SchulePakt mit den Paukern

Die deutsche Schulmisere kann nur überwunden werden, wenn die Lehrer endlich wieder mehr Achtung genießen. von 

Wenn die deutsche Schule gesunden soll, dann muss die Gesellschaft die Lehrer besser behandeln, einen Pakt für die Bildung mit ihnen schließen. Schon seit längerem ist es um den Ruf der Pädagogen nicht gut bestellt. Vor fünf Jahren hat die Pisa-Studie das Land alarmiert: Die Leistungen unserer Schüler sind im internationalen Vergleich bestenfalls Mittelmaß, das Bildungssystem ist ungerecht und produziert zu viele Verlierer. Allzu leicht sind die Lehrer als Hauptschuldige an der Misere unter Generalverdacht geraten.

Das ist fatal; denn die Pisa-Siegerländer, sei es Finnland oder – im nationalen Vergleich – Bayern, schöpfen einen Großteil ihrer Kraft aus einem breiten bürgerlichen Konsens über den Wert von Bildung und Schule. Der schließt die Wertschätzung der Lehrkräfte und ihrer Arbeit ein.

Natürlich müssen die Lehrer ihren Teil dazu beitragen, dass ein neuer Bildungspakt möglich wird. Ihr schlechter Ruf kommt ja nicht von ungefähr. Zu viele Fußkranke sind in den Jahren der Bildungsexpansion im Lehrerberuf gelandet und prägen sein Bild in der Öffentlichkeit. Zu viele Lehrer beherrschen ihr Kerngeschäft nicht, Schüler so zu unterrichten, dass die auch etwas lernen. Und zu viele verweigern sich der systematischen Fortbildung.

Dafür können die Lehrer nicht pauschal in Haftung genommen werden. Man kann jedoch von ihnen verlangen, dass sie sich selbst Qualitätsstandards setzen, die dann auch kontrolliert werden – wie es etwa Ärzte und Rechtsanwälte tun. Oder dass sie die Ehre ihres Berufs gegen schwarze Schafe verteidigen. Die Lehrergewerkschaft zum Beispiel muss nicht sagen: Alle Lehramtsanwärter sollen eingestellt werden. Sie möge lieber sagen: Nur die besten von ihnen sollen in den Schuldienst übernommen werden. Die silberne Ehrennadel vom Lehrerverband darf auch gern für die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen verliehen werden statt für die 25-jährige Mitgliedschaft.

Die Lehrer geben an der Schule den Ton an, und sie gestalten den Unterricht. Sie tragen die Hauptverantwortung für die Leistung einer Schule, und der müssen sie gerecht werden. Ohne ein Umfeld aber, das sie trägt, können Schulen nicht gelingen. Deshalb muss die Gesellschaft das ihre für einen neuen Bildungskonsens tun. Lehrer verächtlich zu machen sollte nicht mehr zum guten Ton gehören.

Vielmehr sollten die Leistungen der Lehrer, besonders derjenigen, die in sozialen Brennpunkten arbeiten, viel häufiger öffentlich gewürdigt werden. Für das, was Lehrer an Schulen in problembeladenen Stadtteilen täglich und über Jahre hinweg für unser Land leisten, müsste es Orden regnen. Wenn Jugendliche dort nicht in Alkoholismus und Kriminalität abrutschen, Einwandererkinder eine Chance auf Integration bekommen, dann ist es das Verdienst engagierter Pädagogen.

Mit einem einfachen Mittel kann die Gesellschaft die Lehrer entlasten: mit Geduld. Nicht gegenüber einem einzelnen faulen oder unfähigen Pädagogen, sondern beim Bemühen um bessere Pisa-Ergebnisse. Den Tanker Schule umzusteuern, das braucht Jahre, besserer Unterricht ist nicht auf Knopfdruck möglich. Sofortige Änderungen einzufordern kann die Lehrer nur demotivieren.

Auch die Politik muss ihren Teil beitragen. In Deutschland zahlt es sich nicht aus, ein guter Lehrer zu sein; das muss sich ändern. Gute Lehrer sollen Karriere machen können, schwachen Lehrern muss auf die Sprünge geholfen und überforderten Lehrern ein geregelter Ausstieg aus der Schule ermöglicht werden. So etwas nennt man Personalentwicklung, leider noch ein Fremdwort im Bildungswesen. Überdies muss die Politik nachsitzen, weil sie in einem wichtigen Bereich ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat, in der Lehrerausbildung. Diese ist durch die planlose Umstellung vieler Lehramtsstudiengänge auf das Bachelor- und Masterschema aus den Fugen geraten. An vielen Universitäten wurde schlicht an den Bedürfnissen der angehenden Lehrer vorbeigeplant.

Ein Pakt für die Bildung kann ein Klima schaffen, in dem das Lernen gedeiht und in dem die Lehrer wieder stolz auf ihren Beruf sein können. Er ist unumgänglich, um an den Schulen eine Wende zum Besseren einzuleiten. Vielleicht erleben wir dann dereinst ein Pisa-Hoch.

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