Peer Wagner

Ein Steh-Imbisswirt gibt zur Debatte um Patriotismus seinen Senf dazu

Leipzig

Politisch aktiv war Peer Wagner noch nie, seit Kindertagen wollte er nur eines: einen Imbiss eröffnen. Inzwischen ist er 40 Jahre alt und hat es geschafft. Mit seiner selbst konstruierten und patentierten mobilen Würstchenbude steht er, der gelernte Elektriker, geschäftlich auf eigenen Füßen, eine Beschreibung, die man getrost wörtlich nehmen kann: Wagners Imbiss in der Leipziger Fußgängerzone ist nichts anderes als ein Bauchladen-Grill.

Außer Geschäftssinn und Standhaftigkeit demonstriert der selbstständige Würstchengriller neuerdings auch Nationalstolz.

Schwarz-rot und, nun, senffarben ist die selbst kreierte Gewürzpaste, die er rund 150-mal pro Tag aus der Tube quetscht. Die Bratwurst kostet immer noch 1,50 Euro, seinen Senf gibt Wagner gratis dazu. Wir müssen zurück zu einem gesunden Nationalbewusstsein, sagt er. Seit der Fußballweltmeisterschaft trauen sich die Menschen wieder, Deutsche zu sein.

Deutschlandsenf hat Wagner seine Kreation getauft, ein schlichter und zugleich großer Name für eine schlichte Mischung aus Wasser, Essig, Salz und geschroteten Senfkörnern, mit der er Großes vorhat. Von Leipzig bis nach Mallorca, hofft Wagner, könne sein Deutschlandsenf künftig auf der Bratwurst thronen, um dort, wo Goethe-Institute nichts ausrichten können, für die deutsche Sache zu werben. Die Wurst ist für Wagner ein deutsches Kulturgut, der Senf quasi das I-Tüpfelchen.

Selbst das Haus der Geschichte in Bonn hat sich bereits eine Tube erbeten.

Wie er die drei Farbstränge in die Tube bekam, verrät Peer Wagner nicht, und von seiner Farbmischung gibt er nur eine Andeutung preis.

Rote-Beete-Pulver funktioniert jedenfalls nicht, das wird höchstens himbeerrot. Literweise haben er und seine Frau in den letzten Monaten zu Hause Senf angerührt, bis der Nationalsenf endlich Produktreife erlangte.

Ärger wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, wie es in Paragraf 90a des Strafgesetzbuches heißt, sei nicht zu befürchten, sagt Wagner. Es ist ja kein Spaßprodukt, sondern eine ernste Sache, die ich anbiete.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle DIE ZEIT, 46/2006
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte Goethe-Institut | Bonn | Mallorca | Leipzig
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service