ZEIT: In der Frühphase Ihrer Karriere hatten Sie eine ganz besondere Madonnen-Erscheinung.

Kerkeling: Ist nur im Rückblick spektakulär. Bei einem meiner ersten Auftritte im Fernsehen traf ich Madonna, die sich, unter uns, benommen hat wie ’ne offene Hose. Und ich saß daneben und hab mir nicht mal ein Autogramm geholt, ich Blödmann. Ich hab mir ein Autogramm von den Thompson Twins geholt, die kennt kein Mensch mehr. Aber ich war damals der festen Überzeugung, dass diese Dame nicht weit kommt.

ZEIT: Sie vergleichen die heiligen Schriften der großen Religionen mit der Bedienungsanleitung eines DVD-Players, die man auch nicht wirklich versteht.

Kerkeling: Ich habe versucht, ein griffiges Bild zu finden, das meine Suche beschreibt. Die Bibel kann man nicht wörtlich nehmen. Ich weiß nicht, ob man das mit anderen Schriften… Man muss ja jetzt vorsichtig sein, was man sagt über andere heilige Schriften, also bleiben wir mal bei der Bibel.

ZEIT: Über den Koran würden Sie so was heute nicht mehr schreiben?

Kerkeling: Ich würde und werde mich öffentlich mit dem Islam nicht beschäftigen. Aus Angst.

ZEIT:Horst Schlämmer, der von Ihnen erfundene und verkörperte Schmuddelreporter, marschiert also nicht in eine Moschee.

Kerkeling: Nein. Da hätte ich Angst. Das steht nicht dafür. In unserem Kulturkreis haben wir genau abgesteckt, wo wir über die Grenzen gehen. Bei den anderen wissen Sie doch gar nicht, wo die Grenze beginnt. Sie befinden sich sofort in einem Minenfeld.

ZEIT: Aber ist nicht die Kunst frei, und Satire darf alles?

Kerkeling: Na ja, aber das ist ja grundsätzlich so: Kirchliche Themen eignen sich eigentlich nicht sonderlich für eine Satire. Zumindest ist mir das kein inneres Bedürfnis.

ZEIT: Das Ziel Ihrer Pilgerreise war es, eine heitere Gelassenheit zu erreichen. Jetzt gehen Sie seit Jahren schon wieder geordnet Ihrem Beruf nach. Ist in dem heitere Gelassenheit überhaupt zu haben?

Kerkeling: Das finde ich nett, dass Sie meinen Beruf als geordnet bezeichnen! Aber es wäre ja schlimm, wenn ich da nicht heiter und gelassen sein könnte. Ich mache Unterhaltungssendungen!

ZEIT: Die aber genug Aufregung produzieren. Ich denke nur an Ihre Show Let’s Dance, deren Kandidatin Heide Simonis auf dem Boulevard als »Hoppel-Heide« verhöhnt wurde. Waren Sie da noch heiter und gelassen?

Kerkeling: Ich bin geradezu dankbar, dass Sie mich darauf ansprechen. Die Art und Weise, wie nahezu alle Medien mit der Dame umgegangen sind, fand ich verantwortungslos. Da ist wirklich versucht worden, einen Menschen zu beschädigen. Und hätte ich es gekonnt und mein Vertrag mich nicht gezwungen, hätte ich mit der Sendung aufgehört. Das ist ein schlimmes Gefühl, wenn Sie gegen die Beschädigung eines Menschen an Ihrer Seite nichts tun können. Das möchte ich nicht noch mal erleben.

ZEIT: Haben Sie in solchen Momenten mal an einen totalen Ausstieg gedacht?

Kerkeling: Wenn mir die Kritiker ordentlich was auf die Ohren gegeben haben oder so ein Sender mich mal wieder vor die Tür gesetzt hat, dachte ich: Jetzt gehst du nach Neuseeland, nimmst dir zwei, drei Schafe mit und schaust, was noch so alles geht. Man kann eben in jeder Sekunde neu anfangen.

ZEIT: Wie sind Sie überhaupt zu Ihrem Beruf gekommen? Zu viel Fernsehen geschaut?

Kerkeling: Ich vermute es fast. Ich hab mit meinen Großeltern immer die großen Samstagabend-Shows geguckt, und irgendwann bin ich bei einer Peter-Frankenfeld-Show zu der Überzeugung gekommen: Das ist das, was ich machen möchte.