Das Bundeskabinett hat Ende August beschlossen, im Jahr 2010/11 eine Volkszählung durchführen zu lassen. Ein solcher Zensus ist dringend notwendig, denn die Datenlage in Deutschland gilt als mangelhaft und lässt eine seriöse Planung kaum mehr zu. Ohnehin schreibt die EU allen Mitgliedstaaten und Beitrittskandidaten für 2010 eine gemeinsame Zensusrunde vor. Verlässliche Zahlen machen noch keine gute Politik. Aber ohne sie ist gute Politik nicht möglich

Es ist kaum anzunehmen, dass sich ausgerechnet jenes Land, das als einziges schon die letzte Runde im Jahr 2000 geschwänzt hat, vor einer Zählung wird drücken können.

Im Beschluss des Kabinetts heißt es, die Zählung sei so zu organisieren, dass »möglichst geringe Kosten und möglichst wenig Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger entstehen«. Doch leider hat man unter dem Diktat »leise und billig« die Datenqualität vergessen. Denn die Methode, nach der das Statistische Bundesamt sie durchführen will – und nach Auffassung des Kabinetts auch soll –, ist nicht geeignet, Antworten auf die drängendsten Fragen zu geben, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben.

Vereinfacht gesagt, gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, eine Volkszählung zu organisieren. Erstens, man schickt eine Schar von Zählern von Tür zu Tür und legt einen Bogen vor, der die wichtigsten Fragen enthält, auf die der Staat, die Wirtschaft, die Kommunen, die Rentenversicherungen, die Schulen oder Kindergärten für ihre Planung eine Antwort benötigen. Denn sinnvoll planen kann nur, wer weiß, wie viele Menschen welchen Alters und mit welchem Bildungs- und sozialen Hintergrund in welchen Regionen des Landes leben. Diese Methode ist seit historischen Zeiten erprobt und liefert in den meisten Ländern der Welt brauchbare Ergebnisse. Natürlich kann sie die Wirklichkeit nicht zu hundert Prozent abbilden, denn auch Zähler machen Fehler, und Bürger geben falsche Angaben oder sind einfach nicht anzutreffen.

Die zweite Möglichkeit, ein Volk zu zählen, bietet der so genannte registergestützte Zensus. Weshalb, so lautet die Überlegung, soll man Zehntausende von Zählern engagieren und Berge von Papier ausfüllen, wenn die Verwaltungen über Daten verfügen, aus denen ohnehin hervorgeht, was man im Rahmen einer Zählung erfahren will? Schließlich führen alle Kommunen Melderegister, die Rentenversicherungsträger wissen, wer eine Altersversorgung bezieht, die Bundesagentur für Arbeit kennt die Beschäftigten und die Arbeitslosen und so weiter. Wer diese Register auswertet, sollte doch einen Überblick über die Lage der Nation bekommen.

Genau so will das Statistische Bundesamt verfahren und zusätzlich einen Stichprobenteil der Bevölkerung nach der alten Methode befragen, um mögliche Fehler in den Registern zu erkennen. Mittels hochkomplexer mathematischer Verfahren lassen sich die Zahlen so »geraderechnen«.

Das Problem dabei ist, dass die vorhandenen Register voller Fehler stecken. Und dass sie längst nicht alle Fragen beantworten können, die für eine Bestandsaufnahme nötig wären. Wie viele Kinder die Menschen haben, ob sie die deutsche Sprache sprechen oder ob ihre Eltern aus dem Ausland zugewandert sind, geht aus keinem Register hervor.