Entertainer »Vor allem bin ich nicht ich«Seite 5/5
ZEIT: Was sind für Sie Gradmesser des Erfolges?
Kerkeling: Ganz schwierige Frage. Ganz banal: dass ich mir Gott sei Dank im Laufe der Jahre eine Unabhängigkeit erarbeitet habe. Das ist nur möglich durch die Akzeptanz des Publikums. Zu meinem Buch habe ich wahnsinnig viel Post bekommen. Eine Frau schrieb mir: Sie hätte es gelesen, weil es das letzte Buch gewesen sei, das ihre 39-jährige Schwester kurz vor ihrem Tod gelesen hätte. Da hab ich geschluckt und gedacht: Was ist das für eine Verantwortung! Das ist kein Erfolg, sondern ein Hoffen darauf, dass man irgendwie helfen konnte. Nützlich war. Was Sinnvolles getan hat. Jemanden in den Arm genommen hat. Seitdem ertappe ich mich dabei, dass ich mir über wirklich jedes Wort Gedanken machen muss. Man darf allerdings auch nicht zu perfekt werden wollen und muss eine gute Mischung finden aus »Scheißegal, was ich jetzt sage« und »Ich passe höllisch auf«.
ZEIT: Haben Sie manchmal Angst, schon in jungen Jahren zum TV-Urgestein petrifiziert zu werden? Sie sind zwar erst 42, waren aber schon bei Dalli Dalli zu Gast…
Kerkeling: Und beim Großen Preis , bei Wim Thoelke! Ich bin genau auf der Schnittstelle, weil ich so früh angefangen habe. Ich habe noch alle diese großen TV-Dinosaurier bis auf Peter Frankenfeld persönlich kennen gelernt und durfte mit ihnen arbeiten.
ZEIT: Gibt es diesen Typ Entertainer überhaupt noch?
Kerkeling: Ich denke schon. Ich würde sagen, jemand wie Bastian Pastewka ist durchaus ein Entertainer. Und wenn ich in diese Reihe eingeordnet würde, bin ich der Letzte, der schreit: Nehmt mich da raus! Das ist die größte Ehre, die man mir zuteil werden lassen kann.
ZEIT: Sind Ihre frühen Sternstunden nicht manchmal eine unerträgliche Last?
Kerkeling: Nee. Zwei Tage nach der Beatrix habe ich gedacht: Oh Gott, das kannst du nie wieder toppen. Deine Karriere ist heute zu Ende. Irgendwann habe ich mir aber gesagt: Sei froh, dass es dir passiert ist, das ist ja auch ein Geschenk.
ZEIT: Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen nix mehr einfällt?
Kerkeling: Nö. Mir passiert so viel, mir muss gar nix einfallen. Am Ende eignet sich alles zur Verwertung, was ich so erlebe.
ZEIT: Begegnen Ihnen die Menschen total befangen, weil sie fürchten, in einem Ihrer Sketche zu landen?
Kerkeling: Als ich diese Gallenkoliken hatte und wirklich dachte, ich krepiere, habe ich den Notarzt angerufen und gesagt: Bitte kommen Sie sofort, ich sterbe! Hahaha, großes Gelächter am anderen Ende. Ach nää, so schlimm wird dat wohl nich sein! Als der Krankenwagen dann endlich kam, dachten die immer noch, ich scherze. Erst als sie mich sahen, sagten sie: Um Gottes willen!
ZEIT: Wo wollen Sie in 20 Jahren sein?
Kerkeling: Ich hab ein relativ klares Ziel vor Augen. Aber das werde ich nicht verraten. Hat eigentlich nichts mehr mit Fernsehen zu tun. Ich hab irgendwann für mich beschlossen: Ich möchte mich nicht vor der Kamera alt werden sehen. Das ist vielleicht was ganz Eitles. Ich möchte mich da nicht sehen und denken: Oh Gott, wie siehste denn da wieder aus!
ZEIT: Sie wollten als junger Mensch mal den Hamlet spielen. Ihr Kollege Harald Schmidt machte kürzlich mit Beckett eine späte Theaterkarriere. Ist das etwas, das Sie noch reizen könnte?
Kerkeling:
Nein. Nachdem ich vorgesprochen hatte bei der Schultheatergruppe und die gesamte Truppe zusammenbrach vor Lachen, sagte die Leiterin: Du bist ein echtes Talent, und wir brauchen dich auch. Aber bitte lies dir mal die komische Rolle durch.
Das Gespräch führte
Christof Siemes
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- Datum 09.01.2008 - 03:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 09.11.2006 Nr. 46
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Hape Kerkeling ist ein Mensch voller Liebe. Immer gut gelaunt, immer zuhörend und bereit auf jemanden zuzugehen. Er würde aus seiner Grundhaltung niemals jemanden vorsätzlich verletzen und hat doch genügend Haltung denjenigen, die Schwächere ausnutzen die Stirn zu bieten und sie mit Humor und Satire vorzuführen. Selbst da nimmt er den "Ertappten" nicht die Würde. Es gibt nur wenige Menschen, die mit der Gabe gesegnet sind andere zum Lachen zu bringen. In dem knallharten Geschäft des Showbusiness, in dem er als junger Mensch auch viele demütigende Erfahrungen erleiden musste, ist er eine liebenswerte, wie markante Persönlichkeit, die uns mit Witz, Herz und der Ironie der Realsatire immer wieder den Spiegel unserer Unvollkommenheit vorhält.Dafür lieben wir ihn. Danke Hape
s. anhang: hätte gerne ein Bild dazu geschickt: wie schaffe ich das?
U. sager
So eifach sollte sich das auch ein Hape Kerkeling nicht machen. Was hinterlässt da ein deutscher Pilger für einen Eindruck in Spanien. Hape Kerkeling spricht und versteht die spanische Sprache. Wenn etwas nicht eßbar ist, so sollte er so viel Mann sein und reklamieren. Mit Weglaufen hat noch niemand ein Problem gelöst. Ferner hat er vorher schon ein Wasser bestellt und dieses Wasser hat er nicht bezahlt, also er ist ein Zechpreller. Narürlich gibt es in Spanien auch Lokale, wo das Esssen nicht so hervorragend ist, doch wenn es nicht geniesbar ist, dann ist es auch die Pflicht, dass man dies offen reklamiert. Glaubt Herr Kerkeling, dass durch Zechprellerei, dieser spanische Wirt seine Speisen ändert? Wohl kaum und anderen Pilgern würde so etwas nur erspart bleiben, wenn Herr Kerkeling den Mund aufgemacht hätte.
Bzgl. der Zechprellerei habe ich in Spanien leider zweimal die Erfahrung gemacht, daß Reklamieren nichts bringt. Es führte dazu, daß die halbe Mannschaft geholt wurde, die für das Essen schwärmte und man dadurch jeglicher Möglichkeit "beraubt" wurde, die Zeche überhaupt noch prellen zu können. Trotz Spanischkenntnisse. Ja diesbezüglich herrschen in Spanien rauhe Sitten. Insofern würde ich bei nächsten ungenießbaren Essen in diesem Land vermutlich ähnlich handeln wir Herr Kerkeling...
Persönlich wundert es mich nicht, daß das Buch von Herrn Kerkeling so erfolgreich ist. Wenn man im Showbusiness erstmal bekannt ist, dann verkaufen sich Printmedien auch gut. Gilt ja auch für Memoiren von Altpolitikern. Es gibt viele andere Berichte von Wanderwegen, auch von Jacobsweg oder dem Fernwanderweg E1, die nicht im Entferntesten daran anknüpfen können. Weil die Autoren einfach unbekannt sind.
http://www.turzynski.de
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