Alternative Energien Platz an der Sonne
Die Kraft des Lichts ist stark und wird auch genutzt. Doch für echte Effizienz fehlt die Technik
Deutschland gehört nicht gerade zu den besonders sonnigen Ländern. Doch nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Solaranlagen wie bei uns. Auf einer Million deutschen Dächern wird die Energie der Sonne genutzt. 800000 Anlagen erwärmen Wasser zum Duschen, Baden und Heizen, 200000 Anlagen erzeugen Strom. Im sonnigen Süden gehört die Solaranlage inzwischen fast zur Normalausstattung von Neubauten. Die Jahre ständig steigender Wachstumsraten hat die deutsche Solarbranche allerdings hinter sich. Inzwischen wächst die installierte Leistung nur noch um gut zehn Prozent im Jahr. Dafür steigt der Exportanteil der 150 deutschen Hersteller; bei Solarzellen liegt er schon über einem Drittel. Die in Deutschland installierten Solarzellen stammen allerdings zur Hälfte aus dem Ausland. Die Sonnenenergie hat ein gutes Image. Solaranlagen stören kaum und gelten als saubere High-Tech-Anwendung. Mit einer neuen Dünnschichttechnologie können sie in Zukunft sogar unauffällig in Fassaden integriert werden. In Umfragen geht ein Großteil der Bevölkerung davon aus, dass wir uns in 50 Jahren vor allem mit Sonnenenergie versorgen.
Theoretisch wäre das kein Problem. Praktisch ist Solarenergie – trotz der unübersehbaren Anlagen auf unseren Dächern – aber noch bedeutungslos. Solarstrom deckt nicht einmal zwei Tausendstel des deutschen Verbrauchs. Selbst unter den erneuerbaren Energien ist ihr Anteil mit zwei Prozent minimal. Enorm sind dagegen die Kosten des Solarbooms. Mit mehr als 500 Millionen Euro werden die deutschen Stromverbraucher in diesem Jahr die Einspeisung von Solarstrom bezuschussen. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) garantiert eine Vergütung von 40 bis 50 Cent pro Kilowattstunde. Damit ist die Elektrizität aus den blau schimmernden Zellen fünfmal teurer als Windenergie und zehnmal so teuer wie Strom aus konventionellen Kraftwerken.
Auch die energetische Amortisation ist bisher schlecht. Ein deutscher Solarkollektor hat erst nach ein bis zwei Jahren die Energie erzeugt, die zu seiner Herstellung und Montage nötig war, ein Fotovoltaik-Modul sogar erst nach drei bis fünf Jahren. Bei Windrädern dauert es – je nach Standort – nur vier bis sieben Monate. Deshalb liefert der Solarboom keinen merklichen Beitrag gegen den Klimawandel. Wird die energieaufwändige Produktion eingerechnet, setzt jede Kilowattstunde Fotovoltaik-Strom im Durchschnitt 100 bis 200 Gramm CO₂ frei, das entspricht dem Viertel der Emissionen eines Gaskraftwerks. Die CO₂-Bilanz von Windenergie fällt zehnmal besser aus.
Effizienter arbeiten
solarthermische Kraftwerke. Sie bündeln das Sonnenlicht mit Spiegeln und erzeugen Dampf, der wie bei einem konventionellen Kraftwerk eine Turbine antreibt. In Südspanien entstehen gerade die ersten europäischen Anlagen, geplant werden sie auch in Nordafrika. Deutschland ist als Standort nicht geeignet. Während die Sonne in der Sahara an bis zu 4300 und in Andalusien über 3000 Stunden im Jahr scheint, sind es in Deutschlands Sonnenhauptstadt Freiburg 1800.
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- Datum 23.11.2006 - 02:31 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.11.2006 Nr. 48
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Zwar ist es unbestritten, dass Solarzellen und -module zur Zeit noch zu teuer sind, aber gerade hier hat die Förderung ja dafür gesorgt, dass das bisher verwendete Abfallmaterial aus der Chipherstellung knapp wird, und neue, billigere Techniken entwickelt und marktreif gemacht werden müssen, um die Nachfrage weiter zu befriedigen.
Außerdem sollte man die Fördersummen auch mit den Geldern vergleichen, die in andere Zukunftsprojekte gesteckt werden: Der Forschungsfusionsreaktor ITER wird 10 Milliarden Euro kosten, und da ist noch keineswegs klar, ob der jemals Strom ins Netz einspeisen wird.
Die energetische Amortisation, von Solarkollektoren mag zwar erst nach zwei Jahren stattfinden, aber dann werden jedes Jahr bis zu 80% (bei Warmwasserbereitung) an fossiler Energie eingespart. Dieser Beitrag zur CO2 Reduktion ist nicht vernachlässigbar, so wie es leider im Artikel suggeriert wird.
Dr. Benno Weinberger
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