Der XXL-Bonus
In den Sommer-Reisekatalogen gibt es mehr Frühbucherangebote als je zuvor
Der Winter hat kaum begonnen, da liegen in den Regalen der Reisebüros auch schon wieder die Sommerkataloge.Und wie jedes Jahr überbieten sich die Reiseveranstalter darin mit neuen Angeboten.Vor allem auf Frühbucher haben sie es im kommenden Sommer abgesehen.Kein Wunder, gelang es der Reiseindustrie doch in den vergangenen Jahren, durch den konsequenten Ausbau der Frühbucherofferten den Anteil an Last-Minute-Buchungen deutlich zu senken.TUI und Neckermann konnten die Zahl der kurzfristig verk auften Reisen von 40 Prozent in 2003 auf unter 20 Prozent verringern, bei den Rewe-Marken ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen sank die Quote gar auf elf Prozent.Zur großen Genugtuung der Veranstalter, denn das bringt nicht nur Planungssicherheit, sonde rn auch eine bessere Rendite. Das Gerangel um Frühbucher hat mittlerweile erhebliche Ausmaße angenommen.So hat TUI, bislang nicht gerade für seine preisaggressive Politik bekannt, eine groß angelegte Frühbucher-Offensive gestartet. Zur Sommersaison 2007 bietet der Branchenprimus nach eigener Aussage so viele Frühbucherangebote wie nie zuvor.Erstmals werden die Offerten für Schnellentschlossene in einem eigenen Preisteil präsentiert.Dieser gilt bis zum 14.Februar, am 15.Februar folgt der zweite Preisteil mit höheren Preisen.Auch sonst tut TUI alles, um seine Gäste rechtzeitig zum Buchen zu animieren: Für Frühbucher wurde die Zahl der Kinderfestpreise aufgestockt, diese gelten nun in 250 Hotels und starte n ab 99 Euro.Für Erwachsene gibt es bei Buchung bis 14.Februar erstmals einen so genannten XXL-Bonus, mit dem sich in 223 Hotels im Durchschnitt 110 Euro pro Person sparen lassen. Ganz neu ist die Idee mit den zwei Preisteilen nicht.Bereits seit zwei Jahren fährt Neckermann zweigleisig.Für den Sommer 2007 wirbt der Oberurseler Veranstalter nun statt mit Superfrühbucherrabatten mit Weihnachtsgeld.Das klingt nicht nur griffiger, sondern passt auch besser in die Jahreszeit.Auf Nahflüge gibt es bei Buchung bis 30. November 20 Euro Nachlass, bei Mallorca 30 Euro, auf Fernstreckenflüge 50 Euro.Zusätzlich lockt bis zum 31.Januar ein Turboabschlag von 70 Euro pro Vollzahler und Woche auf der Nahstrecke, auf Fernstreckenflügen mit Condor und LTU im Mai und Juni sind es 80 Euro.60 Hotels bieten bei Buchung bis Ende Januar außerdem Turbo-all-inclusive.Übersetzt bedeutet das so viel wie Rundumverpflegung zum Halbpensionspreis. Auch die Rewe-Marken ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen, seit Jahren Vorreiter bei den Frühbucherrabatten, haben ihr Angebot für 2007 noch einmal deutlich ausgeweitet.Mittlerweile bieten 97 Prozent aller Hotels Preissenkungen an.Bei Öger Tours hat die wachsende Zahl an Frühbucherrabatten auch damit zu tun, dass die von Vogelgrippe und Anschlägen geplagte Türkei im abgelaufenen Geschäftsjahr alles andere als rosig lief.Für 2007 wollen sich die Hoteliers die Buchungen rechtzeitig sichern.Erstmals g ibt es nun auch beim Türkei-Spezialisten einen separaten Frühbucher-Preisteil.Wer bis zum 28.Februar Super-First-Minute bucht, der spart im Schnitt bis zu zehn Prozent des Reisepreises, bei First Minute bis zum 31.Mai sind es noch sieben.Neuerdings können Öger-Gäste auch nach dem Bausteinprinzip Hotels einzeln buchen und zu tagesaktuellen Preisen im Internet reservieren. Das Buhlen um Frühbucher geht so weit, dass einige Veranstalter noch vor Erscheinen der regulären Kataloge Anfang November mit Vorabkatalogen für Frühbucher erschienen sind.Neckermann hatte im Frühjahr 2005 erstmals einen Winter-Vorverkaufskatalog veröffentlicht und sich somit zwei Monate Alleinstellung im deutschen Markt verschafft.Mittlerweile haben auch die Mitbewerber den Charme der frühen Kataloge entdeckt.Im September hat ITS einen Sommer-Vorverkaufskatalog aufgelegt.Branchenprimus TUI startete drei Wochen vor Erscheinen der offiziellen Kataloge einen Vorabverkauf seiner Sommerreisen allerdings ohne Katalog.Mitte Oktober wurden 100 Hotels in den Reisebüros zur Buchung freigeschaltet. Für die Stammkunden, wie es heißt. Zwar hat ITS in diesem Jahr mitgespielt im Konzert der Early Birds, und der Buchungsstand stimmt sehr zufrieden. Wir haben derzeit ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagt Dietmar Kastner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rewe Touristik.Von Vorabkatalogen ist man aber trotzdem nicht unbedingt überzeugt. Schließlich brachte es ITS im vergangenen Sommer auch ohne Vorabkatalog auf eine märchenhafte Frühbucherquote von 62 Prozent. Viele Urlauber wollten sich nur rechtzeitig ihre Buchung sichern, und das seien meist die, die später ohnehin buchten, so Kastner.Vor allem die begehrten Reisetermine etwa zu Beginn der Schulferien würden so unter Wert verkauft. Man baut dadurch zwar eine große Bugwelle an Buchungen auf.Ob am Ende aber tatsächlich zusätzliches Geschäft generiert wird, muss sich erst herausstellen. Branchenweit werden mittlerweile rund 30 Prozent aller Reisen an Frühbucher verkauft, Tendenz steigend.Schnäppchenjäger, die im Juni oder Juli versuchen wollen, noch kurzfristig ein günstiges Angebot zu ergattern, könnten es kommenden Sommer deshalb schwer haben. Last-Minute-Angebote wird es immer geben, sagt TUI-Sprecherin Stefanie Rother, allein weil sich ein Teil der Kunden erst spät zum Urlaub entschließt, zum Beispiel aus beruflichen Gründen.Die Frage ist nur, wie viele Angebote es geben wird und zu welchem Preis.Für 2007 hätten viele Veranstalter aufgrund der Reisezurückhaltung in diesem Jahr ihre Flug- und Bettenkapazitäten weit konservativer geplant als in den vorangegangenen Jahren.Und da, wo weniger Restposten sind, muss auch weniger zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen werden.
- Datum 23.11.2006 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 48/2006
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