In diesem Reich war 36 Jahre lang alles wie immer. Mit markigen Sprüchen warb die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) für Fleisch (Kleine Schweinerei gefällig?), Rohkost oder Milch aus hiesiger Produktion.Bezahlen mussten das die deutschen Bauern, ob sie wollten oder nicht. Doch nun rebellieren sie gegen die gesetzlich verordnete Zwangsvermarktung und bringen die CMA in Existenznot.

Es hat sich alles überworfen, sagt CMA-Geschäftsführer Jörn Johann Dwehus. Er sitzt in seinem spärlich dekorierten Büro in Bonn und leitet ein Unternehmen, in dem nichts mehr sicher ist.Der Etat für das nächste Jahr wurde auf 50 Millionen Euro halbiert.Unter anderem, weil vier von zehn landwirtschaftlichen Betrieben ihre Pflichtbeiträge neuerdings nur noch unter Vorbehalt zahlen. Das Bundesverfassungsgericht, so das Kalkül der aufmüpfigen Bauern, könnte das ganze System CMA demnächst kippen. Erstmals in ihrer Geschichte lernt die Marketingorganisation die Macht des Marktes kennen, in dem Angebot und Nachfrage offenbar nicht zusammenpassen. Schade, sagt Dwehus, dass uns das in der eigenen Institution bewusst gemacht wird.

Die CMA steckt in der Zwickmühle und zwar genau wegen ihres Auftrags, deutsche Agrarprodukte anzupreisen. Die Europäische Kommission stuft einerseits die staatlich verordnete Zwangsfinanzierung als illegale Beihilfe ein, die den Wettbewerb im freien Binnenmarkt verzerrt. Andererseits fordern die Bauern, dass die CMA ihrem Auftrag endlich nachkommt. Wir sehen keine Leistung für das Geld, klagt Maria Heubuch, Milchbäuerin aus dem Allgäu und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Auch Verbände wie der Rheinische und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband raten ihren mehr als 70.000 Mitgliedern, nur noch unter Vorbehalt zu zahlen.

Früher war alles anders. Der Slogan Markenqualität aus deutschen Landen hätte in Cannes zwar keinen Werbe-Oscar gewonnen, warb aber immerhin nur für Deutschlands rund 390.000 landwirtschaftliche Betriebe. Seit aber der Europäische Gerichtshof 2002 urteilte, dass dieser Slogan dem Grundsatz des freien Warenverkehrs widerspreche, geht es mit der CMA bergab. Ein neues Qualitätssiegel auch für ausländische Betriebe sollte CMA und europäische Richter wieder versöhnen doch prompt beschwerten sich die heimischen Mitglieder, die keine Lust hatten, indirekt ihre Konkurrenten zu unterstützen.

Kreativität war nicht nötig, Geld kam in jedem Fall

Den deutschen Landwirten geht es ums Geld. Jeder Betrieb zahlt durchschnittlich rund 0,4 Prozent seines Umsatzes an den Absatzfonds, der die Beiträge an die CMA und die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) verteilt. So regelt es das Absatzfondsgesetz von 1969. Gegen die ZMP, die für transparente Preise auf dem Agrarmarkt sorgen soll, hat niemand etwas. Die CMA bekommt aber zehnmal mehr Geld aus dem Fonds noch in diesem Jahr waren das 106 Millionen Euro. Zusammen mit europäis chen Mitteln für gemeinsame Werbekampagnen und sonstigen Einnahmen (zum Beispiel für Seminare) betrug ihr Haushalt 112,8 Millionen Euro. 20 Millionen davon gibt das Unternehmen bisher für klassische Werbung aus.

Dabei versprüht die CMA nichts von der Kreativität einer Marketingagentur. Eigentlich ist nichts spannend hier, sagt ein Mitarbeiter. Kreativität war auch nicht nötig, denn das Geld kam so oder so. Schon am Jahresanfang konnte man einen Haushaltsplan aufstellen, und dann wurde ausgegeben.