So schnell werden sonst nur Spieler beim Monopoly reich.Mit seiner Holding und einigen Private-Equity-Fonds kaufte sich Haim Saban vor gut drei Jahren für rund eine Milliarde Euro in die ProSiebenSat.1 Media AG ein, jetzt wollen ihm andere Finanzinvestoren mehr als das Dreifache für die 50,5 Prozent an Deutschlands größtem Fernsehkonzern bieten.Mitte Dezember will Saban entscheiden, an wen er verkauft, und so wie es aussieht, wird es der teuerste Mediendeal, den Deutschland j e erlebt hat. Wie war eine solche Wertsteigerung des TVKonzerns (ProSieben, Sat.1, N24, kabel eins, 9Live) möglich?Welches Erbe hinterlässt der clevere Haim Saban?Als Aufsichtsratsvorsitzender nahm er nur über Umwege Einfluss auf die ProSiebenSat.1 Media AG, sodass die Antwort bei Guillaume de Posch zu suchen ist.Saban hatte den Belgier 2003 nach München gelockt und 2004 zum Vorstandsvorsitzenden der ProSiebenSat.1 Media AG gemacht - auch weil sich beide seit zehn Jahren kennen und Saban einen Vertr auten in München brauchte.Seither senden ihre Blackberrys fast täglich E-Mails von Beverly Hills nach Unterföhring und zurück. De Posch liebt Zahlen.Zwölf Einschaltquoten kleben jeden Morgen in seinem Fahrstuhl Richtung Vorstandsetage.Es sind die Top 3 seiner großen Sender.Mit Harry Potter erreichte ProSieben am 19.November 30,5 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Da habe ich auch kurz reingeguckt, sagt de Posch.Jeden Abend zappt er sich eine halbe Stunde lang durch die Fernsehlandschaft. Noch 2002 drohte dem Konzern der finanzielle KollapsDass die kleinen Zettel mit den Einschaltquoten von ProSieben, Sat.1, kabel eins und N24 auf vielen Fluren in der Zentrale in München-Unterföhring kleben, dafür hat de Posch gesorgt.Die anderen Zahlen hat er ohnehin im Kopf.Mit fast zwei Milliarden Euro setzt das Unternehmen heute 100 Millionen mehr um als die Kölner RTL-Gruppe (RTL, RTL2, Vox, Super RTL, n-tv) in Deutschland.Der Jahresüberschuss hat sich seit Sabans Einstieg nahezu verfünfzehnfacht von 15 Millionen Euro 2002 auf 221 Million en 2005. De Posch macht einen hervorragenden Job, sagt einer seiner Vorgänger anerkennend. Es begann allerdings mit einem großen Schnitt.Die Zahl der Mitarbeiter sank von 3300 auf rund 2800, die Nettofinanzverschuldung verringerte sich um 527 Millionen auf 227 Millionen Euro.Ein Befreiungsschlag. Noch 2002 stand das finanzielle Gleichgewicht des Unternehmens auf der Kippe, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Finanzanalyst der Dresdner Bank.Alle Ziele der Investoren hat de Posch seither erreicht oder übertroffen: Jeder Sender ist profitabel, die Umsatzrendite des Konzerns lag 2005 bei 18 Prozent vor Steuern. Sogar die Quote stimmt: Trotz Fußball-WM hatte die Sendergruppe seit Anfang 2006 einen Marktanteil von rund 30 Prozent bei der für Werbeeinnahmen so wichtigen Zuschauergruppe zwischen 14 und 49 Jahren und damit nur zwei Prozent weniger als die RTL-Gruppe. Guillaume de Posch wirkt so freundlich wie zurückhaltend.Doch auf den Charakter nehmen Bilanzen keine Rücksicht.Und im Zweifel hat sich de Posch gegen seine guten Manieren und für die Zahlen entschieden.Seine Sender haben davon nicht immer profitiert. Zum Beispiel ProSieben.Der Sender wollte sein Gesicht ändern, aber Zuschauer hielten nichts von diesem Facelifting.Früher lieferte der Spielfilmsender stets erstklassige US-Ware zur Primetime, wie eine langjährige Mitarbeiterin rückblickend meint.Früher konnte der Sender auf die Archive des Filmimperiums von Leo Kirch zurückgreifen.Doch dann ging Kirch pleite, und immer öfter schrieben Blockbuster noch nach der dritten Wiederholung Verluste. ProSieben reagierte und probierte unter dem glücklosen Geschäftsführer Dejan Jocic eigene Formate aus.In Erinnerung bleiben einige Tiefpunkte der ProSieben-Geschichte unter ihnen vor allem Reality-TV-Formate wie Die Alm oder Die Burg. Heute würden wir so etwas nicht mehr machen, sagt de Posch einsichtig.Die Gier, den Spartensender mit Billigware für mehr Zuschauer zu öffnen, führte zum Quotendesaster und nah ans Unterschichten-TV. Der Sender wurde vom Serien- und Spielfilmpublikum abgestraft, sagt ein Branchenkenner. Und die Werbekunden fragten: Wofür steht ProSieben eigentlich?Für die Jüngeren?Für die Mittelschicht?, sagt eine frühere Abteilungsleiterin. Schlimmer kann es kaum werden für einen Privatsender.Sogar die Verlängerung des Vertrags mit Stefan Raab wurde intern kritisiert. Er verdient deutlich mehr, als er dem Sender einbringt.Seine Talkshow macht hohe Verluste, nur die Sonnabend-Shows rentieren sich, sagt ein Insider. Fast so empfindlich wie die Zuschauer sind die Werbekunden. Wir reagieren von heute auf morgen, sagt Uwe Becker, Media Director bei Unilever Deutschland.Der Mischkonzern steckt jährlich 270 Millionen Euro in Fernsehwerbung.Sinkt die Quote oder verändert ein Fernsehsender wie ProSieben sein Profil, dann bucht die Industrie ein anderes Umfeld, schließlich hat sich dann auch die Leistung verändert, sagt Becker.Bei ProSieben sank der Marktanteil am deutschen TV-Werbeumsatz von 20,1 Prozent im Jahr 2002 auf zuletzt 16 Prozent oder 1,38 Milliarden Euro. Erst in diesem Jahr hat der neue Programmchef Andreas Bartl die Probleme in den Griff bekommen.Inhaltlich zumindest.Denn während ProSieben seit dem vergangenen Quartal mit einer Mischung aus altem Blockbuster-Konzept, Comedy und Sängerwettbewerb (Popstars) zurück ist und die Marktanteile wieder steigen, leidet das Finanzergebnis bis heute.Werbekunden reagieren schnell, wenn die Quote sinkt, aber umso langsamer, wenn es wieder nach oben geht. Die Krise bei ProSieben mag einige im Konzern sogar gefreut haben. ProSiebenSat.1 schreibt sich leichter, als es gelebt wird.Zu ausgeprägt ist die Rivalität, auch wenn de Posch immer wieder betont, der Feind sitzt in Köln, nicht in Berlin oder München. Aber die vom damaligen Konzernchef Fred Kogel als Liebesheirat bezeichnete Fusion mit Sat.1 war keine. In der Vorstandsetage hat mancher mit den Fäusten gegen die Wand getrommelt, sagt ein früherer Topmanager des Konzerns.Auch in München waren die Kollegen skeptisch. Sat.1, das hieß für uns obrigkeitshörig und öffentlich-rechtlich, sagt eine frühere ProSieben-Mitarbeiterin.Hinzu kam, dass Sat.1 unter Leo Kirch als Verlustbringer galt, ProSieben hingegen war das Börsenwunder.Kein Wunder, dass die Hochzeit in den Köpfen nie stattgefunden hat, wie eine andere Mitarbeiterin sagt.Der Vorstand habe dieses Problem ignoriert.Erst unter Sabans Aufsicht habe der Konzern dann Geld in eine gemeinsame Entwicklung der Führungskräfte gesteckt.Und die Stimmung hat sich g ebessert, seit Mitarbeiter merken, dass man gemeinsam gegen den Rivalen RTL bestehen kann, sagt Analyst Schickentanz.Alte Mitarbeiter aber wissen: Noch heute reagiert die ProSieben-Mannschaft mit Kopfschütteln auf Strategien des Berliner Senders. Zur Neidsituation mag auch de Posch selbst beigetragen haben.Nur einmal im Monat lässt er sich bei Sat.1 in Berlin blicken.Das sei nicht oft genug, gibt er selber zu.Sat.1 gilt noch immer als Stiefmutter im Unternehmen, das Motto des Münchner Senders mag auch auf de Posch zutreffen: Heute kommt ProSieben. Da hängt noch immer nach, dass Sat.1 über Jahre von Ex-Eigner Kirch gezwungen wurde, die Bundesligarechte zu kaufen.Allein das verschlang jedes Jahr bis zu 50 Millionen Euro mehr, als es einbrachte.Aber jetzt erlebt Sat.1 das Comeback eines Familiensenders.Beim regelmäßigen Blick auf die Zahlen in seinem Fahrstuhl wurde de Posch Zeuge dieser Trendwende.Die Einschaltquoten lagen immer öfter über denen von ProSieben, der Sender ist derzeit sogar die Cashcow im Konzern (siehe Graf ik) Ergebnis einer langen Strategie.Weil heute andere die Bundesliga zeigen, blieb in Berlin endlich Geld für die Programmentwicklung. RTL ist nicht wie früher mit Wer wird Millionär?und Deutschland sucht den Superstar Innovationsführer.Man hat die kreativen Köpfe bei Sat.1 endlich spinnen lassen, sagt Analyst Schickentanz.Heraus kamen Formate wie die Telenovela Verliebt in Berlin und die Comedy Schillerstraße.Damit erreich te der Sender Marktanteile in seiner Zielgruppe von über 20 Prozent.Ein Quotenbringer war lange auch der Nachmittag eine Mischung aus Richter-Shows (Richterin Barbara Salesch und Richter Alexander Hold) und sonstiger Juranachhilfe (Lenßen &amp - Partner). Die aktuellen Sat.1-Quoten am Nachmittag sind ein DesasterDoch das ist nach Informationen von Branchen-Insidern schon wieder Geschichte und gefährdet die gerade erreichte Wende. Die aktuellen Quoten sind ein Desaster, die Reform im Vorabendprogramm ging völlig nach hinten los, heißt es.Anlass dafür war die neue Telenovela Schmetterlinge im Bauch.Die Produktionskosten hätten sich bei einer Ausstrahlung am Nachmittag nicht rentiert, also wird um 18.45 Uhr gesendet.Dem Insider zufolge ein teurer Fehler, denn nicht nur die Telenovela floppt: Durch die Umprogrammierung wurden die erfolgreichen Nachmittagsformate durcheinander gewirbelt, Quoten und Werbeeinnahmen sinken. Indiz dafür ist der Marktanteil im Oktober, der auf 10,9 Prozent (14 bis 49 Jahre) absackte das schlechteste Ergebnis in diesem Monat seit 15 Jahren. Im nächsten oder übernächsten Quartal bekommt Sat.1 einen deutlichen Einbruch im Werbemarkt, erwartet ein früherer Topmanager des Konzerns.Man müsse deutlich umprogrammieren, doch vor dem Hintergrund des aktuellen Bieterprozesses demonstriere der Sender Ruhe nach außen. Guillaume de Posch hat auf die Unsicherheiten im TV-Geschäft mit einer Beförderung reagiert.Seit August ist Marcus Englert Vorstand in der Diversifikation.Hinter diesem Geschäftsbereich steckt nichts anderes als das Fernsehen von morgen Video per Internet, das Online-Portal MyVideo oder Handy TV, alle gefüttert mit Sendeinhalten des Konzern. Englert redet mit der Begeisterung eines New Economy-Managers. Sehen Sie, das ist N24 live, nicht schlecht die Qualität, oder?, sagt der 41-Jährige, nachdem er sein Handy auf Empfang geschaltet hat. Das ist live, sagt Englert wieder, als könne er selbst nicht fassen, was da auf 4,5 mal 3,5 Zentimetern gesendet wird. Wir wollen mit unserer Marke zu jeder Tages- und Nutzungszeit unsere Zielgruppe erreichen können.Ob im Wartezimmer oder beim Friseur Dauerberieselung überall. Kill time nennen wir das, und es wird kommen, prophezeit Englert. Die Ausgaben steigen, die Werbeeinnahmen drohen einzubrechenWo er ist, da ist Wachstum.In seinem Bereich stieg der Umsatz im dritten Quartal gegenüber dem gleichen Zeitraum in 2005 um 28 Prozent auf 36,9 Millionen Euro.Zusammen mit dem Teleshopping- und Anrufkanal 9Live erwirtschaftet ProSiebenSat .1 heute bereits knapp zwölf Prozent des Gesamtumsatzes jenseits des klassischen Fernsehens.Schon in fünf Jahren sollen es 25 Prozent sein, sagt de Posch.Doch so viel Optimismus überrascht selbst den, der von sich behauptet, einen unglau blich spannenden Job zu haben.Doch dann fängt sich Englert wieder.Er weiß: Der Vorstandsvorsitzende braucht jetzt gute Storys. Die glänzende Bilanz, die de Posch in diesem Jahr vorlegen wird, sagt wenig über die Zukunft der Senderfamilie aus. Die Ausgaben für Eigenproduktionen und Einkäufe, der größte Kostenblock in der Bilanz, legen wieder zu.Anfang November soll sich der Konzern ein Film- und Serienpaket im Wert von 300 Millionen US-Dollar gesichert haben.Für jede Episode einer US-Serie zahlen deutsche Sender heute bis zu 240000 US-Dollar, die uneingeschränkte Nutzung eines 100-Millionen-Euro-Blockbusters kostet nach Informationen eines Einkäufers zwischen sechs und acht Millionen Dollar. Auf der anderen Seite drohen 2007 die Werbeeinnahmen wegzubrechen. Wir gruseln uns vor dem nächsten Jahr, sagt eine Vermarkterin von Werbezeiten.Viele Unternehmen werben im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung mit Produktangeboten. 2007 werden sich Baumärkte und Elektronikhändler zunächst zurückhalten, fürchtet die Vermarkterin. Doch die Euphorie, die das Unternehmen verbreitet, scheint die möglichen Käufer der Unternehmensmehrheit angesteckt zu haben.Saban soll 2003 rund 7,50 Euro je Aktie gezahlt haben.Heute liegt der Kurs bei über 22 Euro.Zwischenzeitlich sollte der Wert der zum Verkauf stehenden Anteile bis zu fünf Milliarden Euro betragen.Mittlerweile orientiert sich die Bewertung eher wieder am aktuellen Kurs, von einem Kaufpreis um drei Milliarden Euro ist die Rede.Selbst diese Summe ist nach Ansicht von Analyste n zu hoch für Medienkonzerne.Bankenkreise fürchten zudem, dass die neuen Investoren, egal ob sie nun Permira und KKR, Apax und Goldman Sachs, CVC oder Dogan heißen, das Unternehmen als Finanzierungsinstrument für andere Geschäfte nutzen.Denn als Schu ldner bekommt ProSiebenSat.1 heute hervorragende Konditionen.Die könnten künftige Käufer ausnutzen, um günstig an Kredite heranzukommen.Heuschreckenalarm in Unterföhring?Dann wäre Haim Saban auf lange Sicht der einzige Gewinner beim größten deutschen Mediendeal.