«, »multikulturelle Träumer« und andere Lieblingsfeinde der Frontkämpfer in den Huntington-Kriegen nicht schonen würden. Doch das stimmt nur zum Teil. Borat und Ali entlarven den schlecht entwickelten Sinn für die Praxis. Sie sprechen zu denjenigen, die das, was sie wissen, allein aufgrund von abstrakten Überzeugungen wissen. Und sie testen stets deren Bereitschaft, wider ihre Überzeugungen zu lachen: Nur dieses kleinen Scherzes von Borat hat es bedurft, damit du mal wieder richtig herzlich über vermännlichte Feministinnen lachen kannst?

Das läuft nicht auf den moralistischen Topos vom »im Hals stecken bleibenden Gelächter« hinaus, sondern lenkt den Blick auf das Lebendige der Aufführung namens »Rassismus« oder »Sexismus«. Und damit auf die Fülle an Formen und Konstellationen, in denen diese gesellschaftsbildenden Ideologien sich ständig aktualisieren. Ihnen entsprechend zu begegnen ist eben etwas anderes, als abstrakt zu wissen, dass und wie diese Ideologien konstruiert sind. In Deutschland, wo die zentralen Begriffe immer noch Vorurteil und Toleranz heißen, ist selbst dieses Wissen nicht sehr verbreitet.

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Doch genau das wäre der einzige Einwand gegen die Reisereportage des komischen Kasachen: dass sich die Konstellationen zu oft wiederholen. Borat und Ali sind Fernsehformate, ihr Genre ist der Sketch. Die Da AliG Show lebte vom ständigen Wechsel der Perspektive – osteuropäischer Hinterwäldler, mondäner österreichischer Schwuler, leicht verstockter britischer Homeboy. Sacha Baron Cohen bleibt indes auch bei den eher gag-armen Intermezzi, die hier aus der Kette von Szenen eine Narration machen sollen, ein nie versiegender Quell schauspielerischen Reichtums.

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Leser-Kommentare
  1. auch wenn ich den Film total klasse fand, blieb mir das Lachen manchmal im Hals stecken, wenn ich den Typen in der Kampfanzughose und seine Freundin Nadine über Juden lachen hörte - ob da bei jedem Besucher die intellektuelle Tiefe vorhanden ist, um den wirklichen Witz im Film zu finden ? Wie war das mit dem verbreiteten Antisemitismus in Deutschland ??? mfg zumkopf

  2. Wer glaubt, dass dieser Film die Amerikaner trifft oder gar schockiert, der versteht sie nicht. Ich prophezeie hiermit, dass er ein grosser Lacherfolg wird, sobald er die USA erreicht. Sacha Cohen darf sicher sein, in die Annalen der Hollywoodstars aufgenommen zu werden.

    • mkayi
    • 02.11.2006 um 16:59 Uhr

    "Und es übertrifft einen nur aufklärerisch interpretierbaren Humor durch Hingabe an die reine Energie erhabenen Slapsticks."

    Diesen wie auch ein paar andere Sätze möchte ich gerne unterschlängeln und mit einem "A" oder "Sb" oder auch "?" versehen.

    Geht's nicht auch weniger gestelzt, selbst wenn man zeigen möchte, dass man lange über den Film nachgedacht hat?

  3. 4. @mkayi

    Ist eben typisch Zeit, dieser Stil. die Zeitung hat viele Vorteile, aber eben auch den Nachteil, dass Ihre Kommentatoren sich aus absurden Wort- und Sinnkonstruktionen hohle Podeste basteln, von denen sie endlich herunterblicken blicken auf die furchtbar banale, schrecklich verständnislose Welt des Proletariats.
    Der Film beziehungsweise Cohen will gerade auch diese Menschen erreichen und von ihrem verständnisvollen Podest holen - oder es zumindest offenbaren.

    Den Kommentar fand ich allerdings recht geistreich, mich stört zumeist eher der Ausdruck.

    • mator
    • 04.11.2006 um 16:58 Uhr

    Ich kann Dietrich Dietrichsen in allem folgen, und durch den dokumentarischen Charakter reklamiert der Film tatsächlich die entlarvende Attitude eines Micheal Moore-Streifens. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass alle Kinobesucher in Borat, einen Augenöffner erkennen. Kann es nicht auch sein, dass Rassismus und Jovinismus einfach wieder ein Stückchen salonfähiger gemacht werden? Besonders dann, wenn der Film beim DVD-Verleih angekommen ist und 8jährige sich von der coolen Sau Borat inspirieren lassen und fröhlich ihre Mitschüler als Judenopfer beschimpfen.

  4. 6. danke

    "»politisch Korrekte«, »multikulturelle Träumer« und andere Lieblingsfeinde der Frontkämpfer in den Huntington-Kriegen..."

    Wollte nur danke sagen für diese schön treffende Formulierung.

    v.

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