Al-Dschasira Ein neuer Blick auf die Welt

Al-Dschasira International startet

Wie viele Wahrheiten gibt es? Und wie viele globale TV-Stationen, um sie zu verbreiten? Seit gestern lautet die Antwort: eine mehr als bisher. Um 13.00 Uhr ist das größte Experiment im Fernsehen seit 20 Jahren auf Sendung gegangen: al-Dschasira International. Es war ein langer Countdown. Zweimal wurde er abgebrochen. Doch von Mittwoch an will al-Dschasira International sein Bild von den Krisenherden dieser Welt in alle Welt liefern. 300 Journalisten sind dafür angeworben worden, viele auch von CNN, ABC, CBS und BBC, um »eine Alternative« aufzubauen, wie es heißt.

Bei der Suche nach dem Wesen dieser Alternative fällt der Blick zwangsläufig auf den Schwester- oder wenn man so will »Mutter«-Kanal al-Dschasira. Den Namen und das Logo mit der Flamme kennt heute fast jeder, es ist die viertbekannteste Marke der Welt. Nur, was dort vorgeht, was gesagt und gezeigt wird, darüber kann allenfalls eine Minderheit urteilen. Das Programm ist auf Arabisch, was nur etwa 350 Millionen Menschen sprechen.

Im Westen wurde al-Dschasira erst bekannt, als der Sender die ersten Videobänder des Terroristen Osama bin Laden nach den Anschlägen am 11. September 2001 in New York zugespielt bekam – und sie sendete.

Seither tobt die Debatte um Lügen, Manipulationen und die Grenzen von unabhängigem, »objektivem« Journalismus. War al-Dschasira zu nah an den Taliban und Saddam Hussein, an Terroristen und Diktatoren? Oder erfüllten die Mitarbeiter des Senders lediglich ihre journalistische Pflicht? Umgekehrt wird die Arbeit von CNN und BBC außerhalb des Westens oft als fortgesetzte Kolonialherrschaft mit den Mitteln des Medienzeitalters betrachtet. Alles beginnt mit Fragen wie jenen, wer ein Terrorist und wer ein Freiheitskämpfer ist. Wer der Angreifer und wer das Opfer. Mit al-Dschasira International gibt es jetzt einen neuen Ort für Debatten über den westlichen, den östlichen und den fernöstlichen Blick. Und die daran hängenden Wahrheiten. Da der Sender in englischer Sprache sendet, werden sich mehr Menschen ihr eigenes Bild machen können. Gerade auch im Westen.

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Leser-Kommentare
  1. Was die Fakten betrifft, so fühlte ich mich durch die AlJazeera Berichterstattung zum Libanonkrieg (in der Türkei auf Englisch) besser informiert, als durch die in dieser Zeitung. Das Maß hierfür setze ich durch die Aufarbeitung des Konflikts in der israelischen Presse.

    Insofern, Ball flach halten bitte! Erst recht nachdem Herausgeber Joffe in seinem Artikel einen sehr zweifelhaften Bericht über die Ermordung eines palästinensischen Kindes als Maß für Seriösität anpreist und einen Bush-Lügen-Unterstützenden Neocon als Meinungsbilder andienen möchte. Typisch ist auch, dass der Leserkommentar, welcher die Zweifelhaftigkeit des Berichts offenbart, der Zensur zum Opfer gefallen ist.

  2. 2.

    Ich stimme Ihnen voll zu!

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