Die Biene ist ein friedliches Tier. Heißt es. Steht man allerdings nichtsahnend in ihrer Flugbahn und versperrt ihr den Weg oder grapscht gierig nach ihrem Honig, reagiert sie ganz schön gereizt. BILD

Die deutschen Imker gleichen ihren Schützlingen derzeit mehr denn je. Ähnliche Reaktionen sind bei ihnen zu beobachten. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit beeinträchtigt, in ihrer Existenz bedroht und reagieren heftig. Sie trommeln »Befreiungstrupps« zusammen und trampeln Maisfelder nieder, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. In Königswinter hat jemand eine Bannmaske mit den Gesichtszügen von Horst Seehofer an einen Bienenkasten gehängt, um das Böse von den Tieren abzuwehren – etwas, was der Landwirtschaftsminister zu tun versäume. Und die Imker stimmen ganz ihrem Präsidenten Manfred Hederer zu, wenn er erklärt: »Ich will keinen Dreck in meinem Honig!«

Dreck im Honig? Im »reinen«, »echten«, »erlesenen« Naturprodukt? Im altbewährten Haus- und Heilmittel, mit dem sich schon die Olympioniken der Antike aufputschten, das die Oma in die heiße Milch rührt und die Ärzte neuerdings zur Wundbehandlung einsetzen? Die Zusammensetzung von Honig ist längst bekannt. Er besteht zum größten Teil aus Traubenzucker, Fruchtzucker und Wasser. Er enthält Enzyme, Aminosäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente, organische Säuren, Aromastoffe, Farbstoffe und Pollen. Alles sauber soweit.

Doch die Imker sagen: Es gibt Honig, der Dreck enthält. Gen-Dreck, genauer gesagt. Bei den 36. Berufs- und Erwerbsimkertagen in Donaueschingen am vergangenen Wochenende präsentierten sie entsprechende Analyseergebnisse: In sechs kanadischen Raps-Honigen waren Spuren von gentechnisch verändertem Erbgut gefunden worden.

Solche Befunde bescheren dem Honig nicht nur ein kurzfristiges Imageproblem; ihm droht scheinbar der Abstieg in die Zweitklassigkeit. Und während die Imker Umsatzeinbußen prophezeien, weil solche Produkte niemand haben wolle, zieht schon das nächste Schreckgespenst über die Felder: Pharma-Pflanzen, die gentechnisch so eingestellt sind, dass sie Impfstoffe gegen Cholera oder Tollwut, Antikörper gegen Karies oder Grippe, Blutgerinnungshemmer oder Hormone produzieren. Wenn der Mensch anfängt, seine Arzneien auf dem Acker zu produzieren, landen diese Wirkstoffe dann nicht automatisch auch im Honig?

Schuld an allem ist die grüne Gentechnik. »Agro-Gentechnik«, sagen die Imker, um der Sache den natürlichen Beigeschmack zu nehmen. In das Erbgut von Kulturpflanzen wie Mais, Raps, Soja oder Tabak werden Gene fremder Organismen eingebaut. Sie machen die Pflanzen nährstoffreich, fit für schlechte Wachstumsbedingungen und resistent gegen Schädlinge und Unkrautvernichtungsmittel.

In Deutschland ist den Bauern derzeit nur der Anbau von so genanntem Bt-Mais erlaubt. Bt steht für das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis. Es produziert ein Toxin, das für den Maiszünsler tödlich ist. Durch den Gen-Transfer vom Bakterium in den Mais ist die Pflanze in der Lage, das Killerprotein zu bilden. Fallen die Larven des Maiszünslers über den Bt-Mais her, gelangt dieses Toxin in ihre Mägen, dockt dort an Rezeptoren an und beginnt zu wirken.