Anlagekosten Klammheimlich wird kassiert

Beim Kauf von Investmentfonds zahlt der Kunde oft kaum noch Gebühren. Dafür steigen Kosten, die unsichtbar sind.

Auf dem Markt für Investmentfonds geht es derzeit zu wie in Absurdistan. Ein kleiner Streifzug: Wer den Aktienfonds Adig Fondak von cominvest bei der Direktbank ING-DiBa kauft, zahlt keinen Ausgabeaufschlag. Bei der DAB-Bank werden je nach Anlagesumme drei bis fünf Prozent fällig, die comdirect-Bank verlangt 2,5 Prozent. Und wer den Fonds der Commerzbank-Tochter in einer Filiale der Commerzbank kauft, der muss den vollen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent hinlegen. Das sollte jedoch nicht zu dem Schluss verleiten, dass alle Aktienfonds bei der ING-DiBa am billigsten sind. So gibt es bei Maxblue, dem Online-Broker der Deutschen Bank, den Branchenfonds Pictet Water ohne Ausgabeaufschlag, während bei der ING-DiBa 2,5 Prozent mit und fünf Prozent ohne Rabatt berechnet werden.

Nur teilweise lässt sich der Gebührenwirrwarr damit erklären, dass im klassischen Beratungsgeschäft der volle Ausgabeaufschlag verlangt und beim Verzicht auf die Beratung ein Rabatt gewährt wird. Die Beispiele zeigen, dass auch die Discount-Finanzdienstleister ihre Gebühren nach Gutsherrenart festlegen. »Zusätzlich wird der Konditionenvergleich dadurch erschwert, dass viele Rabattaktionen zeitlich begrenzt sind«, sagt Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Münchner Beratungsunternehmens FondsConsult. So gebe es oft bei bestimmten Fonds für wenige Wochen einen Rabatt auf den Ausgabeaufschlag, danach gälten wieder die Standardkonditionen.

Der Rabattdschungel beim Ausgabeaufschlag ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Fondsgesellschaften selbst die Höhe der tatsächlich gezahlten Aufschläge kaum interessiert. Das Geld kommt ohnehin nicht dem Anbieter zugute. Die Fondsgesellschaft bestimmt zwar den offiziellen – jedoch nicht verbindlichen – Ausgabeaufschlag. Aber in aller Regel gibt sie ihn nahezu komplett an die Vertriebspartner als Verkaufsprovision weiter. Und die können den Verzicht auf einen Teil des Aufschlags durch die große Masse der Fonds-Schnäppchenjäger kompensieren. Allerdings betreiben sie oftmals eine Lockvogelpolitik: Ein paar besonders günstige Fonds sollen Aufmerksamkeit erregen, das Gros des Sortiments ist mit weitaus geringeren Rabatten ausgestattet.

Eine Alternative kann der Kauf von Fondsanteilen über die Börse sein – wo sie genau wie Aktien gehandelt werden. Hier entfällt der Ausgabeaufschlag komplett, dafür entstehen andere Kosten, die es beim herkömmlichen Kauf nicht gibt. So haben die Börsen unterschiedliche An- und Verkaufskurse – die Differenz wird Spread genannt. Der Kaufkurs für den Fondsanleger ist immer etwas höher als der Verkaufskurs des Verkäufers. Bei rege gehandelten Fonds liegt der Preisunterschied meist bei einem halben bis einem Prozent.

Oft erhalten die Vermittler jedes Jahr eine Bestandsprovision

Hinzu kommen noch eine geringe Gebühr für den Börsenmakler sowie die Ordergebühr der Bank. Wie hoch die Bankgebühr ausfällt, hängt vom Geldinstitut ab. Teuer wird es vor allem für Kunden, die bei ihren Wertpapiergeschäften die Beratung der Banker in Anspruch nehmen. So verlangt beispielsweise die Citibank für die Order in der Filiale 0,4 Prozent bei einer Mindestgebühr von 29,99 Euro. Wenn der Kunde hingegen auf Beratung verzichtet und die Order online aufgibt, reduziert dieselbe Bank die Gebühr auf eine Pauschale von 9,99 Euro.

Ein weiterer Gebührenposten, der oft erst auf den zweiten Blick ersichtlich ist, lässt sich hingegen weder mit dem Discountkauf noch mit dem Erwerb über die Börse vermeiden. Die Vermittler von Investmentfonds erhalten nämlich von vielen Fondsgesellschaften eine jährliche Bestandsprovision – solange der Anleger die Fondsanteile im Depot hält. Während jedoch der Ausgabeaufschlag für den Anleger klar ersichtlich ist, betreibt die Branche um die Bestandsprovisionen viel Geheimniskrämerei. Etwas Licht ins Dunkel brachte im Herbst vergangenen Jahres eine Untersuchung des Fachmagazins Fonds Professionell. Demnach zahlt die Deutsche-Bank-Tochter DWS eine vergleichsweise niedrige Bestandsprovision von 0,15 Prozent des Fondsvermögens, bei der Allianz-Fondsgesellschaft dit sind es bereits 0,25 Prozent. Die US-Anbieter Fidelity und Templeton liegen bei 0,5 bis 0,6 Prozent, und der ebenfalls in den USA ansässige Fondsanbieter ACM zahlt seinen Vermittlern sogar 0,75 Prozent.

Die Sparer erfahren von dieser Gebühr nichts, denn sie wird in den allgemeinen Verwaltungs- kosten versteckt – und hier gab es eine galoppierende Inflation. »Insbesondere die deutschen Fondsgesell- schaften haben in den vergangenen drei bis vier Jahren ihre Verwaltungs- gebühren deutlich erhöht«, sagt Sälzle. Der Grund: Solange der Vertrieb über die hauseigenen Partner in den Bankfilialen lief, war die Bestands- provision kein Thema für die Anbieter. Doch seit die Konzernschwestern den Hausmarken immer weniger die Treue halten, müssen auch die Fondstöchter der Großbanken mit Bestandsprovisionen neue Vertriebspartner locken. So investiert beispielsweise rund ein Drittel der Commerzbank-Kunden lieber in fremde Fonds statt in die Produkte der hauseigenen cominvest. Diese Lücke muss die Fondsgesellschaft mit verstärktem Werben um bankenunabhängige Verkäufer schließen.

Auch die Discounter wollen ihren Reibach machen

Paradoxerweise sind gerade die Fondsdiscounter und Direktbanken nicht ganz unschuldig daran, dass sich bei den Verwaltungsgebühren die Preisspirale dreht. »Auch aus diesen Bereichen kam die Forderung nach höheren Bestandsprovisionen«, sagt Sälzle. Je größer der Rabatt auf den Ausgabeaufschlag, umso wichtiger wird die Bestandsprovision – auch die Discounter wollen Umsatz und Gewinn machen. So schreibt der Discountanbieter Fondsvermittlung24 ganz unverblümt in seiner Firmenbroschüre: »Fondsvermittlung24.de finanziert sich aus der Bestandsprovision, die wir ebenso wie alle Banken oder Sparkassen für die von Ihnen gehaltenen Fonds als Vergütung erhalten.«

Was die Vertriebstruppen freut, wird für den Anleger zum teuren Ärgernis. Je mehr Gebühren die Fondsanbieter vom Kundenvermögen abzwacken, umso geringer fällt die Nettorendite aus. Wie teuer im Lauf der Jahre schon vermeintlich geringe Gebührenerhöhungen werden, rechnet das Fondsanalysehaus Fitzrovia vor: Bei einer jährlich konstanten Bruttorendite von sieben Prozent und einer Einmalanlage von 5000 Euro reduziert eine Gebührenerhöhung von 1,0 auf 1,5 Prozent nach 20 Jahren das Kundenguthaben von 16036 Euro auf 14589 Euro. Besonders ärgerlich sind für den Anleger hohe Gebühren bei Rentenfonds, weil dort die Rendite sowieso recht gering ist und es zudem nicht möglich ist, Gebührennachteile durch eine glückliche Börsenentwicklung zu kompensieren.

So könne der Fondsmanager beispielsweise bei einem Rentenfonds mit Anlageschwerpunkt auf erstklassigen Euro-Staatsanleihen allenfalls über das Laufzeiten-Management ein Renditeplus erzielen, sagt Analyst Werner Hedrich von der Fondsrating-Agentur Morningstar und kritisiert die hohen Verwaltungsgebühren von durchschnittlich 0,78 Prozent in diesem Segment. »Fondshäuser spielen mit dem Vertrauen der Sparer, wenn sie ein Viertel der erzielbaren Renditen für die Verwaltung abzweigen.«

Ob ein Fonds mit hohen Verwaltungsgebühren das Geld vorrangig in die Qualität des Fondsmanagements steckt oder ob damit die Vertriebspartner bei Laune gehalten werden, ist für den Fondssparer nicht nachvollziehbar. Das soll die EU-Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente (MiFID) ändern, die bis Ende nächsten Jahres in nationales Recht umgesetzt werden muss. »Die MiFID-Umsetzung wird für die Anleger deutlich mehr Transparenz bringen«, sagt Sälzle. Dann nämlich müssen Fondsverkäufer ihre Kunden darüber aufklären, welche Provisionen sie von den Anbietern erhalten.

Allerdings ist noch unklar, ob beispielsweise Bestandsprovisionen als allgemeiner Durchschnittswert oder explizit für jeden Fonds ausgewiesen werden müssen. Die Entscheidung in solchen Fragen wird zeigen, ob der Gesetzgeber auf der Seite der Anleger oder der Investmentlobby steht.

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    • Quelle DIE ZEIT, 30.11.2006 Nr. 49
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    • Schlagworte Commerzbank | Finanzen | Deutsche Bank | USA | Fonds | Gebühr
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