Fondsbranche Aus zwei mach eins

Ob Adig oder Activest – zum Jahresende verschwinden altbekannte Fondsmarken. Der Grund: Die Anbieter verschmelzen die Produkte für Privat- und Firmenkunden.

Fondssparer werden sich beim Blick auf den Depotauszug in den nächsten Wochen die Augen reiben. Wenn sie Fondsanteile von Adig, Dit oder Activest besitzen, müssen sie sich an neue Marken gewöhnen. Zwar bleiben ihre Fondsanteile dieselben, aber der Name ändert sich: Auf dem Depotauszug steht in Zukunft Cominvest, Allianz Global Investors oder Pioneer. Zur Jahreswende verliert der Markt gleich drei etablierte Marken. Nur noch drei der sechs größten deutschen Fondsgesellschaften dürften 2007 unter alter Flagge weitersegeln: Branchenprimus und Deutsche-Bank-Tochter DWS, der Sparkassendienstleister Deka und die Volksbankentochter Union Investment. Die anderen Marken verschwinden nach Übernahmen und Strategiewechseln.

Zwar geben Commerzbank, Dresdner Bank und HypoVereinsbank – die Mutterkonzerne hinter Adig, Dit und Activest – ihr Fondsgeschäft nicht auf. Aber mit der Beerdigung der Marken signalisieren die drei Anbieter doch deutlich, wie wenig sie noch ihrem bisherigen Geschäftsmodell vertrauen. Kapitalanlagegesellschaften sind seit mehr als 60 Jahren in Deutschland als Verwahranstalt für Fonds eingeführt. Doch das funktioniert nicht mehr: Steigende Kosten, schärfere aufsichtsrechtliche Regeln und wachsende Konkurrenz haben die Vermögensverwaltung in die Krise geführt und die Banken zum Handeln gezwungen.

Die Fondsbranche erlebt derzeit einen dramatischen Einbruch

Zahlen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) belegen eindrucksvoll, wie groß die Probleme sind: Von Januar bis September sammelten deutsche Publikumsfonds unter dem Strich zwar zehn Milliarden Euro ein. Doch wer daraus folgert, die Branche habe ein erfolgreiches Jahr hinter sich, irrt: Die Zuflüsse verdanken die Anbieter allein ihren Geldmarktfonds und damit Produkten, die sie nur unter dem Mantel des Privatkundenangebots verkaufen. In Wahrheit werden diese Produkte vor allem von Firmenkunden genutzt, um kurzfristig flüssige Mittel zu parken. Betrachtet man demgegenüber klassische private Geldanlagen wie Aktien-, Renten- oder Immobilienfonds, kommt man zu dem Ergebnis: Die deutschen Sparer haben seit Jahresbeginn zwei Milliarden Euro aus Fonds abgezogen. Eine solche Katastrophe hat die Branche seit 15 Jahren nicht erlebt.

Über die Reaktion der Banken können Anleger sich freuen: Sie verlieren zwar einen Teil der gewohnten Produktwelt. Aber wenn sie bald statt eines Dit-Fonds ein Angebot von Allianz Global Investors erhalten, bekommen sie möglicherweise sogar ein besseres Produkt als vorher. Denn der Markentausch markiert das endgültige Ende einer eigentümlichen Teilung in der Geldanlage: die Trennung zwischen der Vermögensverwaltung für Privat- und Firmenkunden. Die in Deutschland historisch gewachsene Aufspaltung des so genannten Asset Managements löst sich nach und nach auf. Stattdessen bekommt künftig jeder Kunde das frühere Firmenkundenprodukt – so jedenfalls verspricht es die einstige Geschäftskundenmarke der Allianz, die ab 2007 für alle Anleger gilt. Die Commerzbank geht einen ähnlichen Schritt: Auch sie stellt ihre traditionelle Privatkundenmarke Adig ein, weil sie das Angebot in die einst nur für Geschäftskunden offene Sparte Cominvest überführt.

Wettbewerber loben das Zusammenwachsen des Asset Managements für private und Firmenkunden, wie es im Ausland ohnehin üblich ist. »Die Qualität des Managements von Publikumsfonds steigt dadurch deutlich und entspricht zunehmend den Kriterien des institutionellen Fondsmanagements«, sagt Volker Buschmann, Nordeuropa-Vertriebschef der britischen Fondsgesellschaft M&G Investments. Kleinkunden bekommen also im besten Fall mehr für ihr Geld: eine genau definierte Strategie, ein nachvollziehbares Risikomanagement und ein eingespieltes Team von Spezialisten – genau das, was Firmenkunden ohnehin schon immer fordern. Die Frage ist aber, wie viele Anbieter dieses Versprechen auf lange Sicht erfüllen wollen und können. Die höhere Qualität hat ihren Preis, und den zahlen Anleger nur, wenn sie auch gute Ergebnisse bekommen. »Anleger achten immer mehr auf die tatsächliche Leistung des Fondsmanagements«, so M&G-Manager Buschmann. »Performance gewinnt gegenüber dem Auswahlkriterium Marke immer mehr an Gewicht.«

Markus Gehwald von der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting, die Kapitalanlagegesellschaften berät, prognostiziert einen drastischen Wandel des Marktes. »Die Zeit der vielen Vollsortimenter ist vorbei«, so Gehwald. Will sagen: Der Anspruch vieler Anbieter, alle möglichen Fondsgattungen für alle möglichen Regionen anzubieten, lässt sich künftig nicht mehr aufrecht erhalten – weil kleinen Gesellschaften schlicht das Geld fehlt, um das nötige Fachwissen aufzubauen. »Die meisten Anbieter haben erkannt, dass sie nicht alles können«, sagt Gehwald. Die einzigen Ausnahmen seien die drei verbliebenen Fonds-Riesen DWS, Union Investment und Deka, die immer noch auf ein Sortiment für jeden exotischen Wunsch vertrauen. »Wir werden eine Zweiteilung des Markts erleben«, urteilt Gehwald. »In sehr wenige Vollsortimenter. Und eine große Zahl von Spezialisten.«

Dazu zählt inzwischen auch die Commerzbank-Tochter Cominvest, die sich nicht länger als Komplettanbieter sieht, sondern sich auf europäische Anlegethemen konzentrieren will. Den Rest kauft man zu, oder man verweist auf Produkte der Konkurrenz. Zudem sieht Cominvest-Geschäftsführer Sebastian Klein eine »Konvergenz der Leistungspalette von traditionellem Asset Management, Teilen des Investmentbanking und Alternative Investment Management«. Die Vermögensverwaltung alten Stils hat demnach ausgedient – die Verwahrung und Vermehrung von Kapital ist keine Domäne der Asset Manager mehr.

Zertifikate wandeln sich vom Konkurrenten zum Retter

Wie althergebrachte Grenzen in der Branche verschwimmen, zeigt sich auch beim Marktführer für Publikumsfonds DWS, der Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Um den Absatzproblemen beim Stammgeschäft im Heimatmarkt zu begegnen, setzt man hier auf die Top-10-Position im weltweiten Fondsmarkt. Zudem weitete die DWS ihr Geschäft durch die Gründung einer neuen Einheit aus: Unter der Marke DWS GO verkauft der Fondsspezialist seit Oktober auch Zertifikate. Der Grund: Im Gegensatz zum Fondsabsatz boomt das Geschäft mit dieser alternativen Anlageform seit Jahren.

Bisher bildeten Zertifikate eine gute Einnahmequelle für das Investmentbanking. Sie waren Produkte aus der Hand von Kapitalmarktexperten. Und die stellen sich keineswegs dem Wettbewerb um die geschickteste Wertpapieranlage – sie kämpfen um das preiswerteste oder pfiffigste Produkt. Just der größte Spieler auf diesem Markt, X-Markets, gehört ebenfalls der Deutschen Bank. Somit wildert die Fondsgesellschaft DWS nicht nur in einem fremden Produktmarkt, sondern auch noch im eigenen Haus. Beobachter werten dies als Kampfansage der Asset Manager an die Rivalen aus dem Investmentbanking. Der Siegeszug der Zertifikate habe innerhalb der Bankkonzerne zu einer Machtverschiebung geführt, sagt Markus Gehwald von Steria Mummert Consulting: »Bei den großen Fondsgesellschaften haben Investmentbanker immer mehr zu sagen.« Nun schlägt die DWS zurück. Die Asset Manager von Allianz Global Investors und Cominvest dürften bald folgen.

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