Audienz Beim Papst

Wie begrüßt man den Papst, wenn er einen zu einer Audienz empfängt? Und was erfährt man über Benedikt XVI. während eines dreitägigen Besuchs im Vatikan?

Was sagt man eigentlich dem Papst? Es gab bei dieser Reise zu Papst Benedikt XVI. zwei Momente, in denen ich eine Rolle spielte. Wenn man dem Papst gegenübersteht, soll man sich ihm, hatte ich zuvor gehört, kurz vorstellen und einige Sätze mit ihm austauschen. Mehr sei wegen der knappen Zeit nicht drin. Einige Sätze. Was sagt man dem Papst, wenn man nur einige Sätze hat?

Der zweite Moment fand ein paar Stunden nach der Audienz mit dem Papst in einem Fotogeschäft statt, das für den Vatikan arbeitet und Vatikan-Besuchern Fotos von ihren Begegnungen mit dem Heiligen Vater verkauft. Dort, auf einem Computermonitor, ist das Bild von dem Papst und mir zu sehen. Der erste Gedanke: Sieht aus wie eine Fotomontage, so unwirklich, wie eine Fälschung aus dem Internet. Das also ist mein Bild mit dem Papst. Und welches Bild vom Papst habe ich nach drei Tagen Empfängen, Abendessen und Gesprächen im Vatikan?

Der Herder-Verlag aus Freiburg hatte Mitarbeiter und ein paar Journalisten nach Rom eingeladen, um ein Dienstjubiläum der besonderen Art zu feiern. Am 8. November 1956, vor genau 50 Jahren, hatte ein 29-jähriger Doktor der Theologie namens Joseph Ratzinger seinen ersten Arbeitsvertrag mit dem Verlag unterschrieben. Er sollte für das Lexikon für Theologie und Kirche die Artikel Auferstehung des Fleisches « und Auferstehungsleib schreiben, 204 und 68 Druckzeilen, das Honorar betrug 25 Pfennig pro Zeile. Der junge Autor lieferte seine Texte pünktlich.

Aus dem Doktor wurde ein Professor, aus dem Professor wurde schließlich der Papst. Wenn man den eigentlich unmöglichen Versuch unternimmt, sich innerhalb weniger Tage Benedikt XVI. journalistisch zu nähern, und wenn man sich umhört bei alten Bekannten und ehemaligen Studenten, Freunden und Mitarbeitern, bekommt man immer wieder eine Einschätzung zu hören: dass es sein könne, dass der Papst ein Professor geblieben sei, ein Intellektueller, der sich am liebsten mit Büchern umgebe.

In seiner neuen Wohnung im Apostolischen Palast habe er sich erst zu Hause gefühlt, sagt einer aus seiner Umgebung, als seine Bücher endlich da gewesen seien. Bei einem Empfang in der Nähe des Petersdoms hält Kardinal Lehmann in Abwesenheit des Papstes eine Rede auf ihn und erklärt, man könne schon von seinen frühen Texten auf den Charakter des Autors schließen. »An den Krallen«, sagt Lehmann, »erkennt man den Löwen.« Und nachdem Kardinal Lehmann seine Rede gehalten hat, erzählt ein ehemaliger Student, der den Papst vor kurzem auf seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo besucht hat, von einem Vortrag, den ein Naturwissenschaftler dort gehalten habe. Kaum war der Wissenschaftler fertig, meldete sich der Papst zu Wort und fasste den Inhalt in wenigen Sätzen zusammen – in seiner eigenen Interpretation. »So war er schon an der Universität«, sagt der ehemalige Student, »hatte jemand wieder einmal einen verdrechselten Vortrag gehalten, den man kaum verstehen konnte, fasste ihn Professor Ratzinger am Ende der Stunde in seinem eigenen Sinn kurz und knapp und klar zusammen.«

Mit seiner Regensburger Rede im September hat der Papst die erste politische Krise seiner Amtszeit ausgelöst, als er einen mittelalterlichen, byzantinischen Kaiser zum Verhältnis des Islams zur Gewalt zitierte. Wenige Tage danach, die halbe islamische Welt war mittlerweile in Aufregung, schrieb ein Leser G. aus München dem Herder-Verlag: »In dem Buch Der Geist der Liturgie von Joseph Ratzinger scheint auf Seite 93 in Zeile 12 sich ein Fehler eingeschlichen zu haben. Die besagte Notiz findet sich meines Wissens … nicht bei Tertullian, wie angegeben.« Es ging darin nicht um den Islam, sondern um die Frage, warum Ostern an Ostern stattfindet. Burkhard Menke, bei Herder der Lektor des Papstes, war ratlos und wandte sich an Georg Gänswein, den Privatsekretär des Papstes. Gänswein versprach ihm, er werde den Brief des Lesers an den Autor weiterleiten. Der Islam-Streit nach Regensburg war noch nicht beigelegt, da erreichte den Verlag bereits ein Schreiben, geschickt mit der vatikanischen Post:

»Sehr geehrter Herr Menke,

zu Ihrem freundlichen Brief, mit dem Sie mir mitteilen, dass Herr G. auf Seite 93 meines Buches einen Fehler gefunden zu haben meint, darf ich Ihnen mitteilen, dass die besagte Notiz sich – wie es in meinem Buch steht – tatsächlich bei Tertullian befindet:

Adversus Judaeos VIII 18. CChr. Series Latina II 1363: Christus starb unter dem Caesar Tiberius, die octava Kalendarum Aprilium, die prima azymorum.

Mit freundlichen Grüßen«

Darunter handschriftlich, in kleinen, rundlichen Buchstaben mit Sütterlin-Anleihen:

»Benedictus PP XVI.«

Der Papst war bei seiner Ehre gepackt, der Ehre eines Professors, dem man besser nicht damit kommt, er habe einen Fehler gemacht. Da mochten sich jeden Tag neue Kritiker seiner Regensburger Rede zu Wort melden, der Professor hatte sich die Zeit genommen und in seiner Bibliothek nach der Quelle gesucht.

Und die Regensburger Rede selbst? War dem Papst oder seinem Stab die politische Dimension vorher klar? Man dürfe sich das nicht so vorstellen, sagt sein Privatsekretär Georg Gänswein, dass der Papst »sich das Zitat gegoogelt« habe. Das Buch habe tagelang auf dem Nachttisch des Papstes gelegen, er habe die Aussage des byzantinischen Kaisers dann ganz selbstverständlich verwendet. Die Regensburger Rede ist im Vatikan und Umgebung immer noch ein Thema, und nach vielen Gesprächen entsteht ein Gesamtbild: Es ist offenbar nicht einfach, den Papst auf Fehler hinzuweisen. Er ist schließlich der Papst. Und es wird deutlich, dass der Papst das Problem von mächtigen Menschen in gesteigerter Form erlebt, die sich manchmal fragen: Wer warnt mich vor meinen Fehlern? Georg Gänswein jedenfalls erklärt, der Papst habe wie ein Wissenschaftler gedacht. Und vielleicht dachte der Akademiker in ihm: Wenn ich jemanden zitiere, mache ich mir doch seine Meinung nicht zu Eigen!

Wenn es also stimmt, dass in diesem Papst ein Professor steckt, wie begeht ein professoraler Papst eine päpstliche Audienz? Am Mittwoch vergangener Woche sitzt Benedikt XVI. auf der Bühne vor dem Petersdom. Der Papst trägt ein weißes Messgewand und auf dem Kopf einen weißen Pileolus, seine runde Kappe. Er empfängt wie jeden Mittwoch Pilger zur Generalaudienz, 15000 sind es diesmal. Er bewegt sich kaum, den Oberkörper hat er leicht nach vorn gebeugt, nur die Füße wollen nicht ruhen. Die roten, schnurlosen Lederschuhe sind unaufhörlich in Bewegung. Obwohl er sitzt, schiebt er sie abwechselnd nach vorn und wieder zurück, immer wieder und wieder, so, als wolle sein Körper aufstehen und gehen, und nur der Verstand hindere den Mann daran, die Menge dort unten auf dem Petersplatz im Stich zu lassen.

Die Sonne scheint, und der Papst sitzt, geschützt durch ein Zeltdach, im Halbschatten. »Liebe Brüder und Schwestern! Das Thema der letzten Katechese war die Bekehrung des Apostels Paulus«, spricht er. »Heute wollen wir zwei Aspekte näher betrachten: den Glauben als Grundlage unserer Existenz und die persönliche Teilhabe am Leben Jesu.« Er sitzt auf einem Stuhl aus dunklem Holz, der mit hellem Stoff bespannt ist, links neben ihm steht ein Kruzifix, und links hinter dem Papst hat sein Privatsekretär Georg Gänswein Platz genommen. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Kaum hat Benedikt XVI. das Manuskript auf Italienisch vorgelesen, steht Gänswein auf, dreht das Mikrofon beiseite, reicht dem Papst ein Manuskript mit einer anderen Sprache, dreht das Mikrofon wieder vor Benedikts Gesicht. Dieses Ritual wiederholt sich dreimal, bis plötzlich Gänswein eine ungewöhnliche Bewegung mit der Hand macht – was genau ist passiert? Man sieht es im Gesicht des Papstes: Der Papst lutscht an einer Art Bonbon, der Trockenheit im Mund verhindern soll. Er schaut dabei so unauffällig wie ein Schulbub, der vom Lehrer nicht mit einem Kaugummi im Mund erwischt werden möchte.

Der Papst wartet beim Vortrag nicht, bis sein Sekretär das Mikrofon wieder vor sein Gesicht gedreht hat; mitten in der Drehbewegung liest er einfach los. Er hat es eilig. Johannes Paul II. war, als er noch Karol Wojtiła hieß, Schauspieler und genoss solche Zeremonien. Einem Professor hingegen muss das Spektakel eher fremd bleiben, auch wenn er weiß, dass es zu seiner neuen Rolle gehört.

Von einem zweiten Mikrofon aus und in ihrer jeweiligen Landessprache werden dem Papst jetzt die Besuchergruppen vorgestellt, die an diesem Tag zum Petersplatz gekommen sind. Jede Gruppe, kaum hat sie ihren Namen gehört, springt in die Luft, jubelt und klatscht, der Papst dreht sich in Richtung des Jubels, lächelt und winkt der Gruppe zu. Es muss ein anstrengendes Ritual sein, Dutzende Male hebt er den rechten Arm, nach einer Weile kommt er aus dem Takt und winkt bereits, bevor der Name der Gruppe genannt wird. Als ihm die »Evangelische Gemeinde aus Berlin-Mitte« vorgestellt wird, schaut er erstaunt, die Augenbrauen kurz hochgezogen, erst nickend, dann lachend, als denke er: Donnerwetter, noch ist das ungläubige Berlin nicht für uns verloren! Erst als ihm einige Gemeinden aus seiner Heimat Bayern vorgestellt werden, ändert er reflexartig den Gruß. Seine Finger bewegen sich einzeln, als flatterten sie im Wind, so wie es Verliebte tun, die nicht wollen, dass Außenstehende ihren Gruß bemerken. Der Laie staunt, wie vergnügt es hier zugeht.

Der Moment der Begegnung rückt näher. Noch einen Hinweis hatte man mir gegeben. BenediktXVI. hat den Kuss auf den goldenen Siegelring zwar nicht abgeschafft, aber er mag es nicht, wenn man den Ring mit dem Mund berührt, eine Andeutung reicht. Noch sitzt der Papst auf seinem Stuhl. Er empfängt nun Bischöfe, die einzeln vor ihn treten. Nicht alle scheinen von seiner Abneigung des Ringkusses gehört zu haben, die ersten knutschen ihm geradezu die Hand. Kaum haben sie sich umgedreht, wischt Benedikt mit einer kurzen Bewegung einmal über den Ring.

Der Privatsekretär des Papstes wurde mit George Clooney verglichen

Neben mir sitzt Manuel Herder, der Verleger des Herder-Verlags, der 1801 gegründet wurde und seit sechs Generationen in Familienbesitz ist. Obwohl er dem Papst, seinem Autor, schon einige Male begegnet ist, tröstet es, dass auch Herr Herder ein wenig nervös ist. Werde er sich verbeugen, frage ich ihn, und er antwortet: »Lachen Sie mich dann aus?« Nein, sage ich und will noch eine Frage stellen, da geht der Papst plötzlich in unsere Richtung, hinter ihm Sekretär Gänswein, um ihn herum eine Entourage, die ihn schützt. Auch um uns herum stehen plötzlich einige Herren, die uns den Weg zu ihm weisen. Und dann steht er vor mir, die Sonne scheint ihm ins Gesicht, er streckt seine Hand aus, sie ist erstaunlich klein. Ich ergreife sie, sehe den Ring, deute den Kuss an und sage »Heiliger Vater«, nenne meinen Namen und fahre fort: »Ich bin Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT …« Der Papst schmunzelt. Es ist ein durchaus freundliches Schmunzeln, aber entdecke ich um die Mundwinkel nicht eine Spur von Ironie? »Ich freue mich«, sage ich, »dass nach der Regensburger Rede der Dialog zwischen…« Plötzlich ergreift jemand meinen rechten Arm, gar nicht fest, eher sanft, und sagt auf Englisch mit italienischem Akzent: »Next one, please. Please follow me.« Dann ist meine Zeit mit dem Papst auch schon vorbei. Mein Beitrag zum päpstlichen Diskurs wird sich wohl auf diesen Halbsatz beschränken.

Benedikt XVI. geht einige Schritte, er hat Freunde entdeckt. Er begrüßt seine Lektoren beim Herder-Verlag, Burkhard Menke, 45, und dessen Vorgänger Franz Johna, 77. »Ach, Herr Johna, wie schön, Sie wiederzusehen! Sie wirken ja noch im Hintergrund mit«, sagt er, und plötzlich erstrahlt sein Gesicht, die Bewegungen verlangsamen sich, nur keine Eile. Er ist wieder in seiner Welt der Bücher angekommen, wenigstens für ein paar Minuten. Den Lektor Burk- hard Menke verwickelt er gleich in ein Fachgespräch. »Kennen Sie schon die Neuübersetzung vom heiligen Bonaventura, Herr Menke? Von der Wiener Professorin? Wie ist noch gleich ihr Name?« – »Heiliger Vater«, antwortet Burkhard Menke, »da haben Sie mich kalt erwischt. Ich weiß es nicht.« Der Papst lächelt, als wolle er sagen: Das macht doch nichts, ich möchte nur ein paar Worte über Bücher austauschen, das reicht mir schon. Manuel Herder hat ihm eine Neuauflage von Tertullian geschenkt, in Anspielung auf den Brief des Lesers G. Die Bücher trägt der Sekretär unter dem Arm.

Bücher bestimmen sein Leben, heißt es. Am Nachmittag nach der Audienz empfängt uns Georg Gänswein im Apostolischen Palast, eine Etage unter den privaten Wohnräumen von Benedikt XVI. Gänswein erzählt von seinem Alltag mit dem Papst. Er ist der Mensch, der am meisten Zeit mit dem Heiligen Vater verbringt, von morgens bis abends, nur unterbrochen von Büroarbeiten, Terminabsprachen, Telefonaten. Der Sekretär wurde nach der Papstwahl selbst ein Thema in den Medien. Italienische Zeitungen nannten ihn »den George Clooney des Vatikans«. Gänswein lacht. »Um ehrlich zu sein, musste ich mich erst erkundigen, wer George Clooney ist. Als ich es dann wusste, habe ich gemerkt: Das ist gar nicht böse gemeint.«

Wenn die Belastungen sehr groß werden für den Papst, sagt Gänswein, dann hat er seine Wege, um den Heiligen Vater »zum Atmen zu bringen«. Wie das geht? »Das werde ich Ihnen nicht verraten.«

Zurück zum Papst als Autor. Was sind die Stärken und Schwächen des Schriftstellers Benedikt XVI.? »Er formuliert sehr geschliffen«, sagt Burkhard Menke, der heutige Lektor, »da müssen Sie nicht viel korrigieren. Er schreibt allerdings ohne Absätze, ohne Zwischenüberschriften, wie in einem stream of consciousness, einem Gedankenstrom. Aber wenn man ihm Vorschläge für Unterbrechungen unterbreitet, die seinen Text lesefreundlicher machen, nimmt er sie gerne an.«

Warum gibt es von diesem Autor viele Bücher, aber nicht das eine Opus magnum? Franz Johna, der alte Lektor, antwortet: »Joseph Ratzinger hat ja immer gesagt, dass ihm seine Aufgabe als Leiter der Glaubenskongregation keine Zeit für ein großes Werk gelassen habe. Ich glaube, das ist nicht die ganze Wahrheit. Ein solches Werk entspricht einfach nicht seinem Verständnis, was Bücher betrifft.« Dann erzählt Johna von einer dreitägigen Sitzung des Herder-Verlags von 1967, zu der einige Theologen, auch Ratzinger, geladen worden waren. Es ging um eine große Buchreihe, und Ratzinger mischte sich nicht nur bei theologischen Fragen ein, sondern auch bei ganz praktischen wie dem Umfang der einzelnen Bände. »Wenn ich von meiner eigenen Erfahrung ausgehe«, sagte er, »muss ich sagen, dass ich lieber drei kleine Bücher lese als ein großes. Denn bei dem kleinen Buch hat man das Gefühl: Jetzt bin ich durch.« Nicht das eine große Werk, lieber immer wieder einmischen, Einfluss ausüben: In diesem Muster ähnelt Joseph Ratzinger seinen Generationsgenossen Hans Magnus Enzensberger und Lord Ralf Dahrendorf. Sie waren jung und haben losgelegt, niemand konnte sie aufhalten. Es war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in Deutschland gab es keine Älteren, die etwas zu sagen hatten. Und so unterschiedlich ihre Ansichten auch sein mögen: Das Jungenhafte, auch physiognomisch, haben sich alle drei bis heute erhalten.

Was liest der Papst, wenn er zu Bett geht?

Nach dem Gespräch mit Privatsekretär Gänswein verlassen wir den Apostolischen Palast, die Schweizergarde hebt die Hand zum Gruß. Es ist dunkel geworden mittlerweile. Welchen Eindruck hat der Papst heute hinterlassen? Er wirkt, als säße ihm der Schalk im Nacken, wie ein Junge, nicht wie ein alter Mann. Früher, als Benedikt XVI. noch Joseph Ratzinger hieß, wusste ich nicht viel über ihn, außer von seinem Ruf als Hardliner im Vatikan, einem, der gegen alles Liberale in der Kirche kämpft. Ich kannte kaum Bilder von ihm. Er war eine unsichtbare Macht, und so etwas macht Angst. Dann wurde er Papst, und etwas Paradoxes trat ein: Denn eigentlich bedeutet die Papstwerdung, dass sich der Auserwählte von der Menschheit ein Stück entfernt. Doch die Mediengesellschaft und ihre Bilder produzierten das Gegenteil: Obwohl er seine Ansichten nicht im Geringsten änderte, entdeckt man seine menschlichen Züge.

Welche Bücher liest der Papst wohl heute Abend? Die Neuauflage von Tertullian? Bücher über den Islam? Mit welcher Lektüre bereitet er sich auf seine Türkei-Reise vor, die in wenigen Tagen beginnt? Vom leeren Petersplatz ein letzter Blick hoch in den dritten Stock des Apostolischen Palastes, zu den Fenstern der päpstlichen Wohnung, dem zweiten und dem dritten von rechts. Es brennt noch Licht.

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