Auf den Hochlagen der deutschen Mittelgebirge und an der Küste drehen sich inzwischen mehr als 18000 Windräder. 26500 Gigawattstunden, das sind 4,3 Prozent unseres Stromverbrauchs, lieferte der Wind 2005. In 20 Jahren sollen es 25 Prozent sein, ein Großteil davon außer Sichtweite der Küste in riesigen Offshore-Windparks erzeugt. Die weltweit installierte Leistung hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt und beträgt heute knapp 60000 Megawatt. Wenn der Wind kräftig bläst, können so 50 Atomkraftwerke ersetzt werden. Bleibt es bei den derzeitigen Wachstumsraten, wird schon 2020 mehr Strom mit Windrädern als mit Atomkraftwerken erzeugt. Setzt sich auch der bisherige Trend sinkender Kosten pro erzeugter Kilowattstunde fort, wird der Windstrom um das Jahr 2015 herum billiger sein als Elektrizität aus konventionellen Kraftwerken. BILD

Unter den erneuerbaren Energiequellen ist Wind- neben der klassischen Wasserkraft am weitesten entwickelt. Dänemark deckt bereits ein Viertel des Stromverbrauchs mit Windenergie und hat damit eine natürliche Ausbaugrenze erreicht. Ein noch höherer Anteil ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. Den Bau konventioneller Kraftwerke ersetzen die Windräder nämlich kaum. Schließlich darf das Stromnetz auch an Flautetagen nicht zusammenbrechen. Nur sechs Prozent der installierten Windleistung stehen permanent zur Verfügung. Neue Pumpspeicherkraftwerke, der Einsatz von Druckluftspeichern oder Schwungrädern könnten den Windanteil etwas erhöhen. Auch ein hoher Solarstromanteil wäre günstig. Wenn der Wind schwächelt, strahlt meist die Sonne; die beiden erneuerbaren Energiequellen ergänzen sich deshalb gut.

Die weltweit höchsten jährlichen Wachstumsraten hat die Windenergie derzeit mit mehr als 40 Prozent in China, Indien und den USA. Dort ist ebenso wie in Afrika der Nachholbedarf besonders groß. Noch aber stehen 70 Prozent aller Windräder in Europa. Hier sind es jetzt die Mittelmeerländer, die für schnelles Wachstum sorgen. Spanien ist auf Platz zwei direkt hinter Deutschland gerückt. Hierzulande steigert sich die installierte Leistung nur noch um rund zehn Prozent im Jahr. Die besten Standorte sind vergeben, der Ersatz älterer durch leistungsfähigere moderne Anlagen, das so genannte Repowering, kommt erst langsam in Gang, und Offshore-Windparks gibt es noch immer nur auf dem Papier. Ende Oktober hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das die großen Netzbetreiber zur Übernahme der Kosten für den teuren Stromanschluss auf See verpflichtet. 2008 sollen die ersten Offshore-Windräder in Betrieb gehen.

Mit dem Abflauen des Windkraftbooms im Inland ist gleichzeitig die Exportquote der Windbranche in die Höhe geschnellt. 71 Prozent aller in Deutschland produzierten Windkraftanlagen werden ins Ausland verkauft. Marktführer Enercon hat Montagewerke in Brasilien und Indien aufgebaut. 40 Prozent des Weltmarkts mit der Windkraft sind in deutscher Hand und sichern hierzulande rund 70000 Arbeitsplätze.

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