Im Mai 1991 gab der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl ein kühnes Versprechen. »Wir wollen«, verkündete er vor Arbeitern im Chemiedreieck von Sachsen-Anhalt, »dass hier die Chemie weiterexistiert.« Seine Zuhörer feierten den Christdemokraten als Wundertäter, galten die Standorte doch als unsanierbar. Knapp ein Jahr später erklärte sich ein Konsortium aus dem französischen Ölmulti Elf-Aquitaine und dem Thyssen-Konzern bereit, eine moderne Raffinerie in Leuna zu bauen.

Doch das gefeierte deutsch-französische Geschäft entpuppt sich schon bald als Politkrimi. Insgesamt 1,1 Milliarden Mark Subventionen zahlen Deutschland und die EU an die Investoren – und bereits 1994 ermitteln französische und Schweizer Richter wegen des Verdachts auf Betrug, Untreue und Geldwäsche im Zusammenhang mit der Privatisierung von Leuna. Sie finden auch eine deutsche Spur. Mindestens 100 Millionen Mark sollen über Briefkastenfirmen und Konten in Liechtenstein nach Deutschland geflossen sein – Empfänger unbekannt. Just jene Akten, die darüber genauere Hinweise hätten geben können, kommen abhanden: Sie werden aus dem Gebäude der französischen Finanzpolizei gestohlen.

Die Leuna-Affäre beschäftigt auch einen Untersuchungsausschuss des Bundestages. Allerdings sind die Abgeordneten mehr daran interessiert, ob sich die Kohl-Regierung hatte bestechen lassen. Ob die Baukosten überhöht waren, wie die EU-Kommission vermutet, bleibt im Dunkeln.

Diesen Subventionsbetrug belegen nun Dokumente, die der ZEIT vorliegen. Demnach haben Tochtergesellschaften von Thyssen und Elf große Teile der staatlichen Zuschüsse in die eigenen Kassen geleitet – und die Gewinne daraus geschickt versteckt.

Fall Leuna - Wie Thyssen und Elf beim Raffineriebau zu Unrecht Hunderte Millionen Mark Subventionen kassierten »

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