Gentechnik Dreck im Stock
Auf deutschen Äckern wachsen die ersten Gentech-Pflanzen. Bienen sammeln Pollen mit verändertem Erbgut. Imker fürchten um die Reinheit ihres Honigs.
Die Biene ist ein friedliches Tier. Heißt es. Steht man allerdings nichtsahnend in ihrer Flugbahn und versperrt ihr den Weg oder grapscht gierig nach ihrem Honig, reagiert sie ganz schön gereizt.
Die deutschen Imker gleichen ihren Schützlingen derzeit mehr denn je. Ähnliche Reaktionen sind bei ihnen zu beobachten. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit beeinträchtigt, in ihrer Existenz bedroht und reagieren heftig. Sie trommeln »Befreiungstrupps« zusammen und trampeln Maisfelder nieder, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. In Königswinter hat jemand eine Bannmaske mit den Gesichtszügen von Horst Seehofer an einen Bienenkasten gehängt, um das Böse von den Tieren abzuwehren – etwas, was der Landwirtschaftsminister zu tun versäume. Und die Imker stimmen ganz ihrem Präsidenten Manfred Hederer zu, wenn er erklärt: »Ich will keinen Dreck in meinem Honig!«
Dreck im Honig? Im »reinen«, »echten«, »erlesenen« Naturprodukt? Im altbewährten Haus- und Heilmittel, mit dem sich schon die Olympioniken der Antike aufputschten, das die Oma in die heiße Milch rührt und die Ärzte neuerdings zur Wundbehandlung einsetzen? Die Zusammensetzung von Honig ist längst bekannt. Er besteht zum größten Teil aus Traubenzucker, Fruchtzucker und Wasser. Er enthält Enzyme, Aminosäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente, organische Säuren, Aromastoffe, Farbstoffe und Pollen. Alles sauber soweit.
Doch die Imker sagen: Es gibt Honig, der Dreck enthält. Gen-Dreck, genauer gesagt. Bei den 36. Berufs- und Erwerbsimkertagen in Donaueschingen am vergangenen Wochenende präsentierten sie entsprechende Analyseergebnisse: In sechs kanadischen Raps-Honigen waren Spuren von gentechnisch verändertem Erbgut gefunden worden.
Solche Befunde bescheren dem Honig nicht nur ein kurzfristiges Imageproblem; ihm droht scheinbar der Abstieg in die Zweitklassigkeit. Und während die Imker Umsatzeinbußen prophezeien, weil solche Produkte niemand haben wolle, zieht schon das nächste Schreckgespenst über die Felder: Pharma-Pflanzen, die gentechnisch so eingestellt sind, dass sie Impfstoffe gegen Cholera oder Tollwut, Antikörper gegen Karies oder Grippe, Blutgerinnungshemmer oder Hormone produzieren. Wenn der Mensch anfängt, seine Arzneien auf dem Acker zu produzieren, landen diese Wirkstoffe dann nicht automatisch auch im Honig?
Schuld an allem ist die grüne Gentechnik. »Agro-Gentechnik«, sagen die Imker, um der Sache den natürlichen Beigeschmack zu nehmen. In das Erbgut von Kulturpflanzen wie Mais, Raps, Soja oder Tabak werden Gene fremder Organismen eingebaut. Sie machen die Pflanzen nährstoffreich, fit für schlechte Wachstumsbedingungen und resistent gegen Schädlinge und Unkrautvernichtungsmittel.
In Deutschland ist den Bauern derzeit nur der Anbau von so genanntem Bt-Mais erlaubt. Bt steht für das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis. Es produziert ein Toxin, das für den Maiszünsler tödlich ist. Durch den Gen-Transfer vom Bakterium in den Mais ist die Pflanze in der Lage, das Killerprotein zu bilden. Fallen die Larven des Maiszünslers über den Bt-Mais her, gelangt dieses Toxin in ihre Mägen, dockt dort an Rezeptoren an und beginnt zu wirken.
Das angebliche Teufelszeug Bt-Mais wird auf 950 Hektar angebaut – gerade mal 0,05 Prozent der gesamten Maisanbaufläche. In einem vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angelegten Standortregister können die Imker sehen, wo die entsprechenden Felder liegen und ihnen problemlos ausweichen. Ihre Angst hat in Deutschland derzeit keinen realen Hintergrund.
Bei der Waldhonigernte nuckelt die Biene an den Hintern der Läuse
Doch wenn – wie in Kanada, den USA und Argentinien – gentechnisch veränderte Pflanzen auf ausgedehnten Flächen wachsen, kommen die Bienen unweigerlich mit ihnen in Kontakt, sobald sie ausfliegen, um Stoff für ihren Honig zu sammeln. Laut Tierseuchengesetz gilt die Biene zwar als Haustier, sie ist aber alles andere als ein Stubenhocker und tummelt sich normalerweise in einem Radius von drei Kilometern. Dabei besucht sie nicht nur Blüten, um dort Nektar zu tanken. Für die Tannen- und Waldhonigernte sammelt sie fleißig Ausscheidungen von Läusen und Zikaden: Sie nuckelt an deren Hinterteil, an dem der Honigtau klebt, unverdaut ausgeschiedener Pflanzensaft.
Den aufgesaugten süßen Saft bunkert die Biene in ihrer Honigblase. Im Stock angekommen, würgt sie die Fracht heraus und übergibt die Kotze an die Arbeiterbienen im Innendienst. Tagelang saugen diese das Labsal auf, vermischen es mit Speichel, würgen es wieder heraus, entziehen ihm durch heftiges Flügelschlagen Wasser und lagern den fertigen Honig schließlich in Waben ein.
Pflanzliches Erbmaterial ist weder in Nektar noch Honigtau enthalten. Folglich kann dadurch auch kein »Gen-Dreck« in den Honig gelangen. Erbgut findet sich aber im Blütenstaub, dem Pollen, mit dem sich die Biene zwangsläufig bepudert, wenn sie sich am Nektar gütlich tut. Die Biene trägt ihn von Blüte zu Blüte und betätigt sich dadurch als Bestäubungshelferin.
Wenn sie den Pollen mit ihren Hinterbeinen zu Klumpen formt und nach Hause transportiert, handelt sie ganz eigennützig. Die Körner sind nämlich nahrhafte Eiweißbomben und ein hervorragendes Futter für Larven und junge Arbeiterinnen. Für die Herstellung von Honig verwendet die Biene den Pollen indes nicht. Trotzdem kann man ihn darin finden. Wenn die Biene Nektar tankt, schluckt sie immer auch ein paar Pollen. Und die Körner, die sie an den Hinterbeinen in den Stock trägt, liegen dort herum wie Hausstaub.
Der Anteil von Pollen im Honig – und damit der mögliche »Gen-Dreck« – ist allerdings gering. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg geht von 0,01 Prozent aus. »Maispollen kommen darin nur vereinzelt vor«, sagt Josef Herrmann vom Fachzentrum Analytik an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Das liegt daran, dass Mais bei Bienen nicht begehrt ist – er produziert keinen Nektar. Außerdem ist sein Pollen sehr groß und für die Bienen schwierig zu transportieren. »Das ist, als müssten wir Medizinbälle schleppen«, sagt Hans-Hinrich Kaatz, Professor für Zoologie an der Universität Halle.
Und wie sieht es aus, wenn Bienen auch auf gentechnisch veränderten Maisfeldern Pollen sammeln? »Dann sind die entsprechenden Spuren im Honig verschwindend gering – wenn man sie überhaupt findet«, sagt Experte Herrmann und vergleicht: »Wenn man bedenkt, dass der Mensch pro Jahr über Nahrung und Staub ein bis anderthalb Kilo Erdpartikel aufnimmt, dann kann man sich ausrechnen, dass wir die DNA des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis schon öfter aufgenommen haben, als wir es durch Honig je tun können.«
»Hier handelt es sich nicht um ein wissenschaftliches, sondern um ein politisches und marktwirtschaftliches Problem«, sagt Zoologie-Professor Kaatz. Tatsächlich geht es den Imkern ums Prinzip – und um das Image ihres Produkts. Doch gerade weil die Herstellung von Honig ein natürlicher Vorgang und keine sterile Veranstaltung ist, gerät manchmal hinein, was nicht edel ist. Clostridium botulinum zum Beispiel. Das Bakterium kommt in Wasser, Boden und Pflanzen vor, kann von der Biene aufgegabelt werden und wie der Pollen in den Honig gelangen. Eigentlich ist es ungefährlich, weil der menschliche Magen ihm Saures gibt. Im sensiblen Verdauungstrakt von Babys allerdings kann es aktiv werden und Botulinumtoxin bilden – ein Nervengift, das sich faltenmüde Menschen unter die Haut spritzen. Dieses Gift blockiert den Darm der Säuglinge, lähmt die Schluckmuskeln und führt im schlimmsten Fall zum Tod. Deshalb sollten Babys im ersten Lebensjahr keinen Honig essen. Nach einem solchen Hinweis sucht man auf vielen Etiketten allerdings vergeblich.
Stattdessen pochen die Imker darauf, Honig künftig auf seinen Gentechnik-Gehalt hin zu kennzeichnen – obwohl der Gesetzgeber dies nicht vorsieht. Der geht mit dem Honig milde ins Gericht. Er gilt als tierisches Produkt, ist deshalb per se nicht kennzeichnungspflichtig. Die Deklarierung garantiere dem Kunden Wahlfreiheit, heißt es. Letztlich zeigt die Forderung aber vor allem eines: dass die deutschen Imker momentan von bösen Genen wenig zu befürchten haben. Weil hier kaum grüne Gen-Tech-Flora gedeiht, können sie die Qualität des »echten deutschen Honigs« unterstreichen und ausländische Produkte wie kanadischen Raps-Honig brandmarken. Die Analysekosten für den Gen-Check wollen die Imker allerdings dann doch nicht übernehmen.
Imker drohen mit Bestäubungsstreik und prophezeien Ernteeinbußen
Am einfachsten wäre es freilich, den Pollen – und damit alles Erbmaterial – aus dem Honig herauszufiltern. Das ist neuerdings erlaubt, doch die deutschen Imker sind dagegen. Schließlich lassen sich anhand der Pollen die Herkunft und die Zusammensetzung des Honigs erkennen. Das ist wichtig, um seine Qualität und Sorte zu bestimmen.
Also machen die Imker Druck, um die Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland aufzuhalten. Sie drohen mit Bestäubungsstreik und prophezeien den Bauern Ernteeinbußen von 10 bis 30 Prozent. Sie rechnen vor, wie viel es kosten würde, wenn sie ihre Bienen nur noch gegen Entgelt auf Wiesen und Äcker losließen.
Dabei wissen sie, dass sie damit ihre Unabhängigkeit riskieren. Im Gegenzug könnten die Bauern den Imkern verbieten, die Bienenstöcke auf den Feldern aufzustellen – aus Angst, deren Viecher trügen gentechnisch veränderten Pollen auf ihre Äcker. Oder Gen-Pollen von ihrem Acker auf des Nachbars Feld, was auch Scherereien verursachen könnte. Schließlich lässt sich nicht kontrollieren, wo Bienen ihre Nahrung sammeln: auf Öko-Stauden oder Trans-Blüten. Der Mais allerdings verlässt sich in Sachen Bestäubung sowieso lieber auf den Wind. Die männlichen und weiblichen Blütenteile liegen so weit auseinander, dass die Biene in der Regel nicht mit beiden in Berührung kommt.
Trotzdem fürchten Imker schon die Anwälte, die mit Schadensklagen aufmarschieren und sie zur Verantwortung ziehen wollen. Sie übersehen, dass das Gentechnikgesetz nicht sie bedroht, sondern von der »Haftung des Betreibers« spricht. Gemeint ist der Bauer: Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut, muss etwaige Einbußen seines Nachbarn ausgleichen.
Entschädigungen können auch die Imker vom Bauern verlangen, wenn sich der »verseuchte« Honig nicht mehr verkaufen lässt. Derzeit wird das Gentechnikgesetz neu diskutiert. Nicht wegen der Imker, sondern wegen der Landwirte, die nicht zum Sündenbock gemacht werden wollen, nur weil sie den erlaubten Bt-Mais anpflanzen.
Diese Gelegenheit wollen die Imker nicht verpassen und bei der Neuformulierung des Gesetzes mitreden. »Wir verlangen eine Haftungsfreistellung«, sagt Manfred Hederer. »Wir wollen, dass explizit festgehalten wird, dass die Bienen wie der Wind sind und sich nicht kontrollieren lassen.«
In dubio pro ape also. Das hat Tradition – zumindest dann, wenn die Biene etwas fallen lässt. Wenn sie nämlich im Frühjahr ihre Winterruhe beendet, sich aus dem Stock wagt und beim Reinigungsflug ihre Kotblase entleert, werden mitunter Nachbars Auto, aufgehängte Wäsche und Fensterscheiben beschmutzt. Schadensersatz für diese Verdreckung gibt es nicht, sagen diverse Gerichtsurteile. Warum sollte es bei den Pollen anders sein?
Zum Thema
Pollenallergie
-
Bienenvölker in Gefahr »
Wissen
-
Forschung und Entdeckungen auf ZEIT online
»
- Datum 06.11.2006 - 07:28 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 02.11.2006 Nr. 45
- Kommentare 9
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







haben sie die publikationen die sie angeben wirklich gelesen, oder werfen sie mit fachbegriffen um sich, um ihre meinung zu untermauern, ohne die publikationen wirklich verstanden zu haben?
zu dem zitierten paper von mazza et al: "From the data obtained, we consider it unlikely that the occurrence of genetic transfer associated with GM plants is higher than that from conventional plants". da auch nach einigen tausend jahren pflanzlicher ernaehrung menschen kein chlorophyll exprimieren, darauf reagieren etc. ist gentransfer (zumindest der transfer vollstaendiger gene) anscheinend recht unwahrscheinlich. (fuer alle haarspalter, ich weiss dass chlorophyll kein gutes beispiel ist und es ne menge nahrungsmittelallergien gibt, aber die rolle des gentransfers dabei moechte ich bezweifeln).
zu den TLRs:
TLRs und sonstige pattern recognition receptors (PRR) erkennen fuer den organismus fremde strukturen, die in der regel mit mikroorganismen assoziiert sind. darunter auch DNA und RNA, soweit richtig. allerdings ist diese erkennung weniger an spezifische sequenzen gebunden als an strukturelemente der nukleinsaeuren, die in saeugetieren nicht vorkommen. bei DNA ist dies in erster linie ein unterschied im methylierungsmuster, menschliche zellen markieren methylierung ihre eigene DNA in spezifischen mustern und koennen so fremde DNA von eigener unterscheiden. bei RNA reagieren die PRR in erster linie auf typische virale strukturen, laengere doppelstraengige abschnitte oder bestimmte sekundaerstrukturen, die auch im menschen nicht vorkommen.
was das mit den pflanzen zu tun hat: auch ein fremdes gen hat, wenn in pflanzen eingebaut, auf DNA- und RNA-ebene (zumindest was methylierungen, RNA-sekundaerstrukturen etc angeht) die struktur eines pflanzengens. und auf die scheinen menschen, wie der seit einiger zeit andauernde feldversuch der ernaehrung von menschen mit pflanzenteilen zeigt, nicht aussergewoehnlich zu reagieren.
deswegen ist das argument, wir haetten alle schon genug b. thuringiensis gegessen, auch unsinn. die bakterielle DNA wird als solche erkannt (und in der regel im menschen nicht abgelesen).
das problem ist also nicht das transgen, sondern sein produkt. und das kann moeglicherweise, wenn in groesseren mengen aufgenommen, auch allergien ausloesen etc., das risiko ist bisher ungeklaert. auch wenn wir mit erdpartikeln das original-bakterium aufnehmen, heisst das noch lange nicht, dass groessere mengen (und in normaler nahrung) von bt nicht auswirkungen auf den organismus haben. da wuerde ich mir allerdings eher sorgen beim verzehr der transgenen pflanze als beim honig machen.
wie einer meiner vorgaenger bereits bemerkt hat, stellen sich bei jedem evolutionsdruck in form eines giftes irgendwann resistenzen ein. transgene pflanze sind also hauptsaechlich eine moeglichkeit, fuer saatguthersteller kasse zu machen, pflanzen durch patente zu schuetzen und so weiter. die risiken dabei liegen wohl nicht beim honig. aber es gibt risiken, der nutzen des ganzen wiegt diese in meinen augen nicht auf.
Schade das "die Zeit" Aussagen von Wissenschaftlern die den Bürgern und Bürgerinnen Sand in die Augen streuen, wiedergibt, ohne sie zu hinterfragen oder kritisch zu kommentieren.
Zitat des Artikels
"sagt Experte Herrmann und vergleicht: »Wenn man bedenkt, dass der Mensch pro Jahr über Nahrung und Staub ein bis anderthalb Kilo Erdpartikel aufnimmt, dann kann man sich ausrechnen, dass wir die DNA des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis schon öfter aufgenommen haben, als wir es durch Honig je tun können."
Gentechpflanzen enthalten synthetische Gene, die in keinem Lebewesen der Erde und somit auch nicht im Bodenbakterium Bacillus Thuringiensis oder im Staub sondern nur in Gentechpflanzen vorkommen. Es sind menschengemachte synthetische Gene, die neu für das Immunsystem und neu für das Ökosystem sind.
Das synthetische Gen des Bt Mais, wurde aus mindestens 4 Organismen neu zusammengestellt und einzelne Basenpaare des genetischen Codes verändert, da die Pflanze Sequenzen aus Bakterien falsch interpretiert (cryptic splicing sites, killersequences etc.). Mit diesen Veränderungen und in dieser Kombination kommt diese Sequenz in keinem Lebewesen der Erde vor!! Wer daran zweifelt sollte einen ehrlichen Genetiker fragen oder sich die Werbeaussagen der Firmen blicken, die synthetische Gene herstellen.
[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
Die synth Gene bzw. DNA Abschnitte sind neu für das Immunsystem. Klar ist seit kurzem dass das Immunsystem über Rezeptoren für DNA und RNA Moleküle verfügt (TLR Toll-Like-Receptors. Wie das Immunsystem auf die synth DNA Fragmente reagiert ist unbekannt. Beruhigend ist es jedenfalls nicht, dass die synth Fragmente nach dem Essen im Blut herumschwimmen wie Mazza et al 2005 vor kurzem feststellten.
Wenn auf jeder Packung Schokolade Allergiker vor Spuren von Nüssen und Weizenmehl gewarnt werden, so können auch Spuren synthetischer Gene im Honig oder Reis ein Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen.
Die Verharmlosung synth DNA als DNA eines Bodenbakteriums, mit dem wir schon öfter in Berührung gekommen sind, kann nur als "Sand in die Augen streuen" intepretiert werden und ist ebenso absurd wie die Behauptung, dass zwischen dem Spalten von Kirschenkernen und Atomkernen nur ein gradueller Unterschied bestehe. Journalisten sollten die Aussagen der Wissenschaftler genauer hinterfragen,und mit dem eigenen Hausverstand prüfen. Märchenonkel im Wissenschaftsgewand auch wenn sie zahlreich sind, sollte man doch leicht mit einfachen Fragen (wie zB Zeigen sie mir die Sequenz des Boden-Bakteriums und die Sequenz des Bt Mais Gens, sind diese exakt gleich?) enttarnen können, anstatt ihnen auf dem Leim zu gehen.
Werner Müller
Risikoforscher bei GLOBAL 2000
Noch nie habe ich einen derart schlecht recherchierten Artikel gelesen. Darf ich jetzt auf mehr komische Artikel hoffen, die ich eher in der Bäckerzeitung unter der Rubrik "Heute schon gelacht" erwarte? Nach der Pisaschlappe, schlägt die betroffene Bildungselite gnadenlos mit Halbwahrheiten auf Imker ein. So wird es aber nichts mit dem Auftrag der Presse zur unabhängigen Berichtserstattung. Wenn das Thema nicht so wichtig für die Freiheit der Landwirte und Verbraucher wäre, könnte man ja noch über diesen Unsinn hinwegsehen. Die Pressefreiheit wird als hohes Gut angepriesen, gönnt den anderen auch ihr Recht auf ihre angestammte Freiheit. Die Freiheit frei wählen zu können was man anbaut und dann erntet; und was man ißt.
Unter uns alten Betschwestern, fangen Bienen nach dem Verzehr von GVO Pollen tatsächlich an, Läusen am Hintern zu nuckeln? Wie wird sich das wohl dann auf Menschen auswirken? Ehrlich will´s überhaupt nich´ wissen!!
Stellen Sie sich vor, dass Ihnen eine Folge von Lottozahlen 6 aus 49 vorgelegt wird.
Sind Sie in der Lage festzustellen, ob diese Folge zufällig gezogen oder nach einem speziellen Algorithmus produziert wurde?
(Es ist schlechterdings nicht möglich!)
In demselben Sinne können wir beim Betrachten der Gene nicht rückschließen, ob sie auf "natürliche Weise" etwa durch natürliche Radioaktivität, Ablesefehler auf Grund der schieren Wärmebewegung, Mutagene etc. etc. oder durch gezieltes Engineering zustande gekommen sind.
In einem wichtigen Sinne ist der Mensch gar nicht in der Lage, etwas den Naturgesetzen Widersprechendes zu tun.
(Geisteswissenschaftlerinnen übersehen so etwas gerne.)
Die Frage kann damit also nur lauten, verstärken wir mit dem genetic Engineering nachteilige Prozesse, die in die Natur schon durch die fortwährenden Mutationen sowieso auftreten?
Da ist eher das Gegenteil der Fall: Wir versuchen zu reparieren.
Sie sagen, das sei aber ein unzulässiger Eingriff, von der Natur nicht gewollt? Denselben Einwand mussten sich Anästhesisten anhören, als sie das erste Mal Schmerzmittel verabreichten: Schmerz sei etwas natürliches, ihn zu unterdrücken sei unnatürlich.
Deswegen mein abgrundtiefes Misstrauen gegenüber den Vetreterinnen der Natürlichkeit.
In demselben Sinne sind neue Gene kein neues Risiko für die Natur. Die Natur nimmt alles was kommt. Sie hat die sauerstoffproduzierenden Mikroorganismen verkraftet, die sich als genetisch absolut innovative Spezies völlig rücksichtslos auf der Erdoberfläche breitgemacht hatten und fast alles andere Leben vergifteten. Sie wird den Menschen verkraften und nicht nur das: sie wird auf ihn und seine diversen Techniken angewiesen sein, will sie eine Perspektive über die nächsten Milliarden Jahre hinaus haben.
Eine letzte Bemerkung zum Botulismus-Toxin. es handelt sich hier um das stärkste bekannte Gift. Stärker etwa als die Dioxine oder das Gift des Diphtherie-Erregers. Und da muss ich über die Nonchalance (oder soll ich sagen Doppelmoral) unserer Imker schon schmunzeln.
Herzlichst Crest
@medardus
Natürlich werden die kleinen Viecher mal eine Resistenz gegen das Bt Protein entwickeln. In Laborstudien konnte man Linien von Zünslern heranziehen, welche ziemlich unbeeindruckt vom Bt Cry Protein sind. Man wird nur durch geeignetes Mangement erreichen können, dass die Resistenzbildung herausgezögert wird. Dies ist aber ganz normal. Es wird halt dann irgendwann ein anderer Wirkmechanismus gegen die Viecher gefunden. Bt wird außerdem auch sehr gerne von Biobauern gespritzt, ist so ziemlich das einzigste Insektzid was sie hernehmen dürfen. Der Kampf gegen die Resistenzbildung ist so alt wie die Landwirtschaft. Deswegen werden ja auch ständig neue Sorten gezüchtet.
Zusätzliche Info gibts hier:
[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
Bei dem von Ihnen zitierten Paper Mazza et al. (2005) muss man aber auch fairerweise erwähnen, dass auch andere nicht-transgene Sequenzen im tierischen Gewebe gefunden wurden. Es wurden außerdem lediglich Fragmente der Gene gefunden und keine funktionsfähigen. Die Autoren der Studie folgern außerdem, dass die Wahrscheinlichkeit eines Gentransfers bei Verzehr von transgenen Pflanzen nicht höher , wie die bei dem Verzehr von nicht-transgenen Pflanzen ist.
Worauf ich bislang noch keine Antwort gefunden habe, ist, wie es sich mit der Resistenzentwicklung bei den bekämpften Schadinsekten verhält. Ist der Wirkmechanismus von BT wirklich derart, dass eine Resistenzbildung absolut ausgeschlossen ist? Oder verfährt man nach dem Prinzip: schaun mer mal ...
Die Verfasserin des Artikels " Dreck im Stock " Frau Amélie Putzar [Anm. der Redaktion: Der Artikel ist von Bettina Gartner - Amélie Putzar ist die Illustratorin und Bienen auch sonst sehr zugeneigt.] schreibt einen solchen Unsinn über die Imkerei, dass sich mir sämtliche Haare aufstellen ! Hat die Dame etwa auch Honorar für diesen Blödsinn bekommen? Ich lade die Verfasserin gerne in meine Imkerei ein, falls der Name nicht nur ein Synonym sein sollte. Solche Artikel sind wirklich und wahrhaftig für eine Zeitschrift wie die " Die Zeit " nicht würdig. Ich hatte bisher den Eindruck das " Die Zeit " eine seriöse Zeitschrift ist. Dieser mein Eindruck hat sich leider nicht bewahrheitet. Abgesehen von völlig falsch beschriebenen Fakten strotzt dieser Artikel nur so von plumpen Falschaussagen und ist nichts weiter als polemisch. In wessen Auftrag hat " Die Zeit " diesen Artikel verfassen lassen ? Etwa im Auftrag der Agrochemieherstellermafia, vereint in der Fördergemeinschaft Nachhaltiger Landwirtschaft?
Fridolin Brandt
[ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]
Es ist erfreulich, dass ein Artikel ueber Gentechnologie auch mal versucht, die Dinge von verschiedenen Seiten zu beleuchten, und nicht nur (wie in letzten Jahren hauefig geschehen) Angstmacherei ueber Gentechnik betrieben wird.
Was Bt angeht, so sollten sich die Imker in Deutschland mal Gedanken darueber machen, dass Bt in verschiedenen Praeparaten als Insektenbekaempfungsmittel verwendet wird. Dies ist sogar in der sogenannten "organischen" Landwirtschaft zugelassen. So kommt dann das Bakterium (nicht das Toxin alleine, wie in gentechnisch veraenderten Pflanzen) in Beruehrung mit den Nutzpflanzen und es ist mit Sicherheit auch auf Pollen vorhanden - damit kann es selbstverstaendlich auch im Honig auftreten. Nun moechte ich wissen, warum die Imker nicht schon lange auf die Barrikaden gegangen sind? Zum Beispiel gegen die Verwendung von Bt in der organischen Landwirtschaft?
Weiterhin sollte man sich bei dem Begriff "Gendreck" mal klarmachen, dass gentechnisch veraenderte Pflanzen in viel geringerem Masse genetisch veraendert wurden, als zum Beispiel solche die schon seit vielen Jahren "konventionell" gezuechtet wurden. Bei konventioneller Zuechtung (bei der uebrigens auch mutagene Bestrahlung zur Veraenderung des Erbguts erlaubt ist) entsteht ein komplett neues Genom, dessen Zusammensetzung und Eigenschaften niemand testet. Die Auswirkung dieser Veraenderung der Gene auf Natur und Gesundheit der Menschen kann nicht vorhergesagt werden - und wird interessanterweise auch nicht hinterfragt.
Es wird Zeit, dass die Diskussion um die Gentechnik auf eine wissenschaftliche Basis gestellt wird, bei der Fakten zaehlen, nicht Angstmacherei. Leider ist dies schwer zu erreichen, denn die Gruppen und Institutionen, die sich den Kampf gegen die Gentechnologie auf die Fahnen geschrieben haben, verdienen gut mit dieser Angstmacherei. Dazu gehoert leider zB auch Greenpeace, der zu einem Weltkonzern geworden ist und mit der Angstmacherei um Gentechnologie gute Geschaefte macht.
In vielen Laendern der Erde werden heute gentechnisch veraenderte Pflanzen angebaut (insgesamt auf fast 100 Millionen Hektar, mit stark steigender Tendenz), und die positiven Auswirkungen auf die Umwelt sind tausendfach nachgewisen worden. Wer sich die Muehe macht, die wissenschatliche Literatur zu diesem Thema zu studieren, wird sehr schnell die Diskrepanz zwischen der durch Daten belegten Wirklichkeit, und der von Anti-Gentechnologie Aktivisten verbreiteten Ideologie erkennen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren