In fremden Betten Hotel Palais Coburg, Wien

Das erste »VULH«, Vollkommen unamerikanische Luxushotel, steht an der Donau

Das Leben wird immer amerikanischer: unser Essen, unsere Sprache, unser Fernsehen. Sich darüber zu beschweren ist ein alter Hut. Dass aber auch die Hotels in der ganzen Welt immer amerikanischer werden, das ist ein Jammer.

Darüber müsste einmal einer eine Debatte eröffnen: Gegen eisgekühlte Räume! Für ein Bidet in jedem Badezimmer! Gegen steinhart gekochte Eier am Frühstücksbuffet! Man könnte aber auch einfach ein neues Gütesiegel einführen: »VULH«. Vollkommen unamerikanisches Luxushotel. Und dem Palais Coburg in Wien die erste Plakette überreichen.

In seinen Badezimmern nämlich gibt es Bidets, und das Frühstück kommt à la carte aus der Küche des Gourmet-Restaurants. Wer will, kriegt wachsweiche Eier im Glas. Oder Rührei mit Kürbiskernöl.

Und sogar die Entstehungsgeschichte des Hotels, in der es um ein altes Haus und einen neuen Reichen geht, entspricht nicht dem Optimistenklischee »Vom Tellerwäscher zum Hotelbesitzer«, sondern dem alteuropäischen und ururösterreichischen Mythos vom ungeliebten Sohn der Stadt, der, in der Fremde zu viel Geld gekommen, zurückkehrt und daheim so richtig die Puppen tanzen lässt, um es allen zu zeigen.

Der Sohn in diesem Fall ist ein Mann namens Pühringer, die Fremde das Berlin der Nachwendezeit, und seine Heimkehreridee war es, aus einem halb verfallenen klassizistischen Adelspalais an der falschesten Stelle der Ringstraße mit viel, viel Geld das teuerste Hotel von Wien zu machen, mit dem besten Restaurant der Stadt und dem umfangreichsten Weinkeller der Welt. Und damit möglichst viele Wiener verstehen, was für Gäste im Palais Coburg aus und ein gehen, ließ er die auffälligste Stretch-Limousine der Stadt anschaffen, einen Pullman Daimler von unglaublicher Wucht, und stellt ihn seinen Gästen für die Fahrt vom und zum Flughafen zur Verfügung.

Außerdem gibt es im Palais Coburg keine Zimmer, sondern nur Suiten. 35, um genau zu sein, mit 55 bis 165 Quadratmeter Grundfläche. Die meisten erstrecken sich über zwei Stockwerke, alle haben eine voll eingerichtete Küche, viele eine private Dachterrasse und freien Blick auf den Stephansdom. Der Gast wählt zwischen klassisch und modern eingerichtet, und wenn er will, kann er die Suite mit dem freistehenden Wasserbett reservieren oder die mit dem Whirlpool, von dem aus man in den Stadtpark sehen kann. In jeder Suite gibt es eine kleine Bibliothek (in der natürlich der Bildband über die Umgestaltung des Hotels nicht fehlt) und auf dem Schreibtisch einen Computer mit freiem Internet-Zugang.

Und der Herr Pühringer hat den smartesten Hoteldirektor der Stadt engagiert, den kreativsten Küchenchef, die freundlichsten Rezeptionisten, die charmantesten Kellner. Gemeinsam schaffen sie es, den Gast sehr persönlich zu betreuen und ihm das Gefühl zu geben, in einem privaten Anwesen eingeladen zu sein, in dem der Hausherr für alles gesorgt hat, sich aber (einstweilen noch) entschuldigen lässt. Wer Luxushotels gewöhnt ist, in denen ein Zimmer dem anderen gleicht und man beim Betreten des Zimmers vom Fernseher begrüßt wird, wird das vielleicht nicht mögen.

Einen Spaziergang durch die Geschichte Wiens kann man schon im Keller des Hotels beginnen, in den Kasematten aus den Zeiten der Türkenbelagerung, denn das Palais Coburg steht genau auf den Resten der alten Stadtbefestigung. In fünf Minuten erreicht man zu Fuß den Stephansplatz, und wer nicht ohnehin im hoteleigenen Restaurant schmausen will, auf der schönsten Restaurantterrasse Wiens, über der abends die spektakulär angestrahlten Säulen des klassizistischen Palais in den Himmel wachsen, der ist mit ein paar Schritten im Beisl Zu den drei Hacken oder beim Plachutta, dem legendären Rindfleischsieder. Viel zu schade, so ein Hotel in einer solchen Lage, um nur ein, zwei Nächte dort abzusteigen. Man müsste zu viel Geld kommen und dann dort einziehen, für ein, zwei Monate, bis man zum lebenden Inventar gehört und noch das letzte Aushilfszimmermädchen »Herr Professor« zu einem sagt…

Nur mit dem Sicherheitssystem im Palais Coburg ist das so eine Sache. Ohne den Minisender am Zimmerschlüssel funktioniert keine Zwischentür, kein Aufzug. Erst muss es immer summen oder piepsen. Irgendwo im Keller, stellt man sich vor, sitzt einer vor einer Wand voller Monitore und weiß genau, wer sich gerade wo im Haus aufhält.

Ist das wenigstens ein Tribut an die Brüder jenseits des Atlantiks? George Orwell allerdings war ein Engländer… Wolfgang Lechner

Palais Coburg Hotel Residenz , Coburgbastei 4, A-1010 Wien, Tel. 0043-1/518180, Suite für 2 Personen inklusive Frühstück und Minibar ab 460,- Euro

 
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