Als Treffpunkt hat Harald Schmidt das Museum Ludwig vorgeschlagen, direkt gegenüber dem Kölner Dom. Ein Bildungsbürgertreff. Um Punkt 14 Uhr rüttelt Schmidt an der gläsernen Eingangstür. Doch die bleibt verschlossen. Er zieht erneut. Nichts. Es ist Montag. Und montags haben, wie alle Bildungsbürger wissen, Museen geschlossen. Ein Schmidtsches Versehen und zugleich der Beginn einer Inszenierung während dreier Begegnungen mit der ZEIT, in der Harald Schmidt seinen Abschied vom deutschen Feuilleton zelebriert.

DIE ZEIT: Sind Sie am Morgen zufrieden mit sich und der Welt? Was geht da durch Ihren Kopf?

Harald Schmidt: Manchmal ist es durchweg negativ. Da geht mir alles auf den Keks, wirklich alles. Da genügt es, wenn sich jemand am Telefon mit »Hallo« meldet. Es kann der falsche Gesichtsausdruck eines Menschen sein, der mein Zimmer betritt. Es können die Schuhe sein, die mich stören, die Kleidung. Innerlich gerate ich dann in einen Zustand, der mit einem Beschimpfungsmonolog von Thomas Bernhard vergleichbar ist.

ZEIT: Aber es gibt auch andere Tage?

Schmidt: Ja. Ich muss sagen, das Negative nimmt bei mir ab. Ich bin viel versöhnlicher geworden.

ZEIT: Manche sagen: auch zahnloser. Ist dies auch der Grund dafür, dass Sie sich Späße über den Islam verkneifen?

Schmidt: Nein, das liegt am Medienwahnsinn unserer Zeit. Es gibt unglaublich viele Leute, die sich unentwegt für die Pressefreiheit, die Meinungsfreiheit stark machen – Leute, die niemand kennt. Mein Bekanntheitsgrad liegt bei 95 Prozent. Es geht nicht um Diskussionen mit Islamwissenschaftlern in der Evangelischen Akademie Tutzing, ich rede von Einkaufsstraßen mit einem hohen Prozentanteil an Menschen, die sich dieser Religion nahe fühlen und nicht so genau hinhören.