Angst vor der großen Dürre

Der Klimawandel zerstört weltweit die Lebensgrundlagen von Kleinbauern. Noch haben es Entwicklungs- und Industrieländer in der Hand, der Katastrophe zu entgehen

Nichts scheint mehr verlässlich, sagt Lorraine Gray.Die Kanadierin, stämmig, mit roten Wangen wie eine Bäuerin aus dem Kinderbuch, hat auch einen indianischen Namen: Kahneratokwas, was so viel heiße wie Sie nimmt das Blatt aus dem Wasser.In einem Mohawk-Reservat baut die Frau Bohnen, Kürbis und Süßmais an.Dort am Sankt-Lorenz-Strom sei die Anbausaison ohnehin kurz, sagt sie.In diesem Frühling habe es zunächst kaum geregnet und hinterher gab es so starke Güsse, dass wir wieder ganz von vorne beginnen mussten.Da ist die Ernte natürlich schlecht. Gray glaubt: Schuld ist bestimmt der Klimawandel.Bauern, die Erde, Boden, Sonne und Regen durch ihre Arbeit unmittelbar verbunden sind, spüren ihn als Erste. Besorgt ist auch Monthien Thammawat aus dem Süden Thailands.Sie pflanzt Kaffee und eine Vielfalt saftiger Früchte an.Mangos, Durians, Rambutans brauchen viel Regen, er fällt fast acht Monate im Jahr.Aber seit einiger Zeit reiche es nicht immer für die Reifung. Die Früchte sind gestorben, so formuliert es die 23-Jährige.Neben dem Mangel an Niederschlägen erlebt sie zugleich immer öfter auch solche Sturzfluten, dass die Erde von den Hängen heruntergewaschen wird.Wir mussten schon Büsche pflanzen und Wälle bauen, damit die Erosion nicht unsere ganzen Felder ruiniert.Die Familie habe sich immer ernähren können von der kleinen Farm, sagt Thammawat bei der Konferenz Terra Madre, einem Treffen von 5000 kleinen Nahrungsmittelproduzenten aus aller Welt in T urin. Aber jetzt arbeiten wir viel mehr dafür, dass wir viel weniger haben. Schon immer gab es Wetterschwankungen, und die Beobachtungen Einzelner können subjektiv und zufällig sein.Doch auch unter Wissenschaftlern bestreitet kaum jemand mehr, dass der Klimawandel längst im Gange ist und die Landwirtschaft überall auf der Welt beeinflusst.An vielen Orten umwälzt.Und sogar dort zerstört, wo das Klima frühere Fruchtbarkeit in dauerhafte Dürre verwandelt. Wir riskieren noch mehr Armut, Ungerechtigkeit und Verzweiflung, sagt Jacques Diouf, Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, der Klimawandel verschlechtert genau die Bedingungen, unter denen die Armen jetzt schon leiden. Er verschlechtert sie mit katastrophalen Dürren wie 2002 im südlichen Afrika, selbst in Regionen, die sonst Getreide exportieren.Mit dem Wechselbad aus Trockenheit und Fluten wie in Indien oder jetzt wieder in Ostafrika, wo es Todesopfer gibt und Hunderttausende obdachloser Bauern und Hirten.Mit Stürmen in der Karibik.Alles Erscheinungen, die es immer schon gab doch nicht so häufig, so extrem. Zwar wirkt sich die Erwärmung in manchen Teilen der Erde eher förderlich für den Anbau aus: Auf den kühlen und feuchten Höhen des Sauerlands etwa konnte nie zuvor Mais gedeihen - jetzt stehen die sattgrünen Halme auf einst zu feuchten und kühlen Hügeln, und manche Milchbauern müssen für ihre Kühe kein Futter mehr zukaufen.In England machen Weinkulturen Schlagzeilen.Selbst in Grönland beginnt man, auf einst gefrorenen Böden Kohlköpfe zu kultivieren.Rentiere in Finnland nehmen an Gewicht z u, weil sie länger grasen können. Doch Australien erlebt unmittelbar nach einer Jahrhundert- nun eine Jahrtausenddürre.Und am härtesten trifft es die Kleinbauern im sich entwickelnden Süden, in Ländern, wo oft zwei Drittel, ja bis zu 90 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft abhängig sind und die Verwundbarkeit auch sonst besonders groß ist.Ihnen fehlen die Mittel, Katastrophen vorzubeugen und auf neue Umweltbedingungen zu reagieren. Sehr, sehr bedrohlich sei ihr Ausgeliefertsein, sagt Robert Watson. Er ist der höchste wissenschaftliche Berater der Weltbank in Klimafragen. Zunehmend alarmiert stehen Wissenschaftler und Politiker daher einer vielschichtigen Herausforderung gegenüber: Sie müssen die Anpassung landwirtschaftlicher Systeme an gravierende, aber teils ungewisse Entwicklungen organisieren. Hoch problematisch, findet Joachim von Braun vom Institute for Food Policy Research (IFPRI) dabei, dass zwar jetzt in breiter Koalition über Strategien nachgedacht werde aber sehr spät, hoffentlich nicht zu spät.Die Verunsicherung ist riesig: Werden immer mehr Bauern aufgeben müssen?Ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln in Gefahr? Wie sich die globale Erwärmung langfristig auf den weltweiten Anbau auswirken könnte, das haben der Mathematiker Günther Fischer und Kollegen vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) im Auftrag der Vereinten Nationen erforscht und jüngst vor der britischen Royal Society vorgetragen.Die komplexen Hochrechnungen bis ins Jahr 2080 gründen auf den Ergebnissen diverser Klimamodelle, sie schließen mögliche Entwicklungen des Bevölkerungswachstums, des Agrarhande ls, landwirtschaftlicher Anbauweisen und vieler anderer Faktoren, teils auch deren Wechselwirkungen untereinander ein. Dabei zeigt sich als gemeinsame Tendenz der Szenarien zunächst, dass der Klimawandel auf lange Sicht womöglich keine großen Nahrungsmittelknappheiten hervorrufen wird allerdings nur global betrachtet.Die Landwirte im Norden werden laut Fischer weitere Anbauflächen gewinnen, wenn wie in Grönland schon heute noch mehr vereiste Gebiete auftauen.Auch weniger Kälteperioden könnten in Nordeuropa, Russland und Nordamerika die Voraussetzung für deutlich mehr Erträge bei der Getreideproduktio n bieten und die Verluste im Süden ausgleichen. Denn in Entwicklungsländern dürften sich die Folgen der Erwärmung umso drastischer zuspitzen, die globale Ungerechtigkeit droht sich noch mehr auszuweiten.Rund eine Milliarde Menschen leben in semiariden Zonen, und diese latent dürregefährdeten Gebiete werden sich mit zunehmender Hitze und Trockenheit deutlich ausweiten allein in Afrika um bis zu zehn Prozent. 20 bis 40 der ärmsten Länder könnten ein Fünftel ihrer kargen Getreideproduktion verlieren.Die Abhängigkeit von Importen würde weiter zunehmen, und die Zahl der Hungernden und Unterernährten nicht sinken, sondern steigen. Besonders gefährdet sind Süd- und Nordafrika und der Nahe Osten - außerdem Teile des südlichen und östlichen Asiens, der Nordosten Brasiliens und manche Regionen in den Anden.Dort auf den argentinischen Gipfeln züchten Palermo Yurquina und ihre Dorfnachbarn Ziegen, Schafe und Lamas, seit Jahren bei immer größerer Trockenheit. Das Gras ist nicht mehr so satt, erzählt Yurquina, und ich meine, die Tiere geben deshalb auch weniger Milch, Wolle und Fleisch.Neben ihr nickt Nandita Pathak aus dem indischen Bundesstaat Maharashtra. Noch wachsen Kichererbsen, Linsen und Karondafrüchte, sagt sie.Doch oft müssten die Bauern allzu lange auf den Monsun warten, sie fragten sich: Was geht hier vor? Derart langfristige Studien wie jene der IIASA bergen natür- lich immense Unsicherheiten.Wer weiß, ob in siebzig Jahren sie- ben oder 13 Milliarden Menschen leben?Widersprüchlich bewerten Wissenschaftler die Frage, in welchem Ausmaß ein höherer Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre das Pflanzenwachstum tatsächlich fördern wird.Niemand kennt mögliche Umkipp-Effekte des Klimas oder kann die genauen Folgen voraussagen, wenn durch das Auftauen der Permafrostböden riesige Mengen Methangas fr eiwerden, die den Treibhauseffekt besonders stark beschleunigen. Die Probleme dürften aber eher dramatischer ausfallen, denn in Fischers Zukunftsszenarien sind die Folgen von Extremereignissen wie Fluten und Stürmen nicht mal einbezogen.Andere Hochrechnungen sagen noch einschneidendere Ernteeinbußen im südlichen Afrika um bis zu 40 Prozent voraus, falls was nicht unrealistisch ist die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um drei Grad steigen sollte.Mit hoher Gewissheit aber signalisieren die IIASA-Studien die Verletzlichkeiten bestimmter Regionen.Und di e mittelfristige Erwartung für die nächsten Jahrzehnte bis 2040 zeigt sich längst in der Gegenwart: immer mehr Ungewissheit für den Anbau.Sie ist für Bauern fatal. Schon jetzt bewirkt sie Rückschläge auch dort, wo wirtschaftliche Entwicklung in bescheidenem Maße gelungen ist: Die tansanische Bäuerin Malangalila Bahati etwa baut seit einiger Zeit auch Hibiskus an. Daraus stellt sie Wein, Marmelade, Tee und Saft her, das bringt ihr etwas Geld ein.Aber auch ihr Dorf in der Nähe von Daressalam ist vom Wechsel aus Trockenheit und Sturzregen gebeutelt: Im vergangenen Jahr waren die Früchte wieder nicht saftig genug für meine Produkte. Oder Abdou Cogna Ndiaye aus dem Senegal, der in einer noch jungen Vermarktungsgemeinschaft Trockenfisch und Marmelade aus Papayafrüchten feilbietet.Auf seinem T-Shirt steht ihr patriotischer Slogan in der Landessprache Woloff: Wir wollen unser Land wachsen lassen.Aber wovon, wenn so viel vertrocknet? Der Boden ist hart, aufgerissen, staubig, die Hirse wächst nur kümmerlich, erzählt der Bauer, den seine Freunde nur Cogna rufen.Viele Nachbarn zögen jetzt fort in die Hauptstadt Dakar, in der Hoffnung, dort einen Job zu finden. Oder sie fliehen nach Europa.In eines jener Industrieländer, deren Stil des Lebens und Wirtschaftens rund drei Viertel der bisherigen Emissionen verursacht hat, obwohl nur eine Minderheit der Weltbevölkerung dort lebt. Auf der jüngsten Weltklimakonferenz im November in Nairobi gab es deshalb heftigen Streit darüber, wie viel die Industrieländer in einen globalen Anpassungsfonds einzahlen.Über Verwaltung und Verwendung der Gelder konnte man sich nicht einigen.Fest steht immerhin, dass der Finanztopf mit zwei Prozent der Einkünfte aus dem so genannten Clean Development Mechanism (CDM) gespeist werden soll, mit dem sich Verursacher des Klimawandels Emissionsrechte durch die Finanzierung von Umweltprojekten in E ntwicklungsländern kaufen.Bis 2012 könnten dabei zwischen 270 und 600 Millionen Dollar zusammenkommen.Eine lächerlich geringe Summe: Die möglichen Anpassungskosten der Entwicklungsländer schätzt die Weltbank auf bis zu 41 Milliarden Dollar pro Jahr. Immerhin sei, sagt Diouf, mit einem Arbeitsprogramm die Notwendigkeit der Anpassung politisch anerkannt worden. Risiken müssen jeweils regional genau erforscht werden.Auch Kleinbauern brauchen Versicherungen, Wetterinformationen, Deiche, neue Pflanzen und Anbauweisen, womöglich alternative Einkommensquellen. Doch bisher fehlen ernsthafte Vorstellungen, wie solche Unterstützung geplant und umgesetzt werden soll, stellt auch Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn fest, der gerade an einem Gutachten für den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) über die Sicherheitsaspekte des Klimawandels schreibt und dazu gehört Ernährungssicherheit. Jetzt rächt sich, dass die Landwirtschaft seit langem entwicklungspolitisch vernachlässigt wurde. Da hat sich die Weltgemeinschaft zum Ziel gesetzt, die Zahl der Hungernden um die Hälfte zu halbieren, kritisiert Jacques Diouf von der FAO, und was haben wir gemacht?Die Gelder zwischen 1990 und 2000 halbiert.Wie kann man einen Sektor fördern, wenn man ihn finanziell beschneidet? Erst seit sich abzeichnet, dass Armutsbekämpfung ohne Straßen, Lagerhäuser, Anbauberatung und Wertschöpfungsketten auf dem Land nicht möglich ist, schauen viele, von der Bundesregierung über die Weltbank bis zur Bill-Gates-Stiftung, wieder hin. Das hat der Landwirtschaft zwar Aufmerksamkeit beschert doch neue, teils für Jahrzehnte prägende Investitionen, kritisiert Dirk Messner vom Entwicklungshilfe-Institut, bezögen den Klimawandel meistens nicht ein.In welchen von Austrocknung, Versalzung, Überschwemmung gefährdeten Regionen, fragt der Experte, solle man vielleicht keine neuen Straßen mehr bauen?Wo muss man Dämme und Wasserschutz, wo sichere Bauweisen und Siedlungsformen, wo Vermarktungsstrukturen für neue Produkte planen? Skeptisch beurteilt Messner beispielsweise den wirtschaftlich erfolgreichen Anbau von Exportgemüse entlang der knochentrockenen peruanische Küste.Er ist vollständig auf künstliche Bewässerung angewiesen und damit abhängig vom Wasser der Andengletscher, die mit wachsender Geschwindigkeit schmelzen.Eine solche Entwicklungsstrategie sei zumindest kurzfristig gedacht. In der Weltbank habe man deshalb begonnen, Projekte auf ihre Klimarelevanz zu überprüfen, sagt deren Klima-Experte Robert Watson. Er will das Thema Anpassung aber in noch größeren Zusammenhängen anpacken und das ganze globale System der Nahrungsmittelproduktion überprüfen. Schließlich ist die Landwirtschaft vom Klimawandel nicht nur herausgefordert und bedroht, sie hat ihn selbst mit herbeigeführt: Rund ein Viertel der Treibhausgase entspringen der Agrarproduktion, und das schließt noch keinen Energieverbrauch für Verarbeitung und Transport von Lebensmitteln ein. Hohe Anteile der Emissionen rühren von Abholzung her, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen.Ungeheure Mengen Kohlendioxid entstammen dem industriellen Anbau: Allein für die Düngemittelherstellung werden etwa in den USA pro Jahr 100 Millionen Fass Öl eingesetzt.Das ist mehr als die weltweite Ölproduktion eines ganzen Tages. 60 Prozent des emittierten Methans stammen aus der Tierzucht für den weltweit wachsenden Fleischkonsum.Die intensive Produktionsweise, nicht zuletzt für Massen von Futtermitteln, verursacht zudem Austrocknung, Versalzung, Erosion der Böden.Alles Degenerationsprozesse, die durch den Klimawandel verstärkt werden ihn aber gleichzeitig wiederum mit bedingen. In dieser Situation kommen auf die Landwirtschaft auch noch neue Anforderungen zu: Mehr Menschen müssen ernährt und womöglich Pflanzen als biologische Rohstoffe angebaut werden.Das alles, zumindest im Süden, auf schrumpfenden Flächen.Wie lässt sich die Produktivität ohne die negativen Folgen erhöhen?Welche Rolle soll die Gentechnik spielen, welche auch traditionelles Wissen?Wo tragen Handel und Subventionen zu Klimarisiken bei?Wie kann durch eine neue Agrikultur Armut bekämpft und die Umwelt d ennoch nachhaltig bewirtschaftet werden? Um Antworten darauf zu finden und die versäumte analytische Arbeit der vergangenen 15 Jahre nachzuholen, hat Robert Watson bei der Weltbank eine groß angelegte Internationale Bewertung der landwirtschaftlichen Entwicklungsforschung und Technologie ins Leben gerufen.Bis November kommenden Jahres sollen Handlungsoptionen formuliert werden. Wie sehen im Einzelnen die Kosten-Nutzen-Rechnungen beim Umgang mit Klimarisiken aus?Wo soll man bei den Anpassungsstrategien beginnen? Auch in der deutschen Entwicklungspolitik stehe man beim Nachdenken darüber noch am Anfang, heißt es im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.Erste Projekte immerhin gibt es: In Indien konzipieren deutsche Experten gemeinsam mit der Regierung Mikroversicherungen, die Kleinbauern bei Ernteausfällen helfen sollen. Am Buzi-Fluss in Mosambik wurde ein einfaches System entwickelt, mit dem sich Dorfbewohner gegenseitig Flutwarnungen zufunken können. Manche Anpassungsstrategien sind mit denen zur Vermeidung des Klimawandels auch identisch.Aufforstung etwa hat in beiden Fällen Priorität.Denn Bäume binden Kohlendioxid, sie halten Niederschläge im lokalen Kreislauf und fördern langfristig die Humusbildung gegen ausgelaugte Böden.Wälder müssten allerdings im großen Stil gepflanzt werden. Deutlich mehr Ressourcen sind auch für alle Technologien eines sparsamen Wassermanagements gefordert: Teiche, Kanäle, kleine Dämme speichern den nur saisonal anfallenden Regen für trockene Zeiten. Tröpfchen-Systeme sparen Berieselung bei der künstlichen Bewässerung ein, und es gibt sie mancherorts so billig, dass auch Kleinbauern sie einsetzen können. Verstärkt wird zudem die Anstrengung, Nahrungspflanzen für schlechte Umweltbedingungen zu züchten.Sorghum und Hirse etwa vertragen Trockenheit besser als andere Pflanzen.Am Internationalen Forschungsinstitut für Semiaride Tropen entwickeln Wissenschaftler sogar schon photosensible Sorten, die gegen die Unberechenbarkeit der Niederschläge gewappnet sind: Sie blühen nicht zu einer bestimmten Jahreszeit, sondern reagieren auf Lichtverhältnisse, die gute Regenbedingungen signalisieren. Tolle Fortschritte habe man auch bei Reissorten erzielt, die trotz Dürrestresses 30 Prozent höhere Erträge erbringen, berichtet IFPRI-Chef von Braun. Die in der Beratergruppe Internationale Agrarforschung (CGIAR) zusammengeschlossenen Forschungsinstitute haben beschlossen, den Klimawandel fortan in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen.Sie wollen mit Meteorologen zusammenarbeiten und nicht mehr nur einzelne Pflanzen, sondern ganze Anbausysteme erforschen.Denn damit, sagt Louis Verchot vom Institut für Waldfeldbau in Nairobi und führender Klimawissenschaftler in der CGIAR, könne man Bauerngemeinschaften helfen, ökologisch verträglich mehr au s dem Boden herauszuholen und vor allem die Produktion zu diversifizieren und das ist der wichtigste Schutz gegen die Ungewissheit. Bäume auf die Farm: Im Hochland von Uganda beispielsweise pflanzt man Macadamia-Sträucher auf die Kaffeeplantagen.Sie schützen vor Hitze, und ihre Nüsse erbringen außerdem ein Zusatzeinkommen.Viele solcher Sicherheitsnetze ließen sich entwickeln, sagt Louis Verchot. Wenn die Saat nicht aufgeht, dann kann der Bauer wenigstens das Holz verkaufen oder ein eiweißreiches Tierfutter, das auf Sträuchern wächst. Voraussetzung ist die groß angelegte Erforschung widerstandsfähiger einheimischer Pflanzen in semiariden Gebieten.In den südafrikanischen Miombo-Waldgebieten etwa wachsen mehr als 75 trockenheitsresistente Baumarten mit essbaren Früchten. Die finanzielle Ausstattung dafür sei allerdings, so Verchot, nicht im entferntesten den Herausforderungen angemessen.Weltweit haben alle CGIAR-Institute zusammen etwa die Hälfte dessen zur Verfügung, was allein Frankreich für die Agrarforschung ausgibt.Und die private Agrarforschung der Industrie umfasst zwar pro Jahr 15 Milliarden Dollar.Doch nur zehn Prozent davon, rechnet Joachim von Braun vor, seien bisher relevant für den Süden.

 
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